Hossli.com https://www.hossli.com Peter Hossli, Reporter Mon, 25 May 2026 12:28:56 +0000 en-US hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Was heisst eigentlich “off the record”? https://www.hossli.com/observations/2026/05/25/was-heisst-eigentlich-off-the-record/ https://www.hossli.com/observations/2026/05/25/was-heisst-eigentlich-off-the-record/#respond Mon, 25 May 2026 12:28:56 +0000 https://www.hossli.com/?p=27639 <h1>Hossli.com » Was heisst eigentlich “off the record”?</h1><div> <h2>«Schweizer Journalist:in» zur Causa Fischer</h2> <p><strong>Die Causa Fischer hat gezeigt, wie unscharf zentrale Spielregeln des Journalismus geworden sind. Begriffe wie «off the record» oder «Background» werden unterschiedlich interpretiert – selbst unter Profis. Peter Hossli, Leiter der Ringier Journalistenschule, erklärt, was gilt.</strong></p> <p><strong>Selbst unter Journalisten herrscht Uneinigkeit. Wie definieren Sie sauber die drei Kategorien on the record, background und off the record?</strong></p> <p>Peter Hossli: Bei jedem Gespräch, das ich führe, sage ich, wer und was ich bin: «Peter Hossli, Reporter.» Folgt nichts anderes mehr, ist alles on the record, das heisst, ich kann alles Gesagte der Person zuordnen, mit der ich gesprochen habe. Sagt die Person, «das ist ein Background-Gespräch», vereinbaren wir, wie ich die Quelle umschreiben kann. Die Informationen dürfen verwendet, aber nicht direkt dem Gesprächspartner zugeordnet werden. Ein Off-the-record-Gespräch ist off the record, es darf journalistisch nichts verwendet werden. Nichts bedeutet nichts.</p> <p><strong>Sie sind amerikanisch geprägt. Hat sich in der Schweiz – im Gegensatz zum amerikanischen Journalisten-Jargon – «off the record» nicht als Sammelbegriff für «Hintergrundgespräch» etabliert?</strong></p> <p>Ein Mediensprecher sagte mir nach einem Gespräch einmal: «Natürlich war das off the record», und fügte an: «Zitieren Sie nicht namentlich, nennen Sie den Namen des Konzerns nicht, die Fakten können Sie verwenden.» Der Reporter eines Schweizer Magazins schickt mir per Mail ein paar Fragen, die ich doch bitte off the record beantworten solle. Viele Menschen, die beruflich kommunizieren, kennen die Unterschiede zwischen off the record und Background nicht, deshalb habe ich in meinem Buch «Die erste Miete ging an die Mafia» darüber geschrieben. Wenn mir jemand ein Off-the-record-Gespräch anbietet, frage ich zur Klärung immer nach, was damit gemeint ist.</p> <p><strong>«Off the record» heisst demnach, nichts darf verwendet werden. Wie gehen Sie damit um, wenn Sie in so einem Gespräch auf eine relevante Spur stossen, auf eine Information von aussergewöhnlicher Tragweite?</strong></p> <p>Ist das Gespräch klar als «off the record» definiert, verwende ich nichts daraus. Deshalb vermeide ich Off-the-record-Gespräche grundsätzlich. Ein Off-the-record-Gespräch nimmt einen Reporter in Geiselhaft. Er weiss etwas, das er nicht verwenden darf.</p> <p><strong>Muss alles abseits von «on the record» immer explizit vereinbart werden – oder gibt es Situationen, in denen es implizit gilt?</strong></p> <p>Wer als Reporter keine Quellen verbrennen will, vereinbart immer die Art und Weise, wie eine Information verwendet werden darf. Und er hält sich daran. Bricht er die Abmachung, ist sein Ruf rasch ruiniert. Besonders wichtig ist das bei einem Hintergrundgespräch. Zitieren Sie in «Schweizer Journalist:in» anonym einen Mitarbeiter von Ringier, können das Tausende sein, bei einem Kader oder einer Chefredaktorin ist der Kreis schon kleiner. Bei Hintergrundgesprächen gilt es auszuhandeln, wie eine Quelle umschrieben wird.</p> <p><strong>Wie gehen Sie mit anonymen Quellen um?</strong></p> <p>Da sehe ich ein noch grösseres Problem als beim Unterschied von Background und off the record. Mir fällt auf, dass zunehmend bei harmlosen gesellschaftlichen Artikeln anonyme Quellen zu Wort kommen, etwa, wenn es ums Daten oder Abnehmen oder Eisbaden geht. Da gibt es keinerlei Gründe, eine Quelle zu schützen. Texte mit anonymen Quellen haben eine tiefe Glaubwürdigkeit.</p> <p><strong>Ein nicht mediengeschulter Interviewpartner kann eine vertraulich anmutende Atmosphäre während eines Treffens möglicherweise falsch interpretieren. Welche Verantwortung hat der Journalist in dieser Situation?</strong></p> <p>Das hängt sehr von der Person ab. Ein Reporter darf eine Situation nicht ausnutzen. Jemand muss wissen und verstehen, dass er oder sie an die Öffentlichkeit tritt. Eine Medienschulung ist aber keine Voraussetzung.</p> <p><strong>Im Fall Fischer: Wo lag aus Ihrer Sicht der entscheidende Fehler – bei der Quelle, beim Journalisten oder im Umgang mit den Gesprächsregeln?</strong></p> <p>Ich kenne die Umstände des Falls Fischer zu wenig. Ich war bei diesem Mittagessen nicht dabei. Soweit ich weiss, waren mehrere Personen am Tisch, was die Voraussetzung für ein Off-the-record-Gespräch fast verunmöglicht.</p> <p><strong>Wie handhaben Sie solche Situationen selbst konkret im Alltag – klären Sie Begriffe vorab?</strong></p> <p>Führe ich ein Gespräch, weiss das Gegenüber immer, dass ein Reporter vor ihm steht. Wenn mir jemand etwas erzählt, das ich für berichtenswert erachte, dann kläre ich die Umstände der Verwendung sofort ab. Vor wenigen Jahren haben die Präsidentin und der Präsident von Ständerat und Nationalrat mehrere Medienschaffende in New York zu einem Mittagessen in einem italienischen Lokal eingeladen. Zu Beginn hiess es: Was hier gesagt wird, sei off the record. Da bin ich aufgestanden, gegangen und habe im Central Park ein Sandwich gegessen.</p> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/observations/2026/05/25/was-heisst-eigentlich-off-the-record/feed/ 0 Des millions y sont produits chaque année: Sialkot, là où naissent les ballons de football https://www.hossli.com/articles/2026/05/14/des-millions-y-sont-produits-chaque-annee-sialkot-la-ou-naissent-les-ballons-de-football/ https://www.hossli.com/articles/2026/05/14/des-millions-y-sont-produits-chaque-annee-sialkot-la-ou-naissent-les-ballons-de-football/#respond Thu, 14 May 2026 16:19:10 +0000 https://www.hossli.com/?p=27549 <h1>Sialkot, là où naissent les ballons de football</h1><p>À Sialkot, au Pakistan, naissent les ballons des plus grandes compétitions. Une industrie mondiale, entre savoir-faire artisanal, haute technologie et fragilités géopolitiques. </p><div> <p><img alt="" decoding="async" fetchpriority="high" height="1333" sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A5994-Kopie.jpg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A5994-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A5994-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A5994-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A5994-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A5994-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" width="2000"></img></p> <p>De <a href="http://www.hossli.com/about" rel="noopener" target="_blank">Peter Hossli</a> (texte) et <a href="http://www.stefanbohrer.com" rel="noopener" target="_blank">Stefan Bohrer</a> (photos)</p> <p>Un gardien porte une arme, un autre fouille les ouvriers. Tous déposent leur téléphone portable sur une table. À 8h03, la sirène retentit, le portail de l’usine se ferme. Ceux qui sont encore dehors n’entrent plus. Des hommes à moto font demi-tour et rentrent chez eux. Aujourd’hui, ils ne coudront pas de ballons.</p> <p>Pourtant, à Sialkot, on ne fait presque rien d’autre. Cette ville du nord-est du Pakistan, située à 14 kilomètres de la frontière indienne, n’est pas une destination touristique. C’est une ville où l’on passe commande.</p> <p>Environ 70% de tous les ballons de football du monde y sont fabriqués. Y compris ceux qui rouleront cet été sur les pelouses de la Coupe du monde aux États-Unis, au Canada et au Mexique. Plus de 200 entreprises produisent à Sialkot des ballons professionnels haut de gamme, des ballons d’entraînement, des ballons pour enfants et des gadgets publicitaires bon marché. «Du matchball au toyball», comme on dit là-bas. Les ballons officiels de Coupe du monde viennent de Sialkot depuis 1982. Depuis que l’Italie est devenue championne du monde en Espagne avec le «Tango España».</p> <p>Au troisième étage de l’usine d’Anwar Khawaja Industries s’ouvre une vaste salle. Des ventilateurs tournent au plafond, les fenêtres sont ouvertes. Dehors, il fait 36 degrés. À l’intérieur, la température est agréable. Des ballons de football et de handball semi-finis reposent dans des paniers métalliques. Des hommes, assis devant des machines à coudre, assemblent les panneaux.</p> <p>Selon le ballon, ils changent de fil: orange pour le ballon orange, blanc pour le blanc, bleu pour le bleu. L’un d’eux s’appelle Imran, il a 25 ans. Il porte le maillot de l’équipe locale de cricket, ses cheveux sont noirs et épais. D’une main sûre, il guide le ballon semi-fini sous l’aiguille de la machine à coudre, qui frappe à cadence régulière. «C’est notre meilleur couturier», dit son chef.</p> <p>Imran parle le pendjabi, il lit et écrit difficilement. Mais ses coutures sont impeccables. Il fabrique environ 25 ballons par jour. Bientôt, l’un d’eux pourrait être frappé, repris de la tête ou détourné en touche par une star européenne du football.</p> <p>Les professionnels pensent d’ailleurs rarement à la manière dont ce ballon a été fabriqué. À Sialkot, il existe trois méthodes courantes pour fabriquer des ballons de football. Certains sont encore entièrement cousus à la main. D’autres sont assemblés à la machine. Dans le procédé le plus moderne et le plus coûteux, une ouvrière soude les panneaux sous chaleur et pression dans un moule en acier.</p> <p><strong>Les soldats britanniques avaient besoin de ballons</strong></p> <p>Le savoir-faire technique de cette ville s’est développé sur plus de 175 ans. Vers 1850, une garnison britannique s’installe à Sialkot. Les artisans locaux fabriquent d’abord des instruments pour l’hôpital militaire, puis des équipements de jeu pour la cour de la caserne.</p> <p>L’origine de cette industrie tient à une simple réparation: un cordonnier local répare un ballon abîmé, puis en coud un deuxième. Le cuir de buffle ne manque pas. Les ateliers deviennent des entreprises, les entreprises deviennent des usines. Bien avant que les Britanniques ne divisent le sous-continent et que le Pakistan ne devienne indépendant, en 1947, Sialkot disposait déjà d’un véritable pôle industriel.</p> <p>Là-bas, le véritable essor du football intervient dans les années 1970, lorsque l’ancien gardien danois Eigil Nielsen (1918-2000) s’associe à l’entrepreneur pakistanais Anwar Khawaja. Ce dernier avait fondé en 1951 une petite usine à Sialkot, où il faisait fabriquer des ballons à 18 panneaux en cuir bovin.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3137-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3137-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3137-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3137-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3137-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3137-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>Il utilisait la peau de jeunes animaux, car ce cuir se détendait moins. En 1964, il devient la première entreprise de Sialkot à obtenir une homologation de la FIFA pour son ballon. Mais le cuir avait un défaut: il absorbait l’eau. Et le football se joue souvent sous la pluie, en tout cas en Europe, où se trouvaient alors presque tous les clients.</p> <p>Nielsen développe alors pour son entreprise danoise Select Sports un ballon imperméable en matière synthétique. Il invente le système de valve et conçoit la structure à 32 panneaux composée de 20 hexagones et 12 pentagones. C’est cette forme qui fait du ballon une sphère presque parfaite.</p> <p><strong>Le début d’une amitié</strong></p> <p>Nielsen et Khawaja se rencontrent à Copenhague en 1957. Ils restent amis, mais ne deviennent partenaires commerciaux qu’en 1975. «Je suis prêt pour Sialkot», aurait dit Nielsen à Khawaja. Il apporte des panneaux, les fait coudre et se dit impressionné par la précision artisanale des ouvriers pakistanais.</p> <p>Nielsen transmet à Khawaja la technologie du ballon moderne: cuir synthétique, revêtement en polyuréthane, système de valve, structure à 32 panneaux. En échange, Khawaja promet d’une poignée de main de ne vendre ses ballons qu’à lui. «C’est le moment qui a changé Sialkot pour toujours», raconte le fils de Khawaja, Khurram.</p> <p>En peu de temps, le savoir se diffuse dans toute la ville: dans les stands de thé, par les fournisseurs, les clients et les ouvriers qui changent d’entreprise. En 1975, les exportations pakistanaises de ballons représentaient encore quelques millions de dollars. Elles franchissent bientôt la barre des cent millions. Aujourd’hui, environ 40 millions de ballons quittent chaque année le pays, pour un volume d’exportation proche du milliard de dollars.</p> <p>Le patron lui-même fait visiter son usine. «Docteur Khurram» sait de quoi il parle. Khawaja fils étudie la médecine pendant cinq ans, puis travaille dans un hôpital. Avant d’avouer un jour à son père: «J’ai fait une erreur. Je préfère fabriquer des ballons». Son père l’accepte dans l’entreprise à une condition: «Tu dois coudre un ballon de football à la main. Seulement s’il est parfait, tu pourras travailler ici».</p> <p>Quelques mois plus tard, Khurram pose un ballon sur la table de son père. Celui-ci l’examine et répond: «D’accord». Aujourd’hui, Khurram Khawaja dirige l’un des plus grands fabricants de ballons au monde. Son entreprise produit pour Select Sports et Derbystar. Donc les ballons de match des championnats scandinaves, tchèque et autrichien, des Pays-Bas, et, jusqu’à cet été encore, ceux de la Bundesliga allemande et de la Coupe d’Allemagne.</p> <p>L’usine, située au milieu de Sialkot, compte plusieurs étages et ressemble à un labyrinthe. L’air sent le plastique, la colle et la peinture. Chaque département suit son propre rythme, possède son propre bruit.</p> <p><strong>Du morceau plat à la sphère parfaite</strong></p> <p>Les ballons naissent à plat. D’abord, des ouvriers assemblent des couches de matière synthétique, de latex et de mousse afin de fabriquer un cuir artificiel. Le matériau laminé sèche ensuite pendant deux jours. On y découpe alors les 32 panneaux du ballon. Une ouvrière perce ensuite les trous destinés aux valves.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3593-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3593-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3593-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3593-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3593-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3593-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>La peinture et les logos sont appliqués à la main en sérigraphie. Un ballon comportant quatre couleurs passe par quatre étapes d’impression; quatre personnes interviennent successivement. Les panneaux circulent de table en table et doivent sécher après chaque passage.</p> <p>Les panneaux imprimés sont ensuite regroupés par sets puis emballés dans des sachets plastiques, avec une vessie munie d’une valve et la quantité de fil nécessaire. Chaque sachet contient ainsi un ballon complet. Encore plat et démonté, mais déjà prêt à devenir une sphère entre des mains humaines.</p> <p>Les ouvriers réalisent d’abord à la machine les coutures de base des deux moitiés du ballon. Une machine spéciale assemble ensuite l’ensemble, à l’exception des trois derniers panneaux. Les couturiers retournent alors le ballon, couture vers l’intérieur. À la main, ils insèrent la vessie et l’alignent au millimètre près avec l’ouverture de la valve.</p> <p><strong>Ce qu’un ballon doit supporter</strong></p> <p>Enfin, les couturiers les plus expérimentés referment les panneaux restants, l’étape la plus délicate de la production. Il faut trois à quatre mois pour l’apprendre, une année pour réellement la maîtriser. Si l’aiguille touche la vessie, le ballon est bon à jeter. Si la fermeture réussit, personne ne voit quel panneau est resté ouvert en dernier.</p> <p>Des ouvriers inspectent ensuite chaque ballon sous toutes les coutures pendant une vingtaine de secondes. L’impression est-elle correcte? Les coutures sont-elles précises? Le ballon est-il bien rond? «Chaque ballon doit être parfait visuellement», dit Khurram. Là où la couleur a disparu pendant la couture, des peintres retouchent le ballon avec de fins pinceaux.</p> <p>Tout repose sur la géométrie. «Si les différents panneaux diffèrent même très légèrement, le ballon ne sera jamais rond.» Un détecteur de métaux recherche ensuite tout ce qui n’a rien à faire dans un ballon: aiguilles cassées, éclats métalliques, boucles d’oreilles, batteries. Lorsqu’il trouve quelque chose, le ballon est opéré, explique l’ancien médecin. «Nous ouvrons le ballon, retirons l’objet puis le refermons.»</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3259-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3259-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3259-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3259-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3259-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3259-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>Une machine mesure alors la courbure du ballon en des milliers de points. Selon les normes FIFA, l’écart maximal autorisé est de 1,5%. Dans le laboratoire de recherche au sous-sol se trouve une cage d’acier équipée d’une machine à tirs. Elle propulse le ballon encore et encore contre un mur. Il doit résister à 2000 frappes pour satisfaire aux normes FIFA. Les meilleurs ballons en supportent plus de 3000.</p> <p>Le laboratoire est dirigé par Mohammed Hussein. Plusieurs ingénieurs y travaillent sur les matériaux, la forme et la technologie. Pour Select, l’équipe de Hussein a développé le premier ballon doté d’une puce intégrée, une technologie capable de détecter si le ballon a entièrement franchi la ligne de but. «Frapper dans un ballon n’est pas difficile», dit Hussein. «Fabriquer un bon ballon, en revanche, l’est.»</p> <p>Un artisanat qui disparaît</p> <p>Chez Anwar Khawaja Industries, de nombreux ballons sont encore entièrement cousus à la main. Un couturier expérimenté en réalise quatre par jour, soit environ un ballon toutes les deux heures. Mais les spécialistes se font rares et les coûts augmentent. Les jeunes apprennent de moins en moins la couture manuelle. «Un artisanat vieux de 150 ans va probablement disparaître dans les cinq à dix prochaines années», craint le CEO Khurram.</p> <p>Adidas mise depuis longtemps sur la fabrication mécanique. Select et Derbystar continuent de privilégier les ballons cousus à la main. Pourquoi Khurram n’arrête-t-il pas? «Tant qu’on peut les vendre, ces ouvriers auront du travail», répond-il.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3387-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3387-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3387-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3387-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3387-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4A8A3387-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>Khurram se considère comme un patron paternaliste. Pour ses 4000 employés, il fait préparer chaque jour un repas de midi. Le salaire de départ correspond à environ 190 dollars par mois; les couturières et couturiers particulièrement habiles gagnent souvent plus qu’un policier ou qu’une enseignante. Khurram prend également en charge l’assurance maladie et accorde des jours de congé payés.</p> <p>Travailler ici signifie avoir un emploi fixe dans un pays où cela reste loin d’être une évidence. Comme tout le monde ne peut pas s’offrir une moto ou le trajet quotidien en bus jusqu’à l’usine, Khurram fait livrer des kits prêts à l’emploi dans les villages: panneaux, fils, vessies, tout ce qu’il faut pour fabriquer un ballon. Là-bas, femmes et hommes les assemblent à la main.</p> <p>La route menant à l’un de ces centres de couture est une piste de gravier partagée entre voitures et buffles d’eau. Dans le hall, des ventilateurs bourdonnent sous le haut plafond. Il fait clair, de l’air chaud entre par les fenêtres ouvertes.</p> <p>Environ 25 femmes sont assises en petits groupes, généralement par quatre, sur de petites chaises posées sur des tapis. Elles cousent des ballons à la main. Leurs gestes sont rapides et réguliers. Avec leurs pieds, elles maintiennent le ballon; avec leurs deux mains, elles tirent le fil à travers les panneaux pré-percés. Les femmes parlent à voix basse; parfois, l’une d’elles rit.</p> <p>Un travail hors de la maison</p> <p>Dans le fond de la salle, de jeunes enfants jouent. À une table, deux filles font leurs devoirs. Une femme garde un œil sur tout le monde. C’est la garderie du centre.</p> <p>Les femmes qui ne peuvent pas aller en ville, parce que le trajet est trop long, parce qu’elles ont des enfants ou parce que leur quotidien ne le permet pas, trouvent ici du travail. Avec le même salaire qu’à l’usine. L’une d’elles s’appelle Areeba, elle a 20 ans et c’est une couturière talentueuse. Elle coud des ballons depuis deux ans. À 18 ans, elle a obtenu sa carte d’identité pakistanaise, indispensable pour accéder à un emploi officiel.</p> <p>Ce qu’elle aime dans ce travail? «J’en ai besoin», répond Areeba. Elle ne parle pas seulement de l’argent. Elle parle aussi des autres femmes, de la communauté, d’un lieu situé en dehors de la maison.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A8021-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A8021-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A8021-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A8021-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A8021-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A8021-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>Le soir, une camionnette vient récupérer les ballons terminés et les ramène à l’usine. Ils y subissent le dernier contrôle qualité.</p> <p>Si ces centres existent, c’est grâce à Nasir Dogar. Cet homme de 72 ans est arrivé d’Islamabad à Sialkot en 1998 pour résoudre un problème. Il est resté afin qu’il ne réapparaisse pas. Avec son organisation IMAC, Dogar contrôle depuis près de trente ans si des enfants participent à la fabrication des ballons de football. Ses équipes visitent sans prévenir les usines, les centres de couture et les maisons privées.</p> <p>Au milieu des années 1990, Sialkot subit une forte pression internationale. La télévision américaine diffuse des images d’enfants prétendument enchaînés en train de coudre des ballons. Un membre du Congrès américain lance la «Foul Ball Campaign», Adidas et Nike menacent de se retirer.</p> <p>Selon Dogar, ces images étaient exagérées, mais le problème était réel. «Il y avait des enfants qui travaillaient. Mais pas dans les proportions décrites.» Les jeunes cousaient surtout des ballons de rue bon marché, pas des ballons de match. Pour ces derniers, il faut la force d’adultes.</p> <p><strong>La leçon du travail des enfants</strong></p> <p>À l’époque, les fabricants remettaient les matériaux à des sous-traitants, qui les distribuaient ensuite à des familles travaillant à domicile. Personne ne savait qui assemblait finalement les ballons. Dans certaines familles, des enfants participaient. Non parce qu’ils coûtaient moins cher, mais parce qu’ils n’allaient pas à l’école.</p> <p>En 1997, l’OIT, l’UNICEF et les fabricants d’articles de sport de Sialkot signent à Atlanta un accord de surveillance. Les entreprises mettent en place des centres de couture et retirent la production des maisons privées. Comme beaucoup de femmes ne pouvaient ou ne voulaient pas quitter leur domicile, une solution pragmatique est trouvée: dès que trois femmes se réunissaient dans une maison pour coudre, celle-ci était enregistrée comme centre officiel.</p> <p>Depuis, Dogar surveille le système. Pour visiter les maisons et les centres, il emploie des femmes. «Au Pakistan, une femme a plus de chances qu’un homme de se voir ouvrir une porte», explique-t-il. Aujourd’hui, il trouve environ tous les six mois quelque part un enfant en train de coudre un ballon. Non comme travailleur, mais parce qu’il est assis à côté de sa mère et participe.</p> <p>Au départ, 180 entreprises participaient au programme de Dogar. Aujourd’hui, elles sont encore environ 50, parmi lesquelles tous les grands fabricants, y compris Forward Sports, fournisseur d’Adidas, même si l’entreprise ne coud plus à la main.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7158-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7158-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7158-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7158-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7158-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7158-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>Mais plus encore que le travail des enfants, un autre problème préoccupe désormais Dogar: les contrefaçons. Des fabricants produisent plus de ballons que commandé et écoulent le surplus sur le marché noir. Ou des ballons blancs sans marquage sont exportés vers Dubaï, imprimés sur place puis revendus comme des produits de marque.</p> <p>Khawaja Masood Akhtar est lui aussi concerné. Dans sa bibliothèque se trouvent un ballon en peau de vache et tous les ballons Adidas de Coupe du monde depuis 2014. Masood, 77 ans, est le fondateur et président du conseil d’administration de Forward Sports. Il fait servir café et biscuits et précise d’emblée: «Je vous parle, mais vous ne verrez pas l’usine».</p> <p><strong>Le ballon secret, sans couture</strong></p> <p>La raison est simple: le secret industriel. Dans ses halls situés à la périphérie de Sialkot sont fabriqués des ballons qui n’ont pas encore été lancés sur le marché. Si une photo du futur ballon de Bundesliga était rendue publique, des fabricants chinois pourraient rapidement produire des copies bon marché. Ce serait un problème pour Forward Sports, et également pour son client Adidas. Dès la saison prochaine, le géant allemand de l’équipement sportif fournira le ballon officiel des championnats allemands.</p> <p>Après l’entretien, Masood montre finalement l’usine. Caméra et carnet de notes doivent rester dehors. On découvre un site de production ultramoderne. Des lasers découpent le plastique, des robots déplacent les matériaux, les sols brillent.</p> <p>Ici, les ballons ne sont plus cousus. Ils sont soudés. «Pour ce ballon, pas une seule aiguille n’est utilisée», dit Masood en tenant le ballon de la Coupe du monde dans ses deux mains. Il est sans couture, «thermobonded», selon le terme technique. Les panneaux fusionnent sous l’effet de la chaleur et de la pression. Ainsi, aucune eau ne pénètre. Le poids reste identique qu’il fasse soleil, qu’il pleuve ou qu’il neige.</p> <p>Masood fonde Forward Sports en 1991. Il avait étudié le génie civil et un poste dans les chemins de fer pakistanais l’attendait déjà. Mais son oncle, qui dirigeait une fabrique de ballons à Sialkot, en décidait autrement: «Tu viens ici et tu commences à produire des ballons». Masood obéit. «Au Pakistan, la famille est forte», dit-il. La passion vient plus tard. Aujourd’hui, Masood tient fièrement le ballon du Mondial entre ses mains, comme une pièce à conviction. «C’est le meilleur ballon de la planète», affirme-t-il. «Le fabriquer est un rêve pour tous ceux qui travaillent dans ce secteur.»</p> <p>Qu’est-ce qui fait un ballon parfait? Masood ne réfléchit pas longtemps: «Il doit avoir la meilleure trajectoire possible. On doit pouvoir l’envoyer exactement là où on le souhaite. Et ni la pluie ni la neige ne doivent pouvoir l’affecter.»</p> <p>Forward Sports emploie environ 9000 personnes dans trois usines et produit jusqu’à 22 millions de ballons par an. L’entreprise a fabriqué son premier ballon de Coupe du monde pour le Brésil en 2014: le Brazuca. Depuis, elle participe à chaque production mondiale. Le développement d’un nouveau ballon de match prend trois à quatre ans. Pour cela, l’entreprise dispose de son propre département de recherche.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7967-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7967-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7967-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7967-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7967-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7967-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>L’entreprise détient un brevet sur un ballon sans air et donc sans vessie. Il existe déjà pour les enfants. Reste à savoir quand les professionnels joueront avec. Le concept d’un nouveau ballon vient toujours d’Adidas, explique Masood. «Nous le concrétisons, nous décrivons les problèmes et nous les résolvons.» Une entreprise chinoise participe également au développement et produit en Indonésie pour Adidas. Pakistanais et Chinois sont donc à la fois concurrents et partenaires.</p> <p>Le ballon officiel ne représente qu’une petite partie de la production. Les volumes proviennent des répliques, des ballons d’entraînement et d’entrée de gamme. Pour la Coupe du monde 2026, Forward Sports a produit la plus grande quantité de son histoire. Selon Masood, 95% des ballons ont déjà été expédiés.</p> <p><strong>Les conséquences de la guerre en Iran</strong></p> <p>D’autres entreprises de Sialkot ressentent en revanche les conséquences de la guerre entre les États-Unis et l’Iran. Les livraisons transitant par la mer d’Arabie n’arrivent plus de manière fiable. Ceux qui veulent encore livrer à temps des ballons publicitaires avant la Coupe du monde doivent souvent recourir au fret aérien, à près de 10 dollars par kilogramme. Un ballon de football pèse environ un demi-kilo; le transport coûte donc à lui seul environ 5 dollars par ballon. Par voie maritime, cela coûterait moins de 50 centimes.</p> <p>Pendant une Coupe du monde, à Sialkot, ce ne sont généralement pas seulement les grandes marques sportives qui commandent, mais aussi des dizaines de multinationales comme Coca-Cola ou McDonald’s. Elles ne commandent pas 500 ballons, mais 500’000, imprimés avec leur logo.</p> <p>À cause de la guerre, une partie de ce marché disparaît désormais.</p> <p>La Chine constitue difficilement une alternative pour les acheteurs américains puisque les États-Unis imposent des droits de douane de près de 150% sur les produits chinois. Ainsi, la Coupe du monde 2026, la plus grande de l’histoire, avec trois pays hôtes, 48 équipes et un immense marché américain, pourrait devenir la Coupe du monde avec le moins de ballons promotionnels depuis des décennies. «Pendant cette Coupe du monde aux États-Unis, on ne verra pas beaucoup d’opérations promotionnelles avec des ballons», estime Syed Ahtesham Mazar, président de la chambre de commerce de Sialkot. «La guerre a tout bouleversé.»</p> <p>Mazar ne perd pourtant pas son optimisme. Sialkot pense à long terme. Le volume d’exportation de la ville atteint presque trois milliards de dollars. Rien qu’au cours des deux dernières années, plus de 12’000 nouvelles entreprises ont vu le jour, souvent fondées par de jeunes diplômés universitaires qui préfèrent créer leur propre activité plutôt que chercher un emploi. Ils vendent via Alibaba, Amazon ou eBay et deviennent en quelques années de petites PME.</p> <p>Le football est le produit le plus connu de Sialkot, mais il est loin d’être le seul. La ville fabrique des instruments chirurgicaux, des articles en cuir, des textiles, des vêtements de sport, des gants, des crosses de hockey, des équipements de cricket et même des instruments de musique. Aucune autre ville du Pakistan n’affiche un revenu par habitant aussi élevé.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7443-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7443-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7443-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7443-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7443-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7443-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> <p>Sialkot possède son propre aéroport international, financé par des fonds privés et lancé à l’initiative de la chambre de commerce. Depuis peu, la ville dispose même de sa propre compagnie aérienne, Sial Air. Pour un pays d’environ 260 millions d’habitants, comptant moins de 50 avions et un trafic aérien assuré à près de 80% par des compagnies du Moyen-Orient, c’est remarquable. Sial Air dessert Riyad, Djeddah, Dammam, Médine, Mascate, Dubaï et Abou Dhabi, là où vivent de nombreux travailleurs migrants pakistanais.</p> <p>La ville exportatrice et vulnérable</p> <p>Mais comme Sialkot vit presque exclusivement de l’exportation, la ville reste vulnérable. L’histoire de la raquette de badminton le montre bien. Dans les années 1970, les usines de Sialkot dominaient le marché avec des raquettes en bois. Puis la Chine et Taïwan sont arrivés avec des raquettes en graphite et en acier. Le Pakistan a raté cette nouvelle technologie. Le marché était perdu.</p> <p>Pour les ballons, Sialkot a retenu la leçon. Les fabricants ont investi dans les machines, le thermo-bonding et les technologies hybrides. Il y a vingt ans, la ville comptait environ 2000 producteurs de ballons de football; ils ne sont plus qu’environ 200 aujourd’hui. Beaucoup de petites entreprises ont disparu, car les nouvelles technologies exigent du capital. «Ce n’est pas l’amour de nos clients qui les pousse à travailler avec nous», dit Mazar. «Ils ont besoin de bons produits. Et si nous ne restons pas au niveau sur le plan technique, nous sommes éliminés.»</p> <p>À cinq heures, la sirène retentit. Le service est terminé. Des milliers de personnes quittent l’usine, hommes et femmes séparément. À la sortie, ils se mettent en rang et sont contrôlés. Pour éviter que quelqu’un emporte un ballon. Des hommes viennent chercher leur femme à moto. Les bus se remplissent. Certains sont réservés aux femmes. Devant le portail, un homme presse du jus de canne à sucre.</p> <p>Sur la route vers Lahore, nous nous arrêtons dans un centre commercial lumineux. Puma, Nike et Adidas y vendent des ballons. Ceux de Puma viennent du Pakistan. Ceux de Nike du Vietnam. Adidas propose le ballon officiel, fabriqué en Indonésie. À côté, une réplique moins chère produite en Chine.</p> <p>Au Pakistan, où naît l’un des meilleurs ballons du monde, les rayons sont remplis de marchandises importées.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7512-Kopie.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7512-Kopie.jpg 2000w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7512-Kopie-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7512-Kopie-1024x682.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7512-Kopie-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/005A7512-Kopie-1536x1024.jpg 1536w" decoding="async" height="1333" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202000%201333'%3E%3C/svg%3E" width="2000"></img></p> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/articles/2026/05/14/des-millions-y-sont-produits-chaque-annee-sialkot-la-ou-naissent-les-ballons-de-football/feed/ 0 Wie kam die Witschi-Neukom-Geschichte zustande? https://www.hossli.com/observations/2026/05/09/wie-kam-die-witschi-neukom-geschichte-zustande/ https://www.hossli.com/observations/2026/05/09/wie-kam-die-witschi-neukom-geschichte-zustande/#respond Sat, 09 May 2026 18:59:38 +0000 https://www.hossli.com/?p=27483 <h1>Hossli.com » Wie kam die Witschi-Neukom-Geschichte zustande?</h1><div> <p><img alt="" decoding="async" fetchpriority="high" height="1066" sizes="(max-width: 1600px) 100vw, 1600px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4819aff2-ce21-478f-9438-b810f75e7da3.jpeg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4819aff2-ce21-478f-9438-b810f75e7da3.jpeg 1600w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4819aff2-ce21-478f-9438-b810f75e7da3-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4819aff2-ce21-478f-9438-b810f75e7da3-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4819aff2-ce21-478f-9438-b810f75e7da3-768x512.jpeg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/05/4819aff2-ce21-478f-9438-b810f75e7da3-1536x1023.jpeg 1536w" width="1600"></img></p> <p>Die Schweiz redet über Kunst. Auslöser war ein Auftrag des Zürcher Regierungsrats Martin Neukom an den Künstler <a href="https://www.handbook.org" rel="noopener" target="_blank">Hans Witschi</a>: ein Porträt für die Ahnengalerie. Witschi malte drei Versionen. Neukom lehnte alle drei ab. Am 19. April habe ich die Recherche dazu im <a href="https://www.blick.ch/politik/eklat-um-portrait-gemaelde-von-zuercher-regierungsrat-martin-neukom-ich-fuehle-mich-entstellt-id21881460.html">SonntagsBlick</a> publiziert.</p> <p>Was folgte, war kein Skandal, sondern eine Debatte, die sogar die Westschweiz erreichte.</p> <p>Gibt es eine private Ästhetik bei einem staatlichen Auftrag? Soll der Staat Künstler beauftragen, die Politiker in Öl malen? Was ist Kunst? Wie frei ist Kunst?</p> <p>Die Schweiz diskutierte ernsthaft. Von einigen deplatzierten Online-Kommentaren abgesehen, war das Niveau in über 150 Artikeln, Fernseh- und Radiobeiträgen hoch.</p> <p>Letzte Woche trafen sich in Zürich über hundert Personen, um mit Hans Witschi darüber zu reden – leider ohne Regierungsrat Neukom.</p> <p>Ich werde oft gefragt: Wie hast du diese Geschichte gefunden? Hat Witschi dich angerufen und sie dir gesteckt?</p> <p>Nein. Wie fast immer lag die Geschichte auf der Strasse. Genauer: in einem Korridor des Coops im Zürcher Quartier Seefeld.</p> <p>Witschi und ich kennen uns noch nicht lange. 1991 berührte mich der Dokumentarfilm «Witschi geht» über seine Auswanderung nach New York. Ein paar Jahre nach ihm zog ich ebenfalls nach New York. Begegnet sind wir uns dort nie.</p> <p>Kennengelernt haben wir uns vor einem halben Jahr an einer Tramhaltestelle im Seefeld, wo wir beide wohnen. Wir merkten rasch: zwei New Yorker in Zürich. Ein zweites Mal trafen wir uns im Literaturhaus.</p> <p>Irgendwann im Februar kaufte ich im Coop Kaffee. Witschi fuhr im Rollstuhl durch denselben Korridor, auf dem Weg zum Fencheltee. Er fragte, woran ich gerade sei. Ich erzählte ihm von einer bevorstehenden Reportagereise in die USA und fragte zurück.</p> <p>Etwas zermürbt schilderte er, dass ihn Neukom mit dem offiziellen Porträt beauftragt habe – und dass der Regierungspräsident bereits zwei fertige Versionen abgelehnt habe. Er erzählte vom E-Mail, in dem Neukom geschrieben habe, er wolle als jung, frisch und modern gesehen werden; so sähe er sich in den Porträts nicht.</p> <p>Was für eine Geschichte, dachte ich – und sagte es ihm noch im Coop. Gleichzeitig versprach ich Vertraulichkeit: Ich publiziere nur, wenn Neukom auch das nächste Bild ablehne, an dem Witschi bereits arbeitete.</p> <p>Nach meiner Rückkehr aus den USA meldete sich Witschi: Neukom wolle auch das dritte Porträt nicht.</p> <p>Jetzt musste es schnell gehen. Der Künstler und ich trafen uns zu einem längeren Gespräch. Witschi konnte den Fall dokumentieren – mit E-Mails, Skizzen und Notizen.</p> <p>Mir war es wichtig, sachlich zu erzählen: mit Fakten statt Polemik. Und man sollte die Gemälde sehen können. Mit dem Fotografen <a href="http://www.stefanbohrer.com" rel="noopener" target="_blank">Stefan Bohrer</a> besuchte ich Witschis Atelier ein zweites Mal.</p> <p>Zuletzt konfrontierte ich Neukoms Medienstelle.</p> <p>Nun war die Geschichte druckreif.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-scaled.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-scaled.jpg 2560w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-1024x683.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-1536x1024.jpg 1536w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-2048x1365.jpg 2048w" decoding="async" height="1707" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202560%201707'%3E%3C/svg%3E" width="2560"></img></p> <p>Fotos: Laura Egger (oben), <a href="http://www.stefanbohrer.com" rel="noopener" target="_blank">Stefan Bohrer</a> (unten)</p> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/observations/2026/05/09/wie-kam-die-witschi-neukom-geschichte-zustande/feed/ 0 Wahrheit um jeden Preis? Wo sind die Grenzen des Journalismus? https://www.hossli.com/observations/2026/04/28/wahrheit-um-jeden-preis-wo-sind-die-grenzen-des-journalismus/ https://www.hossli.com/observations/2026/04/28/wahrheit-um-jeden-preis-wo-sind-die-grenzen-des-journalismus/#respond Tue, 28 Apr 2026 21:36:49 +0000 https://www.hossli.com/?p=27455 <h1>Hossli.com » Wahrheit um jeden Preis? Wo sind die Grenzen des Journalismus?</h1><h2>By Name*</h2><section data-rocket-location-hash="cc00dccff961a81337338a2ab22b0b29" id="content" role="main"> <article id="post-27455"> <header role="heading"> <div id="breadcrumb"><p>You are here: </p><a href="https://www.hossli.com">Home</a><p> » </p><a href="https://www.hossli.com/category/observations/">Observations</a><p> » </p><strong>Wahrheit um jeden Preis? Wo sind die Grenzen des Journalismus?</strong></div> </header> <div> <p><a href="https://www.telezueri.ch/talktaeglich/wahrheit-um-jeden-preis-wo-sind-die-grenzen-des-journalismus-163781281" rel="noopener" target="_blank"><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/bigi_hossli.png" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/bigi_hossli.png 350w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/bigi_hossli-300x167.png 300w" decoding="async" fetchpriority="high" height="195" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%20350%20195'%3E%3C/svg%3E" width="350"></img></a>Ein Journalist deckt einen Skandal auf und wird selbst zur Zielscheibe. Der Fall um den ehemaligen Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer und SRF-Journalist Pascal Schmitz hat eine Grundsatzdebatte ausgelöst: Was dürfen Journalistinnen und Journalisten? Wo liegt die Grenze zwischen berechtigter Recherche und Vertrauensbruch? Wann ist eine Geschichte relevant genug, um sie publik zu machen? Und welche Verantwortung tragen Medien für die Folgen ihrer Berichterstattung?</p> <p>Darüber diskutieren Markus Somm und Peter Hossli mit Hugo Bigi im <a href="https://www.telezueri.ch/talktaeglich/wahrheit-um-jeden-preis-wo-sind-die-grenzen-des-journalismus-163781281" rel="noopener" target="_blank">«TalkTäglich»</a></p> </div> </article> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/observations/2026/04/28/wahrheit-um-jeden-preis-wo-sind-die-grenzen-des-journalismus/feed/ 0 Medienpreis Nordwestschweiz 2025 https://www.hossli.com/observations/2026/04/28/medienpreis-nordwestschweiz-2025/ https://www.hossli.com/observations/2026/04/28/medienpreis-nordwestschweiz-2025/#respond Tue, 28 Apr 2026 10:04:47 +0000 https://www.hossli.com/?p=27432 <h1>Hossli.com » Medienpreis Nordwestschweiz 2025</h1><div> <p><em><img alt="" decoding="async" fetchpriority="high" height="533" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/IMG_5396.jpeg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/IMG_5396.jpeg 400w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/IMG_5396-225x300.jpeg 225w" width="400"></img>Mit meinem <a href="https://www.hossli.com/articles/2025/11/09/die-schweiz-zahlte-den-vorfahren-von-steve-jobs-2075-franken-damit-sie-nach-amerika-auswanderten/">Artikel über die Schweizer Wurzeln von Steve Jobs</a> wurde ich 2025 mit dem Hauptpreis des Medienpreis Nordwestschweiz ausgezeichnet. Die Recherche führte von einem kleinen Hinweis  über die Archive der Mormonen ins Aargauer Staatsarchiv und die Kirchenbücher von Wettingen  bis nach Neuenhof im Kanton Aargau – und deckte eine kaum bekannte Verbindung zwischen der Armutsauswanderung des 19. Jahrhunderts und der Tech-Revolution des 21. Jahrhunderts auf.</em></p> <p><em>Nachfolgend die Laudatio, die Jury-Präsident <a href="https://www.instagram.com/schneebi24/" rel="noopener" target="_blank">Hans Schneeberger</a> bei der Preisverleihung gehalten hat.</em></p> <p><strong>Laudatio auf Peter Hossli</strong></p> <p>Hauptpreis Medienpreis Nordwestschweiz 2024: Der Journalist Peter Hossli. Dies für seinen Artikel über die Schweizer Wurzeln von Apple-Gründer Steve Jobs. Herzliche Gratulation!</p> <p>Eigentlich könnte ich es mir mit der Laudatio auf Peter Hossli einfach machen: Wer bitte sehr sollte Ahnung von guter Recherche haben, wenn nicht der Leiter der Ringier Journalistenschule? Dieser privat finanzierten Schule, die seit 50 Jahren junge Männer und Frauen auf den harten, aber unglaublich faszinierenden Beruf des Journalisten oder der Journalistin vorbereitet.</p> <p>Aber das würde zu wenig weit greifen, viel zu wenig weit. Wir ehren heute einen Mann mit dem wichtigsten Medienpreis der Nordwestschweiz, weil er wie nur wenige aktive Journalisten einen breit gefächerten Background hat. Weil er für Nachrichtenmagazine, für Wirtschaftszeitungen, für Boulevardblätter oder für Renommiertitel gearbeitet hat – seriös, ohne Attitüde, zuverlässig.</p> <p>Weil er seine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen in 30 Jahren nie verloren hat. Weil er sich nicht verbiegen lässt. Weil er den Glauben an die wahre Kraft des Wortes und der Argumente nie verloren hat. Und weil er trotz aller hohen Ansprüche, die er an sich, seine Arbeit und an sein Umfeld stellt, immer ein empathischer Menschenfreund geblieben ist.</p> <p><strong>Der Werdegang</strong></p> <p>Aufgewachsen im Aargau, als Sohn eines Einzelhandelsunternehmers, hat er schon als Kind die Annehmlichkeiten eines gehobenen Lebensstils kennengelernt. Aber nach dem Konkurs des elterlichen Ladennetzes auch den brutalen Wechsel von der gediegenen Villa in eine kleine Dreizimmerwohnung.</p> <p><em>‘Ich weiss nicht’</em>, sagt er heute rückblickend, <em>‘ob ich Journalist geworden wäre, wenn ich in der Villa gross geworden wäre.’</em></p> <p>Aber als Sohn eines Delikatessenhändlers hat er schon früh gelernt, Kunden das zu verkaufen, was sie gerne haben. Hat gelernt, Informationen an die Menschen zu bringen und die Geschichte hinter den Delikatessen ins Zentrum zu rücken. Die Lust am Essen mit Worten zu wecken – wie er heute die Lust am Lesen mit den richtigen Worten weckt.</p> <p>Der Film hat ihn schon sehr früh fasziniert. Er hat Jahre in Kinosälen verbracht, er hat als Kinooperateur ausgeholfen und sogar das Badener Filmfestival ‘Fantoche’ mit ins Leben gerufen. Und als Filmjournalist hat er dann auch seine ersten journalistischen Sporen abverdient. Der Film hat ihn vieles gelehrt, was im Journalismus unabdingbar ist: Ereignisse als Geschichte aufzuschreiben, Informationen eine Dramaturgie zu verleihen. Und sie hat ihm die ersten journalistischen Weihen beim Nachrichtenmagazin ‘Facts’ eingebracht.</p> <p><strong>Die Sehnsucht nach Amerika</strong></p> <p>Aber im Hintergrund war da immer diese Sehnsucht nach diesem Land der Freiheit, dem Land, das er mit 16 Jahren zum ersten Mal besucht hatte und das ihn nie mehr losliess: die USA. Die USA stehen für das, was Peter Hossli immer angetrieben hat: die Freiheit und das Streben nach Glück.</p> <p><em>‘We the People’</em>, wir das Volk – so haben sich die Verfolgten aus Europa 1776 in den Vereinigten Staaten eine Verfassung gegeben, sorgsam austariert, auf dass jeder Mensch in diesem grossartigen Land seine Freiheit finde und sein Glück suchen kann. Kein Wunder betreibt Peter Hossli heute mit Nicoletta Cimino zusammen einen Podcast namens ‘1776’, in dem die beiden sich immer noch mit diesem inspirierenden Land befassen.</p> <p>1998 gab Peter Hossli seiner Faszination nach und siedelte mit zwei Koffern in die USA über, um sein Glück und seine Freiheit zu finden. Es gelang. Er arbeitete für diverse Medien und ich hatte als Blattmacher bei ‘Cash’ das Vergnügen, mit diesem neugierigen und gewissenhaften Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Heute sagt er über diese Zeit:</p> <p><em>‘Erst in den USA, quasi auf der freien journalistischen Wildbahn, habe ich erfahren, was Journalismus wirklich ist.’</em></p> <p>Der historische Zufall wollte es, dass Hossli in den elf Jahren von 1998 bis 2009 einige der spannendsten Jahre der amerikanischen Geschichte miterleben und kommentieren durfte. Er hat ein Land erlebt, das sich auf den Krieg gegen den Terrorismus vorbereitete. Er hat ein Land beobachtet, das zum Teil seine Seele verloren hatte und das etwas orientierungslos in die Gegenwart taumelte.</p> <p><strong>Rückkehr und die Schweizer Wurzeln von Steve Jobs</strong></p> <p>2009 brachten ihn private Gründe in die Schweiz zurück. Hier arbeitete er wieder als Journalist für grosse Zeitungen und schrieb zwei Bücher. Und ein Jahr nachdem er zu 100 Prozent bei der NZZ am Sonntag eingestiegen war, erhielt er die Anfrage von Ringier, ob er nicht die Leitung der Journalistenschule übernehmen wolle. Dieser Herausforderung konnte er natürlich nicht widerstehen.</p> <p>Und glauben Sie mir, wenn ich als ehemaliger Ringier-Journalistenschüler behaupte: Es ist einfacher eine Zeitung zu leiten, als eine Klasse von bestausgebildeten, fordernden und kritischen Halbstarken diesen Beruf beizubringen.</p> <p>Aber auf der Zofinger Römerhalde dem Ruhestand entgegenzudämmern, wäre ihm natürlich nie in den Sinn gekommen. Journalist bleibt man ein Leben lang, sagt er. Deshalb verantwortet er bei Ringier auch gleich noch das zweimal pro Jahr erscheinende Magazin ‘Interview’. Und er sorgt auch immer wieder für grosse publizistische Leistungen.</p> <p>Es verwundert deshalb nicht, dass er heute schon zum zweiten Mal für den Recherchepreis ausgezeichnet wird. Und zwar für einen Artikel über die Schweizer Wurzeln des Apple-Gründers Steve Jobs.</p> <p>Bis anhin waren sämtliche biografischen Artikel über Jobs davon ausgegangen, dass seine Wurzeln in Deutschland zu finden sein müssten. Sicher war man sich nicht. Hosslis Interesse startete mit einem kleinen Hinweis in der offiziellen Jobs-Biografie von Walter Isaacson und der Recherche in den gigantischen Archiven der Mormonen in den USA. Sie führte ihn zuerst auf eine falsche Fährte, einer Familie Scheible aus dem Aargau. Dank dem Kontakt mit einem befreundeten Fotografen aus Neuenhof, Kanton Aargau, kam er dann auf die richtige Fährte einer Familie Schieble in dieser Gemeinde.</p> <p>Diese arme Genössige-Familie Schieble hatte 1853 der Gemeinde Neuenhof 2075 Franken gezahlt, damit sie nach den USA auswanderten. Und aus dieser Familie soll also eines der wichtigsten Unternehmen der Geschichte stammen? Nun war seine Leidenschaft geweckt. Mit nie erlahmender Neugier kämpfte er sich durch Mormonen-Archive, suchte nach Geburtsurkunden, vertiefte sich in Kirchenbücher, fahndete nach Passagierlisten von Ozeandampfern und machte sich zuletzt auf die Spuren der Familie Schieble in den USA. Er fand sie im Bundesstaat Wisconsin, dem Staat, welcher der Schweiz landschaftlich wohl am ähnlichsten ist.</p> <p>Und er konnte mit minuziösesten Recherchen aufzeigen, dass eine Enkelin von Auswanderer Josef Schieble aus Neuenhof, Joanne Carole Schieble, einen Sohn als Sozialwaise zur Adoption freigegeben hatte. Ihre einzige Bedingung lautete: Ihr Sohn sollte in eine Akademikerfamilie kommen. Der Rest der Geschichte von Steven Paul Jobs ist Legende. Und dank Peter wissen wir nun auch mit Sicherheit, dass die Legende ihren Ursprung in Neuenhof, Kanton Aargau, genommen hat.</p> <p><strong>Kein Aktivismus</strong></p> <p>Peter Hossli hat mir auf die Frage, was das Wichtigste sei, das er seinen Schülerinnen und Schülern an der Journalistenschule vermitteln wolle, gesagt: Das Recherchieren und Schreiben seien die Grundlage des Journalismus, und dass nun mit KI die grösste Veränderung im Journalismus seit dem Internet anstehe. Mit seinem grossartigen Artikel im SonntagsBlick hat er bewiesen, dass er bei den Grundlagen – Schreiben und Recherchieren – zu den Besten gehört, und dass ihm beim Einsatz von KI überhaupt nicht bange sein muss.</p> <p>Peter Hossli hat sehr klare Vorstellungen von gutem Journalismus und auch davon, was für ihn schlechter Journalismus ist: wenn die Schreibenden engagiert Partei ergreifen.</p> <p><em>‘Wir Journalisten und Journalistinnen müssen die Welt beschreiben’</em>, sagt er. <em>‘Wir müssen sie nicht machen. Wir sind Dienstleister und keine Aktivisten.’</em> In Zeiten von Fake News und von Milliarden von Menschen, die das Vertrauen in den unabhängigen, unparteiischen Journalismus verloren haben, ist dies wichtiger denn je.</p> <p><span>Peter Hossli, ich gratuliere dir von Herzen zum Hauptpreis des Medienpreis Nordwestschweiz!</span></p> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/observations/2026/04/28/medienpreis-nordwestschweiz-2025/feed/ 0 Das amtliche Gesicht https://www.hossli.com/articles/2026/04/19/das-amtliche-gesicht/ https://www.hossli.com/articles/2026/04/19/das-amtliche-gesicht/#respond Sun, 19 Apr 2026 09:09:26 +0000 https://www.hossli.com/?p=27399 <h1>Hossli.com » Das amtliche Gesicht</h1><p>Der Zürcher Regierungsrat Martin Neukom beauftragte Hans Witschi, ihn zu porträtieren. Witschi schuf drei Gemälde, Neukom lehnte alle ab. Über einen Künstler, der zeigen will, was er sieht – und über einen Politiker, der sich in dessen Arbeiten nicht wiedererkennt. </p><div> <p><img alt="" decoding="async" fetchpriority="high" height="1707" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-scaled.jpg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-scaled.jpg 2560w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-300x200.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-1024x683.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-768x512.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-1536x1024.jpg 1536w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/04/Hans-Witschi_00002-2048x1365.jpg 2048w" width="2560"></img></p> <p>Von <a href="https://www.hossli.com/about/">Peter Hossli</a> (Text) und <a href="http://www.stefanbohrer.com">Stefan Bohrer</a> (Fotos)</p> <p>Verhüllt war nichts. Als der Politiker und vier seiner Gefolgsleute Ende Februar das Atelier im Zürcher Seefeld betraten, standen die Gemälde offen da. Hans Witschi begrüsste sie – und wunderte sich, dass die Gruppe vier Stockwerke die Treppe hochgestiegen war, statt den Lift zu nehmen.</p> <p>Es war kurz vor sechs Uhr abends. Der 72-jährige Kunstmaler hatte Lachsbrötchen und Getränke bereitgestellt. Er scherzte: «Ich hoffe, ihr habt Beruhigungstabletten dabei.»</p> <p>Der Witz fiel ins Leere. «Unter den fünf Besuchern herrschte betretenes Schweigen, als sie die Bilder sahen», erinnert sich Witschi.</p> <p>Mitte April erzählt der Maler eine Geschichte, wie sie sich Friedrich Dürrenmatt hätte ausdenken können. Dabei geht es um Selbstdarstellung und verletzte Eitelkeit. Und um die Frage, ob ein offizielles Bildnis Kunst sein darf oder dem Porträtierten vor allem schmeicheln soll.</p> <p>An jenem Abend im Februar standen der Zürcher Grünen-Regierungsrat Martin Neukom (39) in Witschis Atelier, ebenso seine persönliche Mitarbeiterin Meret Grob (30) und Kommunikationschef Dominik Bonderer (51). Dazu die Grünen-Kantonsrätin Esther Guyer (74) sowie eine Bekannte von Neukom.</p> <p>Der Vorsteher der Baudirektion, dessen Präsidialjahr am 30. April endet, stellte sich neben das Bild, damit ihn die anderen mit dem Gemälde vergleichen konnten. Bonderer habe es anfänglich als «sehr stark gemalt» bezeichnet, erzählt Witschi. Esther Guyer wandte sich ab und sagte zunächst nichts. Schliesslich trat Neukoms Bekannte vor das Bild und meinte: «Ich sehe meinen Grossvater, bevor er starb.»</p> <p><strong>Der Auftrag</strong></p> <p>Dieser Satz bedeutete den Anfang vom Ende eines Unterfangens, das Monate zuvor am Telefon begonnen hatte. Im Spätsommer 2025 rief der Galerist Stephan Witschi – nicht verwandt mit dem Maler – bei Hans Witschi an. Der Zürcher Regierungspräsident Neukom wolle sich von ihm für ein offizielles Porträt malen lassen. Dafür erhalte er 20’000 Franken, abzüglich 20 Prozent Vermittlungsgebühr für den Galeristen.</p> <p>Zuvor, sagt Witschi, habe Neukom eine von der Fachstelle Kultur vorgeschlagene Person abgelehnt. Er solle nun ein «rassiges» Porträt machen, «irgendwie mal etwas anderes».</p> <p>Witschi schien dazu geeignet. Er gilt als «Künstler des Hässlichen». Als Kind litt er an Kinderlähmung. Ende der Achtzigerjahre wanderte der kontroverse Maler nach New York (USA) aus, wo er fast vierzig Jahre lebte und arbeitete. Regisseur Paolo Poloni (71) drehte darüber den Dokumentarfilm «Witschi geht».</p> <p>Nun ist Witschi zurück.</p> <p>Sofort sagte er zu – weil er das Geld gut gebrauchen kann. Und weil der Auftrag etwas Traditionelles ausstrahlt. «Es war mir eine Ehre», sagt Witschi. Der Kanton Zürich lässt alle Regierungspräsidenten in Öl malen, dazu die Bundesräte aus dem Kanton Zürich. Die Gemälde hängen in der Ahnengalerie im Kunstraum Walcheturm. Besichtigen lässt sich die Reihe, die mehr als hundert Jahre zurückreicht, über eine Website.</p> <p>Der Künstler traf den Baudirektor in dessen Büro, zusammen mit Grob und Bonderer. Die drei hatten sich vorbereitet: Im Katalog von Witschis Werk klebten viele gelbe Zettel.</p> <p>Witschi erklärte ihnen: «Porträts sind extrem schwierig. 50 Prozent der Betrachter lehnen sie ab.» Meret Grob – Mitglied des Stadtparlaments in Wil SG – habe mit einer witzigen Bemerkung geantwortet, die Witschi in Erinnerung geblieben ist: «Wir wären froh, wir hätten 50 Prozent.» Der Wähleranteil der Grünen liegt schweizweit bei rund 10 Prozent.</p> <p>Beiläufig schoss Witschi zwei Fotos von Neukom, der in einem Sessel sass. Danach besuchte die Gruppe die Ahnengalerie. Witschi erinnert sich, dass die meisten Porträts der anderen Politikerinnen und Politiker auf wenig Begeisterung stiessen. Jemand habe nicht verstanden, warum das Gemälde von FDP-Regierungsrätin Carmen Walker Späh (68) halb im Schatten gemalt sei. «Wie kann eine Künstlerin so ein Bild machen?» Witschis Antwort: «Das sind die zwei Seiten des Menschen.»</p> <p>Schon damals, so Witschi, habe ihn das Gefühl beschlichen, dass es weniger um Kunst gehe als um Image. Nicht um das wahre Gesicht, sondern um das offizielle.</p> <p>Zwei Wochen lang hörte der Maler nichts. Er rechnete schon damit, den Auftrag nicht zu erhalten. Bis Neukoms Mitarbeiterin anrief und fragte, ob er nach wie vor interessiert sei. Die Fachstelle Kultur wurde informiert: Hans Witschi macht das Porträt.</p> <p>Eine Hürde gab es noch: Witschi war seit seiner Rückkehr noch nicht in Zürich angemeldet. Als er das nachholte, traf ein Brief mit den Modalitäten ein: eine einseitige Zusicherung der Fachstelle Kultur, dass er das Gemälde machen und dafür mit 20’000 Franken entschädigt würde.</p> <p>Der Künstler begann zu arbeiten. Alsbald schickte er zwei Vorschläge an den Regierungsrat. Eine Neuinterpretation von Caspar David Friedrichs «Wanderer über dem Nebelmeer» (1818): Neukom in einer Eislandschaft. Dazu eine Charakterstudie, basierend auf dem Foto, das Witschi aufgenommen hatte. Die Antwort aus dem Regierungsgebäude: Wir tendieren zur Variante zwei. Und: Wir wollen dir aber nicht in deine Kunst hineinreden.</p> <p>Witschi begann zu malen. Er bat um weitere Fotos, erhielt keine und entschied sich, sein eigenes Bild als Vorlage zu nehmen.</p> <p>Die Idee des Wanderers liess ihn nicht los. Statt des Rückens der Figur zeigte er deren Gesicht, als habe sie sich umgedreht. Neukom, der in die Welt blickt. Der Hintergrund wirkt hodlerisch, davor ein Mensch in einer Landschaft.</p> <p>Witschi beschreibt das Werk als «tief philosophisch»: eine Figur, die zuvorderst in der Welt steht und ein wenig die Kontrolle verliert. «Ich habe aus einem Jungen einen Bundesrat gemacht», sagt er.</p> <p>Im zweiten Bild malte er ihn als «eine Art Schweizer Mahatma Gandhi». Witschi wörtlich: «Sensibel, intellektuell und asketisch.»</p> <p><strong>Der Atelierbesuch</strong></p> <p>Dann lud er Neukom zu sich ins Atelier. Mit dem Besuch im Februar begann der Bruch. Neukom stand immer wieder auf, ging zum Bild und schwieg. Bis jemand aus der Gruppe anfing zu reden. Der Mund sei «schrecklich», lautete eine Aussage. Alle stimmten zu. «So kennen wir Martin nicht», hiess es fortan. Der «Schweizer Gandhi» sei zu blass gemalt, das würde in der Ahnengalerie untergehen.</p> <p>Witschi fühlte sich der Dynamik ausgeliefert. Man sprach von einer Figur mit ratlosem Mund, die nicht wisse, wie es weitergehe. Der Hals? Zu dick! Zu reden gab das Kinn.</p> <p>Witschi verteidigte sich. Der leicht geöffnete Mund zeige den Moment einer Offenbarung, eines Geistesblitzes. Die Figur sei «wie ein Fels», «wie ein Monolith aus dem Monument Valley, trotzig und bereit, sich der Unbill entgegenzustellen». Das Bild habe die Aufgabe, die Zeit zu spiegeln, in der es gemalt wurde. Es sei eine Allegorie.</p> <p>Nun fiel der Satz, das Porträt sei «völlig gegen das, was die grüne Politik erreichen wolle». Jemand bemerkte das stehkragenartige Hemd und meinte, das Gemälde gehöre in den Vatikan. Neukom empfand ein Auge als schielend: So sehe er jeweils nach einer Ratssitzung aus.</p> <p>Es klang, sagt Witschi heute, «eher nach Spott als nach Anerkennung». Zeitweise habe er sich in der Sendung «Verstehen Sie Spass?» gefühlt und auf die versteckte Kamera gewartet.</p> <p>Um 19.10 Uhr war der Abend gelaufen. Alle ausser Witschi gingen. Der Künstler, der wochenlang gearbeitet und zwei Gemälde gemalt hatte, fühlte sich «hängen gelassen», wie er betont. «Wenn jemand sagt: ‹So kennen wir den Martin nicht›, sage sicher niemand: ‹Doch, ich kenne den Martin so.›»</p> <p>Am meisten erstaunt habe ihn, «dass kein Verständnis da war, was meine Kunst ist, ich sehe mehr als nur die Oberfläche».</p> <p>Witschi wandte sich an die kantonale Fachstelle für Kultur. Er wollte wissen, wer offiziell der Auftraggeber sei, ob es eine unabhängige Instanz gebe. Die Antwort ernüchterte ihn: «Die Abnahme des Porträts wird auch durch ihn [Neukom] getätigt, denn das Wichtigste ist, dass der Regierungsrat Neukom mit dem Porträt zufrieden ist.» Die Rolle der Fachstelle beschränke sich «lediglich auf die Auszahlung der vereinbarten 20’000 Franken».</p> <p>Es gibt, stellte Witschi fest, niemanden zwischen ihm und Neukom. Keine Jury. Kein Korrektiv: «Das ist Privatästhetik bei einem öffentlichen Kunstauftrag.»</p> <p>Über seinen Galeristen erfuhr er, dass Neukom die beiden Porträts nicht wolle. Was ihn wütend machte. «Warum spricht niemand direkt mit mir?»</p> <p>Schliesslich meldete sich Neukom mit einem Mail. Das Schreiben, versandt von der amtlichen Adresse, liegt SonntagsBlick vor. «Lieber Hans», grüsste der Regierungsrat und begründete: «Ich habe mir meine Notizen angeschaut, was meine ursprünglichen Überlegungen waren. Ich habe mir drei Adjektive notiert: jung, modern, frisch. Wenn ich das Porträt anschaue, ist es das Gegenteil davon. Ich sehe mich denn auch nicht in dem Bild. Das Bild strahlt für mich Hilflosigkeit und Verzweiflung aus. Es zeigt einen ängstlichen Mann, der demnächst aufgibt. Das bin ich nicht.»</p> <p>Indessen finde er das Bild «durchaus toll», es würde gut in eine Kunstausstellung passen. «Man kann es länger betrachten und es auf sich wirken lassen.»</p> <p>Die grosse Mehrheit der Menschen aber, denen er das Porträt gezeigt habe, sei «eher schockiert». An einer Kunstausstellung dürfe ein Gemälde «gerne provozieren oder auch schockieren», erklärte der Doktor der Naturwissenschaften dem Künstler. «Aber die Ahnengalerie ist keine Kunstausstellung.»</p> <p>Das Porträt müsse beides sein: «Witschi und Neukom. Jetzt ist das Bild nur Witschi.»</p> <p>Für Witschi war das eine Ablehnung, verpackt in ein Kompliment: Neukom anerkenne die Qualität des Werks, bestreite aber, dass es ihn zeige.</p> <p><strong>Der dritte Anlauf</strong></p> <p>Zu war die Türe noch nicht. Witschi sprach mit Neukom über Camus, über Selbstbildnisse, über die Fremdheit, sich selbst zu hören oder zu sehen. «Martin, das ist ein klassisches Porträt-Problem», erklärte er ihm.</p> <p>Sie einigten sich darauf, einen dritten Anlauf zu wagen. Witschi bat um Fotos, auf denen sich Neukom wiedererkennt. Erneut traf man sich in dessen Büro. Der Regierungsrat übergab ihm einige Aufnahmen, die Witschi, wie er sagt, «fast ein bisschen schockierten». Es waren offizielle Bilder, die aus einem Bankenprospekt stammen könnten.</p> <p>Witschi wählte eines aus und versuchte, ein Lächeln hineinzubringen, dazu die Jugendhaftigkeit. Er arbeitete an Details: dem Ohr, durch das Licht fällt, der Brille mit den kleinen Reflexen. Sogar ein Superman-Emblem versteckte er.</p> <p>Witschi zeigte Neukom das neue Porträt. Am 11. April, einem Samstag, erhielt er um 8.13 Uhr ein kurzes E-Mail des Regierungspräsidenten. «Ich kann mich auch mit der dritten Version nicht anfreunden.» Neukom fügte an: «Wir vergüten dir selbstverständlich deine Aufwände.»</p> <p>Ein Satz in Neukoms E-Mail fiel dem Maler auf: «Ich fühle mich entstellt.»</p> <p>Witschi, der seit seiner Kindheit mit einer körperlichen Behinderung lebt, dessen Kunst sich seit Jahrzehnten mit Deformation, Verletzlichkeit und der Sichtbarmachung des Unbequemen beschäftigt, empfand die Wortwahl als «missglückt».</p> <p>Nun möchte er entschädigt werden, zumal er mehr geliefert habe als vereinbart. Letzte Woche stellte er 20’000 Franken in Rechnung. «Ja», schreibt Kommunikationschef Bonderer auf die Frage, ob Witschi bezahlt werde. In welchem Umfang? «Die Details sind noch zu klären.»</p> <p>Ebenfalls offen sei, wer Neukom, der sich 2027 zur Wiederwahl stellt, nun in Öl festhalten wird.</p> <p><strong>In bester Gesellschaft</strong></p> <p>Der Fall wirft eine grössere Frage auf als jene des Geschmacks. Auf der Website der Ahnengalerie fehlt ein Hinweis auf ein formelles Abnahme- oder Vetorecht. Was soll ein offizielles Porträt sein: Repräsentation, Wiedererkennung oder Kunst? Was, wenn der Staat einen Künstler beauftragt – und am Ende allein der Porträtierte entscheidet, welches Bild von ihm entstehen und gesehen werden darf?</p> <p>Bonderer erklärt, das Bild müsse, weil es für die Ahnengalerie vorgesehen sei, «in den Kontext dieses Ortes passen, und die porträtierte Person muss sich mit der künstlerischen Darstellung identifizieren können». Daher habe Neukom alle drei Werke abgelehnt. «Er kann sich mit der künstlerischen Darstellung nicht identifizieren.»</p> <p>Der Grünen-Regierungsrat befindet sich in bester Gesellschaft. Unlängst liess US-Präsident Donald Trump (79) seine Aufnahmen in der Porträtgalerie in Washington austauschen. Das zuvor ausgewählte Bild soll ihm missfallen haben.</p> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/articles/2026/04/19/das-amtliche-gesicht/feed/ 0 Chancen statt Tränen https://www.hossli.com/articles/2026/03/01/chancen-statt-tranen/ https://www.hossli.com/articles/2026/03/01/chancen-statt-tranen/#respond Sun, 01 Mar 2026 10:44:54 +0000 https://www.hossli.com/?p=27291 <h1>Hossli.com » Chancen statt Tränen</h1><div> <div> <section> <p> <span>Peter Hossli, a curious reporter who always finds a good story</span> </p> </section> <section id="content" role="main"> <article id="post-27291"> <p>In Nottwil erweisen Hunderte Guido A. Zäch die letzte Ehre. Der Gründer des Paraplegikerzentrums veränderte nicht nur die Medizin, sondern auch den Blick auf Menschen mit Behinderung – weit über die Schweiz hinaus. </p> <div> <p><img alt="" decoding="async" fetchpriority="high" height="853" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00009.jpeg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00009.jpeg 1280w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00009-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00009-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00009-768x512.jpeg 768w" width="1280"></img></p> <p>Von <a href="http://www.hossli.com/about">Peter Hossli</a> (Text) und<a href="http://www.stefanbohrer.com"> Stefan Bohrer</a> (Fotos)</p> <p>Flach liegt der Sempachersee da. Die Sonne taucht die Zentralschweizer Alpen in warmes Licht. Ihre Strahlen spiegeln sich in den Fenstern des Paraplegikerzentrums von Nottwil LU. In jenem Werk, das Guido A. Zäch (1935–2026) hinterlässt.</p> <p>Drinnen in der Aula ist kein Platz frei. Hunderte Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer sind an diesem Samstagvormittag gekommen, um Zäch die letzte Ehre zu erweisen. Dazu seine Familie, Weggefährten und Politiker.</p> <p>Sie danken einem Pionier und Visionär. Vor über fünfzig Jahren setzte sich Zäch das Ziel, Querschnittgelähmten ein besseres Leben zu ermöglichen. Ihnen Chancen statt Tränen geben wollte.</p> <p>Am 16. Februar starb er im Alter von 90 Jahren. Sein Ziel hatte er erreicht.</p> <p>Andächtige Musik erklingt. Blumengestecke schmücken die Bühne. Auf der Leinwand erscheinen Fotos: Zäch als Arzt, als Kind, als Familienmensch, als Oberst, als Nationalrat. Die letzten zeigen ihn im Rollstuhl, als gebrechlichen Mann, der dennoch Wärme ausstrahlte.</p> <p><img alt="" decoding="async" height="853" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00017.jpeg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00017.jpeg 1280w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00017-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00017-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00017-768x512.jpeg 768w" width="1280"></img></p> <p>Niemand könne «in die grossen Fussstapfen von Guido A. Zäch treten», sagt der Rollstuhlsportler und mehrfache Paralympicssieger Heinz Frei (68). Er beginnt zu weinen, als er erzählt, wie Zäch ihm nach seinem Unfall im Alter von 20 Jahren Mut zugesprochen habe. «Er sagte: ‹Das, was zwischen den Ohren ist, ist nicht betroffen von der Lähmung.›»</p> <p><strong>Weit über die Schweiz hinaus</strong></p> <p>Eigens aus München angereist ist der deutsche Schauspieler Samuel Koch (38), der seit seinem Unfall in der TV-Sendung «Wetten, dass..?» querschnittgelähmt ist. Er betont den internationalen Rang von Zächs Schaffen: «Es geht weit über die Schweizer Grenzen hinaus, sein Werk sucht international seinesgleichen.»</p> <p>Unvergessen sei ihm ein Satz: «Er sagte zu mir: Samuel, es ist deine verdammte Pflicht, jetzt in Deutschland auch für die Rechte der Rollstuhlfahrer zu kämpfen.»</p> <p>Früher seien querschnittgelähmte Menschen «als Krüppel bezeichnet und in Pflegeheime abgeschoben» worden, sagt Heidi Hanselmann (64), Präsidentin des Stiftungsrats der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Zäch habe «diese Art von Denken 180 Grad gedreht». Das sei «eine unglaubliche Revolution, die dieser Mensch umsetzen konnte».</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00038.jpeg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00038.jpeg 1280w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00038-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00038-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00038-768x512.jpeg 768w" decoding="async" height="853" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%201280%20853'%3E%3C/svg%3E" width="1280"></img></p> <p>Diese Einschätzung teilt Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren. «Die Schweiz hat einen Visionär verloren, aber wir behalten seine Vision einer modernen und inklusiven Paraplegie», sagt er. «Es ist mir in guter Erinnerung, wie er sich regelmässig bis ins hohe Alter auf die Knie begab, um mit Personen im Rollstuhl auf Augenhöhe reden zu können.»</p> <p>Für alt bundesrat Samuel Schmid (79) war Zäch vor allem eines: «ein Schaffer». Zäch habe «für viele Leute das Leben wieder lebenswert gemacht». Schmid verschweigt nicht, dass «ab und zu mal etwas nicht so gut war, das gehört auch dazu». Entscheidend sei das Gesamtbild: «Was er gemacht hat, bleibt.»</p> <p>Es sei unermesslich wertvoll, was Zäch geleistet habe, sagt die Luzerner Mitte-Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger (61). Persönlichkeiten wie er hätten es in der Schweiz nicht immer leicht. Das löse «manchmal Kritik aus, manchmal geht das auch in Richtung Neid».</p> <p><strong>Grab bei einer Kapelle in Nottwil</strong></p> <p>Nach der Feier reden die Anwesenden bei Aufschnitt, Birnbrot, Risotto mit Gulasch und Streuselkuchen weiter über den Verstorbenen.</p> <p>Wer ein paar hundert Meter westwärts geht, gelangt zur Kapelle St. Margrethen. Zeitlebens liess Zäch die Kirche renovieren. Nun liegt dort sein frisches Grab mit einem schlichten Holzkreuz und vielen Kränzen.</p> <p>Der Ostschweizer ruht dort, wo sein Vermächtnis ist: in Nottwil.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00026.jpeg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00026.jpeg 1280w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00026-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00026-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/03/Zach_00026-768x512.jpeg 768w" decoding="async" height="853" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%201280%20853'%3E%3C/svg%3E" width="1280"></img></p> </div> </article> </section> </div> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/articles/2026/03/01/chancen-statt-tranen/feed/ 0 Runder Tisch für Crans-Montana: Von 9/11 lernen https://www.hossli.com/articles/2026/02/26/runder-tisch-fur-crans-montana-von-9-11-lernen/ https://www.hossli.com/articles/2026/02/26/runder-tisch-fur-crans-montana-von-9-11-lernen/#respond Thu, 26 Feb 2026 10:58:26 +0000 https://www.hossli.com/?p=27258 <h1>Hossli.com » Runder Tisch für Crans-Montana: Von 9/11 lernen</h1><div> <div> <section> <p> <span>Peter Hossli, a curious reporter who always finds a good story</span> </p> </section> <section id="content" role="main"> <article id="post-27258"> <p>Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana sucht der Bundesrat aussergerichtliche Lösungen. Ein Blick nach Amerika zeigt ein Vorbild: Nach 9/11 entschied Anwalt Kenneth Feinberg, wer wie viel erhielt – und berechnete den Wert eines Lebens. </p> <div> <p><img alt="" decoding="async" fetchpriority="high" height="1536" sizes="(max-width: 2048px) 100vw, 2048px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/man.watching.jpg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/man.watching.jpg 2048w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/man.watching-300x225.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/man.watching-1024x768.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/man.watching-768x576.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/man.watching-1536x1152.jpg 1536w" width="2048"></img></p> <p>Stirbt ein Mensch gewaltsam oder wird jemand schwer verletzt, stellt sich schnell die Schuldfrage. Und die Frage nach Geld: Wer zahlt, wer haftet?</p> <p>Eine Frage ist zentral: Welchen Wert hat ein verlorenes oder geschädigtes Leben?</p> <p>Normalerweise verhandeln Gerichte solche Fragen. Anwälte, Versicherungen und Behörden ringen um Summen und Verantwortlichkeiten. Das dauert oft Jahre, verschlingt Millionen und hinterlässt emotionale Wunden.</p> <p>Bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS will der Bundesrat diesen Weg abkürzen. Mit einem runden Tisch, den Justizminister Beat Jans (61, SP) am Mittwoch vorstellte. Behörden, Anwälte der Beschuldigten und Betroffene sollen dort aussergerichtlich aushandeln, wer wie viel erhält.<br></br> Verliererin wäre die juristische Branche.</p> <p>Ein Vorbild dafür gibt es in den USA. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stand das Land vor einer beispiellosen Aufgabe: Wie entschädigt man die Angehörigen der Opfer? Der Staat richtete einen Entschädigungsfonds ein. Nicht nur aus Mitgefühl. Man wollte verhindern, dass die Klagen Fluggesellschaften und Flughäfen in den Ruin treiben.</p> <p><strong>Wie bemisst man den Wert eines Lebens?</strong></p> <p>Es stellte sich eine ähnliche Frage wie jetzt nach Crans-Montana. Wie bemisst man den Wert eines Lebens? Antworten fand nicht ein runder Tisch, sondern ein Anwalt aus Boston: Kenneth Feinberg (80) wurde beauftragt, etwas Unmögliches zu tun, nämlich Leben in nackte Zahlen zu übersetzen.</p> <p>Minutiös analysierte er jedes Schicksal und rechnete in Dollars und Cents. Jüngere erhielten mehr als Ältere, Verheiratete mehr als Alleinstehende, Top-Verdiener mehr als Hilfsarbeiter. Wer im Flugzeug sass, starb schneller und litt weniger als jene, die in den Türmen ausharrten, bis sie einstürzten.</p> <p><strong>Wer mehr verdiente, erhielt mehr</strong></p> <p>Im Schnitt sprach Feinberg rund 1,5 Millionen Dollar pro Todesfall zu, finanziert aus Steuergeldern. Die 25 bestverdienenden Opfer – Männer mit über zwei Millionen Dollar Jahreseinkommen – erhielten rund 6,3 Millionen Dollar. Die höchste Entschädigung, etwa acht Millionen Dollar, ging an einen Überlebenden mit schweren Verbrennungen.</p> <p>Insgesamt verteilte Feinberg rund sieben Milliarden Dollar an Hinterbliebene von 2880 Todesopfern und an 2680 Verletzte. Wer das Geld annahm, verzichtete auf Klagen. Feinberg arbeitete unentgeltlich.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 2048px) 100vw, 2048px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/carroll.gardens.jpg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/carroll.gardens.jpg 2048w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/carroll.gardens-300x225.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/carroll.gardens-1024x768.jpg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/carroll.gardens-768x576.jpg 768w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/carroll.gardens-1536x1152.jpg 1536w" decoding="async" height="1536" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%202048%201536'%3E%3C/svg%3E" width="2048"></img></p> <p>Feinberg studierte an der New York University Recht. Später arbeitete er als Berater von Senator Ted Kennedy. Seit den 1980er-Jahren war er als Opferanwalt tätig: Er vertrat Vietnamveteranen oder Familien, deren Kinder bei einem Schulmassaker ums Leben kamen. Sein Auftrag war stets der gleiche: Leid zu beziffern.</p> <p><strong>Die Schweiz braucht einen Feinberg</strong></p> <p>Nach 9/11 traf Feinberg über 1000 Familien. Dreizehn lehnten Geld kategorisch ab. Der Verlust eines Menschen, sagten sie ihm, lasse sich nicht bezahlen.</p> <p>Jetzt braucht die Schweiz einen Feinberg, eine integre Person, die am runden Tisch das so Schwierige schaffen muss: einen von allen akzeptierten Modus zu finden, um den Wert eines verlorenen oder geschädigten Lebens festzusetzen.</p> </div> </article> </section> </div> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/articles/2026/02/26/runder-tisch-fur-crans-montana-von-9-11-lernen/feed/ 0 Der Mann, der Menschen aufrichtete https://www.hossli.com/articles/2026/02/18/der-mann-der-menschen-aufrichtete/ https://www.hossli.com/articles/2026/02/18/der-mann-der-menschen-aufrichtete/#respond Wed, 18 Feb 2026 10:56:59 +0000 https://www.hossli.com/?p=27245 <h1>Hossli.com » Der Mann, der Menschen aufrichtete</h1><p>Guido A. Zäch kniete nieder, um auf Augenhöhe zu sein. Der Arzt und Gründer des Paraplegiker-Zentrums Nottwil ist im Alter von 90 Jahren gestorben. </p><div> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4729.jpeg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4729.jpeg 1280w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4729-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4729-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4729-768x512.jpeg 768w" decoding="async" fetchpriority="high" height="853" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%201280%20853'%3E%3C/svg%3E" width="1280"></img></p> <p>Von <a href="http://www.hossli.com/about">Peter Hossli</a> (Text) und <a href="http://www.stefanbohrer.com">Stefan Bohrer</a> (Fotos)</p> <p>Eine Begegnung zeigt, wer Guido A. Zäch war. Vor einem Jahr in Nottwil LU traf der Gründer des Paraplegiker-Zentrums zufällig in einem Untergeschoss auf den mehrfachen Olympiasieger Heinz Frei (68). Beide strahlten. Zäch stand, der Parasportler sass im Rollstuhl. Ohne zu zögern, kniete der damals 89-jährige Arzt nieder. Nicht aus Schwäche, sondern weil er Frei auf Augenhöhe begegnen wollte.</p> <p>Auf Augenhöhe begegnete Zäch seinen Patienten während mehr als fünf Jahrzehnten als Arzt. «Kein anderer Fussgänger versteht unsere Probleme so gut wie Dr. Zäch», sagte Frei. «Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir heute sind.» Zäch? Frei nannte ihn «unseren Vater».</p> <p>Nun ist Guido A. Zäch im Alter von 90 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Schweiz eine Jahrhundertfigur: Arzt, Pionier, Unternehmer.</p> <p>Vor 51 Jahren gründete er die Schweizer Paraplegiker-Stiftung, aus der das 1990 eröffnete Paraplegiker-Zentrum in Nottwil entstand. Eine weltweit einzigartige Institution, die Chirurgie, Rehabilitation, Forschung und soziale Integration vereint und das Leben Zehntausender geprägt hat.</p> <p>Warum tat er das? «Weil mein Leben einen Sinn brauchte», erzählte er mir. «Ich musste meine depressive Verstimmung überwinden.» Es ging ihm besser, wenn er anderen helfen konnte. «Menschen, die wir aufrichten, stützen uns.»</p> <p>Als 18-Jähriger sprang Zäch in ein Becken mit zu wenig Wasser und erlitt Stauchungen an der Wirbelsäule. Der Ostschweizer hatte Glück. Später behandelte er als junger Arzt einen Mann, der nach einem ähnlichen Unfall querschnittgelähmt blieb. Zäch stellte sich eine Frage, die zu seiner Lebensaufgabe wurde: «Wie möchte ich behandelt werden?»</p> <p>Was er sah, schockierte ihn. Querschnittgelähmte Patienten vegetierten in Pflegeheimen, litten an Druckgeschwüren und Infektionen; viele starben früh. Als Zäch bessere Bedingungen forderte, bekam er zynische Antworten. «Jetzt zahlt die Suva 1750 Franken für die Beerdigung. Lebt er, kostet er 300 000 Franken», sagte ein Vorgesetzter.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4472.jpeg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4472.jpeg 1280w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4472-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4472-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4472-768x512.jpeg 768w" decoding="async" height="853" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%201280%20853'%3E%3C/svg%3E" width="1280"></img></p> <p>Zäch entwickelte ein ganzheitliches Modell, das medizinische Behandlung mit sozialer Reintegration verband. Heute kehren in Nottwil 61 Prozent der Patienten ins Berufsleben zurück – ein Spitzenwert, der weit über dem globalen Durchschnitt von 37 Prozent liegt.</p> <p>Der Weg dahin war steinig. Basel und Risch ZG wollten keine Rollstühle im Ortsbild. Erst Nottwil sagte Ja. Doch selbst danach zweifelten Versicherungen, und Ärzte winkten ab.</p> <p>Zäch blieb unbeirrbar. Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Die hohe Wiedereingliederungsrate spart der Allgemeinheit jährlich rund 100 Millionen Franken an IV-Renten. Darauf war er stolz.</p> <p>Er lebte schnell, zog sieben Kinder gross, war Chefarzt, Stiftungspräsident, Nationalrat, Oberst mit 1250 Diensttagen. Ob das nicht zu viel gewesen sei? «Eine Woche hat 168 Stunden, nicht 40. Die meisten verschlafen den grossen Teil ihres Lebens», sagte er.</p> <p>2002 kam der Bruch – öffentlich. Er wurde wegen Veruntreuung angeklagt und letztlich vom Bundesgericht verurteilt. «Ich schwöre, ich habe nie einen Franken Stiftungsgelder veruntreut», sagte er mir 2015. Zehn Jahre später pochte er auf sein Recht auf Vergessen. Die Menschen hätten ihn trotz allem getragen.</p> <p>«Wann immer ich in den Medien an die Kasse kam, füllte sich unsere Kasse.» Zäch wusste um seine polarisierende Wirkung. «Die Schweiz mag keine Ausnahmeerscheinungen. Wer sich über die Norm erhebt, dem schlägt man den Kopf ab.»</p> <p>Was bleibt, ist ein Ort am Sempachersee, wo draussen Schafe grasen und drinnen modernste Medizin versehrten Menschen hilft, ihr Leben neu zu beginnen.</p> <p>Und die Haltung eines Arzts, der Mitleid verabscheute. «Mitleid ist eine Herabsetzung», sagte er. «Ein Rollstuhlfahrer braucht keine Tränen, sondern Chancen.»</p> <p>Sie zu geben, war sein Leben.</p> <p><img alt="" data-lazy-sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" data-lazy-src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4622.jpeg" data-lazy-srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4622.jpeg 1280w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4622-300x200.jpeg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4622-1024x682.jpeg 1024w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/02/4A8A4622-768x512.jpeg 768w" decoding="async" height="853" src="data:image/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http://www.w3.org/2000/svg'%20viewBox='0%200%201280%20853'%3E%3C/svg%3E" width="1280"></img></p> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/articles/2026/02/18/der-mann-der-menschen-aufrichtete/feed/ 0 “Die Iraner hoffen auf Donald Trump” https://www.hossli.com/articles/2026/01/11/die-iraner-hoffen-auf-donald-trump/ https://www.hossli.com/articles/2026/01/11/die-iraner-hoffen-auf-donald-trump/#respond Sun, 11 Jan 2026 13:24:18 +0000 https://www.hossli.com/?p=27308 <h1>Hossli.com » “Die Iraner hoffen auf Donald Trump”</h1><p>Während die Welt auf Venezuela und Grönland blickt, gehen im Iran Millionen auf die Strasse und fordern den Sturz des Regimes. Ein iranischer Politologe, der soeben durch seine Heimat gereist ist, beschreibt eine Gesellschaft in Aufruhr. </p><div> <p><img alt="" decoding="async" fetchpriority="high" height="592" sizes="(max-width: 792px) 100vw, 792px" src="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/01/84102cc2-4415-44cf-9f6e-0c4a3173c7e3_792x592.jpg" srcset="https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/01/84102cc2-4415-44cf-9f6e-0c4a3173c7e3_792x592.jpg 792w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/01/84102cc2-4415-44cf-9f6e-0c4a3173c7e3_792x592-300x224.jpg 300w, https://www.hossli.com/wp-content/uploads/2026/01/84102cc2-4415-44cf-9f6e-0c4a3173c7e3_792x592-768x574.jpg 768w" width="792"></img></p> <p>Von <a href="http://www.hossli.com/about" rel="noopener" target="_blank">Peter Hossli</a></p> <p><em>Der iranische Politologe M. R. (47) lebt in Dubai und beobachtet das Geschehen im Auftrag der Regierung eines europäischen Landes. Zudem berät er europäische Unternehmen und besitzt einen europäischen Pass. Während einer Reise durch den Iran sprach er mit Jugendlichen, Generälen sowie mit Menschen in Städten und Dörfern. Da er regelmässig in den Iran reist, möchte er anonym bleiben.</em></p> <p><strong>Sie sind am Donnerstag nach einer dreiwöchigen Reise durch den Iran zurück nach Dubai gekommen…</strong><br></br> …ja, auf dem letzten Flug. Emirates setzte die Flüge zwischenzeitlich aus. Jetzt kann man von Dubai aus den Iran wieder erreichen. Ein Bekannter von mir ist am Samstag nach Teheran geflogen.</p> <p><strong>Auf X sind viele Videos zu sehen, die auf den Strassen einen starken Widerstand gegen das Regime zeigen. Geben diese Videos ein realistisches Bild wieder?</strong><br></br> Ja, der Widerstand gegen das Regime ist tatsächlich stark. Täglich nimmt er zu. Als ich vor drei Wochen ankam, fielen mir die verschmutzte Luft und das verseuchte Wasser auf. Als würde das Regime versuchen, die Menschen damit zu schwächen. Trotzdem gehen sie auf die Strasse. Alle haben genug von Führer Ayatollah Chamenei – sogar Leute im Regime.</p> <p><strong>Also auch die militärische Führung?</strong><br></br> Ein General hat mir in Teheran gesagt: «Unser Fehler war es, dass wir den Schah nicht durch einen General, sondern einen Mullah ersetzt haben.»</p> <p><strong>Welche Menschen sind auf der Strasse? Junge? Gebildete? Arbeiter?</strong><br></br> Eine Mischung aus allem. Arme, die sich nur noch Brot leisten können und in den letzten Jahren kaum Fleisch gegessen haben. Dazu Studenten und Arbeiter. Die Mittelschicht gibt es nicht mehr. Wir haben nur noch die Reichen und die Unterschicht.</p> <p><strong>Wie grossflächig ist der Widerstand?</strong><br></br> Früher fanden die Demonstrationen nur in grossen Städten statt. Jetzt sieht man sie sogar in meiner kleinen Stadt im Norden des Iran. Die Menschen haben dort Gebäude in Brand gesteckt.</p> <p><strong>Westliche Medien berichten, es handele sich um einen wirtschaftlichen Aufstand.</strong><br></br> Es geht längst nicht mehr nur um hungernde Menschen. Sicher, dieses Regime hat die Wirtschaft zerstört. Sie haben die Kontrolle über die Inflation verloren. Alles bricht gerade zusammen. Die Menschen haben erkannt, dass sie sterben werden, wenn sie nicht aufstehen. Sie sagen buchstäblich: Das Regime bringt uns um – durch Hunger, durch schlechte Luft, durch verseuchtes Wasser.</p> <p><strong>Wie aggressiv reagiert die Polizei?</strong><br></br> Als ich unlängst auf dem Basar von Teheran war, habe ich überall gut ausgerüstete Bereitschaftspolizei gesehen. Sie sprechen nicht mit Teheraner Akzent, sondern mit kurdischem oder einem anderen. Man sieht, dass sie sie aus verschiedenen Orten hergebracht haben.</p> <p><strong>Das Regime holt sie aus kleinen Städten nach Teheran?</strong><br></br> Sie versetzen Polizisten vom Norden nach Teheran oder von Teheran in den Süden. Würden sie Leute aus denselben Städten einsetzen, hätten sie vielleicht Empathie und würden nicht so hart durchgreifen.</p> <p><strong>Was sind die Forderungen der Demonstranten?</strong><br></br> Etwas ist neu: Die Mehrheit sagt jetzt, wir wollen den Schah zurück. Wir wollen das Pahlavi-System, die Monarchie zurück. Sie wollen keinen Islam mehr. Ich habe im ganzen Land mehr als tausend Menschen befragt: «Sehen Sie sich als Muslim oder Nicht-Muslim?» 91 Prozent gaben an, Atheisten zu sein. Nur 9 Prozent sagten, sie seien Muslime. Im Iran herrscht Säkularismus, anders als im Irak, in der Türkei oder in Syrien.</p> <p><strong>Der Sohn des Schahs lebt seit über 40 Jahren in den USA. Spielt er wirklich eine Rolle im Iran?</strong><br></br> Früher haben die Protestierenden nie gesagt, dass sie den Schah zurückhaben wollen. Früher wollten sie Reformisten. Aber jetzt sehen sie die Reformisten und die Konservativen als gleich an – als «Good Cop, Bad Cop»-Politik. Sie verstehen, dass beide zusammenarbeiten, um das Regime aufrechtzuerhalten.</p> <p><strong>Wissen die jungen Menschen, die den Schah nie erlebt haben, überhaupt, dass es einen Sohn in den USA gibt?</strong><br></br> Ich war von den jungen Iranern beeindruckt. Diese Generation Z, etwa 18 bis 22 Jahre alt, diese Kinder haben ein grösseres globales Bewusstsein als Menschen in meinem Alter. Die jungen Leute haben sich damit beschäftigt, was Reza Schah nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Iran gemacht hat und was sein Sohn Mohammed Reza Schah getan hat. Sie vergleichen es mit dem aktuellen Regime. Und sie sehen, dass die Mullahs nichts getan haben. Sie gaben das Geld dafür aus, den Terror zu finanzieren und die Ideologie des schiitischen Islam zu exportieren.</p> <p><strong>2018 und 2022 wurden die Aufstände in Iran brutal niedergeschlagen. Kommt es dieses Mal anders?</strong><br></br> Viele Bereitschaftspolizisten wollen nicht mehr hart durchgreifen, weil sie das Gefühl haben, dass dieses Regime am Ende ist. Wenn sie anfangen, hart durchzugreifen, könnten später Strafverfolgungsbehörden gegen sie vorgehen.</p> <p><strong>Auf was hoffen die Iraner jetzt?</strong><br></br> Die Iraner hoffen auf US-Präsident Donald Trump. Er hat mit der Verhaftung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro gezeigt, wozu er imstande ist. Auch wenn Europa ihn nicht mag: Die Menschen im Iran lieben Trump. Trump ist der Retter. Sie nennen ihn «Onkel Trump», sie nennen ihn Jesus, sie nennen ihn Mahdi – das ist in der schiitischen Religion jemand, der die Ankunft Jesu vorbereitet.</p> <p><strong>Trump hat gesagt, wenn das Regime anfängt, Menschen zu töten, wird er eingreifen. Was bedeutet das?</strong><br></br> Es geht um «Responsibility to Protect» – die Verantwortung zu schützen. Es gibt einen Artikel der Vereinten Nationen, der vor 21 Jahren verabschiedet wurde und 2011 gegen den libyschen Diktator Gaddafi angewendet wurde. Was Trump gesagt hat, bedeutet: Wir werden uns einmischen, wenn Sie dem iranischen Volk etwas antun.</p> <p><strong>Welches Interesse haben die USA denn im Iran?</strong><br></br> Sie wollen, dass der Iran das Polen im Nahen Osten wird. Polen ist für die USA in Europa zum wichtigen Verbündeten geworden.</p> <p><strong>Wie kann der Iran den USA als strategischer Partner dienen?</strong><br></br> Die USA verfolgen im Iran vier Ziele: erstens die Sicherheit Israels. Die USA brauchen einen Verbündeten, damit niemand in der Region mehr die Sicherheit Israels bedrohen kann. Zweitens Energiesicherheit. Iran hat vermutlich mehr Gasfelder als Russland. Der Iran könnte ein zuverlässigerer Gaslieferant für Europa sein als Russland. Drittens die Isolierung Chinas. Wenn die USA den Iran als strategischen Verbündeten gewinnen, können sie China geografisch isolieren. Viertens die Bestrafung Russlands. Wenn Russland den Iran verliert, verliert es seinen wichtigsten Verbündeten – und somit Zugang zu einem warmen Meer.</p> <p><strong>Auch Israel unterstützt den Widerstand gegen das iranische Regime.</strong><br></br> Das iranische Volk muss das Gefühl haben, dass Amerika hinter ihm steht. Israel reicht nicht aus, weil es ein kleines Land ist. Im 12-Tage-Krieg letzten Sommer sind die Menschen nicht auf die Strasse gegangen, weil sie dachten, Israel stünde hinter ihnen. Trump sagte damals: «Beendet den Krieg, tötet Chamenei nicht.» Aber jetzt sagt Trump: «Ich werde dich verfolgen, Chamenei. Ich werde das Regime verfolgen.» Die Menschen wissen seit Venezuela, dass er zu seinem Wort steht. Deshalb fühlen sie sich stark unterstützt.</p> <p><strong>Wird das Regime also fallen?</strong><br></br> Ein Regimewechsel ohne die Beteiligung der USA und Israels ist schwierig. Das Regime kann noch überleben, wenn die Menschen nur 20 Tage demonstrieren. Sie haben genug Geld und Gold. Viele Regime-Anhänger haben ihre Familien bereits nach Dubai geschickt. Was teuer ist.</p> <p><strong>Ohne Zutun der USA fällt das Regime nicht?</strong><br></br> Genau. Trump sagt: Wenn ihr Menschen tötet, werden wir kommen und euch vernichten. Jetzt töten die Iraner Menschen. Es ist möglich, dass wir in den nächsten Tagen gezielte Militärschläge sehen. Nach allem, was Trump mit Maduro gemacht hat, verstehen die Menschen, dass Amerika hinter ihnen steht – und das gibt ihnen Energie.</p> <p><strong>Und nach einem allfälligen Sturz des Regimes: Wer hat Einfluss?</strong><br></br> Die Iraner hassen die Briten und die Franzosen, weil sie Chameini eingesetzt haben. Sie mögen die Deutschen, die Skandinavier, die Schweiz und Österreich. Wenn es um Investitionen im zukünftigen Iran geht, sind deutschsprachige Länder und die Skandinavier besonders willkommen. China ist nicht willkommen, Russland ist nicht willkommen, Frankreich ist nicht willkommen, Grossbritannien ist nicht willkommen. Amerika ist willkommen wegen Trump.</p> <p>* Name bekannt</p> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://www.hossli.com/articles/2026/01/11/die-iraner-hoffen-auf-donald-trump/feed/ 0