<![CDATA[taz.de - taz.de]]> de 1 Nov 2026 13:09:15 +0100 <![CDATA[taz.de - taz.de]]> 88 88 30 <![CDATA[Folgen der neuen Grundsicherung: Bloß nicht für die Kinder sparen]]> <img src="https://taz.de/picture/8835805/1200/41885243.jpeg" /><h1>Folgen der neuen Grundsicherung: Bloß nicht für die Kinder sparen</h1><h2>By Von Tobias Schulze</h2><p> Nach der Abwicklung des Bürgergelds bekommt Patrick Schröder für seine Kinder kein Geld mehr vom Amt. Ihn trifft die neue Härte und eine komplexe Regel. </p><div> <div> <p pos="1">Seit dem 18. August hat Patrick Schröder (<em>Name geändert</em>) ein Problem. An diesem Tag bekam er vom Jobcenter beschieden: Seine Kinder sind zu reich. Beide haben rund 6.000 Euro auf ihren Konten. Die Großeltern hätten das Geld für sie angespart, sagt der Grundsicherungsempfänger, für den Führerschein und Ähnliches. Das hatte bis dahin auch nie jemand beanstandet.</p> <p pos="2">Jetzt aber forderte das Amt: Jeweils rund 1.000 Euro aus den Ersparnissen sollen die Kinder erst mal für ihren Lebensunterhalt aufwenden. Bis sie die Summe aufgebraucht haben, seien sie nicht mehr Teil seiner Bedarfsgemeinschaft. Mit dem Bescheid kürzte die Behörde die Leistung, die Schröder und seine Kinder monatlich erhalten, um 878 Euro.</p> <p pos="3">Das entspricht den Regelsätzen und dem Wohnkostenanteil der Kinder, die im wöchentlichen Wechsel bei ihm und der von ihm getrennten Mutter leben. Der Vater selbst erhält zwar weiterhin Grundsicherung, muss aus seinem Regelsatz aber auch noch die Mietanteile der Kinder stemmen. Ausgezahlt werden der Familie nur noch 193,96 Euro.</p> <p pos="4">So wirkt sich im Fall von Patrick Schröder die Bürgergeldreform der schwarz-roten Koalition aus. Verschärfungen bei der Sozialleistung, die nun Grundsicherung heißt, <a href="http://www.taz.de//Grundsicherung-loest-Buergergeld-ab/!6192366/">traten zum 1. Juli in Kraft.</a> Ihre Wirkung entfalten sie jetzt nach und nach in neuen Leistungsbescheiden.</p> <h2 id="junge-menschen-nicht-mehr-verschont" pos="5">Junge Menschen nicht mehr verschont</h2> <p pos="6">Die Gesetzesänderung betrifft unter anderem die Regeln zu Schonvermögen. Zuvor galt ein pauschaler Freibetrag: Im Bürgergeld erhielten Personen auch dann Leistungen, wenn sie ein Vermögen von bis zu 15.000 Euro besaßen. Die Sparkonten von Schröders Kindern waren daher kein Problem.</p> <p pos="7">Jetzt ist die Grenze nach Alter gestaffelt. Wer älter als 50 Jahre ist, darf inzwischen sogar 20.000 Euro behalten. Die Koalition begründete das mit Respekt vor der Lebensleistung der Älteren. Für die Lebenschancen der Jüngeren hatte sie dagegen weniger übrig. Wer unter 30 Jahre alt ist, dem bleibt jetzt nur noch ein Freibetrag von 5.000 Euro.</p> <p pos="8">Nicht nur die Schröders, auch etliche andere Familien dürften von dieser Verschärfung betroffen sein. Wie viele es genau sind, ist unbekannt. Die Grünen im Bundestag erkundigten sich mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung nach der Zahl. In der Antwort, die der taz vorliegt, schreibt das Sozialministerium aber, dass es keine Daten dazu habe und auch keine Erhebung beabsichtigte: „Eine Erweiterung der amtlichen Statistik ist nicht geplant.“</p> <h2 id="die-reihenfolge-entscheidet" pos="9">Die Reihenfolge entscheidet</h2> <p pos="10">Patrick Schröder erwischte der Jobcenter-Bescheid im August kalt. Von der Änderung bei den Freibeträgen hatte er zwar mitbekommen. Er verließ sich aber auf eine weitere Regelung im Grundsicherungsgesetz, die die Ampel-Regierung 2023 eingeführt hatte und die Schwarz-Rot bei ihrer Reform unangetastet ließ. In Paragraf 12 steht, dass Freibeträge, die nicht ausgeschöpft sind, innerhalb der Familie übertragen werden können.</p> <p pos="11">Schröder selbst hat neben einer privaten Altersvorsorge, die fürs Jobcenter nicht zählt, überhaupt kein Vermögen. Mit dem überschüssigen Geld der Kinder ließe sich sein nicht genutzter Freibetrag also locker verrechnen.</p> <p pos="12">An anderer Stelle im Gesetz steht seit etlichen Jahren aber noch ein relevanter Satz. In Paragraf 7 heißt es, dass Kinder nur zur Bedarfsgemeinschaft gehören und Leistungen bekommen, wenn sie ihren Lebensunterhalt „nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen“ bezahlen können.</p> <p pos="13">Entscheidend ist nun, in welcher Reihenfolge die Behörden die beiden Sätze bei der Prüfung eines Antrags anwenden. Hätte das Jobcenter bei den Schröders erst nach Paragraf 12 den Freibetrag des Vaters auf die Kinder übertragen, hätte Paragraf 7 keine Rolle mehr gespielt: Ihr Vermögen hätte nicht als zu hoch gegolten und sie wären nicht aus der Bedarfsgemeinschaft geflogen.</p> <p pos="14">Die Bundesagentur für Arbeit schreibt den Jobcentern in einer Anweisung aber eine andere Reihenfolge vor: Das Amt hatte erst nach Paragraf 7 zu prüfen, ob die Kinder zu viel Geld besitzen. Da das der Fall war, flogen sie aus der Bedarfsgemeinschaft, bevor nach Paragraf 12 die Freibeträge übertragen werden konnten. In die andere Richtung gilt diese Regelung nicht: Hätten Schröders Kinder gar kein Vermögen, er selbst aber zu viel, hätte er ihre Freibeträge problemlos nutzen können.</p> <h2 id="gr-ne-finden-es-zynisch-" pos="15">Grüne finden es „zynisch“</h2> <p pos="16">Neu ist diese Praxis nicht. Schon vor der schwarz-roten Reform waren die Jobcenter angewiesen, das Gesetz auf diese Weise anzuwenden. Durch die abgesenkten Freibeträge für junge Menschen dürfte das jetzt aber deutlich häufiger eine Rolle spielen als früher.</p> <p pos="17">Kritik an der Regelung kommt vom Grünen-Abgeordneten Timon Dzienus. „Sobald ein Kind etwas Erspartes hat, fällt es aus der Grundsicherung. Das ist zynisch und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind ein Leben lang in Armut bleiben wird“, sagt er. Von einem „Kurzschluss im System“ spricht Dzienus, da Kinder die Freibeträge der Eltern nicht nutzen dürfen. „Die Bundesregierung macht aus einer gesetzlichen Schutzregel eine Falle. Friedrich Merz hat sich mal wieder im Kürzungs-Dschungel verlaufen und sollte schleunigst auf den Weg der Menschlichkeit und Vernunft zurückkehren.“</p> <p pos="18">Innerhalb der Regierung sieht aber <a href="http://www.taz.de//Bundesarbeitsministerium/!t5025171/">das SPD-geführte Sozialministerium</a> keinen Änderungsbedarf. In seiner Antwort auf die Grünen-Anfrage begründet es die Regelung damit, dass Eltern ja auch für den Lebensunterhalt ihrer mittellosen Kinder aufkommen müssen, bevor diese Grundsicherung bekommen – aber umgekehrt Kinder nicht für den Lebensunterhalt ihrer mittellosen Eltern. „Folglich bleiben Einkommen und Vermögen des Kindes vollständig ihm zugeordnet“, heißt es in der Antwort.</p> <h2 id="ein-fall-f-r-drei-gerichte" pos="19">Ein Fall für drei Gerichte</h2> <p pos="20">Politisch wird sich an der Sache also erst mal nichts ändern. Und juristisch ist fraglich, ob für Patrick Schröder und seine Kinder etwas zu holen ist. Gegen den Jobcenter-Bescheid geht er mittlerweile in zwei Instanzen vor Gericht vor. Entscheidungen in der Hauptsache stehen noch aus. Das zuständige Landessozialgericht hat aber schon durchblicken lassen, dass es die Gesetzesauslegung von Regierung und Behörden grundsätzlich teilt.</p> <p pos="21">Man könnte jetzt sagen: Dann muss sich der Mann eben damit abfinden und die Kinder eine Weile lang von ihren überschüssigen Ersparnissen leben lassen. In wenigen Monaten bekämen dann auch sie wieder die Grundsicherung. Aber da gibt es noch ein Problem: Über die Sparkonten der Kinder verfügt Schröder als Elternteil nicht allein. Die Mutter, selbst nicht in der Grundsicherung, müsste zustimmen, damit er Geld abheben kann. Seinen Angaben zufolge verweigert sie das.</p> <p pos="22">Deshalb beschäftigt Schröders Fall inzwischen noch eine staatliche Stelle: Nach entsprechenden Forderungen von Jobcenter und Sozialgericht beantragte er beim Familiengericht, allein über die Sparkonten entscheiden zu dürfen.</p> <h2 id="ungewissheit-f-r-november" pos="23">Ungewissheit für November</h2> <p pos="24">Die Richter dort haben in einem Schreiben ebenfalls schon eine Tendenz durchblicken lassen – und es könnte sein, dass am Ende das Familienrecht im Widerspruch zum Sozialrecht stehen wird. In dem Schreiben heißt es, in der Regel dürften Eltern das Geld ihrer Kinder „nicht vom Konto nehmen, um damit alltägliche Ausgaben für das Kind zu bezahlen“. Nur in einer „absoluten Notlage“ sei eine Ausnahme möglich. Ob das für den konkreten Fall gilt oder nicht, klärt sich am kommenden Freitag: Dann will das Familiengericht seine Entscheidung verkünden.</p> <p pos="25">Bis dahin weiß Patrick Schröder nicht, wie seine Kinder und er über den Monat kommen. Für den September, sagt er, konnte er sich bei Freunden Geld leihen. Für den Oktober bekamen seine Kinder auf Anordnung des Landessozialgerichts ein Darlehen vom Jobcenter. Für den November kam am Freitag die Überweisung vom Amt. Von seinem Regelsatz zog das Amt diesmal nicht nur die Miete ab, sondern auch eine erste Rate zur Rückzahlung der Schulden aus dem Vormonat. Für sich und die Kinder hat Schröder jetzt 165,81 Euro und Gutscheine für die Tafel.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. 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Eine Mitinitiatorin erklärt, warum. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8835400/1200/42227595.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835400/1020/42227595.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835400/665/42227595.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835400/835/42227595.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Statue der Justitia hält eine Waage in der Hand." height="556" src="https://taz.de/picture/8835400/14/42227595.webp" title="Eine Statue der Justitia hält eine Waage in der Hand." type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Sollte eigentlich blind sein: Justitia <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Beispiele dafür, wie die Rechtswissenschaft zunehmend unter Druck gerät, gibt es einige. Da wäre der <a href="http://www.taz.de//Frauke-Brosius-Gersdorf-im-Gespraech/!6147056/">Fall Frauke Brosius-Gersdorf</a>, die neue Richterin am Bundesverfassungsgericht werden sollte, von der Union aber nicht mehr gewählt werden wollte, nachdem rechtskonservative bis rechtsextreme Medien eine Kampagne gegen die Kandidatin gefahren hatten.</p> <p pos="2">Da wäre aber auch zum Beispiel der Versuch der AfD im Juni dieses Jahres, 14 Vorträge des studentischen Kongresses „<a href="http://www.taz.de//SDS-Kongress-Take-back-the-Future/!6198198/">Take back the future“ an der TU Berlin zu verhindern</a>. Die AfD in Sachsen-Anhalt, die jüngst die dortige Landtagswahl gewonnen hat, will wiederum laut ihrem Wahlprogramm Rich­te­r:in­nen anweisen, mit „maximaler Härte“ vorzugehen und den „Strafrahmen voll auszuschöpfen“.</p> <p pos="3">Eine Entwicklung, dem viele Straf­recht­le­r:in­nen etwas entgegensetzen wollen. Rund 200 von ihnen haben sich deswegen mit einer <a href="https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/rechtswissenschaft/ls/schmitt-leonardy/erklarung-aus-der-strafre/Erklaerung-Strafrechtswissenschaft_FINAL_27.10.2026.pdf" target="_blank">Erklärung aus der Strafrechtswissenschaft</a> zur Bedeutung von Rechtsstaat, Demokratie und Unabhängigkeit der Wissenschaft zu Wort gemeldet. Initiiert haben ihn die fünf Strafrechtsprofessorinnen Liane Wörner, Susanne Beck, Stefanie Bock, Katrin Höffler, Charlotte Schmitt-Leonardy und Georgia Stefanopoulou. An dem Text hätten aber noch mehr Leute mitgewirkt, das ist Wörner wichtig zu erwähnen.</p> <p pos="4">„Wir sehen eine Entwicklung, in der das Recht sich eines Tages nicht mehr selbst erwehren könnte und wir es verteidigen müssen – die Weichen dafür müssen wir heute stellen“, sagt Wörner, Professorin für Strafrecht an der Universität Konstanz, der taz. Es sei ein schleichender, sich langsam verdichtender Prozess gewesen.</p> <h2 id="straf-recht-le-r-in-nen-mit-ffentlichem-appell" pos="5">Straf­recht­le­r:in­nen mit öffentlichem Appell</h2> <p pos="6">„Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit, die umfassende Grundrechtsbindung aller staatlichen Gewalt, Gewaltenteilung, Gesetzmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit staatlichen Strafens, die Unschuldsvermutung sowie die Unabhängigkeit der Justiz bilden grundlegende Voraussetzungen einer freiheitlichen Rechtsordnung“, heißt es in der Erklärung. Sie seien auch Maßstab von Forschung, Lehre und Praxis des Strafrechts.</p> <p pos="7">Eine Gefährdung der Grundlagen zeige sich dort, wo die „Bindung staatlicher Gewalt an Gesetz und Recht relativiert wird, unabhängige Gerichte als politisch, ideologisch oder illegitim dargestellt und in ihrer Autorität untergraben werden, wissenschaftliche Erkenntnisse pauschal delegitimiert oder politische Entscheidungen von Recht und empirischem Wissen entkoppelt werden“. Die Strafrechtswissenschaft dürfe dies nicht hinnehmen.</p> <p pos="8">Inzwischen haben sich rund 200 Straf­recht­le­r:in­nen der Erklärung angeschlossen. Die Erklärung sei ein Versuch, die Entwicklung zu stoppen, sagt Wörner. „Es geht unter anderem darum, Gerichte, Richterwahlen, wissenschaftliche Expertise zu schützen, bevor institutioneller Schaden eintritt, der dann vielleicht nicht mehr zu reparieren ist.“</p> <h2 id="-hnliche-erkl-rung-der-strafrechtswissenschaft" pos="9">Ähnliche Erklärung der Strafrechtswissenschaft</h2> <p pos="10">Vor einigen Wochen haben bereits rund 230 Ju­ris­t:in­nen aus dem Zivilrecht eine ähnliche Erklärung abgegeben, die „Hallesche Erklärung“. Dieser haben sich die Straf­recht­le­r:in­nen nun angeschlossen: „Die Hallesche Erklärung aus der Zivilrechtswissenschaft hat in eindringlicher Weise daran erinnert, dass die Wissenschaft – gerade auch die Rechtswissenschaft – Verantwortung für die Grundlagen eines freiheitlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesens trägt.“ Deshalb möchten sie die „zentralen Anliegen aus der Perspektive der Strafrechtswissenschaft bekräftigen“, schreiben die Jurist:innen.</p> <p pos="11">Die Bedeutung des Strafrechts für Demokratie und Rechtsstaat herauszustellen, sei ihnen wichtig. „Das Strafrecht erlaubt tiefe Eingriffe in die Menschenrechte, die ohne eine rechtsstaatliche Bindung leicht zu Instrumenten politischer, sozialer oder ideologischer Disziplinierung werden können“, so steht es in der Erklärung. Dann könnten für Personen Unterschiedliches gelten, „und das darf nicht sein“, sagt Wörner. „Wenn wir über das Strafrecht diskutieren, diskutieren wir letztlich auch über Fragen staatlicher Macht. Wir diskutieren über individuelle Freiheit.“</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. 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Damit sich die natürlichen Speicher auffüllen, ist langer, großflächiger Regen nötig. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="739" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836393/1200/41864737.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836393/1020/41864737.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836393/665/41864737.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836393/835/41864737.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Blick auf den deutsch-polnischen Grenzfluss Oder: Weil der Wasserstand sehr niedrig ist, sind viele Steine zu sehen" height="514" src="https://taz.de/picture/8836393/14/41864737.webp" title="Blick auf den deutsch-polnischen Grenzfluss Oder: Weil der Wasserstand sehr niedrig ist, sind viele Steine zu sehen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Folgen der anhaltenden Trockenheit im Sommer: Im August 2026 werden an der Oder Steine sichtbar, die sonst mit Wasser bedeckt sind <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Patrick Pleul/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Deutschland geht das Wasser aus: Nach <a href="https://www.sciencemediacenter.de/angebote/niedrigwasser--ein-extremes-jahr-von-der-quelle-bis-zur-muendung-26254" target="_blank">Auswertung der Pegeldaten durch das Science-Media-Center</a> wird das hydrologische Jahr 2025/26 in Deutschland neue Negativmaßstäbe setzen. Demnach war bereits der vergangene Winter außergewöhnlich trocken, bevor dann ein zu trockenes Frühjahr und ein weiterer Dürresommer folgten: Die hohen Temperaturen sorgten dafür, das Pflanzen mehr Wasser verdunsteten. Das hydrologische Jahr endete am 31. Oktober.</p> <p pos="2">„Ein trockener Winter führte dazu, dass sich das Grundwasser nicht erholt hat“, erklärt Thorsten Wagener, Professor für hydrologische Systeme an der Universität Potsdam. Dies führe dazu, dass über die Flüsse weniger Wasser abfließen kann. „Durch den steigenden <a href="http://www.taz.de//Schwerpunkt-Klimawandel/!t5008262/">Einfluss des Klimawandels</a> verlieren wir die natürlichen Schnee- und Gletscherspeicher in Gebirgsregionen“, so Wagener. Dadurch würden viele Flüsse einen wichtigen Teil des Abflussvolumens einbüßen. Der Abfluss des Rheins betrug an mehreren Pegeln nur 50 Prozent des vieljährigen Mittelwertes der Periode 1991 bis 2020. Aber auch Oder, Elbe, Mosel, Donau, Inn oder Lech erreichten Werte, die als „sehr niedrig“ oder „extrem niedrig“ eingestuft werden.</p> <p pos="3">Die Folgen: „Im Oberlauf leidet oft die Ökologie an zu warmen und sauerstoffarmen Flüssen“, so Wagener. Diese Abschnitte seien wichtige Zufluchtsorte für Fische und andere Lebewesen. „Im Unterlauf leidet dann die Gesellschaft durch geringes Transportvermögen für die Schifffahrt oder verminderte Wasserentnahme für die Kühlung von Kraftwerken.“</p> <p pos="4">Zum Grundwasserproblem gesellte sich im abgelaufenen hydrologischen Jahr die Niederschlagsarmut: Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes DWD fielen im Frühjahr bundesweit im Durchschnitt lediglich 126 Liter auf den Quadratmeter – 68 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Das sorgte dafür, dass der Unterboden Anfang Juli bundesweit bis in eine Tiefe von 1,8 Meter unter Dürre litt.</p> <h2 id="zu-fr-h-zu-hohe-hitze" pos="5">Zu früh zu hohe Hitze</h2> <p pos="6">Zur ausgeprägten Dürre trugen die hohen Temperaturen bei: Um sich selbst herrunter zu kühlen, verdunsten Pflanzen mehr Wasser. Eine Buche etwa kann ihre Umgebung um bis zu fünf Grad herunterkühlen, wenn ausreichend Wasser vorhanden ist. Die erste Hitzewelle kam in diesem Jahr ungewöhnlich früh Ende Juni. Dabei wurde in der Brandenburger Lausitz mit 41,7 Grad ein neuer Höchstwert in Deutschland gemessen.</p> <p pos="7">Um die natürlichen Speicher wieder aufzufüllen, seien jetzt „überdurchschnittlich lange und großflächige Niederschläge als sogenannter Landregen erforderlich“, erklärt Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Allerdings ist nicht sicher, dass dieser auch komme: „Der vorausgegangene Winter war in dieser Hinsicht unterdurchschnittlich, was eine Vorbedingung für das Niedrigwasserjahr 2026 war“, so Nilson. Die Projektionen zum Klimawandel würden zeigen, dass es in absehbarer Zukunft aufs ganze Jahr gesehen <a href="http://www.taz.de//Folgen-der-Klimakrise/!6196185/">in Deutschland viel weniger Wasser</a> geben werde.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Ein Bericht zeigt, dass die Gletschermassen das vierte Jahr in Folge schrumpfen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Menschheit-ohne-Wasser/!6213933/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8744874/1020/40376764.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8744874/665/40376764.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8744874/310/40376764.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Alte Spraydose an einem Strand" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8744874/14/40376764.webp" title="Alte Spraydose an einem Strand" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Menschheit ohne Wasser </span> <span> Wir verdursten und vertrocknen </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Nick Reimer' : null" x-bind:class="loaded ? 'pr-small is-flex-shrink-0' : ''" x-cloak="" x-data="{&#xA;id: '1374',&#xA;loaded: false,&#xA;src: '',&#xA;async pickSource() {&#xA;const webp = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.webp`;&#xA;const png = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.png`;&#xA;const tryLoad = (url) => new Promise(resolve => {&#xA;const img = new Image();&#xA;img.onload = () => resolve(img.naturalWidth > 0);&#xA;img.onerror = () => resolve(false);&#xA;img.src = url;&#xA;});&#xA;if (await tryLoad(webp)) {&#xA;this.src = webp;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;if (await tryLoad(png)) {&#xA;this.src = png;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;// Kein Bild gefunden&#xA;this.loaded = false;&#xA;this.src = '';&#xA;}&#xA;}" x-init="pickSource()" x-show="loaded"> <template x-if="loaded"> <picture> <img :src="src" alt="Nick Reimer" decoding="async" loading="lazy"></img> </picture> </template> </figure> </div> </div> <p> <span>Kommentar von</span> <span>Nick Reimer</span> </p> </div> </div> <p> Das Ozonloch schloss sich, weil es ein FCKW-Verbot gab. Jetzt wird das Wasser knapp, aber die Menschheit lernt offenbar nicht dazu. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Folgen-des-Niedrigwassers/!6203117/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8663226/1020/Rhein-Schifffahrt-Niedrigwasser.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8663226/665/Rhein-Schifffahrt-Niedrigwasser.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8663226/310/Rhein-Schifffahrt-Niedrigwasser.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Blick auf den Rhein mit der Zollburg Pfalzgrafenstein" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8663226/14/Rhein-Schifffahrt-Niedrigwasser.webp" title="Blick auf den Rhein mit der Zollburg Pfalzgrafenstein" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Folgen des Niedrigwassers </span> <span> Rheinschifffahrt droht die Zweiteilung </span> </span> </p> <p> Weil die Pegelstände im mittleren Rheinabschnitt zu niedrig sind, könnte die Transportroute dort unterbrochen werden, fürchten Binnenschiffer. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="25.– 29. August 2026 – Bremerhaven" href="http://www.taz.de//reisen-in-die-zivilgesellschaft/bremerhaven/!v=4b8e279c-0352-414a-a557-6415610dd5b2/#matomo:pk_campaign=2026-D-Bremerhaven&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_placement=taz-Reise-Tagwolke-Bremerhaven" title="25.– 29. August 2026 – Bremerhaven"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/ha/hafenpromenade-hotel/1020/hafenpromenade-hotel.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/ha/hafenpromenade-hotel/665/hafenpromenade-hotel.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/ha/hafenpromenade-hotel/480/hafenpromenade-hotel.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/ha/hafenpromenade-hotel/1020/hafenpromenade-hotel.jpg" type="image/jpg"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/ha/hafenpromenade-hotel/665/hafenpromenade-hotel.jpg" type="image/jpg"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/ha/hafenpromenade-hotel/480/hafenpromenade-hotel.jpg" type="image/jpg"></source> <img alt="hafenpromenade-hotel" height="320" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/ha/hafenpromenade-hotel/14/hafenpromenade-hotel.webp" title="hafenpromenade-hotel" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 25.– 29. August 2026 </span> <span> Bremerhaven </span> </h2> <div> <p> mit Lena Kaiser, Journalistin und Produktentwicklerin bei der taz </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Kurzreise in die Hafenstadt an der Wesermündung, einst der größte Auswandererhafen nach Amerika - mit Besuch der berühmten Museen "Auswandererhaus" und "Klimahaus" sowie einem Ausflug ins Fischerdorf Wremen an der Nordsee</li> <li pos="2"><span></span>960 € (DZ/HP/ohne Anreise)</li> <li pos="3"><span></span>mit 4 Übernachtungen im Hotel im-jaich Lloyd Marina Bremerhaven</li> <li pos="4"><span></span>Reiseveranstalter Ventus-Reisen</li> </ul> </span> </div> <p> Mehr erfahren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226370/ 1 Nov 2026 12:40:00 +0100 Nick Reimer <![CDATA[Erstes deutsches Frauenhaus: Eine Villa für Frauen in Not]]> <img src="https://taz.de/picture/8829810/1200/Fotostapel-Quer-3110.jpeg" /><h1>Erstes deutsches Frauenhaus: Eine Villa für Frauen in Not</h1><h2>By Kolumne Der Anstoß von Marlene Thaler</h2><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <h2> <span>Erstes deutsches Frauenhaus</span><span>: </span><span>Eine Villa für Frauen in Not</span> </h2> <p> Vor 50 Jahren eröffnete das erste deutsche Frauenhaus in Berlin. Heute bieten ähnliche Einrichtungen jährlich Tausenden Frauen und Kindern Schutz. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8829810/1200/Fotostapel-Quer-3110.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8829810/1020/Fotostapel-Quer-3110.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8829810/665/Fotostapel-Quer-3110.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8829810/1020/Fotostapel-Quer-3110.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Schwarz-weiß Aufnahme einer Villa mit Metallzaun, davor steht ein Baum und eine Frau geht die Straße entlang" height="680" src="https://taz.de/picture/8829810/14/Fotostapel-Quer-3110.webp" title="Schwarz-weiß Aufnahme einer Villa mit Metallzaun, davor steht ein Baum und eine Frau geht die Straße entlang" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Das erste Frauenhaus in Deutschland wurde 1976 in Berlin eröffnet. Ein Erfolg der autonomen Frauenhausbewegung <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Chris Hoffmann/dpa/picture alliance </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>D</span></span> <span>ie Feministinnen waren gerade dabei zu überlegen, wie sie Deutschlands erstes Frauenhaus einrichten und ausstatten wollten. Es war der 2. Oktober 1976, ein Monat noch bis zur Eröffnung. Den Oktober wollten sie nutzen, um sich möglichst gut vorzubereiten. Doch bereits an diesem Tag stand die erste Frau vor der Tür der Villa in Berlin-Grunewald. „Wir wurden von Anfang an überrannt und mussten alle organisatorischen Fragen im laufenden Betrieb klären“, erzählt Karin Kaltenberg-Wulf, eine der Gründerinnen, <a href="https://www.frauenhauskoordinierung.de/aktuelles/detail/interview-mit-einer-der-gruenderinnen-des-1-frauenhaus-50-jahre-frauenhaeuser-in-deutschland" target="_blank">in einem Interview</a> mit dem Verein Frauenhauskoordinierung.</span></p> <p pos="2">Am 1. November 1976 wurde das erste deutsche Frauenhaus dann auch offiziell eröffnet. 50 Jahre ist das inzwischen her. Auf das erste Frauenhaus folgten weitere: in Köln noch im selben Jahr, im darauffolgenden auch in Hamburg und Bielefeld. <a href="http://www.taz.de//Foerderung-von-Frauenhaeusern/!6225004/">Frauenhäuser sind deutschlandweit</a> zu einem Zufluchtsort für diejenigen geworden, die unter häuslicher oder partnerschaftlicher Gewalt leiden oder von ihr bedroht sind.</p> <p pos="3">Die Gründung in Berlin war ein Erfolg der autonomen Frauenhausbewegung. Sie entwickelte sich in vielen Großstädten im Zuge der internationalen Frauenbewegung der 70er Jahre. Karin Kaltenberg-Wulf bezeichnet sich als eine „Frauenbewegungsfrau der ersten Stunde“. Sie hatte mit Soziologinnen, Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und einer Rechtsanwältin mehrere Jahre für das Haus gekämpft. Die Idee kannten sie aus London, wo es 1976 bereits zahlreiche Frauenhäuser gab. Einige Frauen besuchten die Unterkünfte dort, sie berichteten von überfüllten Häusern, der Bedarf war offenbar da.</p> <p pos="4">In der Berliner Villa gab es auf 660 Quadratmetern 12 Zimmer für die Bewohnerinnen mit bis zu 10 Stockbetten. Zu Hochzeiten lebten auch mal um die 15 Personen in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer. Für die Kinder gab es einen Raum zum Spielen, einen Schularbeitsraum und einen Kindergarten. Die etwa 20 Mitarbeiterinnen des Hauses leisteten Tag und Nacht Telefondienste. Heute werden die Anschriften von Frauenhäusern geheim gehalten, um die Betroffenen zu schützen. Damals stand die Adresse des Frauenhauses in der Zeitung. Es folgten mehrere Brandanschläge, das Haus musste streng überwacht werden.</p> <p pos="5">Karin Kaltenberg-Wulf erzählt, dass es im Frauenhaus keine Hierarchien geben sollte zwischen den Frauen. Doch die Initiatorinnen selbst hätten unbewusste Vorurteile mitgebracht, etwa dass häusliche Gewalt vor allem ein Problem sogenannter Unterschichtfrauen sei. „Eine der allerersten Bewohnerinnen war aber die Frau eines bekannten Staatsanwalts“, erzählt sie. Das habe gezeigt, „wie wenig wir wussten, was auf uns zukommen würde“.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="5"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>der anstoß</p> <div> <p><strong>Wie beginnt Veränderung?</strong> An dieser Stelle erzählen wir jede Woche von einem historischen Moment, der etwas angestoßen hat.</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="6">Das erste deutsche Frauenhaus gab es bis zum Jahr 2000, dann wurde es geschlossen, unter anderem, weil die Villa renoviert werden musste. 2022 wurde an ihrer Fassade eine Gedenktafel enthüllt. Sie erinnert an die Feministinnen, die das Haus „autonom, solidarisch und hierarchiefrei mit den Bewohnerinnen betrieben“. Tausende Frauen mit ihren Kindern hätten dort „Schutz, Anerkennung, Selbstbestimmung und Perspektive“ gefunden.</p> <p pos="7">Heute gibt es in Berlin 10, bundesweit rund 400 Frauenhäuser. Im Jahr 2025 fanden dort <a href="https://www.frauenhauskoordinierung.de/arbeitsfelder/fhk-bewohner-innenstatistik" target="_blank">nach Angaben der Frauenhauskoordinierung</a> etwa 13.400 Frauen und 15.300 Kinder Schutz.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Sie fordern mehr Ressourcen für ihre Arbeit. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Gewalt-gegen-Frauen/!5880315/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5818990/1020/28690251-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5818990/665/28690251-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5818990/310/28690251-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Frau läuft vor dem ersten Autonomen Frauenhaus auf der Straße." height="154" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5818990/14/28690251-1.webp" title="Eine Frau läuft vor dem ersten Autonomen Frauenhaus auf der Straße." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Gewalt gegen Frauen </span> <span> Schutzraum im Villenviertel </span> </span> </p> <p> In Berlin-Grunewald wurde 1976 Deutschlands erstes Frauenhaus eingerichtet. Am Donnerstag erinnert man dort mit einer Gedenktafel daran. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Historikerin-ueber-Frauenhaeuser/!5808482/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5182241/1020/frauenhaus-frauenhaeuser-erstes-westberlin-deutschland-gewalt-ehemaenner-patriarchat-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5182241/665/frauenhaus-frauenhaeuser-erstes-westberlin-deutschland-gewalt-ehemaenner-patriarchat-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5182241/310/frauenhaus-frauenhaeuser-erstes-westberlin-deutschland-gewalt-ehemaenner-patriarchat-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Schwarzweißfoto einer Villa." height="154" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5182241/14/frauenhaus-frauenhaeuser-erstes-westberlin-deutschland-gewalt-ehemaenner-patriarchat-1.webp" title="Schwarzweißfoto einer Villa." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Historikerin über Frauenhäuser </span> <span> „Ehemänner legten sogar Feuer“ </span> </span> </p> <p> 1976 eröffnete das erste Frauenhaus in Westberlin. Schon vor der Eröffnung sei es überfüllt gewesen, sagt die Historikerin Franziska Benkel. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick" href="http://www.taz.de//abo/wochentaz-lesen-kann-jede-r/!v=4e55b74b-64f3-42ea-a31a-928098327e90/#matomo:pk_campaign=DA24WWP2OF-WE-10W10E-n_22-TLS-tazeigen-onsite--newsletter-HUP-ex733&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=tag-platziert&amp;pk_placement=Tag-wochentaz" title="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <img alt="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/14/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" title="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Ausgaben für 10 Euro </span> <span> Die Wochenzeitung mit taz-Blick </span> </h2> <div> <p> Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen. </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört</li> <li pos="2"><span></span>Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus</li> <li pos="3"><span></span>Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion</li> <li pos="4"><span></span>Mit Zukunftsteil zu Klima, Wissen &amp; Utopien</li> <li pos="5"><span></span>Mit Regionalteil „Stadtland“ für alles Wichtige zwischen Dorf und Metropole</li> </ul> </span> </div> <p> <strong>10 Wochen für nur</strong> <strong>10 Euro</strong> </p> <p> wochentaz ausprobieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223208/ 1 Nov 2026 12:49:00 +0100 Marlene Thaler <![CDATA[Jugendproteste in Deutschland: Die Wut ist berechtigt]]> <img src="https://taz.de/picture/8836317/1200/42451308.jpeg" /><h1>Jugendproteste in Deutschland: Die Wut ist berechtigt</h1><h2>By Kommentar von Timm Kühn</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Zehntausende junge Menschen gehen gegen hohe Preise, schlechte Bildung und Wehrpflicht auf die Straße. Auch Krawalle ändern nichts daran, dass das legitim ist. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836317/1200/42451308.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836317/1020/42451308.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836317/665/42451308.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836317/665/42451308.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Menschen stehen auf der Straße, dich gedrängt, auf einem Plakat steht: Kürzt euch ins Knie" height="443" src="https://taz.de/picture/8836317/14/42451308.webp" title="Menschen stehen auf der Straße, dich gedrängt, auf einem Plakat steht: Kürzt euch ins Knie" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte am 31.Oktober zu Protesten aufgerufen, rund 120.000 Menschen sind gekommen <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Friso Gentsch/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>E</span></span> <span>in Gespenst geht um in Europa und der Welt – das Gespenst einer wütenden Jugendbewegung. Nicht nur in Frankreich, auch in Italien, Spanien, Serbien, Albanien oder Indien gehen junge Menschen auf die Straße. Sie protestieren gegen Krieg und Aufrüstung, gegen miserale Zustände in den Schulen, die Wohnungsnot und soziale Ungleichheit. Kurz: gegen eine Politik, die ihnen zunehmend jede Vorstellung einer besseren Zukunft nimmt. An diesem Wochenende hat diese Protestbewegung auch Deutschland erreicht.</span></p> <p pos="2">120.000 Teil­neh­me­r:in­nen zählen die Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen der „Gen Z regelt“-Proteste bundesweit. Das sind zwar weniger als die 180.000, die sich angekündigt hatten – aber für das erste Auftreten der Bewegung ist das doch beachtlich. In 34 Städten gab es bunte und laute Proteste, die den Verlauf über friedlich blieben. Doch vielerorts trafen Demonstrierende auf eine martialisch auftretende Polizei, die Wasserwerfer und Räumpanzer auffuhr und damit die Stimmung der Kriminalisierung fortsetzte, die bereits die letzten Wochen den Diskurs bestimmte.</p> <p pos="3">Und nein, auch dass es nach Ende der Demos – und gegen den Willen der Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen – vor allem in Frankfurt aber auch in Hamburg, Köln und Berlin zu teils heftigen Krawallen gekommen ist, ändert nichts an der Legitimität der Wut der Jugendlichen. Vielfach dürften die brennenden Mülltonnen sogar eine Folge dieser Gewaltdebatte gewesen sein: Ein trotziger Versuch zu zeigen, dass man sich eben nicht vorschreiben lässt, wie man zu demonstrieren hat. Bei den auf den Protesten vielerorts den Ton angebenden sozialistischen Jugendgruppen kommen sicher auch Gefühle von Fomo (der Angst, etwas zu verpassen) mit Blick auf Frankreich dazu.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/1020/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/665/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7640592/242/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." height="107" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7640592/14/taz-Logo-1.webp" title="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Vor all dem kommt aber das in der Generation real verbreitete Gefühl, verraten und verkauft zu werden. Junge Menschen leben in einer Welt, in der die Merz-Regierung mit offen vorgetragender Verachtung für arme Menschen die Bildungs- und Sozialsysteme dieses Landes kaputt spart. Sie blicken auf eine Zukunft auf einem brennenden Planeten, doch sie sehen, wie die fossile Wirtschaft einfach weitermacht wie bisher. Wie erst Flüssiggasterminals und jetzt Rechenzentren aus dem Boden gestampft werden, während eine Ex-Vorstandsvorsitzende eines fossilen Konzerns das Bundeswirtschaftsministerium leitet.</p> <p pos="5">Und dann erklären Po­li­ti­ke­r:in­nen der Jugend unentwegt, ein kommender Krieg sei wahrscheinlich, sie könnten sich schon mal darauf einstellen. Weil aber nicht genügend Freiwillige in die Bundeswehr wollen, wird ziemlich offen die verpflichtende Wehrpflicht vorbereitet. Wie Krieg aussieht, sehen die jungen Leute dabei jeden Tag in ihren Livefeeds, wo die Bilder des auch mit deutschen Waffen begangenden Völkermords Israels in Gaza in Dauerschleife laufen, gefolgt von Szenen brutaler Polizeigewalt auf palästinasolidarischen Demos.</p> <p pos="6">Es ist gut, dass sich nun zumindest Ansätze einer emanzipatorischen Gegenbewegung gegen die Gefühle von Hoffnungslosigkeit zeigen, die all das auslöst. Denn auf der anderen politischen Seite trägt diese Stimmung wohl entscheidend zum grassierenden Fremden- und Frau­en*­hass bei – also zu Wertesystemen, in denen man wenigstens noch durch die Abwertung anderer glaubt, etwas zu gelten. Doch dass die bürgerliche Mitte den demokratischen Impuls der Proteste versteht, darf bezweifelt werden.</p> <p pos="7">Wahrscheinlicher ist, dass sich nun wieder alle in rassistisch aufgeladener Sprache auf die Bilder des geplünderten Snipes-Stores auf der Frankfurter Zeil stürzen. Bei rechten Po­li­ti­ke­r:in­nen und Medien ist das keine Überraschung. Aufhören muss aber die Moralpanik im linksliberalen Lager. Und zwar nicht, weil man geplünderte Läden gutheißen müsste. Es gibt gute Gründe für die Kritik, dass Krawallromantik der Sache mehr schadet als nützt. Aber im Zentrum sollte das politische Versagen stehen, das solche Proteste hervorbringt – nicht das Verhalten derjenigen, die offenbar nicht mehr wissen, wie sie sich sonst Gehör verschaffen sollen.</p> <p pos="8">Das müssen sich im Übrigen auch die Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen der „Gen Z regelt“-Proteste sagen lassen, die sich in vorauseilendem Gehorsam von allem distanziert haben, was man ihnen irgendwie anlasten könnte. Dabei müssen sie verstehen, dass Deutschland 2026 nicht mehr dasselbe ist wie zur Zeit von Fridays for Future. Die Zeiten sind rauer geworden, und es ist absehbar, dass nur wenige Teile von Medien und Politik der Bewegung wohlwollend gegenüberstehen werden. Der Blick auf den Rest der Welt zeigt, dass „Gen Z regelt“ trotzdem etwas erreichen kann. Dafür muss die Bewegung aber Druck aufbauen – und darf sich nicht spalten lassen.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Für die taz schreibt er seit 2021 über Klima, Kapitalismus und kleine Risse im großen Ganzen. Hat auch mal Politische Theorie studiert. </p> </div> </div> </div> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Nach-Gen-Z-regelt-Protest/!6226354/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836326/1020/42451238.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836326/665/42451238.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836326/310/42451238.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine eingeschlagene Fensterscheibe eines Juweliers" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8836326/14/42451238.webp" title="Eine eingeschlagene Fensterscheibe eines Juweliers" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Nach Gen-Z-regelt-Protest </span> <span> Krawalle in Frankfurt am Main </span> </span> </p> <p> Steine gegen Polizisten, Plünderungen und Wasserwerfer: Wie konnte die Lage in Frankfurt nach einer großen friedlichen Demonstration derart eskalieren? </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Live-Ticker-GenZ-regelt/!6226335/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/310/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <img height="231" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8836047/14/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> <span> live </span> +++ GenZ regelt +++ </span> <span> Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt </span> </span> </p> <p> Zehntausende demonstrieren für eine bessere Zukunft – mehrheitlich friedlich. Am Abend fliegen an einzelnen Orten Pyros und Flaschen, die Polizei greift an und verletzt einige Demonstrierende. </p> <div> <div> <p> <span>Von</span> <span>Lotte Laloire</span><span>, </span> <span>Timm Kühn</span><span>, </span> <span>Benno Stieber</span><span>, </span> <span>Andreas Wyputta</span><span>, </span> <span>David Muschenich</span><span>, </span> <span>Amira Klute</span><span>, </span> <span>Erik Peter</span><span>, </span> <span>Annika Danielmeier</span><span>, </span> <span>Malte Steinmüller</span> <span>und</span> <span>Yağmur Ekim Çay</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Gen-Z-Proteste/!6226314/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835881/1020/629231530.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835881/665/629231530.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835881/310/629231530.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Plakat auf eine Demonstration: &quot;Bildung statt Bomben&quot;" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8835881/14/629231530.webp" title="Ein Plakat auf eine Demonstration: &quot;Bildung statt Bomben&quot;" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Gen-Z-Proteste </span> <span> „Überall wird zu wenig in Bildung investiert“ </span> </span> </p> <p> „Gen Z regelt“ protestiert bundesweit gegen ein marodes Bildungssystem. Bildungsgewerkschafterin Felicia Kompio erklärt, woran es Schulen und Unis mangelt. </p> <div> <div> <p> <span>Interview von</span> <span>Malte Steinmüller</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226352/ 1 Nov 2026 11:22:00 +0100 Timm Kühn <![CDATA[Nach Gen-Z-regelt-Protest in Frankfurt: Randale bis in die Morgenstunden]]> <img src="https://taz.de/picture/8836326/1200/42451238.jpeg" /><h1>Nach Gen-Z-regelt-Protest: Krawalle in Frankfurt am Main</h1><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Steine gegen Polizisten, Plünderungen und Wasserwerfer: Wie konnte die Lage in Frankfurt nach einer großen friedlichen Demonstration derart eskalieren? </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836326/1200/42451238.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836326/1020/42451238.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836326/665/42451238.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836326/835/42451238.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine eingeschlagene Fensterscheibe eines Juweliers" height="556" src="https://taz.de/picture/8836326/14/42451238.webp" title="Eine eingeschlagene Fensterscheibe eines Juweliers" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> „Gen Z regelt“ distanziert sich von der Gewalt einiger, die am Samstagabend in Frankfurt am Main randaliert haben <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Michael Probst/ap </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><em>dpa/taz</em> | Wie von Sinnen treten und schlagen die jungen Männer gegen die Schaufensterscheiben der Geschäfte. Glas splittert, aufgeregte Stimme hallen durch die Nacht. Einer nutzt ein ausgerissenes Verkehrsschild, um die Scheibe zu zerstören, ein anderer einen Pflasterstein.</p> <p pos="2">Es sind schockierende Szenen, die am Samstagabend in Frankfurt am Main zu beobachten sind. Szenen von roher Gewalt und von Plünderungen. Als die Scheibe eines Geschäftes durchbrochen ist, dringen mehrere der dunkel gekleideten und teils vermummten Männer in den Laden ein. Sie nehmen sich Turnschuhe und andere Dinge, die sie auf die Schnelle greifen können, dann verschwinden sie schnell wieder in der Dunkelheit. Auch in einem Waffenladen greifen sie zu – die Polizei stellt später zwei Waffen sicher.</p> <p pos="3">An anderer Stelle in der Frankfurter Innenstadt liegen Absperrgitter für Baustellen auf der Straße, Randalierer zünden Müll an, Böller fliegen gegen einen Wasserwerfer der Polizei, die mühsam versucht, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Schließlich sperren die Beamten die Zeil, eine der belebtesten Einkaufsstraßen in Deutschland, kurzerhand ab, um für Ruhe zu sorgen. Auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) wird alarmiert.</p> <h2 id="bilder-in-frankfurt-wie-in-frankreich" pos="4">Bilder in Frankfurt wie in Frankreich</h2> <p pos="5">Lange war in Deutschland diskutiert worden, ob auch hierzulande Zustände denkbar sind wie jüngst in Frankreich. Dort war es am Rande von Sozialprotesten zu schweren Ausschreitungen gekommen, Geschäfte wurden geplündert, es herrschte Entsetzen darüber, wie sich die Gewalt so entladen konnte.</p> <p pos="6">Und nun diese Bilder aus Frankfurt. Die große Frage lautet: Wie konnte es dazu kommen? Und was haben die Krawallmacher mit der vorherigen Demo junger Menschen zu tun, die eigentlich auf soziale Missstände aufmerksam machen wollten?</p> <p pos="7"><a href="http://www.taz.de//Live-Ticker-GenZ-regelt/!6226335/">Alles hatte so friedlich begonnen.</a> Hunderte Jugendliche – überwiegend Schüler und Studierende – versammelten sich an der Weseler Werft am Mainufer. Ihnen ging es um Bildung, soziale Gerechtigkeit, Frieden. Neben „Gen Z regelt“ hatten sich andere Gruppen angeschlossen, die auf der Bühne für ihre Anliegen warben. Bunte Kostüme und selbst gemachte Plakate bestimmten das Bild.</p> <h2 id="vermummte-mit-pyrotechnik" pos="8">Vermummte mit Pyrotechnik</h2> <p pos="9">In Frankfurt hat die Teilnehmerzahl wie von der Initiative erwartet 10.000 erreicht. „Siamo tutti antifascisti!“-Rufe erklangen im Bankenviertel. die Stimmung in Frankfurt am Main wurde gegen 18 Uhr hitzig. Die Polizei ging auf Demonstrierende los, angeblich wegen Pyro. Dann flogen Böller auf die Polizei, diese setzte Gewalt ein. Am Abend wurden mindestens zwei Demonstrierende verletzt, darunter eine Kopfverletzung.</p> <p pos="10">Mit der einbrechenden Dunkelheit wird die Stimmung aggressiver. Skandiert wird nun „Ganz Frankfurt hasst die Polizei“ und „Revolution“. Totenkopf-Flaggen und Fahnen der „Antifaschistischen Aktion“ sind zu sehen. Ein Wasserwerfer und ein Panzerfahrzeug der Polizei fahren vor.</p> <p pos="11">An einer Kreuzung versucht die Polizei, die Gruppen zu trennen: Die friedlichen Demonstranten sollen weiterlaufen, die Krawallmacher will man abspalten. Als das nicht gelingt, wird die Demo wegen des „unfriedlichen Verlaufs“ vorzeitig beendet. Die meisten Schüler und Studenten sind zu diesem Zeitpunkt schon weg – oder gehen spätestens jetzt.</p> <h2 id="auseinandersetzungen-nach-demo-ende" pos="12">Auseinandersetzungen nach Demo-Ende</h2> <p pos="13">Doch für die Polizei geht es nach der Auflösung der Demo erst richtig los. Die erste Konfrontation gibt es an der Konstablerwache mitten in der Innenstadt. Polizisten mit Helmen und aggressive Gruppen stehen sich gegenüber. Zahlreiche Schaulustige strömen herbei. Coronamasken, Halloweenverkleidungen und hochgezogene Schals sind zu sehen – dazwischen Einkäufer und Passanten auf der Zeil.</p> <p pos="14">Das Geschehen ist an diesem Abend insgesamt diffus und unübersichtlich. Bis zum späten Abend werden mehr als 30 Personen vorläufig festgenommen. Und der Schreck ist groß. Auch in der Politik.</p> <h2 id="n-chster-protest-geplant" pos="15">Nächster Protest geplant</h2> <p pos="16">Ein Sprecher der Initiative „Gen Z regelt“ sagte: „Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss.“ Die Initiative veröffentlichte am Samstagabend auf Instagram eine Stellungnahme, worin sie sich von „jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen“ distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen waren. „<a href="http://www.taz.de//Gen-Z-Proteste/!6226314/">Wir stehen für friedlichen Protest,</a> demokratische Werte und das Recht, unsere Meinung frei zu äußern. Gewalt war und ist niemals Teil unserer Bewegung.“</p> <p pos="17">In drei Wochen will die Initiative wieder <a href="http://www.taz.de//Berlin-Demo-von-Gen-Z-regelt/!6226313/">bundesweit Menschenmassen</a> mobilisieren. Sie bezeichnete die Demonstrationen am Samstag nur als ersten Schritt. „Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen“, sagte der Sprecher des Presseteams, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will, der Deutschen Presse-Agentur.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. 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Auch Krawalle ändern nichts daran, dass das legitim ist. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Live-Ticker-GenZ-regelt/!6226335/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/310/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <img height="231" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8836047/14/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> <span> live </span> +++ GenZ regelt +++ </span> <span> Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt </span> </span> </p> <p> Zehntausende demonstrieren für eine bessere Zukunft – mehrheitlich friedlich. Am Abend fliegen an einzelnen Orten Pyros und Flaschen, die Polizei greift an und verletzt einige Demonstrierende. </p> <div> <div> <p> <span>Von</span> <span>Lotte Laloire</span><span>, </span> <span>Timm Kühn</span><span>, </span> <span>Benno Stieber</span><span>, </span> <span>Andreas Wyputta</span><span>, </span> <span>David Muschenich</span><span>, </span> <span>Amira Klute</span><span>, </span> <span>Erik Peter</span><span>, </span> <span>Annika Danielmeier</span><span>, </span> <span>Malte Steinmüller</span> <span>und</span> <span>Yağmur Ekim Çay</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Gen-Z-Proteste/!6226314/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835881/1020/629231530.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835881/665/629231530.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835881/310/629231530.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Plakat auf eine Demonstration: &quot;Bildung statt Bomben&quot;" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8835881/14/629231530.webp" title="Ein Plakat auf eine Demonstration: &quot;Bildung statt Bomben&quot;" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Gen-Z-Proteste </span> <span> „Überall wird zu wenig in Bildung investiert“ </span> </span> </p> <p> „Gen Z regelt“ protestiert bundesweit gegen ein marodes Bildungssystem. Bildungsgewerkschafterin Felicia Kompio erklärt, woran es Schulen und Unis mangelt. </p> <div> <div> <p> <span>Interview von</span> <span>Malte Steinmüller</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226354/ 1 Nov 2026 08:45:00 +0100 Yağmur Ekim Çay <![CDATA[Stichwahl in Bulgarien: Prowestlicher Herausforderer kämpft um das Präsidentenamt]]> <img src="https://taz.de/picture/8836333/1200/42451146.jpeg" /><h1>Stichwahl in Bulgarien: Prowestlicher Herausforderer kämpft um das Präsidentenamt</h1><div :class="isMobile ? 'isMobile' : 'isNotMobile'"> <section id="adzone_wall"> <aside> <aside :class="idAfterDeviceDetect === '' ? 'is-hidden' : ''" data-debug-desktop-id="taz.de/taz.de_ros_top-links" data-debug-mobile-id="" x-data="{&#xA;adzoneDesktopId: 'taz.de/taz.de_ros_top-links',&#xA;adzoneMobileId: '',&#xA;get idAfterDeviceDetect() {&#xA;if (marOtaz_de.isMobile() ){&#xA;// todo: AD-UMSTELLUNG: muss bleiben&#xA;return this.adzoneMobileId;&#xA;}&#xA;if (!marOtaz_de.isBigDesktopScreen() ){ // &lt; 1600px&#xA;if ( this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-rechts' || this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-links') {&#xA;return ''; // do not show this ad on tablets and small desktop screens / laptops&#xA;}&#xA;}&#xA;return this.adzoneDesktopId; // is no mobile device&#xA;}&#xA;}"> <span :id="'ad_bin_' + idAfterDeviceDetect" x-init="&#xA;&#xA;$nextTick(() => {if (idAfterDeviceDetect !== '') filOtaz_de.ads.gpt.activateAdFrame( $el, idAfterDeviceDetect ) }) &#xA;"> </span> </aside> </aside> <aside> <aside :class="idAfterDeviceDetect === '' ? 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Die Stichwahl zeichnet sich als dramatisch ab. Zuvor erreichte Präsidentin Jotowa ein bescheidenes Ergebnis. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836333/1200/42451146.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836333/1020/42451146.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836333/665/42451146.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836333/835/42451146.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Mann wirft einen Wahlzettel in eine Box" height="556" src="https://taz.de/picture/8836333/14/42451146.webp" title="Ein Mann wirft einen Wahlzettel in eine Box" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Nur 22,2 Prozent der Bürger und Bürgerinnen hatten ihre Stimme bei der letzten Wahl abgegeben <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Valentina Petrova/ap/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><em>dpa</em> | Im EU- und Nato-Land Bulgarien hat eine entscheidende <a href="http://www.taz.de//Bulgarien/!6224964/">Stichwahl um das Präsidentenamt</a> begonnen. Gegeneinander treten Amtsinhaberin Ilijana Jotowa, eine frühere Europaabgeordnete, und der konsequent prowestliche Ex-Interimsregierungschef Andrej Gjurow an. Der 50-jährige promovierte Ökonom wird vom reformwilligen liberal-konservativen Oppositionslager unterstützt.</p> <p pos="2">Die Stichwahl wurde notwendig, da keiner der 27 Kandidatinnen und Kandidaten bei der ersten Runde am vergangenen Sonntag die absolute Mehrheit erreicht hat. Die beiden Bestplatzierten, Jotowa und Gjurow, erhielten jeweils 34,76 und 31,95 Prozent der Stimmen.</p> <p pos="3"><a href="http://www.taz.de//Praesidentschaftswahl-in-Bulgarien/!6225121/">Beim ersten Wahlgang wurde die 62-jährige Jotowa</a> von der allein regierenden Mitte-Links-Partei Progressives Bulgarien (PB) und von den Sozialisten (BSP) unterstützt, deren Sprecherin sie früher gewesen war. Für die Stichwahl sprachen ihr auch prorussische Nationalisten Unterstützung zu.</p> <h2 id="ukrainekrieg-pr-gt-wahl-in-bulgarien" pos="4">Ukrainekrieg prägt Wahl in Bulgarien</h2> <p pos="5">Der Ukrainekrieg unweit von Bulgarien verleiht der Wahl in dem Land an der Ostflanke der Nato eine neue Dimension. Jotowa setzte sich im Wahlkampf immer wieder für eine Friedenslösung für die Ukraine durch Verhandlungen mit Russland ein. Bei der Stichwahl dürfte entschieden werden, ob Jotowa die zurückhaltende Linie von Regierungschef Rumen Radew im Präsidialamt weiter fortsetzt, dessen Stellvertreterin sie vor seinem Rücktritt als Staatschef war.</p> <p pos="6">Gjurow dürfte bei einem Wahlsieg andere außenpolitische Akzente setzen. Er lässt eine engere Orientierung an den westlichen Partnern erwarten sowie eine stärkere Unterstützung für die Ukraine im russischen Angriffskrieg.</p> <h2 id="wahl-als-test-f-r-mitte-links-regierung" pos="7">Wahl als Test für Mitte-links-Regierung</h2> <p pos="8">Steigende Lebenshaltungskosten und teure Treibstoffe bereiten den Menschen <a href="http://www.taz.de//Praesidentschaftswahl-in-Bulgarien/!6224720/">in einem der ärmsten EU-Länder</a> immer mehr Sorgen. Die Präsidentschaftswahl gilt als Test für die Regierung nach einem halben Jahr im Amt, da die regierende Partei PB die Kandidatin Jotowa direkt unterstützt.</p> <p pos="9">Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte können bis 19.00 Uhr MEZ (20.00 Ortszeit) ihre Stimme abgeben. Prognosen von Meinungsforschern dürren erst nach Wahlschluss veröffentlicht werden. In der Wahlnacht wird kaum mit amtlichen Ergebnissen gerechnet.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Am 1. November trifft sie auf den pro-europäischen Ex-Premier Gjurow. Ihn abzuschreiben, wäre aber zu früh. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Praesidentschaftswahl-in-Bulgarien/!6224720/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8822426/1020/42379071.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8822426/665/42379071.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8822426/310/42379071.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Wahlplakat mit einer Frau und der Nummer 25" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8822426/14/42379071.webp" title="Wahlplakat mit einer Frau und der Nummer 25" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Präsidentschaftswahl in Bulgarien </span> <span> Kreml-Freundin ist klare Favoritin </span> </span> </p> <p> Staatschefin Ilijana Jotowa dürfte die erste Runde der Präsidentenwahl am Sonntag für sich entscheiden. Die Ex-Sozialistin ist klar auf Russland-Kurs. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Nach-Starlink-Anschlag-in-Polen/!6221692/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8801558/1020/42311611.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8801558/665/42311611.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8801558/310/42311611.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Feuer und Qualm beim Brand einer Satellitenanlage" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8801558/14/42311611.webp" title="Feuer und Qualm beim Brand einer Satellitenanlage" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Nach Starlink-Anschlag in Polen </span> <span> Brand an Starlink-Antennen auch in Bulgarien </span> </span> </p> <p> Anlagen des Satellitendienstes Starlink sind wohl erneut zu Zielen von Saboteuren geworden. Bulgarien meldet jetzt ebenfalls einen Brand in einer Anlage. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. 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'is-hidden' : ''" data-debug-desktop-id="taz.de/taz.de_artikel_10" data-debug-mobile-id="taz.de/taz.de_artikel_10-mobile" x-data="{&#xA;adzoneDesktopId: 'taz.de/taz.de_artikel_10',&#xA;adzoneMobileId: 'taz.de/taz.de_artikel_10-mobile',&#xA;get idAfterDeviceDetect() {&#xA;if (marOtaz_de.isMobile() ){&#xA;// todo: AD-UMSTELLUNG: muss bleiben&#xA;return this.adzoneMobileId;&#xA;}&#xA;if (!marOtaz_de.isBigDesktopScreen() ){ // &lt; 1600px&#xA;if ( this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-rechts' || this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-links') {&#xA;return ''; // do not show this ad on tablets and small desktop screens / laptops&#xA;}&#xA;}&#xA;return this.adzoneDesktopId; // is no mobile device&#xA;}&#xA;}"> <span :id="'ad_bin_' + idAfterDeviceDetect" x-init="&#xA;&#xA;$nextTick(() => {if (idAfterDeviceDetect !== '') filOtaz_de.ads.gpt.activateAdFrame( $el, idAfterDeviceDetect ) }) &#xA;"> </span> </aside> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226356/ 1 Nov 2026 09:20:00 +0100 <![CDATA[Machtwechsel in Serbien: Eine verwahrloste Struktur heilt nicht über Nacht]]> <img src="https://taz.de/picture/8833719/1200/42429713.jpeg" /><h1>Machtwechsel in Serbien: Eine verwahrloste Struktur heilt nicht über Nacht</h1><h2>By Kolumne von Doris Akrap</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <h2> <span>Machtwechsel in Serbien</span><span>: </span><span>Eine verwahrloste Struktur heilt nicht über Nacht</span> </h2> <p> Während in Serbien ein autokratisches Regime abgewählt wurde, zeigt sich im kroatischen Baška Voda, wie fragil ein demokratischer Neuanfang bleibt. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8833719/1200/42429713.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833719/1020/42429713.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833719/665/42429713.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833719/1020/42429713.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Die Statue des heiligen Nikolaus in Baška Voda, Kroatien - in Hintergrund Strand mit Tretbooten, und eine hügelige Landschaft" height="680" src="https://taz.de/picture/8833719/14/42429713.webp" title="Die Statue des heiligen Nikolaus in Baška Voda, Kroatien - in Hintergrund Strand mit Tretbooten, und eine hügelige Landschaft" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> An der Strandpromende von Baska Voda: Der neue Bürgermeister soll weg, sonst hätte man auch den alten behalten können <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Pond5/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>W</span></span> <span>ährend <a href="http://www.taz.de//Nach-der-Parlamentswahl-in-Serbien/!6225647/">der Herbst 2026 in Serbien</a> einen Frühling der Demokratie verspricht, ist im Nachbarstaat Kroatien der Frühling des demokratischen Wandels für die neue Regierung an der Makarska Riviera bereits im Herbst angekommen.</span></p> <p pos="2">Am kommenden Sonntag wird in der Adriagemeinde Baška Voda ein Referendum zur Abwahl des neuen Bürgermeisters abgehalten.</p> <p pos="3">Geneigte Le­se­r*in­nen erinnern sich noch an die <a href="http://www.taz.de//Neues-vom-Kroatien-Wahl-Krimi/!6091913/">ausführliche Berichterstattung dieser Kolumne</a> über die Abwahl des 32 Jahre amtierenden Bürgermeisters in der kleinen dalmatinischen Küstengemeinde. Vor anderthalb Jahren schaffte das Bündnis aus Sozialdemokraten, Ex-Parteiangehörigen und der Miniliste „Die drei Buchten“ in einem dramatischen Wahlkampf samt zwei Wahlwiederholungen und Der-Pate-Vibes einen historischen Sieg über millionenschwere Korruption, engstmaschige Vetternwirtschaft, bösartige Intransparenz.</p> <p pos="4">Auf mikrolokaler Ebene war es der gleiche politische Befreiungsakt, den die Welt vergangenen Sonntag in Serbien beobachten konnte. Eine durch und durch moralisch verlotterte, räuberische, hundeliebende und rhetorisch mit allen Wassern gewaschene Autokratie wurde abgewählt.</p> <p pos="5">Die Hoffnungen, die mit dem neuen Bürgermeister verbunden waren, sind jedoch begraben, wenn auch nur punktuell. Im Sommer war der als unabhängiger Kandidat von der Opposition unterstützte Vjekoslav Radić wieder der Partei beigetreten, die er einst aus Protest gegen nepotistische Strukturen verlassen hatte: der HDZ. Jener Partei des Staatsgründers Franjo Tuđjman, der der alte Bürgermeister und der amtierende Ministerpräsident Kroatiens angehört und die landesweit nicht minder hart als in Serbien die Vučić-Regierung für Korruption und Vetternwirtschaft kritisiert wird.</p> <p pos="6">Die erneute Parteimitgliedschaft wäre allein nicht entscheidend dafür, dem neuen Bürgermeister das Vertrauen zu entziehen. Schon nach wenigen Monaten aber war dessen politisches Verhalten von undurchsichtigen, ökonomisch und rechtlich fragwürdigen, antidemokratischen Entscheidungen, von Gefallen an kirchennahe Personen hier, an HDZ-nahen Personen geprägt.</p> <p pos="7">Ende September war sich die Mehrheit der Gemeindevertreter einig, dass der neue Bürgermeister nicht mehr tragbar war, sich mutmaßlich strafbar gemacht hatte und beschloss, ein Referendum abzuhalten, in dem die Bürger darüber entscheiden sollen, ob der neue Bürgermeister der alte bleiben soll.</p> <p pos="8">Auch der Ex-Bürgermeister stimmte für das Referendum gegen seinen Nachfolger und nahm dafür erstmals seit anderthalb Jahren an einer Gemeinderatssitzung teil. Der Preis war, dass seine Partei ankündigte, ihn aus der Partei auszuschließen. Unterdessen ruft der amtierende Bürgermeister seine Gemeinde dazu auf, das Referendum zu boykottieren und den Tag mit der Familie zu verbringen.</p> <p pos="9">Wenn Sie jetzt längst durcheinandergekommen sind, welcher Bürgermeister aus welcher Partei ausgetreten, ausgeschlossen oder wieder eingetreten ist: macht nichts, die beiden sind austauschbar.</p> <p pos="10">Anstelle der Kolumne wäre über diese Groteske der Demokratie besser ein Kriminalroman zu schreiben. Aber so ist nun mal die Realität. Der Sieg über eine verlotterte Regierung führt nirgends nie direkt in den Garten Eden.</p> <p pos="11">Das Beispiel Baška Voda zeigt, dass eine verwahrloste Struktur weder über Nacht heilt, noch, dass ehemalige Gegner der Korruption nicht korrupt sein können. Es zeigt aber auch, dass ein <em>regime</em> <em>change</em> nicht verloren ist, nur weil es Abtrünnige gibt. Es ist das Wesen der Demokratie, dass ein Sieg immer nur etappenweise zu haben ist. In der kleinen Adriagemeinde folgt die nächste Etappe am 6. November. Und auf diesen Herbst sicher auch ein Frühling.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Diese Zeit könnten der Wahlverlierer Vučić und seine Gefolgsleute versuchen für sich zu nutzen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Konzert-von-Rechtsrocker-Thompson/!6210652/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8719212/1020/42076297.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8719212/665/42076297.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8719212/310/42076297.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Marko Perkovic Thompson auf der Bühne angestrahlt, die rechte Hand mit Mikro erhoben" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8719212/14/42076297.webp" title="Marko Perkovic Thompson auf der Bühne angestrahlt, die rechte Hand mit Mikro erhoben" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Konzert von Rechtsrocker Thompson </span> <span> Wo der Kampf gegen den Faschismus endet </span> </span> </p> <p> Im Herbst will der kroatische Rechtsrocker Thompson in Frankfurt auftreten. Die dortige CDU windet sich um eine klare Haltung. Das hat seine Gründe. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Kommunalwahlen-in-Kroatien-/!6088399/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7731576/1020/38534874-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7731576/665/38534874-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7731576/310/38534874-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Mann und eine Frau halten Händchen" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7731576/14/38534874-1.webp" title="Ein Mann und eine Frau halten Händchen" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Kommunalwahlen in Kroatien </span> <span> In einem gespaltenen Land </span> </span> </p> <p> Bei den Kommunalwahlen in Kroatien gewinnt Links-Grün in der Hauptstadt Zagreb. Insgesamt aber liegt die Rechtspartei HDZ vorn – vor allem im ländlichen Raum. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. 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Mit den lokalen Ak­ti­vis­t*in­nen wurde aber noch nicht geredet. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8830981/1200/42419816.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8830981/1020/42419816.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8830981/665/42419816.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8830981/835/42419816.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine historische Aufnahme mit Uniformierten vor dem Kolonialkriegerdenkmal in Bremen" height="556" src="https://taz.de/picture/8830981/14/42419816.webp" title="Eine historische Aufnahme mit Uniformierten vor dem Kolonialkriegerdenkmal in Bremen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Einweihung des „Kolonialkriegsdenkmals“ in Bremen 1932, auf der Bühne General Paul von Lettow-Vorbeck in Kolonialuniform <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: ullstein bild </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Im Inneren des begehbaren Backstein-Elefanten ist es dunkel. Kaum Licht dringt in die Krypta, die sich im Fußteil des <a href="http://www.taz.de//Offener-Brief-zur-Dekolonisierung/!5973953/">Antikolonialdenkmals im Bremer Nelson-Mandela-Park</a> befindet. 1932 feierlich eingeweiht, sollte das „Kolonialehrendenkmal“ die blutige koloniale Täterschaft der Stadt verherrlichen.</p> <p pos="2">Der Bremer Kaufmann Alfred Lüderitz war es, der Ende des 19. Jahrhunderts mit betrügerischen Verträgen Land im heutigen Namibia erwarb. 1884 wurde „Deutsch-Südwestafrika“ zur ersten deutschen Kolonie. Lüderitz ebnete damit den Weg für den Genozid an den Herero und Nama, bis 1908 wurden 100.000 von ihnen von deutschen Kolonialsoldaten ermordet.</p> <p pos="3">1988, nach mehr als einem Jahrzehnt zivilgesellschaftlichem Ringen, wurde der Elefant zum Anti-Kolonial-Denkmal. „Der 10 Meter hohe Elefant ist nicht nur der größte, sondern auch der einzige Ort, der in Deutschland offiziell dem Gedenken an die deutschen Kolonialverbrechen gewidmet ist“, sagt der Bremer Grünen-Politiker Ralph Saxe, Vorsitzender des Vereins „Der Elefant!“, der sich seit 2011 um die Instandhaltung des Gedenkorts kümmert.</p> <p pos="4">Saxe, seit Anfang des Jahres auch Vizepräsident der Bremischen Bürgerschaft, hatte im Sommer <a href="https://gruene-bremen.de/2026/08/10/nationale-gedenkstaette-und-dokumentationszentrum-zum-kolonialismus-in-bremen-und-bremerhaven-ansiedeln/" target="_blank">vorgeschlagen</a>, Bremen mit Bremerhaven zum Standort für den von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer geplanten „Erinnerungsort Kolonialismus“ zu machen, mit dem Elefanten als Bezugspunkt.</p> <h2 id="entscheidung-f-r-bremen" pos="5">Entscheidung für Bremen</h2> <p pos="6">Tatsächlich hieß es dann Ende September, Weimer habe die <a href="http://www.taz.de//Weimer-kolonisiert-Kolonialgedenken/!6217386/">Entscheidung für Bremen</a> im Kulturausschuss des Bundestages verkündet. Weimers Pressestelle dementierte die Nachricht kurze Zeit später: Der Kulturstaatsminister führe noch Gespräche mit dem Land Bremen und dem städtischen Übersee-Museum in Bremerhaven. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.</p> <p pos="7">Im Vorfeld hatte Weimer betont, ein Kriterium für die Standortentscheidung sei eine lebendige Zivilgesellschaft, die sich mit der Aufarbeitung des Kolonialismus befasse. Genau diese Zivilgesellschaft ist in Bremen jedoch gar nicht glücklich mit dem Vorgehen des Kulturstaatministers. Sie seien „irritiert bis empört“ darüber, wie der derzeitige Prozess ablaufe, sagt die Kulturwissenschaftlerin Lilli Hasche von der Initiative „Walle entkolonialisieren!“, die sich unter anderem für die Umbenennung von Straßennamen engagiert.</p> <p pos="8">Als es Ende September hieß, dass die Entscheidung für Bremen bereits gefallen sei, organisierte <a href="http://www.taz.de//Afrika-Netzwerkerin-ueber-die-Diaspora/!5866916/">die Aktivistin Virginie Kamche vom Afrika-Netzwerk Bremen</a> ein Treffen mit dem Netzwerk bremen.global, einem Dachverband von über 30 entwicklungspolitischen Initiativen und Vereinen. Gemeinsam habe man sich darüber austauschen wollen, was man nur aus den Medien mitbekam, sagt Kamche. „Es war uns wichtig, nicht nur Menschen aus Vereinen und anderen Initiativen zu erreichen, sondern auch die afrikanische Diaspora.“</p> <div data-for="picture" data-pos="8"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8830981/1200/42419817.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8830981/1020/42419817.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8830981/665/42419817.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8830981/835/42419817.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das Antikolonialdenkmal in Bremen" height="556" src="https://taz.de/picture/8830981/14/42419817.webp" title="Das Antikolonialdenkmal in Bremen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Der Elefant in Bremen nach seiner Umwidmung zum Antikolonialdenkmal <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Klaus Nowottnick/dpa/picture alliance </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="9">Kamche engagiert sich seit über zehn Jahren in der dekolonialen Community von Bremen. Seit 2017 ist sie hauptamtliche Eine-Welt-Promotorin für Migration, Diaspora und Entwicklung, seit März diesen Jahres zudem Vorsitzende des Bremer Landesdekolonialisierungsbeirats, der Verwaltung und Politik bei der Entkolonialisierung gesellschaftlicher Strukturen beraten soll.</p> <p pos="10">Weder als Vorsitzende des Beirats, noch in einer anderen ihrer Funktionen wurde Virginie Kamche bislang vom Kulturstaatsminister auf den geplanten Gedenkort zum Kolonialismus angesprochen. Dabei sei es wichtig, dass die Stimmen von Communitys deutschlandweit gehört werden, sagt sie. „Das sind Menschen, die immer noch von den Folgen von Kolonialismus betroffen sind. Wenn niemand mit uns spricht, dann ist das eine Form von kolonialer Kontinuität.“</p> <p pos="11">Mit Ak­teu­r*in­nen aus der dekolonialen Community Hamburgs und Berlins habe man sich in den vergangenen Wochen zusammengeschaltet, sagt Kamche – auch diese Städte sind als Standorte für einen kolonialen Gedenkort im Gespräch. Die Frustration über den derzeitigen Prozess sei dort groß gewesen.</p> <p pos="12">Die Idee, endlich einen nationalen Erinnerungsort für die Aufarbeitung deutscher Kolonialverbrechen zu errichten, ist nicht neu: Bereits die Ampelkoalition hatte in ihrem Koalitionsvertrag von 2021 einen „Lern- und Erinnerungsort Kolonialismus“ vorgesehen. Weimers Vorgängerin Claudia Roth plante sogar, den Kolonialismus in die deutsche Gedenkstättenkonzeption aufzunehmen.</p> <div data-for="webelement_citation" data-pos="12"> <section> <p> <span></span> </p> <div><p> Wenn niemand mit uns spricht, dann ist das eine Form von kolonialer Kontinuität </p><p> Virginie Kamche, Aktivistin und Vorsitzende des Bremer Landesdekolonialisierungs­beirats </p> </div> </section> </div> <p pos="13">Bei dem von Weimer Ende 2025 vorgelegten Gedenkstätten-Konzept geht es dagegen wieder nur um die NS-Diktatur und das SED-Unrecht. Für die Aufarbeitung des Kolonialismus kündigte der Kulturstaatsminister ein eigenes Konzept an. Auf das wird seither gewartet. Laut einer Pressemitteilung von Ende September soll das Papier „im Herbst diesen Jahres“ vorlegt werden, also sehr bald.</p> <p pos="14">Wie der im Koalitionsvertrag angedachte „würdige Erinnerungsort“ aussehen soll, ist bislang noch offen. „Es kann nicht darum gehen, irgendwo ein Denkmal oder ein Archiv hinzustellen“, sagt der Jurist und Mitbegründer des Bremer Afrika-Archivs, Manfred Hinz. Seit den 1970ern engagierte sich Hinz in der Aufarbeitung der Bremer Kolonialgeschichte. Nachdem Namibia 1990 die Unabhängigkeit von der südafrikanischen Besatzung erlangt hatte, wirkte er auch an der Vorbereitung der Verfassung des jungen Staates mit.</p> <p pos="15">Er sehe es so, dass der Kolonialismus noch nicht vorbei sei, sagt Hinz: „Er lebt in unseren Köpfen fort. Und auch in den ehemalig kolonialisierten Ländern sind die sozialen und politischen Folgen noch immer präsent.“</p> <h2 id="ort-der-begegnung" pos="16">Ort der Begegnung</h2> <p pos="17">Virginie Kamche versucht derweil nach vorne zu blicken. „Wir machen uns nicht nur in Bremen, sondern auch mit Hamburg und Berlin bereits Gedanken, wie wir uns einen Gedenkort vorstellen.“ Es soll ein Ort der Begegnung werden, der dazu aufrufe, sich mit kolonialen Abhängigkeiten und rassistischen Strukturen auseinanderzusetzen.</p> <p pos="18">Irgendwann würden sie mit ihren Vorstellungen auch nach außen gehen, sagt Kamche. „Ich will nicht schon wieder, dass für uns, über uns, ohne uns geredet wird.“</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Auf dem Fluctoplasma Festival findet dort ein postkolonialer Rundgang statt. </p> <div> <div> <p> <span>Interview von</span> <span>Anouk Boelsen</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Weimer-kolonisiert-Kolonialgedenken/!6217386/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8769653/1020/41735265.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8769653/665/41735265.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8769653/310/41735265.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, steht vor dem Bayreuther Festspielhaus bei einem Interview" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8769653/14/41735265.webp" title="Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, steht vor dem Bayreuther Festspielhaus bei einem Interview" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Weimer kolonisiert Kolonialgedenken </span> <span> Wie er’s macht, macht er’s falsch </span> </span> </p> <p> Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verfügt: Die nationale Kolonialismus-Gedenkstätte wird in Bremen eingerichtet. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Gedenken-an-deutschen-Kolonialismus/!6119542/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7984650/1020/35504812.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7984650/665/35504812.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7984650/310/35504812.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Völkermord an den Herero und Nama (etwas 1904-1907) im Zentrum der namibischen Hauptstadt Windhoek" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7984650/14/35504812.webp" title="Ein Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Völkermord an den Herero und Nama (etwas 1904-1907) im Zentrum der namibischen Hauptstadt Windhoek" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Gedenken an deutschen Kolonialismus </span> <span> Ein Arbeitsauftrag an die Politik </span> </span> </p> <p> Zivilgesellschaft übergibt Erinnerungskonzept Kolonialismus an Kultursenatorin. Die freut sich, aber Geld zur Umsetzung der Forderungen hat sie nicht. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick" href="http://www.taz.de//abo/wochentaz-lesen-kann-jede-r/!v=4e55b74b-64f3-42ea-a31a-928098327e90/#matomo:pk_campaign=DA24WWP2OF-WE-10W10E-n_22-TLS-tazeigen-onsite--newsletter-HUP-ex733&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=tag-platziert&amp;pk_placement=Tag-wochentaz" title="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <img alt="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/14/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" title="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Ausgaben für 10 Euro </span> <span> Die Wochenzeitung mit taz-Blick </span> </h2> <div> <p> Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen. </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört</li> <li pos="2"><span></span>Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus</li> <li pos="3"><span></span>Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion</li> <li pos="4"><span></span>Mit Zukunftsteil zu Klima, Wissen &amp; Utopien</li> <li pos="5"><span></span>Mit Regionalteil „Stadtland“ für alles Wichtige zwischen Dorf und Metropole</li> </ul> </span> </div> <p> <strong>10 Wochen für nur</strong> <strong>10 Euro</strong> </p> <p> wochentaz ausprobieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223199/ 31 Oct 2026 20:02:00 +0100 Anouk Boelsen <![CDATA[Mitlaufen beim Hamburger Halbmarathon: Am Schluss lockt das Franzbrötchen]]> <img src="https://taz.de/picture/8830050/1200/110718953.jpeg" /><h1>Mitlaufen beim Hamburger Halbmarathon: Am Schluss lockt das Franzbrötchen</h1><h2>By Kolumne Großraumdisco von Ilka Kreutzträger</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <h2> <span>Mitlaufen beim Hamburger Halbmarathon</span><span>: </span><span>Am Schluss lockt das Franzbrötchen</span> </h2> <p> Dass gemeinsam Laufen gerade sehr beliebt ist, war jetzt beim Hamburger Halbmarathon zu zählen. So viele wollten dabei sein wie noch nie zuvor. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8830050/1200/110718953.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8830050/1020/110718953.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8830050/665/110718953.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8830050/1020/110718953.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Blick auf die Beine bei einem Marathon" height="680" src="https://taz.de/picture/8830050/14/110718953.webp" title="Blick auf die Beine bei einem Marathon" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> So ein Rennen muss man schon allein mit sich ausmachen, einsam aber ist man dabei eher nicht <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Silas Stein/picture alliance/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>K</span></span> <span>eine Ahnung, wieso der Typ mit einer Körperhaltung wie ein Flitzebogen schon wieder vor mir herläuft. Sein Bauchnabel schöbe sich vor seinem restlichen Körper über die Ziellinie, die ist aber noch fast 15 Kilometer entfernt, als ich ihn zum dritten Mal überhole, mindestens. Na gut, trabe ich also erneut an ihm vorbei und noch mal und noch mal und denke irgendwann an Hase und Igel und dann geht es leicht bergab, die Elbe kommt in den Blick, wir lassen den Hamburger Fischmarkt rechts liegen und rennen Richtung Landungsbrücken, Speicherstadt, Hauptbahnhof, um die Alster und zum Fernsehturm über einen blauen Teppich ins Ziel.</span></p> <p pos="2">Ein Halbmarathon. Ich laufe die 21,1 Kilometer an diesem Sonntag eine Stunde und 8 Minuten langsamer als die Siegerin Selly Simatinyang aus Kenia. Und zwei Minuten schneller als mein Neffe. Der war am Start an mir vorbeigelaufen und in der auf und ab wippenden Menge verschwunden.</p> <p pos="3">Als mein Neffe, meine Freundin aus meiner allerersten WG und ich gegen 10.45 Uhr starten, sind bereits gut 12.000 Läuferinnen und Läufer auf der Strecke, lässt uns der Anheizer wissen und ruft „viel Spaß!“ und so ins Mikro. Beim Frühstück hatten wir erst über Fluch und Segen von KI diskutiert und dann über die Kleiderwahl: Langarmshirt? Windbraker? Regenjacke? Wintermantel? Regenschirm? Doch bloß ein T-Shirt?</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <div> <p><strong>Zusammen durch die Stadt laufen</strong> kann man auch in Hamburg immer häufiger. Demnächst zum Beispiel im Klövensteen, einem Waldgebiet, in dem neulich ein Wolf gesichtet wurde. <a href="https://christmasrun.de/" target="_blank">Run to tree</a> heißt der Lauf, bedeutet: Erst rennen und dann einen Weihnachtsbaum kaufen. Und im nächsten Sommer findet in Hamburg der Halbmarathon ausschließlich für Frauen statt.</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">ChatGPT hatte kurze Hose und ärmelloses T-Shirt vorgeschlagen, so eine KI weiß eben nicht, wie kalt kalter Wind ist. Und wir hatten uns gefragt, ob wir doch zusammen loslaufen können. Eigentlich gibt es Startblöcke, A bis G, nach Uhrzeiten gestaffelt, je nachdem wie schnell man so zu sein gedenkt. Als wir dann nach einem kurzen Fußmarsch quer über das Heiligengeistfeld am Millerntorstadion vorbei auf der Reeperbahn ankommen, verschwimmen wir sofort in der Menge, die sich anfühlt wie der Beginn einer Demo, und lassen uns einfach mitziehen.</p> <p pos="5">Angemeldet hatten sich knapp 20.800 Leute, ein neuer Rekord für die 32. Ausgabe dieses Rennens, und damit war es der zweitgrößte reine Halbmarathon Deutschlands, <a href="https://www.hamburg-halbmarathon.de/" target="_blank">wie der Veranstalter später mitteilt</a>. Irgendeinen Superlativ braucht es halt immer. Die Anmeldezahlen machen aber auf jeden Fall deutlich, dass gemeinsam Laufen gerade sehr beliebt ist. Viele Laufevents melden Rekordanmeldezahlen. An diesem Sonntag in Hamburg sind schließlich 15.534 Leute wirklich gestartet.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="5"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/wochentaz-testen"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/1020/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/665/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5905932/242/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5905932/14/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" title="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>wochentaz</p> <div> <div> <p>Dieser Text erschien zuerst in der <strong>wochentaz,</strong> unserer Wochenzeitung von links!</p> <p>In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <strong><a href="https://taz.de/wochentaz-testen" target="_blank">natürlich im Abo</a></strong>.</p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <h2 id="pappschilder-zum-anfeuern" pos="6">Pappschilder zum Anfeuern</h2> <p pos="7">Eigentlich hätte das Rennen bereits Ende Juni stattfinden sollen. <a href="http://www.taz.de//Moerderischer-Marathon/!6033909/">Wegen drohender Rekordhitze war es abgesagt worden</a>. Viele Leute an der Strecke hatten ihre Anfeuer-Pappschilder eindeutig bereits im Sommer gemalt, so oft wie Wortspiele mit „heiß“, „hot“, „hotties“ oder so draufstanden.</p> <p pos="8">Kurz vor dem Wiederholungstermin hatte der Deutsche Wetterdienst wieder gewarnt, nun vor Regen und Sturmböen. Hatte ich mir Juni noch schnell ein Cap gegen die Sonne gekauft, war ich nun losgerannt, um mir eine Regenjacke zu besorgen, weil mein Kollege mich fragte: „Du wohnst in Hamburg und hast keine Regenjacke?“ Ich laufe doch nicht im Regen, hatte ich geantwortet. Die Regenjacke liegt nun mit dem Cap unbenutzt im Schrank, Sonntagvormittag schien die Sonne.</p> <p pos="9">An der letzten Getränkestation etwa zwei Kilometer vor dem Ziel sehe ich meinen Neffen wieder, ich stupse ihn von hinten an, als ich an ihm vorbeirenne, er blickt mich überrascht über den Rand seines Pappbechers an, zieht noch ein letztes Mal an mir vorbei, hat aber am Ende das Nachsehen.</p> <p pos="10">Wir treffen uns alle in der riesigen Messehalle mit einer Medaille um den Hals am Franzbrötchenstand wieder. Schweißgeruch hängt in der Luft, Leute liegen dehnend auf dem Boden, ein Läufer fragt uns, wo denn der Bierstand sei. „Du hast blaue Lippen, geh mal schnell heim“, sagt mein Freund, den ich bei den Franzbrötchen treffe, und während die Letzten über die Ziellinie tröpfeln, ziehen wir von dannen. Ich gebe meinem Neffen noch eine Paprika fürs Abendessen mit, und meine Freundin schreibt später: „Meine Beine sind Zaunpfosten.“ Das wird nicht das letzte Mal gewesen sein.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. 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Werden Sie jetzt Teil der Community! <a href="http://www.taz.de//taz-zahl-ich/all-you-can-read/!v=1de02231-6e4e-4740-968a-5a7cbe5495a1/#matomo:pk_campaign=tzi-Bottom&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=tzi-Content-Teaser-Bottom-Pressefreiheit&amp;pk_kwd=tzi-standardkampagne&amp;pk_placement=im-Artikel" onmousedown="sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginId', 6223221 ); sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginTitle', 'Am Schluss lockt das Franzbrötchen' )" x-init="$el.setAttribute('href', $el.getAttribute('href') + '&amp;via=Bottom')"> Jetzt unterstützen </a> </p> </div> </aside> <div> <div> <figure> <img alt="Ilka Kreutzträger " src="https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/261.webp" title="Ilka Kreutzträger"></img> </figure> <div> <p> <a href="http://www.taz.de//Ilka-Kreutztraeger/!a261/"> <span> Ilka Kreutzträger</span> </a> <span> Redaktionsleiterin Nord </span> </p> <p> Jahrgang 1977, die Soziologin arbeitete lange für die taz nord als Autorin und CvD sowie für den NDR in Hamburg als Nachrichtenredakteurin Online und Radio, ging dann kurz zum stern und war stellvertretende Ressortleiterin Lokales bei der Hamburger Morgenpost. Sie gibt an der Uni Bremen seit 2013 Schreib-Workshops. Seit 2023 ist sie Redaktionsleiterin der taz nord. </p> </div> </div> </div> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Pilzsaison-beginnt/!6210195/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8772346/1020/Maronen-und-andere-pilze.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8772346/665/Maronen-und-andere-pilze.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8772346/310/Maronen-und-andere-pilze.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Frau sammelt in einem Wald Pilze. 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Das geht. Man arrangiert sich halt miteinander. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Ein-Prozess-zum-Mitmachen/!6206479/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8715074/1020/610209236.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8715074/665/610209236.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8715074/310/610209236.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Auf der Eingangstür zum Oberlandesgericht Celle ist die Aufschrift „Oberlandesgericht“ zu sehen" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8715074/14/610209236.webp" title="Auf der Eingangstür zum Oberlandesgericht Celle ist die Aufschrift „Oberlandesgericht“ zu sehen" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Ein Prozess zum Mitmachen </span> <span> Miteinander auf dem den Weg zum Rechtsfrieden </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 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'Anna Schors' : null" x-bind:class="loaded ? 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Das macht auch etwas mit der Musik. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223221/ 1 Nov 2026 12:50:00 +0100 Ilka Kreutzträger <![CDATA[Museum über die Polizei: Eierlikör mitten am Tag]]> <img src="https://taz.de/picture/8836467/1200/polizeimuseum-specht.jpeg" /><h1>Museum über die Polizei: Eierlikör mitten am Tag</h1><h2>By Kolumne Specht der Woche von Christian Specht</h2><div :class="isMobile ? 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' ' : ''"></span> <p> Bild: Christian Specht </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>C</span></span> <span> <em>hristian Specht, Jahrgang 1969, ist politisch engagiert und setzt sich für mehr Mitwirkungsmöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigung in den Medien ein. Seit 2017 ist er der erste Mensch mit Beeinträchtigung im Vorstand der Lebenshilfe. Er hat ein Büro in der taz und zeichnet (un)regelmäßig den „Specht der Woche“.</em> </span></p> <p pos="2">Hier sieht man zwei Polizeiautos in einem Museum. Es gibt ein Museum oben beim Platz der Luftbrücke, die sogenannte „Polizeihistorische Sammlung“. Das Museum soll sehr interessant sein – das würde ich mir gerne mal angucken. Da hängen wohl auch tolle Plakate und es gibt alte Polizeiautos mit Gitter.</p> <p pos="3">Ich komme da drauf, weil sie im RBB über das Polizeimuseum berichtet haben. Ich war da noch nie, aber ich hätte große Lust, mir das mit jemandem mal anzugucken. Auf dem Bild habe ich auch ein Funkgerät gezeichnet. Damals gab es in den Polizeiautos noch Funkgeräte. Aber die von damals haben sie irgendwann abgeschafft, heute sehen sie anders aus.</p> <h2 id="fr-her-anders-ausgestattet" pos="4">Früher anders ausgestattet</h2> <p pos="5">Taxis hatten früher auch solche Funkgeräte. Damals war die Polizei generell noch ganz anders ausgestattet. <a href="http://www.taz.de//Einsatz-von-Palantir-in-Deutschland-Fast-alle-Bundeslaender-sind-dagegen-ein-Grund-zur-Entwarnung/!6186360/">Heute, wenn ich die Polizei sehe, hat diese mehr Technik</a>. Damals haben sie mit ihren Funkgeräten mit Antennen kommuniziert. Es gab sogenannte „Kontaktbeamte“ mit Umhängetaschen. Sie waren dafür da, dass man sie ansprechen konnte, wenn man irgendein Problem hatte.</p> <p pos="6">Meine Oma hat damals an der Urbanstraße in Kreuzberg gewohnt; meine Mama und meine Schwester und ich übrigens auch. Daneben gab es ein kleines Polizeirevier, das aber später in den Bergmannkiez umzog. Als ich Kind war, und wenn diese <a href="http://www.taz.de//Kontaktbereichsbeamtin-am-Alex/!5512434/">Kontaktbeamten</a> Glück hatten, wurden sie von Leuten eingeladen, zum Biertrinken – zumindest bei meiner Oma war das so; Eierlikör hat dieser Kontaktbeamte, der bei uns jeweils war, auch gerne getrunken – mitten am Tag. Heute machen die so etwas nicht mehr! <em>Protokoll: Rahel Bueb</em></p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Er hat ein Büro in der taz und zeichnet   (un)regelmäßig den „Specht der Woche”. Mehr von Christan Specht gibt es   auf seiner Homepage (s. Button). </p> </div> </div> </div> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Ehemaliges-Tramdepot-in-Schoeneberg/!5992187/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/6858048/1020/34771998-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/6858048/665/34771998-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/6858048/310/34771998-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das schwarz-weiß-Foto zeigt eine große dreigliedrige Halle, davor Schienen und alte Straßenbahnen. Dahinter Wohnhäuser." height="154" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/6858048/14/34771998-1.webp" title="Das schwarz-weiß-Foto zeigt eine große dreigliedrige Halle, davor Schienen und alte Straßenbahnen. Dahinter Wohnhäuser." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Ehemaliges Tramdepot in Schöneberg </span> <span> Polizei macht die Musik </span> </span> </p> <p> Polizeimuseum statt Probebühnen: Die Innenverwaltung überrascht mit einer neuen Idee für die Nutzung des ehemaligen Straßenbahndepots in Schöneberg. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Juedische-Polizisten-im-Dritten-Reich/!5806276/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5193178/1020/351-11-26024-0005-Kopie-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5193178/665/351-11-26024-0005-Kopie-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5193178/310/351-11-26024-0005-Kopie-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Gruppe von Zwangsarbeitern mit dem ehemlaigen Polizlisetn Friedrich Müller im Jahr 1944" height="155" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5193178/14/351-11-26024-0005-Kopie-1.webp" title="Gruppe von Zwangsarbeitern mit dem ehemlaigen Polizlisetn Friedrich Müller im Jahr 1944" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Jüdische Polizisten im Dritten Reich </span> <span> „Einige mussten Trümmer räumen“ </span> </span> </p> <p> Hamburgs Polizeimuseum zeigt eine Ausstellung über die Verfolgung jüdischer Polizisten im NS-Staat. Ex-Kommissar Bähr hat 47 Biographien recherchiert </p> <div> <div> <p> <span>Interview von</span> <span>Petra Schellen</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Die-Wahrheit/!5695695/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/4273042/1020/WahrKochiReddig22072020-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/4273042/665/WahrKochiReddig22072020-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/4273042/310/WahrKochiReddig22072020-1.webp" type="image/webp"></source> <img height="155" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/4273042/14/WahrKochiReddig22072020-1.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Die Wahrheit </span> <span> In der Halbwelt der Halunken </span> </span> </p> <p> Die neue Wahrheit-Serie: Die merkwürdigsten Museen der Welt (1). Heute: Das akkurate Polizeimuseum von Kochi in Indien </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></main> <aside :class="idAfterDeviceDetect === '' ? 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' ' : ''"></span> <p> Foto: Birgit Hupfeld </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Aller Anfang ist schwer. Vor allem wenn man eine, genauer: die erste Sprache lernt, sind Fehler und Verdrehungen erwartbar. Kuriose Nonsens-Sätze wie „Aber der Stuhl ist ein Ekel, weil er kein Tisch ist“ oder „Der Besen ist ein Wort, das du auf ein Schuhband anwenden kannst“ – can happen! Je weiter man allerdings heranwächst, desto eher bilden sich Logik und Ordnung heraus.</p> <p pos="2">Aus dem Kind wird ein Erwachsener. Davon erzählt <a href="http://www.taz.de//Publikumsbeschimpfung-in-Frankfurt/!6148386/">Peter Handkes</a> Stück „Kaspar“ von 1967, das just am Schauspiel Köln wiederaufgeführt wurde. Zunächst ein beschauliches Thema also. Denn allzu nett bleibt es weder im Text noch auf der Bühne. Sprache, so die Botschaft, führt nicht nur zur Autonomie, sie trägt nicht nur dazu bei, dass wir die Angst vor den Dingen verlieren, die wir zuvor nicht zu benennen imstande sind. Vielmehr führt sie auch zur Anpassung, bisweilen zur blinden Übernahme von Halbwissen und Fakes.</p> <p pos="3">Bevor das Geschehen auf der Bühne – so viel sei jetzt schon gespoilert – kippt, geht es in Claudia Bauers Inszenierung aber tatsächlich zunächst humorvoll-beschwingt zu. Lose angebunden an die Geschichte von Kaspar Hauser, einem Jungen, der 1828 in Nürnberg ankam und wegen seiner vorigen Isolation über keinerlei kommunikative Fähigkeiten verfügte, blickt bei ihr eine Kasparin auf die Vergangenheit zurück.</p> <p pos="4">Auf einer Videoprojektion richtet sie einen Geburtstagskuchen an und verfolgt in den kommenden beiden Stunden das Treiben auf der Bühne zumeist über den Fernseher. Dort stellt <a href="http://www.taz.de//Stueck-ueber-Schrecken-des-Kriegs-in-Koeln/!6174005/">das Ensemble</a> (unter anderem Rebekka Biener, Elias Eilinghoff, Andreas Grötzinger) zu Beginn die symbolische Geburt nach. Als würden sich dessen Mitglieder aus einer Vulva herauskämpfen, schieben sie die hintere, aus braunen Pappkartons zusammengesetzte Bühnenwand zur Seite. Sobald die clownesken, blau kostümierten Figuren dies gemeistert haben, fällt der rote Vorhang. Die Aussage: Ab jetzt ist alles Theater, und zwar nicht nur metaphorisch, das Leben selbst erweist sich als Theatrum mundi.</p> <h2 id="reichlich-slapstick" pos="5">Reichlich Slapstick</h2> <p pos="6">Dafür braucht es den richtigen Text. Mal kommt er nur schwer über die Lippen, mal sprudelt regelrechtes Kauderwelsch aus den Dar­stel­le­r:in­nen hervor. Hilfreich sind indessen die Telefonkabinen auf der linken Seite. Klingelt es dort, nimmt ei­ne:r ab und spricht die Sätze in ein Kabelmikrofon. Begleitet wird das lustige Fernsprech-Theater von reichlich Slaspstick. Besonders lustig mutet der Auftritt eines Spielers als gigantisches Fellwesen an. Doch irgendwann kippt die bunte Zirkusshow. Die Wendungen erhalten einen merkwürdig bedrohlichen Charakter. „Der Krieg ist zwar ein Unglück, aber manchmal unvermeidbar“, erfahren wir, oder „Der Fremde ist anders“; „der Verbrecher ist Abschaum“.</p> <p pos="7">Um die Indoktrination dieser gefährlichen Phrasen zu veranschaulichen, findet sich das Ensemble in einer Schulklasse zusammen. Einer deklamiert, die anderen ergänzen, ganz vorne gibt die Dirigentin den Rhythmus vor. Jene Farce spitzt sich durch das Stakkato eines Klaviers dramatisch zu. Die sich nun nach und nach aufstauende und entladende Gewalt wird überhaupt bestens getragen von den phänomenalen Live-Musikern Arpen Daks und Elisabeth Coudoux. Sie beherrschen die leisen Momente wie die ganz lauten. Zu Letzteren gehört beispielsweise eine Szene, in der die Gruppe mit <a href="http://www.taz.de//Buch-ueber-Nazi-Jugendkultur-in-Sachsen/!6210817/">Baseballschlägern</a> auf eine der ihrigen in einem Schrank einprügeln. Wenig später torkelt sie blutüberströmt heraus und ballert, zynisch unterlegt mit Percussion, mit einem Gewehr herum.</p> <p pos="8">Klingt nach Comic? Im häufig grellen Licht drängt sich diese Assoziation schnell auf. Die flippige Aufmachung markiert eine ironische Fallhöhe zwischen der Situationskomik und dem Entstehen faschistischer Strukturen. Ja, auch wenn die Figuren noch so sehr bekunden, höflich und selbstbestimmt zu sein, scheinen sie fremdbestimmt, gelenkt von einer Sprache, die Aggression und Ausgrenzung normalisiert. Wenn gegen Ende eine Frau alle anderen mit einer Fliegenklatsche verdrängt und daraufhin die Dar­stel­le­r:in­nen Fotoaufsteller ihrer Gruppenmitglieder zersägen, steckt dahinter nichts anderes als ein sich entladender Hass.</p> <p pos="9">Jene Aktualität ist gewiss schon in Handkes Werk, das wie all seine Stücke auf Psychologie und Handlung verzichtet und eher einem Bühnengedicht gleicht, angelegt. Die Herausforderung, die Monotonie der Satz-an-Satz-Ästhetik wiederum unterhaltsam und bildreich zu realisieren, meistert Claudia Bauer exzellent. Geradezu atemlos treibt sie das Ensemble an, das sich einmal auch in völliger Dekadenz ergehen darf. Dazu öffnet sich der Hintergrund und ein Wohnkubus mit Klingersteinoptik wird nach vorne geschoben. Während er sich dreht, feiern die Spie­le­r:in­nen im Inneren. Sie masturbieren oder befriedigen einander oral.</p> <p pos="10">„Aber niemand wird ohne Grund“, heißt es in einem der vielen Gesprächsfetzen, „abschiedsreif geschlagen“. Vergegenwärtigt man sich, dass Handke diese Wendungen am Vorabend der 68er-Revolte schrieb und dabei noch immer die unaufgearbeitete Nazi-Zeit vor Augen hatte, muten sie beklemmend an. Der Abgrund ist groß, allen inmitten dieses herrlich überdrehten Rauschs.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Das 1933 von den Nazis verbotene Stück ist auf beklemmende Weise wieder aktuell. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Horvath-an-den-Muenchner-Kammerspielen/!6222341/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8807929/1020/MK-JUGEND-OHNE-GOTT-HP1-2030-klein.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8807929/665/MK-JUGEND-OHNE-GOTT-HP1-2030-klein.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8807929/310/MK-JUGEND-OHNE-GOTT-HP1-2030-klein.webp" type="image/webp"></source> <img alt="„Jugend ohne Gott&quot; an den Münchner Kammerspielen. Im Hintergrund: Jelena Kuljić, Maren Solty. Vorne: Thomas Schmauser, Elias Krischke, Martin Weigel" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8807929/14/MK-JUGEND-OHNE-GOTT-HP1-2030-klein.webp" title="„Jugend ohne Gott&quot; an den Münchner Kammerspielen. Im Hintergrund: Jelena Kuljić, Maren Solty. Vorne: Thomas Schmauser, Elias Krischke, Martin Weigel" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Horváth an den Münchner Kammerspielen </span> <span> Die Traurigkeit sitzt hinter dem Hass </span> </span> </p> <p> Düsteres Theater für düstere Zeiten: Eine Inszenierung von Felicitas Brucker von Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ an den Münchner Kammerspielen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Publikumsbeschimpfung-in-Frankfurt/!6148386/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8208699/1020/12099-publikumsbeschimpfung-c-arnodeclair-14.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8208699/665/12099-publikumsbeschimpfung-c-arnodeclair-14.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8208699/310/12099-publikumsbeschimpfung-c-arnodeclair-14.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine als Pilz verkleidete Frau schreit" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8208699/14/12099-publikumsbeschimpfung-c-arnodeclair-14.webp" title="Eine als Pilz verkleidete Frau schreit" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> „Publikumsbeschimpfung“ in Frankfurt </span> <span> Von Bratzen und Glotzaugen </span> </span> </p> <p> In Peter Handkes Stück „Publikumsbeschimpfung“ ist nichts normal. Derart furios und geistreich wie am Schauspiel Frankfurt erlebt man Theater selten. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226369/ 1 Nov 2026 12:45:00 +0100 Björn Hayer <![CDATA[Dortmunds Remis gegen Bayern: Es wächst etwas zusammen]]> <img src="https://taz.de/picture/8836443/1200/BVB-Bayern.jpeg" /><h1>Dortmunds Remis gegen Bayern: Es wächst etwas zusammen</h1><h2>By Aus München Daniel Theweleit</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Die Bayern sind zwar noch besser, aber das 2:2 im Spitzenspiel zeigt: Dortmund rückt heran. Während es in München kriselt, wird der BVB immer stärker. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836443/1200/BVB-Bayern.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836443/1020/BVB-Bayern.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836443/665/BVB-Bayern.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836443/835/BVB-Bayern.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Daniel Svensson im Zweikampf gegen Bayerns Ismael Saibari." height="556" src="https://taz.de/picture/8836443/14/BVB-Bayern.webp" title="Daniel Svensson im Zweikampf gegen Bayerns Ismael Saibari." type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Fast auf Augenhöhe angekommen: Daniel Svensson gegen Bayerns Ismael Saibari <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Angelika Warmuth/ Reuters </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Die Erinnerungen an schlechtere Zeiten, an diese gruseligen Abende der Demütigung waren auch am Ende dieses Tages noch lebendig bei den Spielern von Borussia Dortmund. Regelmäßig sind sie schwer geschlagen aus München abgereist, was das 2:2 beim FC Bayern an diesem neunten Spieltag zu einem sehr süßen Erlebnis machte.</p> <p pos="2">Der Kontrast zu <a href="http://www.taz.de//Spitzenspiel-in-der-Fussball-Bundesliga/!5583332/">den 0:5- oder 0:6-Demontagen</a>, die sie hier schon erlitten haben, war enorm, nicht nur auf der Anzeigetafel. „Wir waren selbstbewusst. Wir hatten zwar Respekt, aber keine Ehrfurcht“, sagte Kapitan Nico Schlotterbeck. Und das hatte weniger mit irgendwelchen Psycho- oder Motivationstricks zu tun als mit dem neuen Qualitätsmerkmal dieses Fußballstandortes: nüchterne Facharbeit.</p> <p pos="3">Auf die Frage nach der großen Widerstandskraft auch spät im Spiel, als Fabio Silva der Ausgleichstreffer gelang, sagte der Trainer Niko Kovac, man müsse eben „auch laufen können.“ Und zwar nicht nur, wenn es ums Verteidigen geht: „Viele denken ja, das Laufen nur defensiv bedeutet, aber man muss auch die offensiven Läufe machen. Das brauchst du auf diesem Niveau.“</p> <p pos="4">Dass die Dortmunder in München weniger über ihre Verteidigungsarbeit sprechen mussten als über ihr Spiel mit Ball, gehört zu den großen Überraschungen dieses Auftritts beim Rekordmeister. „Ich sehe einen ganz klaren Trend, eine spielerische Entwicklung, und dabei gelingt es uns, eine <a href="http://www.taz.de//Identitaetssuche-bei-Borussia-Dortmund/!6137516/">spielerische Stabilität</a> zu erhalten“, sagte Sportdirektor Ole Book.</p> <h2 id="-gute-reaktion-" pos="5">„Gute Reaktion“</h2> <p pos="6">Dazu gehörte auch die Entscheidung, in München mit einem System anzutreten, das der BVB seit rund eineinhalb Jahren in der Bundesliga spielte: mit einer Viererkette. Joane Gadou entpuppte sich als brillanter Rechtsverteidiger. Links zeigte Daniel Svensson nicht zum ersten Mal, dass er gut darin ist, den eigentlich kaum zu bremsenden Michael Olise zu bekämpfen. Und Rückschläge lösen keinen Zusammenbruch mehr aus. „Wir haben immer eine gute Reaktion gezeigt“, sagte Schlotterbeck.</p> <p pos="7">Das 1:0 durch Konrad Laimer nach einem Fehlpass von Felix Nmecha beantwortete der Revierklub mit vielen eigenen Angriffsversuchen sowie <a href="http://www.taz.de//Formsuche-von-BVB-Stuermer-Guirassy/!6157487/">Serhou Guirassys</a> 1:1. Und als die Bayern durch Dayot Upamecano abermals führten, mündete die energische Schlussphase des BVB in ein spätes 2:2 durch Fabio Silva. „Ich glaube, dass der Trainer und sein Team schon seit fast zwei Jahren daran arbeiten, an diesem Mindset, dass wir echt hart werden und eine Gewinnermentalität haben“, sagte der Sportdirektor Ole Book.</p> <h2 id="-keep-it-simple-" pos="8">„Keep it simple“</h2> <p pos="9">Dem Fußball-Lehrer Kovac ist es mit seinem „Keep it simple“-Ansatz und auch dank seiner Beharrlichkeit gelungen, den Fokus auf erlernbare Aspekte des Spiels zu lenken, während in München gerade große Lebensfragen gestellt werden. Der viel zu frühe Tod des Vaters von Joshua Kimmich, <a href="http://www.taz.de//Trainer-in-der-Bundesliga/!6224996/">die Erkrankung von Trainer Vincent Kompany</a>, aber auch die Absencen von Jamal Musiala und immer mehr Verletzungen wichtiger Spieler, erschweren die Konzentration aufs Wesentliche.</p> <p pos="10">„Wir sind gut, ich glaube, dass wir immer noch unterschätzt werden in Deutschland“, sagte Schlotterbeck, während der Münchner Kapitän Joshua Kimmich feststellte: „Unabhängig vom Ergebnis muss man sagen, dass wir gerade durch schwierige Wochen gehen.“ Auch weil sich Ismael Saibari und Serge Gnabry schwerer verletzt haben und auch Olise zehn Minuten vor dem Ende verletzt ausgewechselt werden musste.</p> <h2 id="-genialer-schachzug-" pos="11">„Genialer Schachzug“</h2> <p pos="12">Das ist die Ausgangslage, aus der die Bundesligaspitze sich dem zweiten Saisondrittel nähert. Harry Kane verschoss <a href="http://www.taz.de//Wahl-zum-Weltfussballer/!6225296/">nach mehreren Tagen im Ballon d’Or-Fieber</a> einen Elfmeter, während die Dortmunder unter der Woche die Viererkette übten und trotz eines misslungenen Abschlusstrainings an dieser Idee festhielten. „Niko hatte einen genialen Schachzug gehabt mit der Viererkette“, sagte Dortmunds Torhüter Gregor Kobel. Ein Sieg des Meisters wäre dennoch gut möglich gewesen und hätte schon zum Spielverlauf gepasst, dreimal trafen die Bayern Pfosten oder Latte. Aber die Entwicklungsrichtung spricht im Moment für den BVB.</p> <p pos="13">Man muss zwar vorsichtig sein, weil auch künftig mit Rückschlägen gerechnet werden muss, eine missglückte Champions-League-Saison oder ein frühes Ausscheiden im DFB-Pokal sind weiterhin jederzeit möglich. Aber während sich in München immer neue Spieler verletzen und der Trainer sich selbst überfordert hat, werden in Dortmund gerade viele Spieler immer besser. Der Mittelfeldarbeiter Jobe Bellingham zum Beispiel, der zuletzt immer auf dem Feld blieb, wenn Felix Nmecha ausgewechselt wurde. Oder Carney Chukwuemeka, der nach einer schwachen ersten Saison in Dortmund schon als Fehleinkauf galt.</p> <p pos="14">Wirklich bereichernd sind zudem der kluge Zentrumsstratege Joey Veerman und der schnelle Verteidiger Joane Gadou. Es wächst etwas zusammen. Die Bayern sind zwar schon noch besser als der BVB, aber die Ergebnisse eben nicht. „Wir können etwas reißen“, sagte Schlotterbeck. Was sich in den vergangenen Jahren noch anhörte wie eine vage Hoffnung, ist gerade dabei, zu einer Überzeugung zu werden, die auch in München Wirkung zeigt.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. 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Doch das Team bleibt vor dem Duell gegen Bayern anfällig. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Trainer-in-der-Bundesliga/!6224996/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8824263/1020/imago1085056947h.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8824263/665/imago1085056947h.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8824263/310/imago1085056947h.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Julian Schuster mit einer abwehrenden Geste am Spielfeldrand" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8824263/14/imago1085056947h.webp" title="Julian Schuster mit einer abwehrenden Geste am Spielfeldrand" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Trainer in der Bundesliga </span> <span> Das große Ausbrennen </span> </span> </p> <p> Der FC Bayern gewinnt in Freiburg. Doch Thema des Abends sind der erkrankte Vincent Kompany und die Belastungen des Trainerjobs in der Bundesliga. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Borussia-Dortmund/!6208492/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8703629/1020/Dortmund.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8703629/665/Dortmund.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8703629/310/Dortmund.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Feiernde Dortmunder im Vordergrund, im Hintergrund eine Leinwand mit dem Schriftzug &quot;Tor!&quot;" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8703629/14/Dortmund.webp" title="Feiernde Dortmunder im Vordergrund, im Hintergrund eine Leinwand mit dem Schriftzug &quot;Tor!&quot;" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Borussia Dortmund </span> <span> Spektakel und Schock </span> </span> </p> <p> Borussia Dortmund und seine neuen Griechen verzaubern die Fans zum Saisonstart mit Leichtigkeit. Dann verletzt sich Konstantelias schwer. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. 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Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226378/ 1 Nov 2026 11:21:00 +0100 Daniel Theweleit <![CDATA[Graphic Novel Neuerscheinungen: Von Malergenies, machtgierigen Wölfen und der Endlichkeit]]> <img src="https://taz.de/picture/8832364/1200/Vincent1.jpeg" /><h1>Graphic Novel Neuerscheinungen: Von Malergenies, machtgierigen Wölfen und der Endlichkeit</h1><h2>By Von Ralph Trommer</h2><p> Luc Jacamon erzählt über den Bösewicht im Kreml, Catherine Meurisse mit Dumas über Delacroix. Und Melanie Carolin Wigger über Freundschaft und Demenz. </p><div> <div> <p pos="1">Es begann damit, dass Vincent nicht mehr zum Stammtisch in die Pinte kam. Robert und Vincent sind im Rentenalter und seit ihrer Schulzeit miteinander befreundet. Also gewöhnt sich Robert an, seinen Freund einfach zu Hause abzuholen. Doch bald schafft es Vincent weder, sich für die Witterung passend anzuziehen, noch erinnert er sich daran, wie man Fahrrad fährt. Robert wird mit der Tatsache konfrontiert, dass sein Freund in ein Demenzheim ziehen muss.</p> <p pos="2">Die 34 Jahre alte, in Bern lebende Schweizer Zeichnerin Melanie Carolin Wigger ist vielfältig unterwegs – als Illustratorin, Animatorin und Gamesdesignerin. In ihrem kürzlich im Berliner Avant-Verlag erschienenen Graphic-Novel-Debüt „Vincent“ widmet sie sich dem Thema Demenz. Angeregt von ihren Großvater, der ihr erzählte, dass ein guter Freund daran erkrankt war, begann sie sich dafür zu interessieren und arbeitete einige Monate in einer Einrichtung für Demenzkranke.</p> <p pos="3">Ihr Buch spiegelt diese Recherche wider. Wigger erzählt auf unaufgeregte Weise von einer starken Freundschaft, die in eine schwierige Phase eingetreten ist. Robert muss verstehen, was mit seinem Freund passiert, und reagiert zunächst verwundert, dann zunehmend einfühlsam auf die Veränderungen in Vincents Wesen. Auch dessen Perspektive versucht die Zeichnerin aufzunehmen, wenn sie seitenfüllende Panels zeichnet, die in den Strudel seines Gehirns führen – Erinnerungen, Erlebtes und der Alltag im Heim werden durcheinandergewürfelt. Für die dauerhafte Verwirrung in Vincents Geist findet Wigger angemessene Bilder.</p> <p pos="4">Die Autorin konzentriert sich in ihren mit Tusche und ausgewählten Aquarellfarben (Grautöne für die Gegenwart, Ockertöne für die Vergangenheit) gehaltenen Zeichnungen ganz auf ihre Charaktere. Auch Nebenfiguren stellt sie lebendig und pointiert dar. Ein gelungenes Debüt zu einem gesellschaftlich immer relevanter werdenden Thema.</p> <h2 id="die-macht-des-b-sen" pos="5">Die Macht des Bösen</h2> <p pos="6">Spätestens mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 hat Putins Russland für viele sichtbar seine Maske fallen gelassen. Doch wie kam es zum Aufstieg eines <a href="http://www.taz.de//Exilrussen-unter-Beschuss/!6144008/">niedrigrangigen KGB-Funktionärs</a> zum wichtigsten Mann im Kreml? Der französische Zeichner Luc Jacamon, bekannt durch die Action-Serie „Der Killer“ (Text: Matz), wagt sich mit der Comicadaption des Roman-Bestsellers „Der Magier vom Kreml“ von Giuliano da Empoli (2022, auf Deutsch 2023 erschienen bei C.H. Beck) an ein brisantes wie zeitloses Thema.</p> <p pos="7">Auch im gleichnamigen Comic, erschienen im Hamburger Verlag Schreiber &amp; Leser, geht es um Wadim Baranow, einen fiktiven Berater Wladimir Putins, der dessen Weg zur Macht entscheidend begleitet. Unterstützt vom befreundeten Oligarchen Boris Beresowski, gelangt der aus dem Theater- und Medienmilieu stammende Unternehmer in den engsten Kreis um Putin, der zum neuen Präsidentschaftskandidaten aufgebaut wird und später als Präsident erste Probleme bekommen wird, als das Atom-U-Boot „Kursk“ auf Grund läuft.</p> <p pos="8">Während die Zeichnungen sehr stimmungsvoll sind (vor allem in Naturszenen), ist Jacamons Adaption leider zu oberflächlich geraten. Der Protagonist, ein Beau ohne ausgeprägte Charakterzüge, bleibt – wie auch Putin selbst – blass, es bleibt unklar, was gerade ihn zum „Magier“ prädestiniert, welche Ideen entscheidend sind, um den neuen „Zaren“ (wie der Präsident fast durchgängig genannt wird) zu erschaffen.</p> <p pos="9">Wadims „tragische“ Liebesgeschichte mit dem ach so erotischen Oligarchenliebchen Xenja ist an Klischeehaftigkeit kaum zu überbieten. Ebenso der raunende Ton der monologischen Dialoge und die wiederkehrende Allegorisierung des porträtierten Milieus mit (grausamen, einsamen) Wölfen oder (starken, russischen) Bären. Vielleicht eignet sich diese Graphic Novel als <a href="http://www.taz.de//Putinismus-im-Film-Der-Magier-im-Kreml/!6174604/">Einstieg ins Thema „Neorussischer Imperialismus“</a>, tiefere Erkenntnisse lassen sich jedoch kaum finden.</p> <h2 id="die-kunst-der-erz-hlung" pos="10">Die Kunst der Erzählung</h2> <p pos="11">Die 1980 in Frankreich geborene Zeichnerin <a href="http://www.taz.de//Zwei-Jahre-Anschlag-auf-Charlie-Hebdo/!5368863/">Catherine Meurisse war lange Mitglied der Redaktion der Satirezeitschrift <em>Charlie Hebdo</em></a> und konnte wie ihr Kollege Luz nur durch einen glücklichen Zufall dem islamistischen Attentat vom 7. Januar 2015 entkommen. In der Folge arbeitete sie an eigenen Buchprojekten, die sich teils mit autobiografischen Erlebnissen wie der Verarbeitung des Terroranschlags („Die Leichtigkeit“), aber auch häufig mit der französischen Kulturgeschichte auseinandersetzten.</p> <p pos="12">„Olympia in Love“ von 2014 (Reprodukt Verlag, Berlin 2018) ist so ein Buch, in dem sie Edouard Manets Gemälde „Olympia“ von 1863 als Aufhänger für eine aberwitzige Comicgeschichte verwendete. Während die durchschnittlich gebildete französische Leserschaft ein solches Anspielungsfeuerwerk sofort versteht, setzt es bei deutschen Rezipienten allerdings ein gewisses Interesse an der französischen Kultur voraus.</p> <div data-for="picture" data-pos="12"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1224" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8832364/1200/Meurisse2.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8832364/1020/Meurisse2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8832364/665/Meurisse2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8832364/665/Meurisse2.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein wild sich aubäumender Schimmel, gemalt in Anlehnung an Delacroix" height="678" src="https://taz.de/picture/8832364/14/Meurisse2.webp" title="Ein wild sich aubäumender Schimmel, gemalt in Anlehnung an Delacroix" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Aus: Catherine Meurisse: „Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix“ <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: CarslenComic </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="13">Beim aktuellen Buch „Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix“ (Carlsen Verlag, Hamburg) verfliegen derlei Bedenken schnell. Meurisses leichtfüßige Erzählweise findet hier einen ebenbürtigen Partner. Der Text stammt von Alexandre Dumas („dem Älteren“, 1802–1870).</p> <p pos="14">Der war im 19. Jahrhundert ein Bestsellerautor, schuf Klassiker wie „Die drei Musketiere“ und betrieb eine Schreibfabrik mit zahllosen Ghostwritern, die unter seinem Namen hunderte Feuilletonromane schrieben. Der Kunstliebhaber kannte nahezu die komplette Pariser Künstlerszene persönlich.</p> <h2 id="plauderei-ber-delacroix" pos="15">Plauderei über Delacroix</h2> <p pos="16">Mit dem Maler Eugène Delacroix (1798–1863) verband ihn eine Freundschaft. Ein Jahr nach dessen Tod, 1864, verfasste er anlässlich einer umfassenden Pariser Ausstellung seiner Gemälde eine Rede über den Weggefährten. In dieser „Plauderei über Delacroix und seine Werke“ ließ er dessen Karriere Revue passieren und in zahllosen Anekdoten sein Insiderwissen über die Pariser Kunstsalons einfließen. Der kurz danach publizierte Text dieser Rede ist die Grundlage zu Meurisses Buch.</p> <div data-for="picture" data-pos="16"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1278" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8832364/1200/Meurisse1.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8832364/1020/Meurisse1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8832364/665/Meurisse1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8832364/665/Meurisse1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Zeichnung. Maler hockt vor Pferd und redet mit dem Tier" height="708" src="https://taz.de/picture/8832364/14/Meurisse1.webp" title="Zeichnung. Maler hockt vor Pferd und redet mit dem Tier" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Aus: Catherine Meurisse: „Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix“ </figcaption> </figure> </div> <p pos="17">Bereits 2004 illustrierte sie ihn für ihre (preisgekrönte) Hochschulabschlussarbeit, ergänzt um Comicbilder, in der etwa der beleibte Alexandre Dumas vor seine Zuhörer tritt und über Delacroix zu sprechen beginnt.</p> <p pos="18">Die Rede selbst wird von der Künstlerin in handgeletterter Weise wiedergegeben, sodass Illustrationen und Text wie aus einem Guss wirken (das deutsche Lettering von Olav Kohrt lehnt sich an Meurisses Schrift an). Immer wieder werden Comicszenen eingestreut, die Dumas’ oft satirisch zugespitzte Anekdoten in bissiger Weise darstellen und durch eigene Einfälle ergänzen.</p> <p pos="19">Meurisses Könnerschaft zeigt sich, wenn sie mit herrlich schrägen Figuren den damaligen Pariser Kunstbetrieb wie auch die Bourgeoisie aufs Korn nimmt. Dabei zitiert sie oft historische Karikaturen. So wird auch der Kampf zwischen der konservativen Malschule um Ingres (1780–1867), die Linien und Konturen betont, und Delacroix’ freierer Malweise plastisch vorgeführt.</p> <h2 id="eigene-originelle-setzungen" pos="20">Eigene originelle Setzungen</h2> <p pos="21">2019 griff Meurisse auf dieses Frühwerk zurück, kolorierte es und erweiterte es um seitenfüllende Aquarelle. Sie interpretiert berühmte Gemälde Delacroix’, erkundet die Wirkung der Farben, während zentrale Figuren schemenhaft bleiben. In eigenen Bildern arbeitet sie dem Erzähler Dumas zu, der genüsslich betont, wie Delacroix’ meisterhafter Umgang mit der Farbe die Kunstwelt düpierte, revolutionierte – und den Grundstein für den Impressionismus legte, der wenige Jahre später die Salons eroberten.</p> <p pos="22">Natürlich wird auch Delacroix’ berühmtestes Gemälde angesprochen. „Die Freiheit führt das Volk“ (1830), eine Darstellung der Pariser Julirevolution von 1830, mit der Madeleine als Barrikadenführerin im Zentrum. Das ikonisch gewordene Werk, so weiß Dumas zu berichten, wurde zwar sogleich vom Staat angekauft, durfte aber jahrzehntelang wegen seines brisanten politischen Gehalts nicht öffentlich ausgestellt werden.</p> <p pos="23">Catherine Meurisse hat mit ihren kongenial satirischen Comicszenen, ihrem lockeren Strich und mit bezaubernden Aquarellen der 160 Jahre jungen, hochamüsanten wie lehrreichen „Plauderei“ ihre Frische zurückgegeben und ihrerseits ein Gesamtkunstwerk geschaffen.</p> <p pos="24">Mit der gelungenen Übersetzung von Lilian Pithan liegt Dumas’ fulminantes Porträt seines Künstlerfreundes erstmals auf Deutsch vor.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Ich kann zwar nicht gut singen, aber das macht nichts. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8830513/1200/42427046.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8830513/1020/42427046.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8830513/665/42427046.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8830513/1020/42427046.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Frauen stehen in Reihen und singen lauthals" height="679" src="https://taz.de/picture/8830513/14/42427046.webp" title="Frauen stehen in Reihen und singen lauthals" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Singen macht glücklich. Im Bild Rudelsingen im Ruhrgebiet <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Christoph Jendral/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>D</span></span> <span>er Saal ist blau erleuchtet, ich lege meinen Kopf in den Nacken und starre mit hunderten Menschen auf den Songtext, der gegen die Wände gebeamt wird. „Our love is alive, and so we begin“, singen wir mit, „foolishly laying our hearts on the table … Stumblin' in“.</span></p> <p pos="2">Es ist ein kalter Dienstagabend, ich könnte in eine Wolldecke gewickelt auf dem Sofa sitzen, aber stehe zwischen lauter Unbekannten und singe – oder versuche es zumindest. Besonders gut singen kann ich nämlich nicht, <a href="https://taz.de/taz-Pop-up-Chor/!vn6211655/">aber das macht heute nichts</a>.</p> <p pos="3">In der Mitte des Saals ist eine kleine Bühne für die Veranstalter des Crowd-Singing-Events aufgebaut. Sie begleiten am Klavier und Schlagzeug, einer der Männer singt, so wie das Publikum. Der Abend ist wie eine riesige Karaokeshow, bloß dass alle mitsingen statt nur eine Person.</p> <p pos="4">Auf den Kuschelrock folgt „Ein Kompliment“ von Sportfreunde Stiller. Jetzt trauen sich auch die mittelalten Männer mitzumachen: „Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Grööößte für mich bist …“ Manche grölen sogar. Es ist ziemlich egal, ob man den Ton trifft, die eigene Stimme geht in der Menge sowieso unter. Ich schmettere also weiter: „… und sichergehen, ob du denn dasselbe für mich fühlst. Für mich füüühlst!!!“</p> <p pos="5">Das Singevent war Anfang des Jahres, als noch Winter war. Wir wollten etwas Neues ausprobieren, uns trotz Dunkelheit aufraffen. Es funktionierte. Nach dem Singen hatte ich mehr Energie als vorher, fühlte mich leichter. Wann singt man schon mal mit hunderten anderen Menschen im Chor, ohne in einem Chor zu sein? Normalerweise trifft man sich, um gemeinsam etwas anzuschauen, einen Film, ein Theaterstück, ein Konzert. Hier waren wir Teil des Abends, nicht nur Zuschauer:innen.</p> <div data-for="webelement_citation" data-pos="5"> <section> <p> <span></span> </p> <p> In einem Experiment sank durchs Singen der Wert des Stresshormons Cortisol im Speichel </p> </section> </div> <p pos="6">Anschließend nahm ich mir vor, dieses Jahr mehr zu singen. Einfach so nach der Arbeit ein paar Lieder, mit Freund:innen, oder in der Dusche, nachts auf dem Fahrrad. Denn nach dem Singen fühlte ich, was die Wissenschaft längst erforscht hat: Singen ist gesund.</p> <p pos="7">Robert Beck von der University of California führte zum Beispiel <a href="https://escholarship.org/uc/item/1qf5f7bc" target="_blank">ein Experiment</a> mit professionellen Sän­ge­r:in­nen eines Chors durch. Anhand von Speichelproben stellte er fest, dass der Wert des Stresshormons Cortisol während der Proben um 30 Prozent sank. Gleichzeitig stieg der Immoglobulin-A-Wert um 150 Prozent an, während einer Aufführung sogar um 240 Prozent. Dieser Antikörper schützt vor allem Schleimhäute vor Krankheitserregern.</p> <p pos="8">Eine <a href="https://www.researchgate.net/publication/355608127_Changes_in_mood_oxytocin_and_cortisol_following_group_and_individual_singing_A_pilot_study" target="_blank">andere Studie von der University of Toronto</a> zeigt, dass Singen in einer Gruppe das Level von Oxytocin – auch bekannt als Kuschelhormon – ansteigen lässt. Wenn wir gemeinsam singen, synchronisieren sich die Muskeln in Gesichtern und Kehlköpfen, die Atmung passt sich an. Man fühlt sich zugehörig und entspannt sich. Die Stu­di­en­teil­neh­me­r:in­nen wurden vor und nach dem Singen nach ihrer Laune gefragt. Der Stimmungsbalken war deutlich angewachsen.</p> <p pos="9">So habe auch ich mich im Januar beim Crowd-Singing-Event gefühlt. Wie konnte ich das vergessen?</p> <p pos="10">Es ist fast wieder Winter, es wird immer dunkler, und ich schaue auf die orangenen Balken der Studienergebnisse: <a href="http://www.taz.de//Nachbarschaft-in-Berlin-Wilmersdorf/!6123589/">weniger Stress, mehr Oxytocin, bessere Laune</a>. Also lade ich meine Freun­d:in­nen für die kommende Woche zu Suppe und Singen ein. Ich wünsche mir „Angels“ von Robbie Williams. Bei „And trough it allllll“ geht die Stimme so hoch, das kann nur schiefgehen.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. 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Sie hat die Deutsche Journalistenschule in München besucht und Politikwissenschaften in Berlin und Lissabon mit Schwerpunkt auf Menschenrechten studiert. </p> </div> </div> </div> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Schlafhygiene/!6214455/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8769599/1020/42200107.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8769599/665/42200107.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8769599/310/42200107.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Rückansicht eines in Betrieb befindlichen Flutlichtstrahlers" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8769599/14/42200107.webp" title="Rückansicht eines in Betrieb befindlichen Flutlichtstrahlers" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Schlafhygiene </span> <span> Flutlicht im Schlafzimmer </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Sophie Fichtner' : null" x-bind:class="loaded ? 'pr-small is-flex-shrink-0' : ''" x-cloak="" x-data="{&#xA;id: '93924',&#xA;loaded: false,&#xA;src: '',&#xA;async pickSource() {&#xA;const webp = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.webp`;&#xA;const png = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.png`;&#xA;const tryLoad = (url) => new Promise(resolve => {&#xA;const img = new Image();&#xA;img.onload = () => resolve(img.naturalWidth > 0);&#xA;img.onerror = () => resolve(false);&#xA;img.src = url;&#xA;});&#xA;if (await tryLoad(webp)) {&#xA;this.src = webp;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;if (await tryLoad(png)) {&#xA;this.src = png;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;// Kein Bild gefunden&#xA;this.loaded = false;&#xA;this.src = '';&#xA;}&#xA;}" x-init="pickSource()" x-show="loaded"> <template x-if="loaded"> <picture> <img :src="src" alt="Sophie Fichtner" decoding="async" loading="lazy"></img> </picture> </template> </figure> </div> </div> <p> <span>Kolumne </span> <span> Vorschlaghammer </span> <span> von </span> <span>Sophie Fichtner</span> </p> </div> </div> <p> Wenn der neue Tag da ist, will ich das mitbekommen, statt ihn in einer dunklen Höhle zu verschlafen. Gefährde ich meine Gesundheit? </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Moshpit-ganz-zaertlich/!6206555/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8713555/1020/41981663.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8713555/665/41981663.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8713555/310/41981663.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Aufgeblitzt in der Nacht mitten in der Moshpit" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8713555/14/41981663.webp" title="Aufgeblitzt in der Nacht mitten in der Moshpit" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Moshpit ganz zärtlich </span> <span> Als wären wir in Luftpolsterfolie </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Sophie Fichtner' : null" x-bind:class="loaded ? 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Trotzdem traute ich mich nicht, bis die Macker mal draußen blieben. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Ist-es-unsolidarisch-in-der-Hitze-Rennrad-zu-fahren/!6198871/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8656160/1020/41807778.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8656160/665/41807778.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8656160/310/41807778.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Person auf einem Rennrad wirft Schatten" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8656160/14/41807778.webp" title="Eine Person auf einem Rennrad wirft Schatten" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Rennradfahren in der Hitze </span> <span> Ist das unsolidarisch? </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 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Und riskiere damit, als Notfall im überlasteten Krankenhaus zu landen. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick" href="http://www.taz.de//abo/wochentaz-lesen-kann-jede-r/!v=4e55b74b-64f3-42ea-a31a-928098327e90/#matomo:pk_campaign=DA24WWP2OF-WE-10W10E-n_22-TLS-tazeigen-onsite--newsletter-HUP-ex733&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=tag-platziert&amp;pk_placement=Tag-wochentaz" title="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <img alt="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/14/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" title="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Ausgaben für 10 Euro </span> <span> Die Wochenzeitung mit taz-Blick </span> </h2> <div> <p> Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen. </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört</li> <li pos="2"><span></span>Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus</li> <li pos="3"><span></span>Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion</li> <li pos="4"><span></span>Mit Zukunftsteil zu Klima, Wissen &amp; Utopien</li> <li pos="5"><span></span>Mit Regionalteil „Stadtland“ für alles Wichtige zwischen Dorf und Metropole</li> </ul> </span> </div> <p> <strong>10 Wochen für nur</strong> <strong>10 Euro</strong> </p> <p> wochentaz ausprobieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223203/ 1 Nov 2026 09:27:00 +0100 Sophie Fichtner <![CDATA[Gilbert & George: Kunst für alle! (Jetzt aber wirklich)]]> <img src="https://taz.de/picture/8832891/1200/42429375.jpeg" /><h1>Gilbert & George: Kunst für alle! (Jetzt aber wirklich)</h1><h2>By Kolumne High & Low von Katharina J. Cichosch</h2><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <h2> <span>Gilbert &amp; George</span><span>: </span><span>Kunst für alle! (Jetzt aber wirklich)</span> </h2> <p> Im Museumsshop des Gilbert &amp; George Centers in London finden sich blasphemische Anstecker und Poster. Unter der Woche kommen Schulklassen in das Museum. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="798" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8832891/1200/42429375.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8832891/1020/42429375.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8832891/665/42429375.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8832891/1020/42429375.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Gilbert &amp; George sitzen zusammen auf einer Bank, sie tragen beide Anzug, haben eine Halbglatze und die Hände liegen auf den Oberschenkeln - im Hintergrund ist der untere Teil eines Gemäldes der beiden zu sehen" height="679" src="https://taz.de/picture/8832891/14/42429375.webp" title="Gilbert &amp; George sitzen zusammen auf einer Bank, sie tragen beide Anzug, haben eine Halbglatze und die Hände liegen auf den Oberschenkeln - im Hintergrund ist der untere Teil eines Gemäldes der beiden zu sehen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Die Künstler Gilbert &amp; George in ihrer Ausstellung „Our George Crompton, Worlds and Windows“ im Gilbert &amp; George Centre in London <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Pete Speller/Avalon/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>V</span></span> <span>or einigen Jahren um diese Jahreszeit: ein grauer Abend in London und ein Abendessen im Graam Bangla in der Brick Lane, das fantastische bengalische Küche bereitet und aus der royalen Loyalität seiner Besitzer kein Geheimnis macht.</span></p> <p pos="2">Zwischen gemalten Landkarten und Bildern von Prince, nun <a href="http://www.taz.de//Charles-III-auf-Staatsbesuch-in-den-USA/!6174972/">King Charles</a> wie auch der früheren Queen gibt es hervorragende Gerichte wie Rohu Fish Fry oder Shorisha Elish. Um die Ecke wohnen Gilbert Prousch und George Passmore, die seit Beginn ihrer Karriere als Duo Gilbert &amp; George auftreten. Von ihrem Haus aus liefen sie Jahrzehnte lang allabendlich zu ihrem Stammlokal und aßen an ihrem Stammtisch die immer gleichen Gerichte.</p> <p pos="3">Die Covid-Pandemie hatte diese Tradition kurzzeitig unterbrochen, doch auf diese Kontinuität legt das Duo danach weiterhin Wert. Auch den Wandel ihres Stadtteils kommentieren sie in Werk und Interviews regelmäßig, was ihnen auch schon Vorwürfe einbrachte. Doch egal was man von ihnen halten mag, in Sachen Religionsverachtung agiert das Duo konsequent paritätisch. Mit <a href="http://www.taz.de//Sarah-Mullally-leitet-Church-of-England/!6149731/">der anglikanischen Kirche</a> hatten Gilbert Prousch und George Passmore nie viel am Hut, organisierten Glauben bedenken sie allenfalls mit derben Vulgarismen und in großen Formaten.</p> <div data-for="webelement_bio" data-pos="3"> <section> <div> <div> <div> <p> Cichosch </p> <p><strong>Katharina Cichosch</strong>, freie Kunst­kritikerin, lebt in Frankfurt am Main</p> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Wechselnde großformatige Collagen des Duos gibt es etwa in 5a Heneage Street zu sehen. Wenige Straßen vom Künstlerhaus entfernt befindet sich The Gilbert &amp; George Centre, das an Herbstabenden aktuell magisch beleuchtet und von altem Baumbestand umgeben nicht wie eine der üblichen Neueröffnungen für zeitgenössische Kunst erscheint. Das Center befindet sich in einem von SIRS Architects umgebauten Brauereigebäude, hinein geht es durch ein schmiedeeisernes Tor.</p> <h2 id="rechtskonservativ-oder-k-nstlerwitz-" pos="5">Rechtskonservativ oder Künstlerwitz?</h2> <p pos="6">Zeit ihres Schaffens wurde Gilbert &amp; George vorgehalten, entweder ein reiner Künstlerwitz zu sein (so die formal künstlerische Kritik) oder Ausgeburt eines Rechtskonservativismus (so die politische). Mit seinem eigenen Zentrum, das ihr Werk bewahrt und öffentlich zugänglich hält, hat das Duo sich dagegen maximale künstlerische Autonomie bewahrt, um seine Präsentationen weder an den kuratorischen Zeitgeist noch an institutionelle Verpflichtungen anpassen zu müssen. Und um im selben Augenblick die Deutungshoheit über das Werk an die Welt abzugeben.</p> <p pos="7">Im Sinne einer Kunst für alle, der sich beide verpflichtet fühlen. Der Eintritt ist kostenfrei. Unter der Woche kommen Schulklassen. Und man wäre gerne einmal dabei, wenn pädagogisches Fachpersonal über Dickpicks und Fäkalhumor referiert.</p> <p pos="8">Gegenwärtig hatte das Künstlerduo bei meinem Besuch Bilder aus der „Leaves“-Reihe gezeigt, die ebenso melancholisch wie angemessen bescheuert die eigenen Konterfeie mit verwelkendem Laub und Natur verbinden. Ein schonungsloser Vorgriff auf die eigene Vergänglichkeit, die auch Anlass für die Gründung der Stiftung gab. Der Betrieb des Zentrums soll jedenfalls auf Jahrzehnte gesichert sein.</p> <p pos="9">Von Kontinuität zeugt schließlich auch die unerschütterliche Treue des Duos nach dem Wechsel an der royalen Spitze. Im Museumsshop finden sich neben diversen blasphemischen Ansteckern, Postkarten und Postern die Ink Washes, thematische Edition aus vielen Unikaten. In Hunderten Variationen verkünden die Tintenletter das Immergleiche: „God Save the King“.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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(Jetzt aber wirklich)' )" x-init="$el.setAttribute('href', $el.getAttribute('href') + '&amp;via=Bottom')"> Jetzt unterstützen </a> </p> </div> </aside> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Die-verzettelte-Kunst-von-Anna-Oppermann/!6215745/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8757920/1020/Anna-Oppermann-Portrait-Anna-Oppermann-Estate.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8757920/665/Anna-Oppermann-Portrait-Anna-Oppermann-Estate.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8757920/310/Anna-Oppermann-Portrait-Anna-Oppermann-Estate.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Die Künstlerin steht vor einer ihrer Installationen" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8757920/14/Anna-Oppermann-Portrait-Anna-Oppermann-Estate.webp" title="Die Künstlerin steht vor einer ihrer Installationen" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Die verzettelte Kunst von Anna Oppermann </span> <span> Im Rabbithole der Gedanken </span> </span> </p> <p> Fantastisch verzettelt ist die Installationskunst von Anna Oppermann. Im Frankfurter sas­fee*­pa­vil­lon ist zu sehen, wie sich die 1993 verstorbene Künstlerin einen Begriff von den Dingen machte. </p> <div> <div> <p> <span>Von</span> <span>Katharina J. Cichosch</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Ausstellung-Buch-und-Queeres-Leben/!6211119/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8767161/1020/Tony-Rizzi-Aiusstellung-Fotografie-Forum-Frankfurt.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8767161/665/Tony-Rizzi-Aiusstellung-Fotografie-Forum-Frankfurt.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8767161/310/Tony-Rizzi-Aiusstellung-Fotografie-Forum-Frankfurt.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Collage aus mehrere Polaroid-Fotos, man sieht einen nackten mann (Rückenansicht), der in eine Badewanne steigt" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8767161/14/Tony-Rizzi-Aiusstellung-Fotografie-Forum-Frankfurt.webp" title="Eine Collage aus mehrere Polaroid-Fotos, man sieht einen nackten mann (Rückenansicht), der in eine Badewanne steigt" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Ausstellung, Buch und Queeres Leben </span> <span> Sich von Arschlöchern nicht kleinkriegen lassen </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Katharina J. Cichosch' : null" x-bind:class="loaded ? 'pr-small is-flex-shrink-0' : ''" x-cloak="" x-data="{&#xA;id: '26693',&#xA;loaded: false,&#xA;src: '',&#xA;async pickSource() {&#xA;const webp = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.webp`;&#xA;const png = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.png`;&#xA;const tryLoad = (url) => new Promise(resolve => {&#xA;const img = new Image();&#xA;img.onload = () => resolve(img.naturalWidth > 0);&#xA;img.onerror = () => resolve(false);&#xA;img.src = url;&#xA;});&#xA;if (await tryLoad(webp)) {&#xA;this.src = webp;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;if (await tryLoad(png)) {&#xA;this.src = png;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;// Kein Bild gefunden&#xA;this.loaded = false;&#xA;this.src = '';&#xA;}&#xA;}" x-init="pickSource()" x-show="loaded"> <template x-if="loaded"> <picture> <img :src="src" alt="Katharina J. 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Robert Schittko veröffentlicht ein Buch über queeres Leben in Istanbul. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Malerei-von-Chunqing-Huang-in-Bonn/!6213816/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8743548/1020/12-Chunqing-Huang-in-ihrem-zweiten-Frankfurter-Atelier-Foto-Wolfgang-Guenzel-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8743548/665/12-Chunqing-Huang-in-ihrem-zweiten-Frankfurter-Atelier-Foto-Wolfgang-Guenzel-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8743548/310/12-Chunqing-Huang-in-ihrem-zweiten-Frankfurter-Atelier-Foto-Wolfgang-Guenzel-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Die Künstlerin steht in ihrem Atelier, umgeben von Farbtöpfen und Leinwänden" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8743548/14/12-Chunqing-Huang-in-ihrem-zweiten-Frankfurter-Atelier-Foto-Wolfgang-Guenzel-1.webp" title="Die Künstlerin steht in ihrem Atelier, umgeben von Farbtöpfen und Leinwänden" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Malerei von Chunqing Huang in Bonn </span> <span> Wie der Nachhall auf einen Künstlerkollegen </span> </span> </p> <p> Das Bonner August-Macke-Haus stellt Chunqing Huang aus. Mit ihrer Malerei und Fotografie spielt sie nicht nur den Expressionismus Mackes über Bande. </p> <div> <div> <p> <span>Von</span> <span>Katharina J. Cichosch</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick" href="http://www.taz.de//abo/wochentaz-lesen-kann-jede-r/!v=4e55b74b-64f3-42ea-a31a-928098327e90/#matomo:pk_campaign=DA24WWP2OF-WE-10W10E-n_22-TLS-tazeigen-onsite--newsletter-HUP-ex733&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=tag-platziert&amp;pk_placement=Tag-wochentaz" title="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <img alt="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/14/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" title="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Ausgaben für 10 Euro </span> <span> Die Wochenzeitung mit taz-Blick </span> </h2> <div> <p> Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. 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Cichosch <![CDATA[Seltene Kennedy-Krankheit: Du bittersüßes Leben]]> <img src="https://taz.de/picture/8827884/1200/40689520.jpeg" /><h1>Seltene Kennedy-Krankheit: Du bittersüßes Leben</h1><h2>By Von Nathalia Böckmann</h2><p> Der Maler und Theatermann Klaus Fermor hat die seltene Kennedy-Krankheit, die seine Muskeln schwinden lässt. Unterkriegen lässt er sich davon nicht. Im Gegenteil. </p><div> <div> <p pos="1">Klaus Fermor setzt auf Gemeinschaft. Denn er weiß, dass sie ihn trägt. Auch dann, wenn er nicht mehr alles kann.</p> <p pos="2"><strong>Draußen:</strong> Auf dem Wartburgplatz in Berlin-Schöneberg sitzen Leute in der Sonne, andere radeln vorbei. Kinder kreischen auf dem Spielplatz. Ein paar Schritte weiter geht es durch ein Vorderhaus in einen begrünten Hinterhof. Zwischen Stühlen, Bänken und einem langen Tisch sind bunte Wimpel gespannt. In einer der Wohnungen zum Hof wohnt Klaus Fermor.</p> <p pos="3"><strong>Drinnen:</strong> Fermor sitzt am Esstisch im Wohnzimmer und nippt an seinem Tee. Der 64-Jährige lebt seit 2014 in der 42 Quadratmeter großen Altbauwohnung. Viel Holz, frische Blumen auf dem Tisch, überall Postkarten, Zeichnungen und Ölgemälde. Eine Pflanze rankt sich über die gesamte Wohnzimmerwand. Am Fenster hängt eine kleine Engelsfigur. Neben einem Regal lehnt eine Gitarre, sein ältester Besitz. Dinge, die eine Seele haben, mag er. Auch wenn er eigentlich nicht an Dingen hängt. Seine Krankheit lehrt ihn das.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/wochentaz-testen"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/1020/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/665/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5905932/242/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5905932/14/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" title="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>wochentaz</p> <div> <div> <p>Dieser Text erschien zuerst in der <strong>wochentaz,</strong> unserer Wochenzeitung von links!</p> <p>In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <strong><a href="https://taz.de/wochentaz-testen" target="_blank">natürlich im Abo</a></strong>.</p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4"><strong>Die Diagnose:</strong> Fermor hat <a href="http://www.taz.de//Portraet-der-Performerin-Lucy-Wilke/!5760887/">spinale Muskelatrophie</a> Typ Kennedy, eine fortschreitende Erkrankung, die seine Mobilität und Selbstständigkeit immer weiter einschränkt. Die Diagnose bekam er 2006, mit Anfang 40. Für ihn, der gerne reiste und die Dinge selbst in die Hand nahm, ein Schock. „So werde ich enden. Als behinderter Mensch. Als Pflegefall“, dachte er damals.</p> <p pos="5"><strong>Der Abstieg:</strong> Auf einer Wanderung versagten seine Beine irgendwann völlig, während die Freunde weiterliefen. Er holte sie noch einmal ein. Beim schmerzhaften Abstieg aber wurde ihm klar: Es war seine letzte Wanderung. Er musste sich vom Anspruch verabschieden, mit den anderen Schritt zu halten.</p> <p pos="6"><strong>Wege:</strong> Fermor träumte davon, wieder zu rennen, zu schwimmen, zu reisen. Er habe gehadert, erzählt er, wütend sei er gewesen. Aber immerhin: Die Krankheit schritt so langsam voran, dass er sein Leben nach und nach umbauen konnte. „Wenn ich etwas machen will, finde ich immer einen Weg“, sagt er heute. „Ich kann zwar nicht laufen, aber ich kann andere Sachen. Durch Malen konnte ich Gedanken zu positiven Bildern entwickeln.“</p> <div data-for="picture" data-pos="6"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1600" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8827884/1200/40689523.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8827884/1020/40689523.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8827884/665/40689523.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8827884/665/40689523.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Figur steht auf Fensterbrett" height="886" src="https://taz.de/picture/8827884/14/40689523.webp" title="Eine Figur steht auf Fensterbrett" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Ein Blick in die Glaskugel hilft nicht – aber eine positive Haltung <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Maria Sturm </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="7"><strong>Sichtweisen:</strong> Sein zwei Jahre älterer Bruder hatte dieselbe Krankheit und ging einen anderen Weg. Den des assistierten Suizids. Er zog sich zurück, sah sich selbst als „Krüppel“, wie Fermor erzählt: „Er ist an innerer Leere und Sinnlosigkeit gestorben. Ich sehe Möglichkeiten, er hat die Behinderung gesehen.“ Dass sein Bruder Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben wurde, wusste Klaus Fermor nicht. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief. Er verstehe, dass sein Bruder keinen Sinn mehr gesehen habe, sagt Fermor. Dass er ohne Abschied ging, schmerze jedoch.</p> <p pos="8"><strong>Vorsorge:</strong> Inzwischen ist auch Fermor, der sich als grundsätzlich positiv eingestellt bezeichnet, Mitglied in einem Sterbehilfeverein. Er weiß, wie und wo er einmal sterben möchte, sagt er: im Schlafzimmer seiner Wohnung. So weit sei es aber noch nicht. Noch wolle er die Lebendigkeit, die er in sich spüre, ausschöpfen. Menschen und Kultur genießen. Teilhaben. Bevor jedoch völlige Abhängigkeit beginnt, er der Willkür von Einrichtungen ausgeliefert ist, möchte er gehen. Das Wissen um Selbstbestimmung beruhigt ihn. „Ich möchte genau wie mein Bruder sagen: Jetzt ist gut. Ich möchte in Würde und mit einem Lächeln gehen“, erklärt er, und beißt in ein Plätzchen.</p> <div data-for="picture" data-pos="8"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1600" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8827884/1200/40689533.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8827884/1020/40689533.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8827884/665/40689533.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8827884/665/40689533.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Figur in einer Wohnung" height="886" src="https://taz.de/picture/8827884/14/40689533.webp" title="Eine Figur in einer Wohnung" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Fermor ist kulturell herumgekommen. Auch jetzt gibt es noch viel zu entdecken <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Maria Sturm </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="9"><strong>Seelenheimat:</strong> Aufgewachsen ist Fermor in Lindau am Bodensee, in einer Zahnarztfamilie. Als „braves Sandwichkind“ habe er eigene Bedürfnisse oft zurückgestellt. „Ich hatte immer das Gefühl, es wäre meine Aufgabe, zwischen allen zu vermitteln.“ Familie ist für ihn bis heute Verankerung. Die Tiefe und Weite des Bodensees nennt er „Seelenheimat“. Nur war ihm Lindau irgendwann zu spießig. Nach dem Abitur machte er erst Zivildienst in einem Krankenhaus fernab von Lindau und zog 1984 nach Berlin.</p> <p pos="10"><strong>Bühne:</strong> Mit seinem besten Freund hat Fermor sich als junger Mensch geschworen: „Wir werden Künstler, sonst gar nichts.“ Aber Kunstakademien lehnten ihn ab. Zahnarzt wie sein Vater wollte er nicht werden. Er arbeitete dann in einer Kita, malte viel. „Durch das Malen konnte ich Anschluss an die Welt gewinnen und mich mit Ängsten auseinandersetzen.“ Zum bildenden Künstler wurde er schließlich nicht, sondern zum Theatermann, reiste mit dem Theater Rote Grütze durchs Land, arbeitete in Berlin-Schöneberg mit „kleinen türkischen Rabauken“, mit denen er teils heute noch Kontakt pflegt. Auch in brasilianischen Favelas arbeitete er und als Selbstständiger im Eventbereich. Heute ist er im Musiktheater Atze tätig. „Ich wollte immer auf die Bühne, bin dann hinter der Bühne gelandet und dort glücklich geworden.“</p> <p pos="11"><strong>Unfertiges:</strong> An der Wand über einer Holzkommode hängt eines seiner Bilder. Ein surreales, religiös wirkendes Geflecht aus Häusern, Treppen und Figuren unter einem weiten Wolkenhimmel, das Straßenkinder in Portugal abbildet. Es ist noch nicht fertig. Fermor will daran weiterarbeiten. Es gebe noch viele Bilder zu beenden, viele alte Briefe zu lesen, sagt er. Lebenswillen sei Handlungswillen.</p> <p pos="12"><strong>Der Riss:</strong> Aber vieles, was früher selbstverständlich war, gehe heute nicht mehr. Zumindest nicht so einfach. Woran Fermor sich festhält: Dass er die Dinge gemacht hat, die er machen wollte. „Ich gehe dann nicht als vergrämter Murkel, sondern als Mensch mit reichen Erfahrungen.“ Trotzdem sei er manchmal wütend und frustriert, sagt er, werde ungeduldig mit sich, wenn der Körper streikt. Dann zitiert er Leonard Cohen: „There is a crack in everything. That’s how the light gets in.“ – In allem ist ein Riss. Aber durch den kommt das Licht. So sehe er auch seine Krankheit.</p> <p pos="13"><strong>Glaube:</strong> Morgens und abends betet Fermor. Für seine Familie, seine <a href="http://www.taz.de//Reaktionen-aus-der-Zivilgesellschaft/!6211417/">Nach­ba­r*in­nen</a>, manchmal für die ganze Welt. Sein Vater hat es mit dem Beten pragmatisch gehalten: Vielleicht sei es besser zu beten, dann habe man zumindest seine Pflicht erfüllt. Fermor geht es jedoch um etwas anderes. „Das Leben in die Hände von etwas Höherem zu geben, gibt mir Kraft.“ <a href="http://www.taz.de//Lange-Nacht-der-Religionen/!6208057/">Spiritualität</a> und die Vorstellung vorheriger und zukünftiger Leben gefallen ihm. Dankbarkeit versteht er als aktive Entscheidung – wobei er selbst nicht sagen kann, was zuerst da war, die positive Haltung oder die Dankbarkeit.</p> <p pos="14"><strong>Geben und Nehmen:</strong> Mit Assistenz funktioniert Fermors Alltag gut. Beim Arbeitsweg, im Haushalt und bei der Körperpflege erhält er Unterstützung. Sein täglicher Begleiter: ein motorisiertes Dreirad, das ihm Mobilität ermöglicht. Für dieses haben ihm Nach­ba­r*in­nen eine Rampe zur Wohnung gebaut. Hilfe anzunehmen musste er, der lange lieber alles selbst organisierte, erst lernen. Heute sagt Fermor: „Ich habe nicht das Gefühl, hilfsbedürftig zu sein, sondern dass ich Menschen oft glücklich mache, wenn sie mir helfen können.“ Seine Freunde beschreiben ihn als fürsorglich und humorvoll. Als einen, der viel ausgeht und gerne lacht. „Wenn du was gibst, bekommst du was zurück“, sagt Klaus Fermor.</p> <p pos="15"><strong>Das Kleine:</strong> Auf der Fensterbank stehen Blumen, die er langsam gießt. Es sind Rituale wie diese, die Fermor Halt geben – ebenso wie Kochen, Kerzenanzünden, Singen. Dann sind da noch die Menschen um ihn herum. Diese brauche er besonders, sagt er, denn Gelassenheit falle ihm angesichts von Machtgier, dem Verlust von Menschlichkeit und erstarkenden Autokratien nicht leicht. Was ihn hält, ist Gemeinschaft.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. 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Von Berlin bis Semipalatinsk spannt sich die Handlung. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8827548/1200/424116161.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8827548/1020/424116161.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8827548/665/424116161.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8827548/835/424116161.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Der Autor Lutz Seiler steht auf einer Straße im Prenzlauer Berg" height="556" src="https://taz.de/picture/8827548/14/424116161.webp" title="Der Autor Lutz Seiler steht auf einer Straße im Prenzlauer Berg" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Der neue Roman knüpft an den Vorgänger „Stern 111“ an: Lutz Seiler in Berlin-Prenzlauer Berg <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Bildgehege/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Nur zwei Schriftsteller haben in ihrer Karriere alle vier wichtigsten deutschen Literaturpreise gewonnen. Neben <a href="http://www.taz.de//Autorin-ueber-Zugehoerigkeit-und-Buecher/!5747643/">Terézia Mora</a> hat <a href="http://www.taz.de//Lutz-Seiler-erhaelt-Georg-Buechner-Preis/!5945052/">Lutz Seiler</a> diesen Grand Slam aus Büchnerpreis, Bachmannpreis, Buchpreis und dem Preis der Leipziger Buchmesse vorzuweisen. Nun ist mit „Das tickende Herz“ sein neuer Roman erschienen – kann er das Versprechen dieser preisgekrönten Karriere einlösen?</p> <p pos="2">Der 63-Jährige knüpft in diesem Roman an Bekanntes an. Wie im Vorgänger <a href="http://www.taz.de//Lutz-Seilers-Wenderoman-Stern-111/!5669908/">„Stern 111“</a> steht der Lyriker und Maurer Carl Bischoff im Mittelpunkt. Zur Erinnerung: Carl zog unmittelbar nach der Wende aus der thüringischen Provinz in den wilden Osten des wiedervereinigten Berlins auf der Suche nach Liebe und künstlerischer Selbstverwirklichung.</p> <p pos="3">Die Handlung setzt etwa zehn Jahre später wieder ein, wir befinden uns im Prenzlauer Berg kurz nach der Jahrtausendwende. Eigentlich ist alles beim Alten, Carl ist nach wie vor ein erfolgloser Lyriker mit großen romantischen Ambitionen. Allein sein Wohnsitz hat sich 100 Meter weiter nach Osten auf die andere Seite der Prenzlauer Allee verlagert.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833158/1020/wo-s43-buch-2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833158/665/wo-s43-buch-2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833158/242/wo-s43-buch-2.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das Cover von Das tickende Herz" height="396" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8833158/14/wo-s43-buch-2.webp" title="Das Cover von Das tickende Herz" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <p>Das Buch</p> <div> <p><strong>Lutz Seiler:</strong> „Das tickende Herz“. Suhrkamp, Berlin 2026, 464 Seiten, 28 Euro</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Dass er zwischen „Stern 111“ und „Das tickende Herz“ eine Beziehung geführt hat und aufs Land gezogen ist, spielt keine Rolle. Mit einer Trennung, die kurz vor dem Einsetzen der Handlung vollzogen wird, und der Rückkehr in die Hauptstadt stellt Seiler den bekannten Ausgangszustand wieder her. Verändert hat sich der historische Kontext; während Carl im Berlin der frühen Neunziger noch ein Stemmeisen und ein neues Schloss genügten, um eine ohnehin leerstehende Altbauwohnung zu beziehen, ist er nun auf die Gunst von Maklern angewiesen.</p> <p pos="5">„Das tickende Herz“ spannt sich von West nach Ost zwischen Amsterdam, Berlin, Vilnius und Semipalatinsk auf. Vorangetrieben werden die Ereignisse von der mysteriösen Aysha, die Carl im Auftrag einer internationalen Gesellschaft für Lyrik kontaktiert. Endlich scheint jemand sein Genie entdeckt zu haben, er tritt auf internationalen Festivals auf, und – wie könnte es anders sein – verliebt sich in Aysha.</p> <p pos="6">Kurz meint man hier einen klassischen Künstlerroman zu lesen: Eben noch war Carl wie auch sein Schöpfer Seiler als Maurer tätig, bevor endlich jemand auf sein literarisches Talent aufmerksam wird. Das ist aber nur ein winziger Teil dieses Romans, der schwer mit klassischen Genre-Begriffen zu fassen ist. Wenn man einmal glaubt, ihn gepackt zu haben, entwindet er sich alsbald.</p> <p pos="7">Die einzelnen Stationen von Carls Reise auf dem Weg nach Osten werden mit einer solchen Ernsthaftigkeit verhandelt, dass man jedes Mal meint, Carl sei angekommen, hier wird er bleiben.</p> <p pos="8">Seiler durchdringt die Phänomene literarisch, etwa, wenn Carls Tätigkeit als Maurer in dem Bild des „Kalkdaumens“ gefasst wird: „Wenn der Kalk die Haut trocken und spröde machte, schrumpften die Hände. Eine Spannung entstand, die den Daumen des Maurers wie von selbst auf den Handteller zog, erst den Daumen und dann die anderen Finger, nach und nach, die Hand schloss sich zur Faust. Ein Phänomen, das Menschen vom Bau den Kalkdaumen nannten.“</p> <div data-for="webelement_citation" data-pos="8"> <section> <p> <span></span> </p> <p> Lutz Seiler ist mehr als ein Autor der Wende. Er erschließt neue Welten. Nur bei einem Thema gehen ihm hier die Pferde durch </p> </section> </div> <p pos="9">Auch die nächste Etappe der Entdeckung Carls auf Lyrikfestivals wird sehr ernsthaft angegangen, ein Mikrokosmos von über den Dingen schwebenden Künstlern des Wortes eröffnet, doch dann geht die Reise wieder in eine vollkommen unerwartete Richtung. Diese Unsicherheit ist meisterlich, weil sie eine Ungewissheit über den Fortgang der Handlung erzeugt, in der kein Verlass auf gängige Erzählmuster ist. In einer Welt, in der schon vieles erzählt wurde, besitzt Seiler die Gabe, grundsätzlich Neues zu schaffen.</p> <p pos="10">Zugleich verliert er sich dabei nicht in postmodernen Spielereien, die Handlung besitzt einen Kern, der im Verlauf des Romans freigelegt wird. Carl wird in Wirklichkeit gar nicht wegen seines lyrischen Talents entdeckt (keines seiner Gedichte ist im Roman zu lesen), sondern wegen seiner Erfahrung mit radioaktiver Strahlung; als Kind ist er Opfer eines Unfalls im Uranbergbau der DDR geworden.</p> <p pos="11">Aysha wiederum ist Schamanin einer nomadischen „Sippe“, die auf dem atomaren Testgelände der UdSSR im heute kasachischen Semipalatinsk siedelt und mit den Spätfolgen der Verseuchung kämpft. Von Carl erhoffen sie sich Expertise über die Linderung ihrer Schmerzen.</p> <p pos="12">Verbunden werden diese scheinbar losen Enden von magischen Motiven. Carl bekommt bei der ersten Begegnung mit Schamanin Aysha eine Knospe in die Hand eingepflanzt. Bis zum Endpunkt seiner Reise in Semipalatinsk wird sie erblühen. Diese schamanischen Fähigkeiten erscheinen nicht als Hokuspokus. In der Welt des „tickenden Herz“ sind sie eine plausible Wirkung radioaktiver Verstrahlung. Seilers einzigartige Form lässt das Magische realistisch erscheinen.</p> <p pos="13">Allein in der Verhandlung der romantischen Beziehung gehen Seiler die Gäule durch. Wie schon in den Vorgängerromanen sind Männer verträumte Schwärmer, die auf der Suche nach Liebe nur auf unergründliche, nymphenhafte Sexwesen treffen. Im <a href="http://www.taz.de//Buchpreis-Gewinner-Lutz-Seiler/!5031204/">Buchpreisgewinner „Kruso“</a> taucht so ein Wesen plötzlich im Bett des Protagonisten auf, in „Stern 111“ trifft der junge Carl auf seinen Schulschwarm, der sich ihm in Nullkommanix zum Akt hingibt.</p> <p pos="14">Seiler und der nun um zehn Jahre gealterte Carl sind sich in „Das tickende Herz“ treu geblieben. Die kasachische Schamanin erscheint ungeheuer begehrenswert, Carl verfällt ihr im ersten Augenblick, nur bleibt sie aus ihm unverständlichen Gründen vollkommen unempfänglich für seine Liebe. Okay, sie schlafen miteinander, aber dieses weibliche Wesen erscheint solch irdischen Interessen enthoben, ihr Innenleben bleibt ein Rätsel.</p> <p pos="15">Diese Fetischisierung irritiert, weil sie im Vergleich zur großen Originalität Seilers merkwürdig platt ist. Alles an diesem Buch ist neu, nur dieses Verhältnis zu Frauen ist ein alter Schuh.</p> <p pos="16">Bei dem kreativen Wagnis, das sein neuer Roman darstellt, kann man ihm das verzeihen. Formal wie inhaltlich ist die Balance zwischen Innovation und Verständlichkeit fein austariert. Es ist dieses Verhältnis von künstlerischer Ambition und Zugänglichkeit, das Seiler so preiswürdig macht.</p> <p pos="17">Seine Romane werden sowohl von der Literaturkritik als auch vom großen Publikum mit Genuss verzehrt. Mit „Das tickende Herz“ beweist Seiler zudem seine Vielseitigkeit. Nach seinen ersten beiden Romanen hätte man ihn vielleicht ausschließlich als Wendeautor betiteln können, hier beweist er, dass er vollkommen neue Welten erschließen kann.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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'Gerhard Fitzthum' : null" x-bind:class="loaded ? 'pr-small is-flex-shrink-0' : ''" x-cloak="" x-data="{&#xA;id: '58606',&#xA;loaded: false,&#xA;src: '',&#xA;async pickSource() {&#xA;const webp = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.webp`;&#xA;const png = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.png`;&#xA;const tryLoad = (url) => new Promise(resolve => {&#xA;const img = new Image();&#xA;img.onload = () => resolve(img.naturalWidth > 0);&#xA;img.onerror = () => resolve(false);&#xA;img.src = url;&#xA;});&#xA;if (await tryLoad(webp)) {&#xA;this.src = webp;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;if (await tryLoad(png)) {&#xA;this.src = png;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;// Kein Bild gefunden&#xA;this.loaded = false;&#xA;this.src = '';&#xA;}&#xA;}" x-init="pickSource()" x-show="loaded"> <template x-if="loaded"> <picture> <img :src="src" alt="Gerhard Fitzthum" decoding="async" loading="lazy"></img> </picture> </template> </figure> </div> </div> <p> <span>Essay von</span> <span>Gerhard Fitzthum</span> </p> </div> </div> <p> Die Zeit steht still, die Natur ist unberührt, die Touristen benehmen sich und es gibt wenig AfD. Eine Ode an Hiddensee. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Neuer-DDR-Roman-von-Karsten-Krampitz/!6119228/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8003270/1020/39514160.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8003270/665/39514160.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8003270/310/39514160.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Frau tanzt mit einem Mann im Rollstuhl" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8003270/14/39514160.webp" title="Frau tanzt mit einem Mann im Rollstuhl" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Neuer DDR-Roman von Karsten Krampitz </span> <span> Freiheit mit Behinderung </span> </span> </p> <p> Karsten Krampitz erzählt von einer Freiheit, die in der DDR in einer Nische möglich war. „Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“ heißt der Roman. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick" href="http://www.taz.de//abo/wochentaz-lesen-kann-jede-r/!v=4e55b74b-64f3-42ea-a31a-928098327e90/#matomo:pk_campaign=DA24WWP2OF-WE-10W10E-n_22-TLS-tazeigen-onsite--newsletter-HUP-ex733&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=tag-platziert&amp;pk_placement=Tag-wochentaz" title="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <img alt="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/14/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" title="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Ausgaben für 10 Euro </span> <span> Die Wochenzeitung mit taz-Blick </span> </h2> <div> <p> Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen. </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört</li> <li pos="2"><span></span>Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus</li> <li pos="3"><span></span>Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion</li> <li pos="4"><span></span>Mit Zukunftsteil zu Klima, Wissen &amp; Utopien</li> <li pos="5"><span></span>Mit Regionalteil „Stadtland“ für alles Wichtige zwischen Dorf und Metropole</li> </ul> </span> </div> <p> <strong>10 Wochen für nur</strong> <strong>10 Euro</strong> </p> <p> wochentaz ausprobieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223247/ 31 Oct 2026 20:03:00 +0100 David Hinzmann <![CDATA[Parteitag der Linken in Berlin: Elif Eralp strahlt vor Freude]]> <img src="https://taz.de/picture/8819058/1200/629471872.jpeg" /><h1>Parteitag der Linken in Berlin: Elif Eralp strahlt vor Freude</h1><h2>By Von Uwe Rada und Jana Laborenz</h2><p> Eine überwältigende Mehrheit stimmt auf dem Parteitag für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD. Emde demonstriert vor der Halle. </p><div> <div> <p pos="1">Ganz am Ende ihrer Rede geht Elif Eralp auch auf den Bericht des <a href="http://www.taz.de//Spiegel-Story-ueber-Elif-Eralp/!6225977/"><em>Spiegels</em> über ein geplatztes Interview</a> ein. „Mir wird vorgeworfen, ich könne Berlin nicht schützen, weil ich mich um meine Sicherheit sorge“, sagt Eralp und macht deutlich, was sie von der Kritik hält. „Ich sehe das anders. Gerade weil ich verschiedene Sorgen verstehe, werde ich genau das tun.“</p> <p pos="2">Ein „Schutzversprechen“, das Eralp abgibt, soll alle Zweifel zerstreuen, sie sei erpressbar, weil sie sich vor einem der Hamas nahestehenden palästinensischen Aktivisten bedroht fühle. „Ich werde mich für den Schutz jüdischen Lebens, gegen Antisemitismus und auch gegen organisierte Kriminalität einsetzen“, verspricht Eralp. „Aber auch gegen jede Form von Rassismus gegen Palästinenserinnen und Palästinenser.“</p> <p pos="3">Bei ihrem umjubelten Auftritt vor den Delegierten des Linkenparteitags am Samstag im Lichtenberger Don-Xuan-Haus lässt Eralp keinen Zweifel daran, dass sie Berlins neue Regierende Bürgermeisterin werden will. „Wir haben am 20. September eine Botschaft gesendet“, sagt sie. „Eine andere Politik ist möglich, eine andere Politik ist nötig.“</p> <p pos="4">Die Menschen hätten große Hoffnung in die Linke, betont Eralp. „Deshalb werden wir heute eine der wichtigsten Entscheidungen treffen, die unsere Partei je treffen musste.“ Mit diesen Worten stimmt Eralp die mehr als 150 Delegierten auf die Abstimmung ein, die den Weg frei machen soll für Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und der SPD in Berlin.</p> <p pos="5">Die Standing-Ovations und „Elif-Elif“-Rufe am Ende ihrer Rede zeigen zu diesem Zeitpunkt bereits, dass der Parteitag hinter dem Sondierungspapier steht, das Linkspartei, Grüne und SPD ausgehandelt haben. Am Ende stimmte der Parteitag mit überwältigender Mehrheit mit nur wenigen Gegenstimmen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen.</p> <h2 id="drau-en-hei-t-es-staatsr-son-sei-v-lkermord" pos="6">Draußen heißt es, Staatsräson sei Völkermord</h2> <p pos="7">Vor der Halle haben sich bei Eralps Rede einige Dutzend Demonstranten versammelt. „Gewählt für Palästina. Verraten für den Senat“, lautet das Motto der Kritiker eines rot-grün-roten Bündnisses aus den Reihen von palästinasolidarischen Gruppen.</p> <p pos="8">Thies Kehmeier, ein Aktivist aus dem Umfeld der Linkspartei, wie er es nennt, sagt der taz, die Demonstrierenden seien „gegen eine Koalition, die die Inhalte aus dem aktuellen Sondierungspapier vertritt“. Doch die Kritik am Kompromiss der Sondierer, dass die Vergesellschaftung erst ab einem Wohnungsbestand von 10.000 statt 3.000 Wohnungen beginnen solle, geht unter den Palästinafahnen und einem Banner mit der Aufschrift „Staatsräson ist Völkermord“ unter.</p> <p pos="9">Unter den Demonstrierenden befindet sich <a href="http://www.taz.de//Berliner-Linken-Abgeordnete-Vanessa-Emde/!6225621/">auch die umstrittene Neuköllner Abgeordnete Vanessa Emde</a>, die dort gegen die eigene Partei demonstriert. Mit dabei ist auch Ramsis Kilani, den die Partei bereits 2024 ausgeschlossen hatte. Die Demonstrierenden fordern die Basis der Linkspartei auf, sich ihrer Bewegung anzuschließen – „aber nicht mit dieser Spitze, die muss zurücktreten“, ruft eine Rednerin unter Beifall. Wenn Redner auf Eralp und die Parteispitze zu sprechen kommen, ruft die Menge immer wieder „Shame one you“.</p> <p pos="10">Emde selbst, die keine Gelegenheit auslässt, um zu betonen, dass es kein Existenzrecht für Staaten gebe, fordert auf der Kundgebung: „Keine Koalition ohne Vergesellschaftung. Keine Koalition ohne Palästinasolidarität.“ Ihre Rede beendet sie mit „Yalla, yalla, Klassenkampf! Freiheit für Palästina!“</p> <h2 id="eralp-antwortet-auf-ihre-kritiker" pos="11">Eralp antwortet auf ihre Kritiker</h2> <p pos="12">„Mich erreichen aktuell Rücktrittsforderungen aus verschiedenen Ecken“, sagt Eralp drinnen auf dem Parteitag und gibt die Kritik postwendend zurück. „Ich möchte die Gegner einer linksgeführten Regierung fragen: Was ist denn die Alternative? Wollen wir unsere wundervolle Stadt der CDU überlassen?“ Das sei keine Alternative, beantwortet Eralp selbst ihre Frage. „Unsere gemeinsame Vision ist die Alternative für die Menschen in der Stadt.“</p> <p pos="13">In der anschließenden Debatte kommen auch die Initiatorinnen eines Volksbegehrens für bessere Kitas zu Wort. Als sie wieder von der Bühne gehen, suchen Elif Eralp und die Linken-Landesvorsitzende Kerstin Wolters das Gespräch mit den Gewerkschafterinnen. Zuvor hatte Eralp gesagt: „Die Menschen haben uns auch für Veränderungen gewählt.“</p> <p pos="14">Immer an Eralps Seite sind an diesem Samstag Beamte des Landeskriminalamts Berlin, unschwer zu erkennen durch ihren Knopf im Ohr. Auf dem Gelände des Dong-Xuan-Centers patrouillieren Dutzende Polizeibeamte in Uniform. Eralp hatte zuvor das Angebot angenommen, sich von Personenschützern begleiten zu lassen. „Ein in jeder Hinsicht ungewöhnlicher Parteitag“, sagt ein Delegierter.</p> <p pos="15">In der Debatte selbst gibt es nur vereinzelt Redebeiträge gegen ein mögliches Linksbündnis. „In kapitalistischen Verhältnissen gibt es keine Veränderung durch eine Regierungsbeteiligung, sondern nur durch Kämpfe auf den Straßen und in den Betrieben“, sagt eine Rednerin.</p> <p pos="16">Bejubelt wird sie vor allem von der Linksjugend Solid und Delegierten aus Mitte. Einige Mitglieder von Solid besuchen in der Pause die Demo gegen die eigene Parteispitze. Für die Beiträge von Eralp und Wolter gibt es keinen Beifall.</p> <p pos="17">Auch bei den Änderungsanträgen können sich die Kritikerinnen und Kritiker nicht durchsetzen. Ein Antrag gegen die „Berliner Vereinbarung“ zu Antisemitismus, dem Existenzrecht Israels und dem Schutz jüdischen Lebens, die in der Vorsondierungen von Linker, Grünen und SPD vereinbart wurde, findet keine Mehrheit.</p> <h2 id="schwerdtner-schlie-t-die-reihen" pos="18">Schwerdtner schließt die Reihen</h2> <p pos="19">Eine Brücke zum palästinasolidarischen Lager der Partei schlägt die Bundesparteivorsitzende Ines Schwerdtner. „Unsere Beschlüsse zu Gaza sind klar“, sagt Schwerdtner. „Wir sind die, die den Begriff Völkermord in den Mund genommen haben, als andere noch geschwiegen haben“. Man stehe an der Seite derer, die sich mit den Menschen in Palästina solidarisieren. „Auch wenn die, die draußen stehen, etwas anderes signalisieren.“</p> <p pos="20">Schwerdtner kritisiert aber die Abgeordnete Emde scharf. „Unsere Gegner warten nur auf den einen Satz und das eine Foto, mit denen sie von ihrer eigenen Politik ablenken können.“ Wer ein Mandat hat, habe eine Verantwortung, sagt Schwerdtner an die Adresse von Vanessa Emde. „Jeder, der provoziert, muss sich fragen lassen: Hilfst du dir nur selbst oder denen, für die du dich einsetzt?“</p> <p pos="21">„Ich freue mich wahnsinnig“, sagt Eralp nach Abschluss des Parteitags vor den zahlreichen Fernsehkameras. „Das ist ein historischer Tag.“</p> <p pos="22">Nach dem deutlichen Votum der Linken werden die Koalitionsverhandlungen schon am Montag beginnen. Allerdings nicht mehr im Haus der Statistik, wo zuvor die Sondierungen stattgefunden haben, <a href="http://www.taz.de//Erste-Sitzung-im-neuen-Abgeordnetenhaus/!6223891/">sondern im Berliner Abgeordnetenhaus</a>.</p> <p pos="23">Schon am Dienstag steht die Linke dann vor der nächsten Herausforderung. Dann geht es in der Fraktionssitzung um die Frage, wie es weitergeht mit Vanessa Emde – der Abgeordneten, die beim Parteitag der Linken am Samstag vor dem Don-Xuan-Haus gegen die eigene Partei demonstriert.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! <a href="http://www.taz.de//taz-zahl-ich/all-you-can-read/!v=1de02231-6e4e-4740-968a-5a7cbe5495a1/#matomo:pk_campaign=tzi-Bottom&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=tzi-Content-Teaser-Bottom-Pressefreiheit&amp;pk_kwd=tzi-standardkampagne&amp;pk_placement=im-Artikel" onmousedown="sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginId', 6223937 ); sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginTitle', 'Elif Eralp strahlt vor Freude' )" x-init="$el.setAttribute('href', $el.getAttribute('href') + '&amp;via=Bottom')"> Jetzt unterstützen </a> </p> </div> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223937/ 31 Oct 2026 17:24:00 +0100 Uwe Rada und Jana Laborenz <![CDATA[+++ GenZ regelt +++: Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt]]> <img src="https://taz.de/picture/8836047/1200/Hamburg-regeln-nicht-dienen.jpeg" /><h1>Live-Ticker: GenZ-regelt | taz.de </h1><h2>By Bürger L.</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Zehntausende demonstrieren für eine bessere Zukunft – mehrheitlich friedlich. Am Abend fliegen an einzelnen Orten Pyros und Flaschen, die Polizei greift an und verletzt einige Demonstrierende. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="895" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/835/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></source> <img height="622" src="https://taz.de/picture/8836047/14/Hamburg-regeln-nicht-dienen.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Hamburger Kids haben kein Bock auf Krieg <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Amira Klute </p> </figcaption> </figure> </div> <nav aria-labelledby="toc-heading" id="inhaltsverzeichnis"> </nav> <div> <div> <h2 id="18-25-uhr-der-taz-ticker-schlie-t" pos="1">18.25 Uhr: Der taz-Ticker schließt</h2> <p pos="2">Wir danken allen fürs Mitlesen und schließen den Ticker für heute. Morgen geht's auf taz.de mit ausgeruhten Analysen zu GenZ regelt weiter. (<em>lol)</em></p> <h2 id="18-00-uhr-polizei-verletzt-demonstrierende-in-frankfurt" pos="3">18.00 Uhr: Polizei verletzt Demonstrierende in Frankfurt</h2> <p pos="4">In Frankfurt am Main ist die Stimmung hitzig. Die Polizei geht auf Demonstrierende los, angeblich wegen Pyro. Dann fliegen Böller auf die Polizei, diese setzt Gewalt ein. Es gibt mindestens zwei verletzte Demonstrierende, darunter eine Kopfverletzung. <em>(cay)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="4"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="798" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/verletzte-in-frankfurt.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/verletzte-in-frankfurt.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/verletzte-in-frankfurt.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/verletzte-in-frankfurt.webp" type="image/webp"></source> <img height="442" src="https://taz.de/picture/8836047/14/verletzte-in-frankfurt.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Nach Polizeigewalt in Frankfurt muss eine Kopfverletzung behandelt werden <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Yağmur Ekim Çay </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="17-40-uhr-kleines-kesselchen" pos="5">17.40 Uhr: Kleines Kesselchen</h2> <p pos="6">Nachdem die Polizei auch eine neu angemeldete Kundgebung aufgelöst hat, will sie nun die Ludwigsstraße räumen. Dabei kesselt sie etwa 50 überwiegend sehr junge De­mons­tran­t:in­nen ein. Kurz darauf werden dort die letzten Rauchtöpfe gezündet. Drum herum stehen noch circa 200 Protestierende, die sich mit antifaschistischen Sprechchören solidarisieren. Dem Kessel wird vom Polizeilautsprecher erneut angeboten, sich zu entfernen. Doch erstmal passiert nichts. <em>(tk)</em></p> <h2 id="17-30-uhr-rund-10-000-demonstrieren-in-hamburg" pos="7">17.30 Uhr: Rund 10.000 demonstrieren in Hamburg</h2> <p pos="8">In Hamburg verläuft es sich langsam. Auf dem Steindamm stehen noch Demonstrierende mit Polizei. Vereinzelt knallen Böller. Die Ver­an­stal­te­r*in­nen sprechen von mehr als 10.000 Teilnehmenden. Die Sprecherin der Demo zeigt sich zufrieden: „Es wurde geschafft, der generellen Unzufriedenheit eine Bühne zu bieten.“ Es habe mehrere Festnahmen gegeben, darunter einige willkürliche, verletzt sei niemand. <em>(ak)</em></p> <h2 id="17-30-uhr-in-berlin-formiert-sich-eine-neue-demo" pos="9">17.30 Uhr: In Berlin formiert sich eine neue Demo</h2> <div data-for="picture" data-pos="9"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/junge-Berlin.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/junge-Berlin.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/junge-Berlin.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/junge-Berlin.webp" type="image/webp"></source> <img height="443" src="https://taz.de/picture/8836047/14/junge-Berlin.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Die Jugend ist wütend, Transpi am Rosenthaler Platz in Berlin <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Malte Steinmüller </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="10">In Berlin startet die zweite angemeldete Demonstration mit dem Namen „Gen Z hat genug“ am Rosenthaler Platz. Hier soll es härter zur Sache gehen, erwartet wird mehr „Aktionismus“. Die Polizei setzt schon die Helme auf. Ursprünglich ging sie von 500 Teilnehmenden aus, aktuell schätzt sie deren Zahl auf 300. Diese Demonstration hat nicht „Gen Z regelt“ organisiert. Angemeldet hat sie eine Privatperson. Dazu aufgerufen hat das Offene Rote Treffen Berlin (ORT) auf Instagram. Die Polizei ist mit ungefähr 1500 Beamten da und hat „alle zur Verfügung stehenden Gerätschaften in der Nähe“, sagt der Pressesprecher der taz. Auch ein Wasserwerfer, der sei bisher nicht genutzt worden. <em>(mst)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="10"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/berlin-rosenthaler.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/berlin-rosenthaler.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/berlin-rosenthaler.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/berlin-rosenthaler.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Viele Polizisten mit Helmen im Dunkeln" height="443" src="https://taz.de/picture/8836047/14/berlin-rosenthaler.webp" title="Viele Polizisten mit Helmen im Dunkeln" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Am Rosenthaler Platz in Berlin treffen sich die Aktionsbereiten <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Malte Steinmüller </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="17-24-uhr-polizei-macht-stress" pos="11">17.24 Uhr: Polizei macht Stress</h2> <p pos="12">Dutzende Po­li­zis­t:in­nen rennen am Theodor-Heuss-Ring in Köln mit gezogenen Schlagstöcken auf Demonstrierende zu. Der Wasserwerfer rückt weiter vor. Auch der Gehweg soll jetzt geräumt werden. Ein anderes Bild gibt die Demo in der Innnenstadt ab: Sie ist jetzt in der Hohen Straße angekommen. Ein Ei fliegt auf ein Polzeiauto am Eingang der Straße. Die meisten Luxusgeschäfte sind verrammelt. Die Demonstrierenden sind laut, gut gelaunt und friedlich. Es entwickelt sich ein Katz und Maus Spiel. Die Polizei versucht die Wege zu blockieren aber ein großer Teil der Demo schlängelt sich durch eine Seitengasse raus und zieht weiter. <em>(wyp/lex)</em></p> <h2 id="17-05-uhr-die-kn-ppel-sind-gez-ckt" pos="13">17.05 Uhr: Die Knüppel sind gezückt</h2> <p pos="14">Die Demonstration in München ist aufgelöst, doch immer noch halten einige Hundert Demonstrierende die Stellung auf der Ludwigstraße. Der Ton der Polizeidurchsagen, dass sich die Demonstrierenden entfernen sollen, wird ruppiger. Gelegentlich fliegt Klopapier aus der Demo hinter die Polizeiketten. Kurz gibt es Geschrei, als rechte Streamer auftauchen. Doch immer mehr Leute gehen nach Hause. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wann die Polizei den Rest des Platzes räumt. <em>(tk)</em></p> <h2 id="17-00-uhr-erste-festnahmen-in-leipzig" pos="15">17.00 Uhr: Erste Festnahmen in Leipzig</h2> <p pos="16">Nach dem Ende der friedlichen Demo ziehen spontane Demozüge, teils mit mehreren hundert Leuten, vor allem in Richtung Leipziger Süden – die Innenstadt ist komplett abgeriegelt. Viele rennen, die Polizei hinterher. Es gibt erste Festnahmen. Barrikaden aus umgestoßenen Müllcontainern und Leihfahrrädern werden errichtet<em>. (epe)</em></p> <h2 id="16-49-uhr-hamburg-dr-ngt-polizei-aus-demo" pos="17">16.49 Uhr: Hamburg drängt Polizei aus Demo</h2> <p pos="18">In Hamburg geht es jetzt ab. Am Endpunkt der Demo brennen Barrikaden aus rot-weißen Absperrungen, vereinzelt fliegen Flaschen. Ein Polizist nutzt Strobolicht, das Videos mit der Handykamera unbrauchbar macht. Die Polizei wurde aus der Demo rausgedrängt. Dann stehen die Einsatzkräfte am Rand, ihnen gegenüber sehr junge vermummte Menschen. Dicker Rauch zieht Richtung Steindamm, Feuerwerk und Böller knallen. Dann rennt die Polizei in die Demo und drängt die Leute von der Straße. <em>(ak)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="18"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="675" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/hamburg-polizei-barrikade.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/hamburg-polizei-barrikade.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/hamburg-polizei-barrikade.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/hamburg-polizei-barrikade.webp" type="image/webp"></source> <img height="374" src="https://taz.de/picture/8836047/14/hamburg-polizei-barrikade.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Seltener Anblick: In Hamburg brennts, die Polizei kesselt das Feuer <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Amira Klute </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="16-48-uhr-aggressive-polizei" pos="19">16.48 Uhr: Aggressive Polizei</h2> <p pos="20">Am Marienplatz in Stuttgart hat die Polizei die Versammlung zusammen mit dem Versammlungsleiter aufgelöst. Daraufhin wird die Stimmung aggressiv. Die Polizei zieht einzelne Leute aus der Masse, diese skandiert. „Wo wart ihr in Hanau?“ <em>(bst)</em></p> <h2 id="16-47-uhr-bielefeld-bleibt-friedlich" pos="21">16.47 Uhr: Bielefeld bleibt friedlich</h2> <p pos="22">Die Demo ist laut Polizei „überwiegend friedlich“ verlaufen. Es habe keine Festnahmen gegeben und bis auf den Einsatz der Pyrotechnik, der einen „medizinischen Notfall“ ausgelöst habe, gab es keine Zwischenfälle. Hier läuft die Anzeige gegen unbekannt. Eine offizielle Zahl zu Teil­neh­me­r:in­nen gibt die Polizei nicht heraus. <em>(and)</em></p> <h2 id="16-30-uhr-polizeikessel-in-k-ln" pos="23">16.30 Uhr: Polizeikessel in Köln</h2> <p pos="24">In Köln gab es mindestens eine Festnahme, sagte ein Polizeisprecher der taz. Die Versammlungsleiterin hat die offizielle Demo am Konrad-Adenauer-Ufer aufgelöst. Dies habe die Polizei der 18-Jährigen Anmelderin nahegelegt, da sie sonst Verantwortung für Straftaten übernehmen müsse. Buhrufe. Gruppen mit roten und Palästina, MLPD- und Linkpartei-Fahnen demonstrieren weiter. Die Wasserwerfer der Polizei fahren vor, die Polizei kesselt die Demonstrierenden ein. Die singen „Ganz Köln hasst die Polzei“ und „Wo? Wo? Wo wart ihr in Hanau?“. Einzelne Feuerwerkskörper fliegen auf die Polizisten. Um 16.30 fährt einer der Wasserwerfer in die Menschenmenge und schießt mit Wasser auf die Demonstrierenden. Von den Uniformierten geht eine aggressive Stimmung aus – auch gegen unseren Reporter, auf den sie mit Schlagstöcken zurannten. <em>(wyp/lex)</em></p> <h2 id="16-30-uhr-10-000-demonstrieren-in-frankfurt" pos="25">16.30 Uhr: 10.000 demonstrieren in Frankfurt</h2> <p pos="26">In Frankfurt hat die Teilnehmerzahl wie von der Initiative erwartet 10.000 erreicht. „Siamo tutti antifascisti!“-Rufe erklingen im Bankenviertel. <em>(cay)</em></p> <h2 id="16-00-uhr-nazi-nerven-in-erfurt" pos="27">16.00 Uhr: Nazi nerven in Erfurt</h2> <p pos="28">Schon zu Beginn provozieren sechs Personen am Rande des Protests. Sie grölen Unverständliches und packen zwei Deutschlandflaggen aus. Ganz nüchtern wirken sie nicht. Laut Polizei handelte es sich um eine Spontanversammlung von sechs Personen. Sie folgen dem GenZ-Protest durch die Innenstadt. Nach dessen Ende löst sich auch die spontane Versammlung auf. Danach nimmt die Polizei die Identität zweier Teil­neh­me­r:in­nen auf. Auf Anfrage der taz erklärte die Landesdirektion der Polizei, es sei um eine Beleidigung gegangen. Außerdem hätten die beiden Personen Böller mit sich geführt. Festnahmen gab es in Erfurt keine. Die Polizei schätzt, dass in der Spitze bis zu 1.900 Personen an der GenZ-Demo teilgenommen haben. <em>(dmn)</em></p> <h2 id="15-50-uhr-unternehmer-ffnen-l-den" pos="29">15.50 Uhr: Unternehmer öffnen Läden</h2> <p pos="30">Im Gegensatz zur Frankfurter Innenstadt sind die Geschäfte am Mainkai nicht verbarrikadiert. Das Café Sugar Mama hat heute geöffnet, stellt den Demonstrierenden seine Toiletten zur Verfügung und bietet ihnen Chai an. „Ich habe Vertrauen, dass die Proteste friedlich bleiben“, sagt Café-Besitzerin Kiki. „Wir unterstützen die Demo und haben uns entschieden, heute zu öffnen.“ <em>(yec)</em></p> <h2 id="15-45-uhr-geld-f-r-bildung-statt-f-r-waffen" pos="31">15.45 Uhr: Geld für Bildung, statt für Waffen</h2> <div data-for="picture" data-pos="31"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="798" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/stuggi-2-frauen.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/stuggi-2-frauen.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/stuggi-2-frauen.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/stuggi-2-frauen.webp" type="image/webp"></source> <img height="442" src="https://taz.de/picture/8836047/14/stuggi-2-frauen.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Afua und Adjora aus Stuttgart haben andere Prioritäten als der Bundeskanzler, nämlich: Bildung <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Benno Stieber </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="32">In der Christophstrasse sagen die Studentin Afua und die Schülerin Adjora der taz: „Wir finden es wichtig, dass Geld in die Schule investiert wird und dass jedes Kind eine Chance auf eine gute Zukunft hat.“ Außerdem seien sie für Frieden. „Wenn der Iran mit den USA Krieg führt, dann steigen die Ölpreise, und alles wird teurer, dann ist auch kein Geld für die Bildung da.“ Die Proteste nennen sie „ein bisschen chaotisch“, aber sie hätten in keinem Moment Angst gehabt. „Alles verlief friedlich, anders als vorhergesagt.“ <em>(bst)</em></p> <h2 id="15-32-uhr-demo-in-erfurt-zu-ende" pos="33">15.32 Uhr: Demo in Erfurt zu Ende</h2> <p pos="34">Die Demo in Erfurt kommt am Endpunkt, dem Hauptbahnhof, an. Die Innenstadt steht noch. Laut Polizei haben etwa 1.500 Menschen am Protest teilgenommen. Bis 16 Uhr folgen noch Redebeiträge gegen Merz und für Sozialismus. Eine 22-Jährige kritisiert, dass der Protest vorab kriminalisiert worden sei. „Ihr habt Angst um eure Schaufensterscheiben, wir haben Angst um unsere Zukunft!“, ruft sie. Sie habe verständnis für die Wut der jungen Menschen in Frankreich. Es sei an der Zeit, über die Gründe zusprechen. Dabei nennt sie unter anderem rassistische Gewalt. Ihre Familie sei aus Afghanistan geflohen, als sie 7 Jahre alt war. „Ich kenne Rassismus.“ Auch ohne AfD seien die Verhältnisse in Deutschland schon schlimm, Abschiebungen für viele Menschen eine reale Bedrohung. Auch dagegen sei die GenZ heute auf die Straße gegangen. <em>(dmn)</em></p> <h2 id="15-30-uhr-weniger-teilnehmende-als-erwartet" pos="35">15.30 Uhr: Weniger Teilnehmende als erwartet</h2> <p pos="36">Die Proteste sind am mit deutlich weniger Teilnehmenden als von den Organisatoren erwartet gestartet. Dabei blieb es zunächst überall friedlich, wie die Polizei mitteilte. In Köln sagte eine Polizeisprecherin, die Teilnehmerzahl der dortigen Proteste liege „deutlich“ unter den angemeldeten 15.000 Teilnehmern. In Berlin meldete die Polizei bisher 2700, in München 1800, in Frankfurt am Main rund tausend Teilnehmende. Für diese vier Städte hatten sich auf der Website von GenZ regelt mehr als 50.000 Menschen angemeldet.</p> <p pos="37">In Berlin gibt sich Gen-Z regelt-Pressesprecherin Lina Friedrich zufrieden: „Ich kann das kaum glauben, wie viele Menschen hier sind. Wir sehen kein Zeichen von Gewalt. Das macht mich so glücklich.“ Weniger zufrieden ist Juli, Pressesprecherin von Schulstreik gegen die Wehrpflicht: „Die Stimmung ist nicht kämpferisch genug“, findet sie. <em>(lol/afp/mst)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="37"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="514" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/ko-ln.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/ko-ln.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/ko-ln.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/ko-ln.webp" type="image/webp"></source> <img height="285" src="https://taz.de/picture/8836047/14/ko-ln.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Mehr Cops oder mehr Kids? Am Konrad-Adenauer-Ufer in Köln bringt sich ein Wasserwerfer in Stellung <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Andreas Wyputta </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="15-20-uhr-demonstrieren-macht-keinen-sinn-" pos="38">15.20 Uhr: Demonstrieren „macht keinen Sinn“</h2> <p pos="39">Am Rand der Münchener Demo hat man noch Schwierigkeiten, die Anliegen der Demos zu verstehen. „Ich find's gut, dass die Jugend mal ihre Stimme erhebt“, sagt eine ältere Frau der taz. Ihr Mann fällt ihr ins Wort. „Aber wogegen sind die denn eigentlich?“, fragt er. „Gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren macht doch überhaupt keinen Sinn, die ist doch gut“, findet der Rentner. Wenn Putin hier an der Macht sei, könne man schließlich gegen gar nichts mehr demonstrieren. Und was habe das mit den Nazis zu tun, gegen die es hier auch gehe? „Die wollen doch einfach nur gegen alles sein“, murrt ein jüngerer Mann mit FC-Bayern-Schal. „Und der Kapitalismus ist schlecht, ganz schlecht, oder?“ Er winkt genervt ab. <em>(tk)</em></p> <h2 id="15-17-uhr-peinliche-gewaltdebatte" pos="40">15.17 Uhr: Peinliche Gewaltdebatte</h2> <p pos="41">„Es läuft einfach vieles wirklich nicht gut und nicht in unserem Interesse“, sagt in München ein Student aus dem fünften Semester der taz. Die Proteste in Frankreich hätten ihm Hoffnung gegeben. Dass eine ähnliche Bewegung auch in Deutschland entsteht, glaube er kaum. „Du kennst doch das Lenin-Zitat, dass die Deutschen die Revolution verpassen, weil sie erst noch eine Fahrkarte kaufen müssen“, sagt er und lacht bitter. Die Gewaltdebatte der letzten zwei Wochen habe er als „einfach peinlich“ empfunden – stattdessen hätte besser über die Ungerechtigkeit in Deutschland geredet werden können. <em></em></p> <p pos="42">Unterdessen läuft bei der Demo Musik von Ikkimel. Plötzlich prägen, anders als auf der Auftaktkundgebung, linksradikale Gruppen das Bild. Es ist durchgängig laut, die Sprechchore sind kämpferisch. „Mit 18 an die Front, mit 70 noch ans Band? Gegen die Regierung und die AfD“ steht auf einem Transparent, „Merz stirb doch selber Ostfront“ auf einem anderen. Wegen diesem Spruch hatte die Polizei vor einiger Zeit Ermittlungen gegen eine Aktivistin der Schulstreiks gegen die Wehrpflicht aufgenommen.</p> <p pos="43">Als auf der Leopoldstraße erste Rauchtöpfe gezündet werden, stoppt die Polizei den Zug sofort. Kurz darauf der nächste Rauchtopf. „Liebe Leute, bitte keine Pyrotechnik heute“, sagt ein Redner, „wir wollen doch dass es weitergeht“. Geht es dann auch, aber als der Redner die Demo dann auch noch auffordert, sich „mit ein bisschen Lärm bei der Polizei zu bedanken“, wird er vom Frontblock ausgebuht. „All Cops Are Bastards, ACAB.“ <em>(tk)</em></p> <h2 id="15-10-uhr-in-bielefeld-knallts" pos="44">15.10 Uhr: In Bielefeld knallts</h2> <p pos="45">Ein lauter Knall an der Unterführung der Mindener Straße. Und die Polizei rennt los wie von der Tarantel gestochen. „Wir gehen davon aus, dass es sich um Pyrotechnik gehandelt hat“, sagt ein Sprecher der Polizei der taz. Kurz nach dem Knall kam es zu einem Notarzteinsatz, ob dieser im Zusammenhang mit dem Knall steht, ist allerdings nicht unklar. <em>(and)</em></p> <h2 id="15-08-uhr-ein-kurzer-schreck" pos="46">15.08 Uhr: Ein kurzer Schreck</h2> <p pos="47">Pyros brennen in der Mönckebergstraße, dann zündet jemand einen Böller. Es hallt sehr laut zwischen den Hausern. Mehrere Leute erschrecken sich und rennen weg. Die Demo wird angehalten und die Polizei lässt darauf hinweisen, dass Pyrotechnik verboten ist. Dann setzt sich der Zug wieder in Bewegung, bis noch ein Böller knallt. Die Anlage am Lauti klingt übersteuert, die Stimmung wirkt zunehmend angespannt, aber Demo läuft weiter. <em>(ak)</em></p> <h2 id="15-02-uhr-rund-4-000-demonstrieren-in-hamburg" pos="48">15.02 Uhr: Rund 4.000 demonstrieren in Hamburg</h2> <p pos="49">Mindestens 4000 Menschen laufen vom Jungfernstieg in die Mönckebergstraße. „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“, rufen sie. Eine junge Frau im rosa Onezie und mit Palifahne um die Schulten ist ganz aufgekratzt. Warum sie heute hier ist? „Offensichtlich, wir haben Probleme!“ Geld sei da, aber falsch verteilt. „Es muss mehr Geld in Bildung gesteckt werden, in Hamburg haben gerade Schulbegleitungen ihre Jobs verloren“, kritisiert sie. <em>(ak)</em></p> <h2 id="14-53-uhr-die-wahre-gefahr-2-8-grad-erderw-rmung" pos="50">14.53 Uhr: Die wahre Gefahr: 2,8 Grad Erderwärmung</h2> <p pos="51">„Die wahre Gewalt sind 2,8 Grad“, steht auf dem Schild von zwei Freundinnen in Bielefeld. Eine Anspielung auf die Gewaltvorwürfe im Vorfeld der Demos. Der Jugend Gewalt nachzusagen, nur weil sie demonstrieren will, sei eine „Frechheit“, findet Paula. „Das hier“, sie zeigt auf die Menge, „ist doch keine Gefahr. Aber die 2,8 Grad Erwärmung, auf die die Erde zusteuert, das ist eine Gefahr“. <em>(and)</em></p> <h2 id="14-45-uhr-auch-kommunistische-gruppen-am-start" pos="52">14.45 Uhr: Auch Kommunistische Gruppen am Start</h2> <p pos="53">In Leipzig laufen viele Jugendliche voran, deren rote Schlauchschals darauf hindeuten, dass sie Mitglieder kommunistischer Jugendgruppen wie der „Internationalen Jugend“ sind. Ein großes Transpi gegen die Fabrik des US-Raketenbauers Covenant, die in Leipzig gebaut wird. Dabei ist aber auch ein kleiner antiautoritärer Block mit Flaggen der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAU. Roter Rauch liegt in der Luft. Durch die Reihen wird ein „Parolen-Zettel gereicht. Darauf finden sich Evergreens wie „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht“, ebenso wie Neuschöpfungen „Von Leipzig bis Paris – das regelt die Gen-Z!“ <em>(epe)</em></p> <h2 id="14-38-uhr-der-lauti-steckt-fest" pos="54">14.38 Uhr: Der Lauti steckt fest</h2> <div data-for="picture" data-pos="54"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="900" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/K-Gruppe-in-Leipzig.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/K-Gruppe-in-Leipzig.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/K-Gruppe-in-Leipzig.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/K-Gruppe-in-Leipzig.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Plakat mit der Aufschrift &quot;Kämpfen wie in Frankreich&quot;" height="498" src="https://taz.de/picture/8836047/14/K-Gruppe-in-Leipzig.webp" title="Plakat mit der Aufschrift &quot;Kämpfen wie in Frankreich&quot;" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> In Leipzig nimmt man sich die französische Jugend zum Vorbild <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Erik Peter </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="55">In Stuttgart steckt der Kampagnenwagen in der Fußgängerzone fest. Jetzt muss der Protestzug durch die engen Straßen. Aber ein Ziel haben sie erreicht. Sie sind mitten im Samstags-Getümmel und nicht zu übersehen. <em>(bst)</em></p> <h2 id="14-25-uhr-in-frankfurt-geht-s-los" pos="56">14.25 Uhr: In Frankfurt geht's los</h2> <p pos="57">Die Demonstration hat am Mainkai, in der Nähe der Europäischen Zentralbank, begonnen. Bislang haben sich rund 2.500 Menschen versammelt. „Veränderungen“ kämen nicht durch eine einzige Demonstration zustande, sondern erforderten täglichen Einsatz, sagt eine Sprecherin bei der Auftaktkundgebung. <em>(cay)</em></p> <h2 id="14-15-uhr-bielefeld-ist-abgefuckt-vom-kapitalismus" pos="58">14.15 Uhr: Bielefeld ist abgefuckt vom Kapitalismus</h2> <p pos="59">Das Orga-Team beginnt die Kundgebung auf dem Jahnplatz. Was die Jugend hier umtreibt? Wehrpflicht, kaputte Schulen, hohe Mieten. „Unser Kampf fängt gerade erst an. Solange nicht jeder Mensch frei ist, ist niemand frei“, sagt der erste Redner. Man sei „abgefuckt“ vom Kapitalismus. „Angefangen in Frankreich, weitergetragen nach italien und in andere Ländern: Die internationale Jugend zeigt, dass sie keinen Bock mehr hat“, schwört er die Versammelten ein. Auf der Website haben sich für Bielefeld etwa 6500 Menschen angemeldet, das Orga-Team rechnet eher mit 3000 Menschen. <em>(and)</em></p> <h2 id="14-12-uhr-auch-hamburger-gro-eltern-demonstrieren" pos="60">14.12 Uhr: Auch Hamburger Großeltern demonstrieren</h2> <p pos="61">„Wir sind hier, weil wir Kinder und Enkelkinder haben und wollen, dass die jungen Leute 'ne ordentliche Bildung bekommen, dass sie ein lebenswertes Leben haben und dass keine Kinder in den Krieg ziehen müssen“, sagt Silvia Saß, 68 Jahre. Sie ist heute mit ihrem Mann zur Demo am Jungfernstieg gekommen. Es sei ihre Verantwortung als Alte, die Anliegen der Jugend zu unterstützen, findet sie. <em>(ak)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="61"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1951" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/frau-hamburg-kinder.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/frau-hamburg-kinder.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/frau-hamburg-kinder.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/frau-hamburg-kinder.webp" type="image/webp"></source> <img height="1081" src="https://taz.de/picture/8836047/14/frau-hamburg-kinder.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Diese Frau in Hamburg demonstriert, weil sie will, dass kein Kind in den Krieg ziehen muss </figcaption> </figure> </div> <h2 id="14-10-uhr-berlin" pos="62">14.10 Uhr: Berlin</h2> <p pos="63">Vor dem Brandenburger Tor wehen Flaggen mit dem Symbol der GenZ regelt-Proteste, dem orangenem Eichhörnchen. Außerdem zu sehen sind hier Fahnen der Antifa, für Palästina und mit Regenbogen sowie von der Sozialistischen Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ).</p> <p pos="64">Eine Mutter hält ein Schild hoch mit dem Spruch: „Meinem Sohn reichen die Battles in Fortnite“ – einem Computerspiel. Sie erklärt, sie mache sich Sorgen, dass ihr 13-jähriger Sohn in einen Krieg gezogen wird, mit dem er nichts zu tun hat. „Darüber sollten sich Teenager keine Gedanken machen müssen“, sagt sie der taz.</p> <p pos="65">Auch eine Gruppe von Studierenden beschäftigt die Bundeswehr. „Die Unis und Schulen fallen zusammen, während so viel Geld in die Bundeswehr fließt“, sagt eine Studentin und erinnert daran: „Friedrich Merz ist nicht nur Kanzler von seiner Wählergruppe“. <em>(mst)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="65"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/Berlin.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/Berlin.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/Berlin.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/Berlin.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Frau mit Plakat vor Brandenburger Tor" height="443" src="https://taz.de/picture/8836047/14/Berlin.webp" title="Frau mit Plakat vor Brandenburger Tor" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Diese Mutter in Berlin richtet der Bundesregierung aus: Ihrem Sohn reiche Kriegspielen am Computer <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Malte Steinmüller </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="14-06-uhr-k-ln" pos="66">14.06 Uhr: Köln</h2> <p pos="67">Am Rheinufer wird es jetzt schnell voll. Mittlerweile sind sicher einige tausend Menschen vor Ort. In Sprechchören rufen sie „Alerta, Alerta, Antifascista“, „Tax the rich“ und „Merz leck Eier“. Auch die „internationale Solidarität“ lassen die meist jungen Leute hochleben. <em>(wyp)</em></p> <h2 id="14-00-uhr-leipzig" pos="68">14.00 Uhr: Leipzig</h2> <p pos="69">In der Leipziger Innenstadt wimmelt es vor Polizei, auch hier haben Läden sich hinter Spanplatten verschanzt. Auf dem Augustusplatz stehen bislang etwa 1.500 Menschen. Wo einst Legida mit „Merkel muss weg“-Rufen demonstrierte, fordern nun Jugendliche „Merz muss weg“. Aus dem Lautsprecher des kleinen Lautsprecherwagens ist der Song des Rappers Disarstar „Siamo Tutti Antifa“ zu hören. <em>(epe)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="69"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/leipzig-merz-muss-weg.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/leipzig-merz-muss-weg.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/leipzig-merz-muss-weg.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/leipzig-merz-muss-weg.webp" type="image/webp"></source> <img height="443" src="https://taz.de/picture/8836047/14/leipzig-merz-muss-weg.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Transparent mit „Merz muss weg“-Forderung auf dem Augustplatz in Leipzig <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Erik Peter </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="13-45-uhr-erfurt" pos="70">13.45 Uhr: Erfurt</h2> <p pos="71">In keiner anderen ostdeutschen Stadt haben sich so viele für den Gen Z Protest angemeldet wie in Thüringens Landeshauptstadt. Mehr als 10.000 Mal wurde laut der Website auf „Ich bin dabei“ geklickt. 15 Minuten vor Beginn ist davon wenig zu sehen. Ein Banner gegen Krieg, eine Pali-Fahne, ein Dutzend junger Menschen, die etwas unschlüssig auf dem Domplatz herumstehen. Aber: Während die Website für diesen Ort geworben hat, beginnt die Demo tatsächlich ein paar hundert Meter entfernt am Anger, einem anderen zentralen Platz in der Stadt. Als die kleine Gruppe den Post dazu auf Insta entdeckt, zieht sie um, der Pali-Fahne hinterher. <em>(dmn)</em></p> <h2 id="13-40-uhr-hamburg" pos="72">13.40 Uhr: Hamburg</h2> <p pos="73">Am Jungfernstieg füllt sich der Platz. Antifafahnen, Palästinafahnen, und die „One Piece“-Fahne, die international zum Zeichen der Gen Z Proteste geworden ist, sind zu sehen. Eine 24-Jährige sagt der taz, sie habe das Gefühl, dass die Situation für junge Leute sich immer weiter verschlechtere. „Also ich in der Schule war, hatten wir ein Loch in der Decke“, nennt sie ein Beispiel für die schlechte Infrastruktur. Mit den neusten Sozialkürzungen und der Wehrpflicht sei die Kluft aus dem Anspruch an junge Menschen und dem, was für sie getan werde, endgültig zu groß geworden. Es sei wichtig, dagegen zu protestieren, findet die Studentin.</p> <p pos="74">Tobias, 18 Jahre, und Nikita, 19 Jahre, haben sich für ihre erste Demo als Dragonball-Charaktere verkleidet. Sie hätten die Proteste in Frankreich gesehen, sich die Forderungen von Gen Z regelt durchgelesen und diese gut gefunden. Sie hofften auf Demos wie in Frankreich, nur friedlicher. Denn dort sehe man ja, dass das zu Ausgangssperren und Polizeigewalt führe. <em>(ak)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="74"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="2133" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/karneval-hamburg.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/karneval-hamburg.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/karneval-hamburg.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/karneval-hamburg.webp" type="image/webp"></source> <img alt="2 Jungs in Kostüm" height="1182" src="https://taz.de/picture/8836047/14/karneval-hamburg.webp" title="2 Jungs in Kostüm" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Tobias und Nikita tragen für ihre erste Demo Dragonball-Kostüme, Jungfernstieg Hamburg <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Amira Klute </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="13-20-uhr-die-spannung-steigt" pos="75">13.20 Uhr: Die Spannung steigt</h2> <p pos="76">Noch zwanzig Minuten bis zum offiziellen Start: Von französischen Verhältnissen kann bislang nicht die Rede sein. Am Kölner Konrad-Adenauer-Ufer sind erst wenige hundert Leute. „Bessere Bildung, keine Waffen“ und „Faschismus stoppen“ steht auf ihren Plakate. Auch die Polizei hält sich hier personell noch zurück. Auch an der Planie, dem Platz, auf dem die Demo in Stuttgart beginnen soll, hält sich der Ansturm in Grenzen <em>(wyp/bst)</em></p> <h2 id="13-05-stuttgart" pos="77">13:05 Stuttgart</h2> <p pos="78">Am Neuen Schloss steht schon viel Polizei. Die Demo startet ein paar hundert Meter weiter, am zentralen Platz Planie. In Stuttgart war die Aufregung letzte Woche groß. Hier hatte sich Innenminister Manuel Hagel mit seiner Äußerung über den „gewaltbereiten Mob“ kraftmeierisch gegeben.</p> <p pos="79">Die Organisatoren der Demonstration sind im Umfeld des Kommunistischen Aufbruchs (KA) zu verorten. Eine Vertreterin der Gruppe Internationalen Jugend hatte gegenüber der <em>Südwestpresse</em> erklärt, sie hätten mit den Betreibern der bundesweiten Website Generations-Z-Regelt nichts zu tun. Letztere hatten die Stuttgarter für deren Sturmmaskenlogo kritisiert. Die Vertreterin kritisierte: „Die versuchen für uns zu sprechen. Wir nehmen sie als externes Element wahr.“ Man lasse sich aber nicht „an der Gewaltfrage spalten.“ Der Landesschülerbeirat hat hier hingegen nicht zur Demo aufgerufen, weil man laut seinem Vorsitzenden nicht abschätzen könne, ob es zu Gewalt kommt.</p> <p pos="80">Im einem offenen Brief an die Stadt hatten Ladenbesitzer in Stuttgart ihre Befürchtungen formuliert, dass sich Krawalle wie im Juni 2020 wiederholen könnten. Nun haben Stadt und Polizei die Demonstrationsroute verlegt. Der Zug wird jetzt nicht mehr vom Neuen Schloß durch die Innenstadt geführt, sondern an der Von der Planie über die Hauptatätterstraße zum Marienplatz. Damit an den Einkaufsstrassen der Fußgängerzone vorbei. <em>(bst)</em></p> <div data-for="picture" data-pos="80"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="798" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/pyro-in-stuggi.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/pyro-in-stuggi.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/pyro-in-stuggi.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/pyro-in-stuggi.webp" type="image/webp"></source> <img height="442" src="https://taz.de/picture/8836047/14/pyro-in-stuggi.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Stuttgart: Erste Pyros werden gezündet <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Benno Stieber </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="nicht-die-polizei-empfiehlt-verbarrikadierung-von-l-den" pos="81">Nicht die Polizei empfiehlt Verbarrikadierung von Läden</h2> <p pos="82">Angesichts verbarrikadierter Schaufenster von Luxusboutiquen sagt ein Polizeisprecher aus München, dies geschehe jedenfalls nicht auf Empfehlung der Polizei. Es gebe keinerlei Hinweise auf Randale am Abend. Manche seien eben „sehr, sehr vorsichtig“. Es habe sich eine „gewisse Dynamik“ entwickelt, vermutet der Sprecher. Seit gestern Abend werden wie hier in der Maximilianstraße in vielen deutschen Innenstädten auf Hochtouren Spanplatten vor Schaufenster genagelt. Auch das Online-Shopping könnte eingeschränkt laufen, Kunden erhalten von Zustellern wie DPD Hinweise, dass ihre Pakete aufgrund der Proteste womöglich nicht ausgeliefert werden können. <em>(tk/lol)</em></p> <h2 id="genz-regelt-distanziert-sich-vorab-von-gewalt" pos="83">GenZ regelt distanziert sich vorab von Gewalt</h2> <p pos="84">Veronika Dinter, die Pressesprecherin von Gen-Z regelt in Berlin, distanziert sich bereits im Voraus von einer anderen Demonstration, die in der Hauptstadt für den späteren Nachmittag angemeldet ist: „Wir übernehmen nur Verantwortung für das, was wir angemeldet haben.“ Zu der Demonstration mit dem Namen „Gen Z hat genug“, um 17:30 Uhr am Rosenthaler Platz, ruft unter anderem das Offene Rote Treffen Berlin (ORT) auf. Die Polizei erwartet zwar, dass auch diese Demonstration friedlich verläuft. Insider erwarten dort jedoch durchaus Protestierende mit Interesse an „Aktionismus“. <em>(mst)</em></p> <h2 id="die-taz-ist-f-r-euch-vor-ort" pos="85">Die taz ist für Euch vor Ort</h2> <p pos="86">Unsere Reporterinnen und Reporter schwirren aus und covern die heutigen Proteste in Hamburg, Berlin, Leipzig, Erfurt, Köln, Bielefeld, Frankfurt, Stuttgart und München.</p> <div data-for="picture" data-pos="86"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="900" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836047/1200/Frankfurt-Vorbereitung.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/1020/Frankfurt-Vorbereitung.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/Frankfurt-Vorbereitung.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836047/665/Frankfurt-Vorbereitung.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Mit Holzplatten verriegeltes Geschäft" height="498" src="https://taz.de/picture/8836047/14/Frankfurt-Vorbereitung.webp" title="Mit Holzplatten verriegeltes Geschäft" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Trotz friedlicher Absichten der Jugend verbarrikadiert sich das Kapital – wie hier auf der Frankfurter Zeil <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Yağmur Ekim Çay </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="87">Teilnehmen wollen laut der Website von GenZ aktuell die meisten Menschen in Köln, wo sich mehr als 16.000 Personen angemeldet haben. In Frankfurt sind es mehr als 14.000, in Berlin mehr als 12.000 und in München mehr als 9000 Zusagen. Ob tatsächlich alle, die sich angemeldet haben, auch auf die Straße gehen, wird sich zeigen. <em>(taz)</em></p> <h2 id="wuff-wuff-" pos="88">Wuff, wuff!</h2> <p pos="89">In Städten wie Hamburg, Berlin und Frankfurt sollen jeweils mehr als 1000 Polizeikräfte eingesetzt werden. Stefan Müller, seines Zeichens Polizeipräsident von Frankfurt am Main, scheint sich aber eher wie ein Hundeherrchen zu fühlen. „Ich freue mich über den friedlichen Protest und dann kriegen sie von mir maximalsten Leine“, sagte er vorab bei einer Pressekonferenz – ganz so, als wären die Demonstrierende Hunde. Wenn es „kippe“ seien seine Leute da, um zu „beschränken“. <em>(lol/cay)</em></p> <h2 id="ein-erster-erfolg" pos="90">Ein erster Erfolg</h2> <p pos="91">Etwas haben die „Gen Z regelt“-Proteste bereits erreicht, bevor sie überhaupt losgegangen sind: Zu zeigen, welche Ängste allein die Ankündigung eines Jugendprotestes nach <a href="http://www.taz.de//Proteste-in-Frankreich/!6226011/">französischem Vorbild</a> in Deutschland auslöst. Gegen einen angeblich „gewaltbereiten Mob“ müsse man „mit aller Härte des Rechtsstaates zurückschlagen“, beschwor etwa der Innenminister von Baden-Württemberg, <a href="http://www.taz.de//Sexistische-Aussagen-von-Hagel/!6157841/">Manuel Hagel</a>. Die Jungen Union wollte gar Soldaten gegen die Jugendlichen einsetzen. Ein Polizeigewerkschafter schürte ein rassistisches Bild, in dem er von „Krawallmigranten“ sprach, die „keine Gnade“ zu erwarten hätten, wochenlang wurde über eine Unterwanderung der Bewegung durch Linksextreme oder sogar Islamisten fantasiert.</p> <p pos="92">Heute ist nun der Tag der Wahrheit. Gelingt es der neuen Bewegung, dieses Momentum nach Deutschland zu tragen? Oder bleibt es bei einem von vielen Versuchen linker Aktivist:innen, in Deutschland Sozialproteste auf die Beine zu stellen? Werden am Abend Bilder von bunten Schildern oder doch von brennenden Mülltonnen die Nachrichten beherrschen – obwohl „Gen Z regelt“ mehrfach friedliche Absichten betont hat? <em>(tk)</em></p> <h2 id="soziologe-sieht-potenzial-f-r-gr-ere-bewegung" pos="93">Soziologe sieht Potenzial für größere Bewegung</h2> <p pos="94">Der Berliner Sozialwissenschaftler Christian Volk sieht in den geplanten „GenZ“-Demonstrationen das Potenzial für eine größere Protestbewegung. „Es ist enorm viel Druck im Kessel“, sagte der Professor der Humboldt-Universität der Nachrichtenagentur AFP. „Wohnungsnot, Kürzungen im Bildungsbereich, Wehrpflichtdebatte und gesellschaftlicher Rechtsruck – da kommt vieles zusammen.“ Die jungen Menschen forderten ein, „dass ihre politischen Erfahrungen und Zukunftserwartungen auch gehört werden“ <em>(afp)</em>.</p> <h2 id="worum-geht-s-bei-den-demos-" pos="95">Worum geht's bei den Demos?</h2> <p pos="96">Unter dem Motto „Mehr Geld für Klima, Schulen, bezahlbares Leben für alle“ wollen am Samstag in 34 Städten junge Menschen auf die Straße gehen. Angemeldet haben sich <a href="https://genz-regelt.de/" target="_blank">auf der Website GenZ-regelt</a> rund 180.000 Leute. „Alle sind willkommen, egal wie alt“, steht dort.</p> <p pos="97">Die Initiative „Gen Z regelt“ besteht aus Einzelpersonen, die in Köln, Frankfurt, Berlin und München Versammlungen angemeldet hat. Weitere Proteste, die sich dem Aufruf angeschlossen haben finden zum Beispiel in Dresden, Aachen, Kiel und Freiburg statt. In den meisten Städten sind Proteste ab 14 Uhr angekündigt.</p> <p pos="98">Unterstützt haben den Aufruf auch linke Polit-Gruppen, etwa durch Posts, die wiederum von Gen Z regelt verbreitet wurden. Daraufhin haben CDU und Polizeigewerkschaft mit einer <a href="http://www.taz.de//Polizei-ohne-Gnade-bei-den-Gen-Z-Protesten-Was-richten-solche-Drohungen-der-Politik-an/!6225351/">Polizei ohne Gnade</a> gedroht. Der <a href="http://www.taz.de//Verfassungsschutz/!6225645/">Verfassungsschutz</a> schwadronierte von einem linksextremistischem Einfluss. „Belastbare Erkenntnisse über gezielte extremistische Einflussnahme oder Steuerung der Gruppierung“ lagen der Polizei aber nicht vor. Andere Beobachter fürchten eher, dass die Bewegung so brav wird wie Fridays For Future es waren. Eine erste Blockade hatte es bereits am 12. Oktober im Französischen Gymnasium in Berlin-Tiergarten gegeben. Mehr über die Entstehung der Bewegung <a href="http://www.taz.de//Gen-Z-regelt-Berlin/!6225297/">lesen Sie hier</a>.</p> <p pos="99">In Frankreich, aber auch <a href="http://www.taz.de//Mietproteste-in-Spanien/!6217659/">Spanien</a>, <a href="http://www.taz.de//Proteste-in-Italien/!6226264/">Italien</a>, <a href="http://www.taz.de//Studentenproteste-in-Albanien/!6221920/">Albanien</a> oder <a href="http://www.taz.de//Sozialproteste-in-Lissabon/!6222613/">Portugal</a> entlädt sich bereits seit mehreren Wochen die Wut der Jugend über kaputtgesparte Bildungs- und Sozialsysteme, das Totalversagen von Regierungen in der Klimakrise, über Aufrüstung und Krieg<em>. (tk/lol)</em></p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. 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Auch Krawalle ändern nichts daran, dass das legitim ist. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Nach-Gen-Z-regelt-Protest/!6226354/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836326/1020/42451238.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836326/665/42451238.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836326/310/42451238.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine eingeschlagene Fensterscheibe eines Juweliers" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8836326/14/42451238.webp" title="Eine eingeschlagene Fensterscheibe eines Juweliers" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Nach Gen-Z-regelt-Protest </span> <span> Krawalle in Frankfurt am Main </span> </span> </p> <p> Steine gegen Polizisten, Plünderungen und Wasserwerfer: Wie konnte die Lage in Frankfurt nach einer großen friedlichen Demonstration derart eskalieren? </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Berlin-Demo-von-Gen-Z-regelt/!6226313/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835831/1020/629137204.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835831/665/629137204.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835831/310/629137204.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Zwei Menschen befestigen Spanplatten vor den Schaufenstern einer &quot;Tiffany&quot;-Filiale" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8835831/14/629137204.webp" title="Zwei Menschen befestigen Spanplatten vor den Schaufenstern einer &quot;Tiffany&quot;-Filiale" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Berlin-Demo von „Gen Z regelt“ </span> <span> „Wir fühlen uns von der Politik nicht ernst genommen“ </span> </span> </p> <p> Die OrganisatorInnen der Berliner Demonstration von „Gen Z regelt“ erklären die Zielrichtung ihres Protests – und versprechen einen friedlichen Ablauf. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="20. - 25. August 2026 – Nordeifel und Hohes Venn" href="http://www.taz.de//reisen-in-die-zivilgesellschaft/nordeifel-und-hohes-venn/!v=18c1fa2f-b9d3-4ebe-b615-0a06aaee7eab/#matomo:pk_campaign=2026-D-Nordeifel/Hohes-Venn&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_placement=taz-Reise-Tagwolke-Nordeifel-und-Hohes-Venn" title="20. - 25. August 2026 – Nordeifel und Hohes Venn"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/ob/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch/1020/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/ob/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch/665/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/ob/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch/480/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/ob/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch/1020/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch.jpg" type="image/jpg"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/ob/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch/665/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch.jpg" type="image/jpg"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/ob/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch/480/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch.jpg" type="image/jpg"></source> <img alt="oberhalb-des-rursees" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/ob/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch/14/oberhalb-des-rursees_gotthard-kirch.webp" title="oberhalb-des-rursees" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 20. - 25. August 2026 </span> <span> Nordeifel und Hohes Venn </span> </h2> <div> <p> mit taz-Autor Bernd Müllender </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Wanderungen im deutsch-belgischen Grenzgebiet: im Nationalpark Eifel an geschichtsträchtigen Orten und im Hochmoor des Hohen Venn (Belgien)</li> <li pos="2"><span></span>950 € (DZ/HP/ohne Anreise)</li> <li pos="3"><span></span>mit 5 Übernachtungen (3 in der Pension Diefenbach in Heimbach + 2 im Naturschutz-Bildungshaus Nabear in Vogelsang)</li> <li pos="4"><span></span>Veranstalter: Ventus-Reisen</li> </ul> </span> </div> <p> Mehr erfahren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226335/ 31 Oct 2026 14:42:00 +0100 Lotte Laloire, Timm Kühn, Benno Stieber, Andreas Wyputta, David Muschenich, Amira Klute, Erik Peter, Annika Danielmeier, Malte Steinmüller und Yağmur Ekim Çay <![CDATA[Anarchistische Demo in Athen: Hunderte gedenken Kyriakos Xymitiris’]]> <img src="https://taz.de/picture/8836192/1200/IMG-2873.jpeg" /><h1>Anarchistische Demo in Athen: Hunderte gedenken Kyriakos Xymitiris</h1><h2>By Aus Athen Marco Fründt</h2><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Vor dem griechischen Parlament haben am Samstag Un­ter­stüt­ze­r:in­nen an den 2024 bei einer Explosion getöteten Anarchisten erinnert. Und die Freilassung zwei seiner Mitstreiterinnen gefordert. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836192/1200/IMG-2873.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836192/1020/IMG-2873.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836192/665/IMG-2873.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836192/835/IMG-2873.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Demonstrierende halten ein Transparent auf dem Syntagma-Platz" height="556" src="https://taz.de/picture/8836192/14/IMG-2873.webp" title="Demonstrierende halten ein Transparent auf dem Syntagma-Platz" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> „In unseren Kämpfen stets dabei“: An­ar­chis­t:in­nen in Athen gedenken Kyriakos Xymitiris <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Marco Fründt </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Auf dem Athener Syntagmaplatz direkt vor dem heutigen Parlament ist es überraschend ruhig. Trotz der knapp 250 Anarchist:innen, die sich dem Aufruf zum Gedenken an den verstorbenen Anarchisten Kyriakos Xymitiris angeschlossen haben. Der 37-Jährige wurde am 31.10.2024 bei einer Explosion in einer Wohnung im Stadtteil Ampelokipi getötet.</p> <p pos="2">„Kyriakos lebt! Freiheit für Marianna und Dimitra!“, schallt es dann über den von der Polizei abgeriegelten Platz. In den Wochen nach Xymitiris’ Tod war es zu einer Reihe von Festnahmen gekommen, unter anderem des bekannten griechischen Anarchisten Nikos Romanos, einem engen Freund des <a href="http://www.taz.de//Portraet-Alexandros-Grigoropoulos/!5171362/">2008 von einem Polizisten ermordeten Alexandros Grigoropoulos</a>. Dessen Todestag ist seither zentrales Datum für den Protest gegen Polizeigewalt und staatliche Repression. Romanos und zwei weitere Angeklagte wurden im April 2026 nach 17 Monaten Untersuchungshaft freigesprochen – zwei weitere Anarchistinnen aber wurden zu langen Haftstrafen verurteilt, Dimitra Z. zu acht Jahren und Marianna M. Zu 19 Jahren.</p> <p pos="3">Marianna M., Xymitiris’ Partnerin, die sich bei der Explosion 2024 ebenfalls in der Wohnung befand, wurde dabei schwer verletzt und nach zweiwöchigem Aufenthalt auf der Intensivstation in ein Athener Frauengefängnis gebracht. Ihr wird, genau wie Dimitra Z. vorgeworfen, einer terroristischen Organisation anzugehören, explosives Material hergestellt, besessen und verwendet zu haben sowie weiterer Waffenbesitz. Der Anklage zufolge sollen die Angeklagten M. und Z. zusammen mit Xymitiris Angriffe auf staatliche Einrichtungen geplant haben. Z. soll dafür gesorgt haben, dass das Paar die Wohnung nutzen konnte. Ein konkretes mutmaßliches Angriffsziel hat die Anklage allerdings nicht genannt.</p> <p pos="4">Das Urteil ist noch nicht endgültig, die beiden Angeklagten sind in Berufung gegangen, befinden sich aber seit dem ersten Urteil im Frauengefängnis Theben, eine Stunde nördlich von Athen. Die haftaufschiebende Wirkung der Berufung wurde trotz des Gesundheitszustands von Marianna M. infolge der Explosion abgelehnt. Die Urteile und hohen Strafmaße sind in der griechischen Öffentlichkeit umstritten. Un­ter­stüt­ze­r:in­nen wähnten eine politische Motivation der Verurteilungen, die auf der Verfolgung von Ideen, nicht auf haltbaren Beweisen fußten.</p> <p pos="5">Xymitiris war in der linken Szene, besonders der großen autonomen, kein Unbekannter. Er ist über Jahre bei Solidaritätsinitiativen für Gefangene, in der antiimperialistischen und internationalistischen Bewegung, bei palästinasolidarischen Demonstrationen, bei Hausbesetzungen oder bei <a href="http://www.taz.de//Raeumung-von-Fluechtlingsbauten/!6190309/">Aktionen zur Verteidigung des Athener Viertels Exarchia</a> aktiv gewesen.</p> <h2 id="revolution-re-tradition" pos="6">Revolutionäre Tradition</h2> <p pos="7">Dass er einen Angriff auf ein staatliches Gebäude mit Sprengstoff geplant habe, bei dessen Herstellung er getötet wurde, wird nicht bestritten. Vielmehr wird es in eine revolutionäre Tradition gestellt: „Dieser Frieden des blutgetränkten Mittelmeers, gefüllt mit den Leichen von Migrantinnen und Migranten, die im Namen der „Festung Europa“ von der Küstenwache erschossen werden; der rassistischen Pogrome und des globalen Aufstiegs der extremen Rechten; der imperialistischen Kriege und Völkermorde“ solle bekämpft werden, heißt es im Demoaufruf. Für seine Un­ter­stüt­ze­r:in­nen hat Xymitiris, die „tief verankerte Tradition des Kampfes gegen Staat und Kapital mit allen Mitteln“ fortgeführt.</p> <p pos="8">Die An­ar­chis­t:in­nen auf dem Syntagma-Platz haben sich am Samstag jedoch mit bloßem Gedenken begnügt. Etwa eine halbe Stunde lang standen sie der gepanzerten und schon mit aufgesetzten Gasmasken gerüsteten Bereitschaftspolizei gegenüber, die sie am Marschieren hinderte, während zwischen ihnen Sightseeing-Busse vorbeifuhren. Dann beendeten die Teilnehmenden die Demo friedlich. Der <a href="http://www.taz.de//Abhoerskandal-in-Griechenland/!6174665/">eigens engagierte Fotograf wurde jedoch von der Polizei vorübergehend festgenommen</a>, weshalb der Artikel nur mit einem Handyfoto bebildert ist.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Amnesty International ist entsetzt. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Attentat-in-Griechenland/!6192910/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8586332/1020/41564771.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8586332/665/41564771.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8586332/310/41564771.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ausgebrannte Fahrzeuge in einer Garage eines Wohnhauses" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8586332/14/41564771.webp" title="Ausgebrannte Fahrzeuge in einer Garage eines Wohnhauses" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Attentat in Griechenland </span> <span> Politiker-Mutter stirbt nach Brandanschlag </span> </span> </p> <p> Drei aufeinanderfolgende Anschläge erschüttern die griechische Stadt Thessaloniki. Polizei und konservative Regierung vermuten Vergeltungsaktionen für Räumungen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//140-Tage-Hungerstreik/!6190352/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8561106/1020/taz-fernverbindung-cover-1080x1080.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8561106/665/taz-fernverbindung-cover-1080x1080.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8561106/310/taz-fernverbindung-cover-1080x1080.webp" type="image/webp"></source> <img height="310" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8561106/14/taz-fernverbindung-cover-1080x1080.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> 140 Tage Hungerstreik </span> <span> Wem gehört Athen? </span> </span> </p> <div> <span :class="isMobile ? ' small ' : 'medium' "> </span> <div> <p> <span>Podcast </span> <span> „Fernverbindung“ </span> <span> von </span> <span>Ferry Batzoglou</span> <span>und</span> <span>Fabian Schroer</span> </p> </div> </div> <p> Aristos Chantzis riskierte sein Leben – für den Erhalt des autonomen Wohnprojekts Prosfygika. Ist in Griechenland noch Platz für alternative Lebenskonzepte? </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226348/ 31 Oct 2026 16:53:00 +0100 Marco Fründt <![CDATA[Krypto-Börse Binance: FBI macht Nordkorea für Hack verantwortlich]]> <img src="https://taz.de/picture/8836371/1200/42100902.jpeg" /><h1>Krypto-Börse Binance: FBI macht Nordkorea für Hack verantwortlich</h1><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> US-Bundespolizei identifiziert Hackergruppe hinter dem Angriff auf die weltgrößte Kyptobörse. Die meldet Ersatz für 90 Prozent der gestohlenen Werte. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836371/1200/42100902.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836371/1020/42100902.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836371/665/42100902.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836371/835/42100902.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Nordkoreanische Offiziere feiern anlässlich des 78. Tags der Staatsgründung (9.9.1948) auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang" height="556" src="https://taz.de/picture/8836371/14/42100902.webp" title="Nordkoreanische Offiziere feiern anlässlich des 78. Tags der Staatsgründung (9.9.1948) auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Nordkoreanische Offiziere feiern anlässlich des 78. Tags der Staatsgründung (9. 9. 1948) auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Cha Song Ho/ap/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><em>afp</em> Der <a href="http://www.taz.de//Risiken-von-Kryptowaehrungen/!6226242/">wohl größte Diebstahl von Kryptowährungen</a> der Geschichte geht nach Erkenntnissen der US-Bundespolizei FBI auf das Konto Nordkoreas. Nordkoreanische Hacker hätten bei einem Angriff auf die weltgrößte Kryptobörse Binance mehr als 6 Milliarden Dollar erbeutet, teilte die Behörde am Samstagabend mit. Das FBI machte die Hackergruppe TraderTraitor für den Angriff verantwortlich.</p> <p pos="2">Wie die US-Bundespolizei weiter erklärte, beobachteten Ermittler, wie die Täter die Beute vor allem in Ether (ETH), die <a href="http://www.taz.de//Besteuerung-von-Kryptowaehrungen-FAQ-zu-Klingbeils-Bitcoin-Plan/!6195524/">Kryptowährung</a> des Ethereum-Netzwerks, umtauschten. Anschließend dürften die Vermögenswerte über dezentrale Finanzdienste und Plattformen zum schnellen Tausch von Kryptowährungen weiter verschleiert werden.</p> <p pos="3">Das FBI veröffentlichte eine Liste mit rund 500 Adressen im Ethereum-Netzwerk, die TraderTraitor nach ihren Erkenntnissen zur Geldwäsche nutzt. Sie forderte Kryptobörsen und andere Branchendienstleister auf, Transaktionen mit diesen Adressen oder daraus stammenden Vermögenswerten zu blockieren.</p> <p pos="4">Binance hatte den Hackerangriff am Donnerstag bekannt gegeben. Nach Angaben der nach Handelsvolumen weltgrößten Kryptobörse waren Vermögenswerte im Wert von umgerechnet 5,6 Milliarden Euro betroffen. Binance erklärte am Samstag, mit eigenen Mitteln bereits Ersatz für 90 Prozent der gestohlenen Kryptowerte beschafft zu haben.</p> <h2 id="diebstahl-im-wert-von-mehr-als-6-milliarden-dollar" pos="5">Diebstahl im Wert von mehr als 6 Milliarden Dollar</h2> <p pos="6">„Unsere Zusage bleibt unverändert: Binance wird die finanziellen Folgen der bei diesem Vorfall gestohlenen Vermögenswerte vollständig übernehmen“, erklärte das Unternehmen im Onlinedienst X. Es habe mehr als 6,34 Milliarden Dollar zur Deckung der Verluste bereitgestellt. Für die verbleibenden zehn Prozent werde mehr Zeit benötigt, weil diese digitalen Vermögenswerte weniger leicht verfügbar seien.</p> <p pos="7">Nach dem Angriff hatte Binance Auszahlungen zunächst ausgesetzt. Sie sollten nach Unternehmensangaben voraussichtlich am Sonntag wieder möglich sein. Zuvor hatte Binance erklärt, Partner hätten rund 3 Milliarden Dollar an Kryptovermögen eingefroren, um den Diebstahl einzudämmen. Die Plattform zählt nach eigenen Angaben 335 Millionen Nutzer.</p> <p pos="8">Binance hatte von einem „komplexen Angriff“ mit mehreren Einfallstoren gesprochen. Nach früheren Unternehmensangaben könnte die Attacke über den Laptop eines IT-Mitarbeiters erfolgt sein. Hinweise auf den Diebstahl privater Schlüssel für Krypto-Konten lägen bislang nicht vor.</p> <p pos="9">Bereits vor der FBI-Erklärung hatte die Analysefirma TRM Labs TraderTraitor verdächtigt. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag noch erklärt, Washington prüfe eine Beteiligung Nordkoreas. TraderTraitor wird <a href="http://www.taz.de//Analyse-zu-Kryptowaehrungen-2024/!6058031/">dem Hackernetzwerk Lazarus</a> zugerechnet, das mit nordkoreanischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht wird.</p> <h2 id="traidertraitor-wird-hackernetzwerk-lazarus-zugerechnet" pos="10">TraiderTraitor wird Hackernetzwerk Lazarus zugerechnet</h2> <p pos="11">Lazarus wurde 2014 durch den mutmaßlichen Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures bekannt. TraderTraitor wird auch für den Diebstahl von 1,5 Milliarden Dollar bei der Kryptobörse Bybit im Februar 2025 verantwortlich gemacht. Nordkorea steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter weitreichenden internationalen Sanktionen.</p> <p pos="12">Laut einem Bericht der US-Armee aus dem Jahr 2020 zählt die nordkoreanische Cyberkriegseinheit „Büro 121“ rund 6.000 Beschäftigte, die teilweise vom Ausland aus operieren. Nach Bekanntwerden des Binance-Angriffs verloren Bitcoin fast 5 Prozent, Ether knapp 6 Prozent und die Binance-Währung BNB fast 10 Prozent.</p> <h2 id="neue-munitions-und-raketentests-in-nordkorea" pos="13">Neue Munitions- und Raketentests in Nordkorea</h2> <p pos="14">Nordkorea hat am Samstag nach eigenen Angaben Sprengköpfe mit Streumunition für taktische ballistische Raketen getestet. Der Versuch habe die Einsatzfähigkeit und Wirkung der Gefechtsköpfe überprüfen sollen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Nach Angaben der nordkoreanischen Raketenverwaltung könne die Waffe ein Zielgebiet von 12 bis 13 Hektar vollständig zerstören.</p> <p pos="15">Der Chef der Raketenverwaltung kündigte laut KCNA an, die Streitkräfte sollten noch in diesem Jahr verschiedene Waffentypen je nach Einsatzauftrag und Ziel auswählen und einsetzen können. Von KCNA veröffentlichte Fotos zeigten den Start eines Geschosses von einer mobilen Abschussvorrichtung sowie mehrere Einschläge auf einer Insel. Machthaber Kim Jong Un war bei dem Versuch nicht anwesend. Bereits im April hatte er einen Test von Streumunitions-Sprengköpfen auf einer ballistischen Rakete begleitet.</p> <p pos="16">Erst am Donnerstag hatte Nordkorea nach südkoreanischen Angaben etwa ein Dutzend ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Ostmeers abgefeuert. Zuvor hatten sich die Spannungen an der schwer befestigten Grenze verschärft: Bei einer Explosion waren drei südkoreanische Soldaten verletzt worden. Seoul vermutet nordkoreanische Landminen, Pjöngjang weist dies zurück.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Doch jetzt genießt es dank Moskau und Peking neue Stärke, die aber nicht von Dauer sein dürfte. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Reaktionen-auf-Manoeverabsage/!6207014/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8692273/1020/41880961.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8692273/665/41880961.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8692273/310/41880961.webp" type="image/webp"></source> <img alt="US-Soldaten bei einer Militärübung auf einem Fluss in Südkorea." height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8692273/14/41880961.webp" title="US-Soldaten bei einer Militärübung auf einem Fluss in Südkorea." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Reaktionen auf Manöverabsage </span> <span> Donald Trumps unberechenbarer Koreakurs </span> </span> </p> <p> Die Außenpolitik des US-Präsidenten lässt Verbündete in Asien an der Zuverlässigkeit der USA zweifeln. Für China ist das ein unverhofftes Geschenk. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Gipfeltreffen-von-China-und-Nordkorea/!6185594/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8487571/1020/41339277.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8487571/665/41339277.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8487571/310/41339277.webp" type="image/webp"></source> <img height="190" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8487571/14/41339277.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Gipfeltreffen von China und Nordkorea </span> <span> Die Atomwaffenfrage ist keine Frage mehr </span> </span> </p> <p> Chinas Staatschef Xi besucht erstmals seit sieben Jahren Nordkoreas selbstbewussten Machthaber Kim Jong Un, der ein erstaunliches Comeback hingelegt hat. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. 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Doch noch gelten dort restriktive Gesetze. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8819947/1200/42422516.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8819947/1020/42422516.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8819947/665/42422516.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8819947/835/42422516.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein verletzter Journalist wird während Protesten weggetragen" height="556" src="https://taz.de/picture/8819947/14/42422516.webp" title="Ein verletzter Journalist wird während Protesten weggetragen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Ein verletzter Journalist wird bei einer Demo gegen die venezolanische Regierung weggetragen <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Manaure Quintero/reuters </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Stellen Sie sich vor, Sie könnten weder aus den Medien noch aus den sozialen Netzwerken erfahren, dass die rechtsextreme Partei AfD nach den Wahlen im September in Sachsen-Anhalt zum ersten Mal den Vorsitz in einem deutschen Landtag übernommen hat. Oder dass Polizei oder Militär Sie auf der Straße festnimmt, nur weil Sie die Unpünktlichkeit der Bahn kritisieren. Oder dass Sie des Terrorismus bezichtigt werden, weil Sie an Massendemonstrationen zur Verteidigung demokratischer Werte teilgenommen haben.</p> <p pos="2">Versetzen Sie sich nun in die Lage einer Journalistin, welcher der Zutritt zu Regierungspressekonferenzen regelmäßig verwehrt wird und die von Beamten statt Informationen von öffentlichem Interesse nur die Tür vor der Nase zugeschlagen bekommt.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="2"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>Euromérica-Workshop</p> <div> <p>15 Jour­na­lis­t:in­nen aus 12 Ländern Lateinamerikas nehmen am Workshop „Euromérica“ der <a href="https://taz.de/panter-stiftung/vom-wort-zur-tat/!v=e4eb8635-98d1-4a5d-b035-a82efb835967/" target="_blank">taz panterstiftung</a> teil. Es geht um Chancen und Herausforderungen des EU-Mercosur-Abkommens und die lateinamerikanisch-europäischen Beziehungen. Am 5. 12. erscheint dazu eine Beilage in der taz, am 9. 12. gibt es einen öffentlichen Talk in der taz Kantine. Alle Texte finden Sie <a href="http://www.taz.de//Euromerica/!t6219794" target="_blank">hier</a>.</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="3">Eine Reporterin, die im schlimmsten Fall wegen „Anstiftung zum Hass“ kriminalisiert und vor Gericht gestellt wird und allein wegen der Ausübung ihres Berufs mit Freiheitsstrafen von maximal 20 Jahren rechnen muss – während das Medium, für das sie arbeitet, mit Geldstrafen belegt oder sein Erscheinen untersagt wird, weil es Inhalte verbreitet, die als Verstoß gegen ein Gesetz angesehen werden, das angeblich für „friedliches Zusammenleben und Toleranz“ erlassen wurde.</p> <p pos="4">Und obwohl die <a href="http://www.taz.de//Pressefreiheit-in-Europa/!6224852/">Pressefreiheit auch in Europa zunehmend unter Druck gerät</a> und dort inzwischen <a href="http://www.taz.de//Autorin-zu-Vertrauensverlust-in-Medien/!6117949/">weniger Menschen dem öffentlichen Rundfunk und vermeintlichen „Mainstreammedien“ vertrauen</a>, dürfte ein solches Szenario für europäische Bür­ge­r:in­nen kaum vorstellbar sein. Dort ist die Meinungsfreiheit als Säule der Demokratie ausdrücklich durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union geschützt. In Deutschland gilt sie als unverzichtbare Grundlage der politischen Debatte – und ihr „demokratiekonstitutiver Charakter“ wurde vom Bundesverfassungsgericht ausdrücklich bestätigt.</p> <h2 id="repressionen-gegen-mehr-als-400-medien" pos="5">Repressionen gegen mehr als 400 Medien</h2> <p pos="6">Eu­ro­päe­r:in­nen mögen die oben beschriebenen Umstände in Venezuela übertrieben erscheinen. Doch sie sind Realität in einem Land, das drei Jahrzehnte lang unter den Regierungen von Hugo Chávez (1999–2013) und Nicolás Maduro (2013–2026) den Verfall demokratischer Freiheiten erleben musste. Diese wurden schließlich in einem diktatorischen Apparat aus Unterdrückung bürgerlicher und politischer Rechte, Machtkonzentration, Verfolgung der Opposition sowie polizeilicher und militärischer Repression erstickt.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="6"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>Moderatoren-Avatare und Nachrichten im Bus</p> <div> <div> <p>Auf die Repressionen in ihrer Heimat reagieren Medien und Jour­na­lis­t:in­nen in Venezuela mit viel Kreativität: Um ihre Identität zu schützen, wurden etwa mithilfe von KI Moderatoren-Avatare mit venezolanischem Akzent geschaffen.</p> <div x-data="{show: false, heightOfHiddenText: 0 }"> <section :aria-hidden="show !== true" :class="{ 'show': show === true }" :inert="show !== true" :style="show ? 'max-height: ' + heightOfHiddenText + 'px ' : 'max-height: 0px'" aria-labelledby="accordion-header-uhtotwlyrc" id="accordion-panel-uhtotwlyrc" x-init=" $nextTick(() => {heightOfHiddenText = $el.scrollHeight +20});"> <p>Das Team von <a href="http://www.taz.de//Mobile-Nachrichten-in-Caracas/!6188707" target="_blank">El Bus TV</a> liest dagegen im öffentlichen Raum laut Nachrichten vor, um die Menschen zu informieren. Andere Medien haben sich zusammengeschlossen und kooperieren online mit venezolanischen Kol­le­g:in­nen im Exil. Mehr zu Medien in Venezuela lesen Sie <a href="http://www.taz.de//Schutz-von-Journalisten-durch-KI/!6168057" target="_blank">hier</a>.</p></section> </div> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="7">Die ernüchternde Bilanz der Meinungs- und Pressefreiheit im letzten Vierteljahrhundert in Venezuela sieht so aus: Mehr als 400 Medien, darunter Radio- und Fernsehsender, Printmedien und Onlineportale, wurden <a href="http://www.taz.de//Refugium-Auszeit-Stipendium-2025/!6106776/">geschlossen, beschlagnahmt oder zur Einstellung ihres Betriebs gezwungen</a>. Bis September 2026 blieben allein bei einem der zwei großen Internetanbieter fast 150 Domains gesperrt, von denen mehr als die Hälfte unabhängigen Medien sowie nationalen wie internationalen Nachrichtenportalen gehören. All diese Zahlen wurden von lokalen Organisationen akribisch dokumentiert.</p> <p pos="8">Zwischen 2020 und 2024 wurden mehr als 20 Reporter- und Fo­to­gra­f:in­nen unter dem Vorwurf des Terrorismus und der Bildung krimineller Vereinigungen inhaftiert. Rechtsgrundlage dafür ist das „Verfassungsgesetz gegen Hass, für friedliches Zusammenleben und Toleranz“. Es wurde 2017 als Instrument zur Kriminalisierung des Journalistenberufs und zur Förderung einer der schädlichsten Formen sozialer Kontrolle – der Zensur – erlassen und trieb viele venezolanische Jour­na­lis­t:in­nen ins Exil.</p> <h2 id="restriktives-anti-hass-gesetz-gilt-bis-heute" pos="9">Restriktives „Anti-Hass“-Gesetz gilt bis heute</h2> <p pos="10">Während in Europa Zensur ausdrücklich verboten ist, wird sie in Venezuela durch digitale Sperren, Geldstrafen und behördliche Schließungen praktiziert. Zwar erkennt die Verfassung von 1999 die Meinungsfreiheit als Recht an, doch wurde sie Konzepten wie der „Stabilität des Staates“, dem „sozialen Frieden“ und der „kommunikativen Hegemonie“ untergeordnet.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="10"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/!vn5941022/"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5910470/1020/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5910470/665/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5910470/242/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <img height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5910470/14/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>Jetzt unterstützen!</p> <div> <p>Unterstützen Sie die taz panterstiftung und ihre internationalen Projekte mit einer Spende. <a href="https://taz.de/taz-panterstiftung/spenden/!v=95da8ffb-144e-4a3b-9701-e9efc5512444/" target="_blank">Mehr erfahren</a></p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="11">In der Logik des Chavismus ist ein Journalist kein Hüter einer pluralistischen Demokratie, der rechtlichen Schutz genießt, wie dies in der Europäischen Union der Fall ist, sondern ein der Regierung untergeordneter Akteur.</p> <p pos="12">Wie es nun unter Interimspräsidentin Delcy Rodríguez weitergeht, muss sich noch zeigen. Das restriktive „Anti-Hass“-Gesetz von 2017 ist bis heute in Kraft. <a href="https://www.dw.com/en/venezuela-unblocks-some-news-websites-censored-for-years/a-79319441" target="_blank">Laut Digitalrechte-Organisation VE Sin Filtro</a> wurden Mitte September immerhin 17 Nachrichten-Webseiten und Medien entsperrt, die zuvor jahrelang zensiert worden waren. Doch viele andere werden noch blockiert – 188 Websites sollen weiterhin nicht erreichbar sein, darunter 79 Nachrichtenportale.</p> <p pos="13">Es bleibt abzuwarten, ob die derzeitige Phase politischer und wirtschaftlicher Veränderungen, die durch die Entführung Maduros am 3. Januar 2026 in die USA ausgelöst wurde, zu einem Übergang in eine echte Demokratie führen kann. Venezuela könnte sich dafür an den Grundsätzen Europas zur Meinungsfreiheit orientieren – statt sich weiter von den USA bevormunden zu lassen. Deren Präsident Donald Trump hat bekanntermaßen auch ein schwieriges Verhältnis zur freien Presse.</p> <p pos="14"> <em><a href="https://armando.info/author/lisseth-boon/" target="_blank">Lisseth Boon Bartolozzi</a> ist eine Investigativjournalistin aus Venezuela. Sie ist u. a. für die unabhängige Medienplatform <a href="https://armando.info/" target="_blank">Armando.Info</a> tätig.</em> </p> <p pos="15"> <em>Übersetzt aus dem Spanischen von Ole Schulz</em> </p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. 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Die neue Interimsregierung verspricht Straferlass, doch Medien stehen unter Druck. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6224030/ 1 Nov 2026 11:41:00 +0100 Lisseth Boon Bartolozzi <![CDATA[50 Jahre Frauenhäuser in Deutschland: „Hör mal, wir wollen ein Frauenhaus eröffnen“]]> <img src="https://taz.de/picture/8829367/1200/42435248.jpeg" /><h1>50 Jahre Frauenhäuser in Deutschland: „Hör mal, wir wollen ein Frauenhaus eröffnen“</h1><h2>By Interview von Amelie Sittenauer</h2><p> Tomi Tomek arbeitete im ersten Frauenhaus Deutschlands, das vor genau 50 Jahren entstand. Mit der taz spricht sie über Sicherheit, Solidarität und Mut. </p><div> <div> <p pos="1"> <strong>taz: Frau Tomek, als 1976 in Berlin das erste Frauenhaus in Deutschland gegründet wurde, waren Sie dabei. Was war das für eine Zeit?</strong> </p> <p pos="2"><strong>Tomi Tomek:</strong> Männergewalt gegen Frauen war sehr präsent, aber offen geredet wurde darüber nicht. „Sie hat das halt provoziert“, hieß es schnell. Ich hatte zuvor als Sozialpädagogin in einem Heim für Wohnungslose in Berlin-Kreuzberg gearbeitet. Da ging es oft rund in den Familien, es wurde viel geschrien. Wenn die Frauen dann mit ihren Kindern zu mir gekommen sind, hatten sie blaue Flecken und haben geweint. Doch in Ruhe reden konnten wir selten, der gewalttätige Mann war ja immer in der Nähe.</p> <p pos="3"> <strong>taz: Wie wurden Sie Teil der Initiative, die das Frauenhaus gegründet hat?</strong> </p> <p pos="4"><strong>Tomek:</strong> Die bekannte Feministin Ursula Scheu hat mich angerufen. Ich war damals erst 25 und fand sie ganz toll. Sie meinte: „Hör mal, wir wollen ein Frauenhaus eröffnen und brauchen noch eine, die mit den Kindern klarkommt.“ Diese Kinder wurden selbst oft misshandelt oder haben gesehen, wie die Mutter misshandelt wurde – sie wollten also jemanden wie mich, die aus der Praxis kommt. Das fand ich unglaublich spannend. Ich habe dann meinen Job gekündigt und bin dorthin.</p> <div data-for="webelement_bio" data-pos="4"> <section> <div> <div> <div> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1200" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8835307/1200/Sans-titre-83.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835307/1020/Sans-titre-83.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835307/665/Sans-titre-83.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835307/242/Sans-titre-83.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Tomi Tomek mit einer ihrer geretteten Katzen" height="242" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8835307/14/Sans-titre-83.webp" title="Tomi Tomek mit einer ihrer geretteten Katzen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> <p> Bild: privat </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <p> Im Interview: Tomi Tomek </p> <p>ist Sozialpädagogin und Tierschützerin. In den 1970er Jahren arbeitete sie in Berlin im ersten Frauenhaus Deutschlands. Die 74-Jährige lebt heute in der Schweiz und betreibt dort eine Auffangstation für aggressive Katzen.</p> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="5"> <strong>taz: Wohin genau?</strong> </p> <p pos="6"><strong>Tomek:</strong> Das Frauenhaus war als Modellprojekt angelegt, die Stadt hat uns eine alte Villa in Grunewald zur Verfügung gestellt. Dort, wo eigentlich die High Society lebt. Es war ruhig, unsere Nachbarn waren Künstler oder Schauspieler. Ich glaube, sogar Romy Schneider hat in der Nähe gewohnt. Wenn man reingekommen ist, war es wie in einem amerikanischen Film: eine riesige Eingangshalle, ein Treppenaufgang rechts und links, im Keller eine große Küche. Vor der Eröffnung am 1. November 1976 mussten wir noch renovieren, Betten besorgen, all das. Aber dann standen im Oktober schon Frauen vor der Tür.</p> <p pos="7"> <strong>taz: Noch vor der Eröffnung?</strong> </p> <p pos="8"><strong>Tomek:</strong> Ja. Wenn ich mich richtig erinnere, war die Erste, die zu uns kam, die Ehefrau eines Politikers. „Das ist der Beweis“, haben wir damals gesagt. Es gibt sie überall, <a href="http://www.taz.de//Pionier-der-Taeterarbeit/!6205279/">die Männergewalt</a>. Damals dachten nämlich viele, das spielt sich vor allem auf der Straße, in Kneipen oder bei Leuten ab, die keine Arbeit, kein Geld oder schwierige Lebensstile haben. Aber der Politiker hat seine Frau eben auch geschlagen – nur immer an Stellen, wo man es nicht sieht – bis sie irgendwann vor uns stand.</p> <div data-for="webelement_citation" data-pos="8"> <section> <p> <span></span> </p> <div><p> Ich glaube, das haben wir alle im Frauenhaus gelernt: sich zu trauen. Sachen zu machen </p><p> Tomi Tomek </p> </div> </section> </div> <p pos="9"> <strong>taz: Das Frauenhaus war selbstverwaltet. Wie haben sie sich organisiert?</strong> </p> <p pos="10"><strong>Tomek:</strong> Vor Ort war die Hausmutter, Christa Winterfeld. Sie war eine tolle Frau, sehr direkt und sehr stark, sie hat das ganze Haus gemanagt und konnte extrem gut mit den Frauen umgehen. Um die Frauen haben sich Ursula Scheu, Roswitha Burgard und <a href="https://taz.de/Ein-Gesetz-fuer-die-Hausfrau/!1869950/">Ruth Nehren</a> gekümmert, für die Kinder und Jugendlichen waren Sylvia Krug, Karin Kaltenberg und ich zuständig. Ilona Böttcher hat das Sekretariat gemacht und die Anwältinnen Ingrid Lohstöter und <a href="https://taz.de/Jetzt-ist-sie-also-mit-Kreuz/!273282/">Alexandra Goy</a> die Rechtsberatung. Wir haben versucht, alle gleich zu sein. Das heißt, es gab sehr viel Kommunikation, wir haben viel diskutiert, viel ausgehandelt. Es war solidarisch.</p> <p pos="11"> <strong>taz: Was hat das Haus für die Frauen bedeutet, die zu Ihnen gekommen sind?</strong> </p> <p pos="12"><strong>Tomek:</strong> Für die Frauen war das Sicherheit, ein geschützter Raum. Im Frauenhaus konnten sie zum ersten Mal offen reden. Heute gibt es Handys, Instagram, das Internet, um sich auszutauschen und zu informieren – das gab es alles nicht. Wenn also eine Frau bei dir auf dem Zimmer war, die genau dasselbe erlebt hat wie du und davon erzählt, war das damals sehr bedeutsam. Es gab trotzdem auch Streit, die Frauen kamen aus schwierigen Lebenssituationen und aus ganz unterschiedlichen Milieus.</p> <p pos="13"> <strong>taz: Ein Vorbild für das Berliner Projekt war in London. Erin Pizzey hatte dort bereits 1971 das erste Frauenhaus gegründet. Stimmt es, dass Sie auch im Austausch mit ihr standen?</strong> </p> <p pos="14"><strong>Tomek:</strong> Oh ja. 1977 sind Sylvia und ich zu Erin nach London gefahren. Von dort haben wir viel zurück nach Deutschland gebracht: Wie wir mit Männern umgehen, wenn sie vor dem Frauenhaus auftauchen, oder wie wir die Polizei schulen, damit sie bei Gewalt gegen Frauen sensibilisiert sind. 1979 war ich dann ein halbes Jahr in Denver in den USA in einem Frauenhaus. Dort habe ich das „Assertiveness Training“ kennengelernt – ein Rollenspiel, durch das man lernt, „Nein“ zu sagen. Das haben wir dann hier mit den Kindern, den Frauen und sogar den ehrenamtlichen Helferinnen geübt. Ich glaube, das haben wir alle im Frauenhaus gelernt: sich zu trauen. Sachen zu machen.</p> <p pos="15"> <strong>taz: Sie sprechen von Männern, die aufgetaucht sind. Auch heute kann die Arbeit in der Gewalthilfe gefährlich sein. Wie bedrohlich war es damals?</strong> </p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="15"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>Frauenhäuser</p> <div> <div> <p>Wenn Frauen geschlagen, bedroht oder kontrolliert werden – beispielsweise durch ihren Partner – können sie in einem Frauenhaus Schutz suchen. Dort können sie kostenlos wohnen, bis die nächsten Schritte geklärt sind. Auch für ihre Kinder gibt es Platz.</p> <div x-data="{show: false, heightOfHiddenText: 0 }"> <section :aria-hidden="show !== true" :class="{ 'show': show === true }" :inert="show !== true" :style="show ? 'max-height: ' + heightOfHiddenText + 'px ' : 'max-height: 0px'" aria-labelledby="accordion-header-tzoutwjwkx" id="accordion-panel-tzoutwjwkx" x-init=" $nextTick(() => {heightOfHiddenText = $el.scrollHeight +20});"> <p>In Deutschland gibt es nach Schätzungen des <a href="https://www.frauenhauskoordinierung.de/aktuelles/detail/frauenhaus-statistik-2025" target="_blank">Vereins Frauenhauskoordinierung</a> derzeit rund 400 Frauenhäuser mit 7.800 Plätze für Frauen und ihre Kinder. „Zu wenig“, sagen Ex­per­t:in­nen und Verbände. Nach der von Deutschland ratifizierten „Istanbul Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“, fehlen rund 12.000 Plätze in Frauenhäusern hierzulande.Die Bundesregierung hat im Februar 2025 das Gewalthilfegesetz beschlossen. Ab 2032 soll künftig ein Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung geben – die Bundesländer verpflichtet das, ausreichend Schutzeinrichtungen und Beratungseinrichtungen anzubieten.</p><p>Sie sind von Gewalt betroffen oder kennen jemanden, die es ist? Das <a href="https://www.hilfetelefon.de/" target="_blank">bundesweite Hilfetelefon</a> „Gewalt gegen Frauen“ ist unter der Nummer 116 016 rund um die Uhr erreichbar. Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung, sowie deren Angehörige, Freun­d:in­nen und Fachkräfte werden anonym und kostenfrei beraten – telefonisch und <a href="https://onlineberatung.hilfetelefon.de/" target="_blank">via Online-Beratung</a>.</p></section> </div> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="16"><strong>Tomek:</strong> Es war nicht ungefährlich. Die Adresse des Frauenhauses war eigentlich nicht öffentlich, aber irgendwann gab es ein Foto von dem Haus in den Medien – ich glaube, es war in der <em>Bild-</em>Zeitung. Von da an sind immer wieder Männer in der Gegend aufgetaucht, haben das Haus gesucht und manchmal auch versucht hereinzukommen. Manche haben gedroht. Wir haben dann die Polizei eingeschaltet. Einmal war es sehr brenzlig: Ich bin mit einer Frau in ihre Wohnung gegangen, um ihre Sachen zu holen und der Mann stand hinter der Tür in der Küche und hat mir das Küchenmesser an den Hals gesetzt. Ich habe dann Karate-Kurse besucht.</p> <p pos="17"> <strong>taz: Das klingt belastend. Hatten Sie denn auch externe Unterstützung, Verbündete in der Politik und Gesellschaft?</strong> </p> <p pos="18"><strong>Tomek:</strong> Für das Frauenhaus wurde damals ein Trägerverein gegründet, darin saßen auch Frauen aus der Politik. Das war extrem wichtig, denn sie waren gut informiert und <a href="http://www.taz.de//Tag-gegen-Gewalt-an-Frauen/!6132091/">konnten auf der politischen Ebene etwas durchsetzen</a>. Aber diese Verbündeten brauchte es auch in anderen Bereichen: unter Ärzten, bei Sozialarbeitern, Juristinnen, unter Journalisten. Wir haben mit allen ständig geredet, überall Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Und das Projekt wurde wissenschaftlich begleitet, der Bericht wurde dann der Bundesregierung und dem Berliner Senat vorgelegt. Ich bin sicher, das hat geholfen, dass auch in anderen großen Städten Frauenhäuser eröffnet wurden – andernfalls hätte es noch viel länger gedauert.</p> <p pos="19"> <strong>taz: Sie sind 1980 in die Schweiz gezogen, arbeiten mittlerweile nicht mehr in der Gewalthilfe, sondern im <a href="https://www.instagram.com/soschatstt/?hl=de" target="_blank">Tierschutz</a>. Wenn Sie heute, 50 Jahre später, zurückblicken: Was wurde erreicht?</strong> </p> <p pos="20"><strong>Tomek:</strong> Vieles. Gewalt gegen Frauen wird heute öffentlich gemacht, dadurch gibt es auch mehr Reaktionen darauf. Ich glaube auch, dass die Erziehung anders ist – Jungs werden nicht wie früher zur Gewalt erzogen und Mädchen mehr bestärkt. Aber trotzdem ist Männergewalt immer noch ein riesiges Thema, und der aktuelle <a href="http://www.taz.de//Junge-Maenner-im-Internet-Vom-Crypto-Bro-zum-Frauenhasser/!6164798/">Maskulinismus-Trend</a> bereitet mir Sorgen. Um Gewalt von Männern zu verhindern, muss schon viel früher angesetzt werden – in Kindergärten und Schulen, bei Rettungshelfern, Polizisten, Sozialarbeitern, in Filmen und Büchern. Das Frauenhaus sollte die letzte Option sein.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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Deutschland gibt besonders viel „stupid German money“ aus. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8833169/1200/42429122.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833169/1020/42429122.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833169/665/42429122.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833169/1020/42429122.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Panzer und ein Soldat der Bundeswehr" height="680" src="https://taz.de/picture/8833169/14/42429122.webp" title="Ein Panzer und ein Soldat der Bundeswehr" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Von Rheinmetall aus Deutschland und ganz besonders teuer: Schützenpanzer Puma <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Chris Emil Janssen/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>W</span></span> <span>enn neun europäische Staaten Schützenpanzer von BAE Systems für 10 Millionen Euro das Stück kaufen – warum kauft dann die Bundeswehr den Puma von Rheinmetall/KNDS für 21 Millionen Euro das Stück?</span></p> <p pos="2">Andreas Schwarz, SPD-Verteidigungsexperte im Haushaltsausschuss, sagt leicht gequält: „Dieser Panzer kommt noch aus einer Zeit, da hat man anders gedacht und wollte eben noch die sogenannte deutsche Goldrandlösung.“ Und – wer kennt es nicht – dann sind die Dinge auf ihrem Weg, und „irgendwann erreichen Sie einen Point of no Return. So wird es uns erklärt“, ergänzt Schwarz. Dann geht’s nicht mehr zurück.</p> <p pos="3">Allein diese Szene erklärt so vieles, was bei der europäischen Aufrüstung schiefläuft. Doch viel mehr noch an Material haben Harald Schumann und Árpád Bondy <a href="https://www.arte.tv/de/videos/129977-000-A/viel-geld-wenig-sicherheit-europa-ruestet-auf/" target="_blank">für ihre Arte-Dokumentation „Viel Geld, wenig Sicherheit? Europa rüstet auf“</a> zusammengetragen. Schumann hat 2016 nach einer langen Karriere als Journalist bei taz, <em>Spiegel</em> und <em>Tagesspiegel</em> den europäischen <a href="https://www.investigate-europe.eu/de" target="_blank">Rechercheverbund Investigate Europe</a> mitgegründet. Gemeinsam mit diesem Netzwerk befragt er im 90-Minüter „Viel Geld, wenig Sicherheit“ dutzende Verantwortliche aus Politik, Militär und Industrie dazu, warum Europa keine effiziente Rüstungsbeschaffung gelingt.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/wochentaz-testen"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/1020/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/665/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5905932/242/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5905932/14/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" title="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>wochentaz</p> <div> <div> <p>Dieser Text erschien zuerst in der <strong>wochentaz,</strong> unserer Wochenzeitung von links!</p> <p>In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <strong><a href="https://taz.de/wochentaz-testen" target="_blank">natürlich im Abo</a></strong>.</p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Nun mögen deutsche Panzer bis zum Ukrainekrieg eher als Demonstrationsspielzeug gedacht gewesen sein: Sie sollten vor allem beweisen, was deutsche Ingenieure noch so alles können. Doch zeigt der Film, dass auch bei neuen Technologien vor allem nationale Süppchen gekocht werden. So haben mehrere europäische Länder je eigene Laserwaffen zum Drohnenabschießen geordert – raffinierterweise alle beim selben Konzern MDBA. Der kann also lauter getrennte Rechnungen ausstellen und verdient dadurch weit mehr, als wenn die Länder gemeinsam bestellten. In Deutschland ist Rheinmetall ebenfalls dabei.</p> <h2 id="eu-verliert-bei-jedem-euro-44-cent" pos="5">EU verliert bei jedem Euro 44 Cent</h2> <p pos="6">Schumann befragt Andreas Schwer, Chef eines australischen Anbieters solcher Laserwaffen: „Wenn ein nationaler Konzern sagt, wir wollen das machen, dann kriegen die das auch?“ Rüstungsmanager Schwer war früher Rheinmetall-Vorstand. Er antwortet: „Es ist in der Tat so, dass die lokalen Rüstungsunternehmen unglaubliche Marktmacht haben und unglaubliche Lobbymacht in Berlin, Paris, London ausüben können.“</p> <p pos="7">Das ist nun nicht ganz überraschend. Doch müssten die europäischen Staaten angesichts zunehmend reizbarer Wahlpopulationen ja langsam ein Interesse entwickeln nachzuweisen, dass die ungeheuren Rüstungsgelder wenigstens kostenbewusst eingesetzt werden. Laut den Zahlen, mit denen Harald Schumann arbeitet, verliert die EU jedoch bei jedem Euro, den sie für Rüstung ausgibt, 44 Cent, weil sie sich nicht koordiniert. Rechnen Sie bitte selbst aus, was das bedeutet, wenn die 20 europäischen Nato-Staaten von 2025 bis 2030 für mindestens 1,15 Billionen Euro Waffen kaufen wollen.</p> <p pos="8">Die viel besungenen europäischen <a href="https://www.bmvg.de/de/aktuelles/eu-programme-safe-und-edip-staerken-europaeische-verteidigung-6053154" target="_blank">Beschaffungsinitiativen</a> haben dabei offenbar einen eher niedlichen Stellenwert. Deutschland mit dem erklärten Ziel, bis 2039 die <a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw20-de-regierungserklaerung-merz-1064956" target="_blank">„konventionell</a> <a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw20-de-regierungserklaerung-merz-1064956" target="_blank">stärkste</a> <a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw20-de-regierungserklaerung-merz-1064956" target="_blank">Armee Europas“ zu haben</a> (Friedrich Merz), verpulvert mit Abstand am meisten. Mir drängt sich dazu das Wort vom „<a href="https://www.stern.de/wirtschaft/stupid-german-money--studie-bestaetigt-vorurteil-gegen-deutsche-anleger-8788636.html" target="_blank">stupid German money</a>“ auf – ein Begriff aus den USA über die deutsche Freude an unvorteilhaften Geldanlagen.</p> <p pos="9">Doch bleibt das Problem ein gesamteuropäisches – und ein ukrainisches. Im Film stehen irgendwo in der Nähe der Front maskierte ukrainische Soldaten am Waldrand und weisen freundlich darauf hin, dass Kriege demnächst vielleicht nicht mehr mit millionenteuren Panzern, sondern mit Drohnen gewonnen werden. Für 500 Euro das Stück.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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Vorher: Von 2014 bis 2020 beim Deutschlandfunk in Köln als Politikredakteurin in der Abteilung "Hintergrund". Davor von 1999 bis 2014 in der taz als Chefin vom Dienst, Sozialredakteurin, Parlamentskorrespondentin, Inlandsressortleiterin. Zwischendurch (2010/2011) auch ein Jahr Politikchefin bei der Wochenzeitung „der Freitag“. </p> </div> </div> </div> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Warum-es-einen-internationalen-Stopp-fuer-KI-Waffensysteme-braucht---und-wie-das-gelingen-kann/!6219137/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8817180/1020/Wo-s19-b250mm.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8817180/665/Wo-s19-b250mm.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8817180/310/Wo-s19-b250mm.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein verpixeltes Kunstwerk das eine verknotete Pistole zeigt" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8817180/14/Wo-s19-b250mm.webp" title="Ein verpixeltes Kunstwerk das eine verknotete Pistole zeigt" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Internationale Abkommen über KI-Waffen </span> <span> Vereint gegen Turbo-Killer-Roboter </span> </span> </p> <p> Deutschland und andere Industriestaaten rüsten auf – auch mit künstlicher Intelligenz. Wie kann man verhindern, dass Algorithmen über Leben und Tod entscheiden? </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Einstieg-bei-Ruestungskonzern/!6221834/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8803334/1020/42089557.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8803334/665/42089557.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8803334/310/42089557.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Produktionsfertigungsstraße für Panzer - Leitern sind an den einzelnen Panzern angebracht, Mitarbeiter gehen an der Panzerreihe entlange" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8803334/14/42089557.webp" title="Produktionsfertigungsstraße für Panzer - Leitern sind an den einzelnen Panzern angebracht, Mitarbeiter gehen an der Panzerreihe entlange" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Einstieg bei Rüstungskonzern </span> <span> Staat will bald Bundes-Panzer bauen </span> </span> </p> <p> Die Regierung denkt über Einstieg bei Leopard-2-Bauer KNDS nach. Der Rüstungskonzern ist strategisch wichtig, aber Investoren bevorzugen andere Waffen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Investitionspolitik/!6220828/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8795376/1020/42296688.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8795376/665/42296688.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8795376/310/42296688.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Einfahrt zu einer Bundeswehrkaserne" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8795376/14/42296688.webp" title="Einfahrt zu einer Bundeswehrkaserne" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Investitionspolitik </span> <span> Wie die EU Gelder in Aufrüstung steckt </span> </span> </p> <p> Die Europäische Investitionsbank hat eigentlich einen Fokus auf Klimaschutzprojekte. Doch ihre Gelder fließen nun auch zunehmend in Rüstung. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="27. August – 5. September 2026 – Finnland und Estland" href="http://www.taz.de//reisen-in-die-zivilgesellschaft/finnland-und-estland/!v=d84714e0-ef28-4333-9b31-11a582a630c7/#matomo:pk_campaign=2026-Finnland-Estland&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_placement=Tagwolke-Reise-Finnland" title="27. August – 5. September 2026 – Finnland und Estland"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/im/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online/1020/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/im/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online/665/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/im/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online/480/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/im/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online/1020/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online.jpg" type="image/jpg"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/im/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online/665/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online.jpg" type="image/jpg"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/im/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online/480/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online.jpg" type="image/jpg"></source> <img alt="Gruppe von Demonstranten vor der Helsinki Kathedrale hält Banner mit der Aufschrift 'Support Ukraine save peace in Europe' und ukrainischer Flagge" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/im/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online/14/imago-foto-demo-vor-helsinki-dom-online.webp" title="Gruppe von Demonstranten vor der Helsinki Kathedrale hält Banner mit der Aufschrift 'Support Ukraine save peace in Europe' und ukrainischer Flagge" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 27. August – 5. September 2026 </span> <span> Finnland und Estland </span> </h2> <div> <p> mit Barbara Oertel, taz-Auslandsredakteurin </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Helsinki – Vaalimaa – Tallinn – Narva – Tartu – Tallinn</li> <li pos="2"><span></span>2.280 € (DZ/HP/ohne Anreise)</li> <li pos="3"><span></span>Reiseveranstalter: Via Cultus Studienreisen, Karlsruhe</li> </ul> </span> </div> <p> Mehr erfahren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223297/ 31 Oct 2026 20:00:00 +0100 Ulrike Winkelmann <![CDATA[Parteitag der Berliner Linken: Elif Eralp gibt sich kämpferisch]]> <img src="https://taz.de/picture/8836036/1200/42441657.jpeg" /><h1>Parteitag der Berliner Linken: Elif Eralp gibt sich kämpferisch</h1><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Unter großem Applaus bekräftigt die Linken-Spitzenfrau Eralp ihr Ziel einer rot-grün-roten Koalition. Die Angriffe auf die Linke hätten „jedes Maß verloren“. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836036/1200/42441657.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836036/1020/42441657.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836036/665/42441657.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836036/835/42441657.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Elif Eralp sitzt mit dem Rücken in der vordersten Reihe einer Saalbestuhlung und ist umringt von Journalisten und Fotografen" height="556" src="https://taz.de/picture/8836036/14/42441657.webp" title="Elif Eralp sitzt mit dem Rücken in der vordersten Reihe einer Saalbestuhlung und ist umringt von Journalisten und Fotografen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Im Mittelpunkt des Interesses: Elif Eralp (M) <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Christoph Soeder/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><em>afp/dpa</em> | Die Berliner Linken-Spitzenpolitikerin Elif Eralp hat nach dem <em>Spiegel</em>-Bericht über ihre Angst vor Hamas-Sympathisanten ein „Schutzversprechen“ für die Menschen in Berlin abgegeben. „Ich möchte eine Politik für alle Menschen machen, denn jeder verdient ein gutes Leben in Sicherheit und in Würde“, sagte Eralp am Samstag auf einem Linken-Landesparteitag in Berlin. Dieser soll die Koalitionsverhandlungen der Linken mit Grünen und SPD beschließen.</p> <p pos="2">Eralp reagierte in ihrer vielfach von Applaus unterbrochenen Rede kämpferisch auf Zweifel an ihrer Regierungsfähigkeit. „Ich werde nicht aufgeben.“ Die Angriffe auf sie und die Berliner Linke hätten „jedes Maß verloren“, kritisierte die von der Linken als neue Regierende Bürgermeisterin von Berlin vorgesehene Eralp.</p> <p pos="3">Nach einem Bericht des <em>Spiegels</em>, laut dem Eralp und ihr Mann <a href="http://www.taz.de//Elif-Eralp-und-Ibrahim-Ibrahim-Mehr-Distanz-als-Angst-geht-nicht/!6226084/">Angst vor Sympathisanten der Terrororganisation Hamas</a> aus dem Umfeld der Berliner Linken haben, wurden Zweifel an der Regierungsfähigkeit Eralps laut. Die Berliner CDU etwa nannte sie für das Amt als Bürgermeisterin kompromittiert.</p> <p pos="4">Eralp sagte, manche würden <a href="http://www.taz.de//Aktuelle-Debatte-um-Spiegel-Text-zu-Elif-Eralp-Am-Ende-sind-alle-so-schlau-wie-vorher/!6226061/">nach dem <em>Spiegel</em>-Bericht</a> nun behaupten, sie könne als Bürgermeisterin Berlin nicht schützen. Das Gegenteil sei der Fall. „Gerade, weil ich verschiedene Sorgen kenne und verstehe, werde ich das tun“. Sie lasse sich auch nicht einschüchtern und trete „selbstverständlich“ gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung oder Antisemitismus ein.</p> <p pos="5">Eralp hatte die Linke bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September zum Wahlsieg geführt. Sie appellierte an ihre Partei, nun solidarisch zusammenzustehen. „Es werden nicht die letzten Angriffe gewesen sein“. Die Maßlosigkeit der Kritik an der Linken liege daran, dass diese den Menschen ins Zentrum der Berliner Politik stellen wolle und nicht den Profit. „Wir werden uns nicht kleinkriegen lassen“, sagte Eralp. „Die Menschen in unserer Stadt haben uns für Veränderung gewählt und das werden wir auch gemeinsam umsetzen.“</p> <p pos="6">Eralp hob besonders hervor, dass in den Sondierungsgesprächen die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen beschlossen wurde. Dies sei historisch. Auch deshalb sei das Gelingen der geplanten rot-grün-roten Koalition wichtig.</p> <p pos="7">Die Linke entscheidet als letzte Partei des möglichen Dreierbündnisses über Koalitionsverhandlungen, Grüne und SPD haben bereits zugestimmt. Sollte auch die Linke zustimmen, beginnen kommende Woche die Koalitionsverhandlungen. Eralp hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass der Linken-Parteitag ebenfalls klar zustimmt – allerdings gibt es eine Vielzahl von Anträgen zum Sondierungspapier.</p> <h2 id="berliner-linke-chefin-weist-antisemitismusvorw-rfe-zur-ck" pos="8">Berliner Linke-Chefin weist Antisemitismusvorwürfe zurück</h2> <p pos="9">Die Berliner Linke-Landesvorsitzende Kerstin Wolter hat Vorwürfen des Antisemitismus und überzogener Israel-Kritik gegen ihre Partei zurückgewiesen. „Weil wir als Linke den Genozid in Gaza verurteilen, wird uns vorgeworfen, dass wir Antisemiten sind. Aber gegen Völkerrechtsverbrechen einzustehen, ist kein Verbrechen“, sagte sie auf einem Landesparteitag in Berlin-Lichtenberg. „Es wäre ein Verbrechen, es nicht zu tun.“ Allerdings dürfe die deutsche Geschichte nicht vergessen werden. „Für eine Linke in Berlin heißt das, dass wir eine besondere Verantwortung für den Schutz jüdischen Lebens tragen“, so Wolter. „Wir sind die Linke in der Stadt, in der die Schoah geplant und von der aus sie exerziert wurde.“</p> <p pos="10">Das Existenzrecht Israels leite sich aus diesem Grauen ab, denn Israel sei Schutzraum für Jüdinnen und Juden. „Es ist kein Widerspruch, für dieses Existenzrecht einzustehen und zugleich für das Recht der Palästinenserinnen und Palästinenser auf einen eigenen Staat zu streiten“, so Wolter. Wer indes als „Trittbrettfahrer der Palästina-Solidaritätsbewegung“ Gewalt und Terror gegen Zivilisten legitimiere, sei aus der Bewegung für Frieden und gleiche Rechte auszuschließen. „Wo das von unserer Seite nicht passiert, werden wir Fehler aufarbeiten, denn unser Einsatz basiert auf Menschen- und auf Völkerrecht, und wer dieses Recht mit Füßen tritt, hat in einer Friedensbewegung nichts zu suchen.“</p> <h2 id="linken-chefs-st-rken-eralp-vor-parteitag-den-r-cken" pos="11">Linken-Chefs stärken Eralp vor Parteitag den Rücken</h2> <p pos="12">Trotz der Debatte um die Angst der Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp vor Hamas-Sympathisanten haben die Bundesvorsitzenden ihrer Partei, Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano, eine linke Regierungspolitik in der Hauptstadt in Aussicht gestellt. „Berlin hat links gewählt. Berlin bekommt links. Gemeinsam machen wir Berlin bezahlbar“, erklärten sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf den Landesparteitag der Berliner Linken am Samstag.</p> <p pos="13">Die Parteichefs stellten sich hinter Eralp und bekräftigten ihr Ziel einer Koalition mit Grünen und SPD. „Seit absehbar wurde, dass Die Linke in Berlin gewinnen kann und es ernst meint mit der Vergesellschaftung, wird gegen Elif Eralp und die Linke Stimmung gemacht“, erklärten Schwerdtner und Pantisano. „Natürlich macht man sich da Gedanken um die Sicherheit der eigenen Familie. Das wird jetzt für eine Schlagzeile ausgeschlachtet.“ Sie fügten hinzu: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Nicht von Schlagzeilen und nicht von Immobilienkonzernen.“</p> <h2 id="linke-politikerin-eralp-bekommt-polizeischutz" pos="14">Linke-Politikerin Eralp bekommt Polizeischutz</h2> <p pos="15">Die Berliner Linke-Spitzenpolitikerin Elif Eralp erhält am Samstag anlässlich eines Parteitages ihrer Partei Polizeischutz. Entsprechende Medienberichte wurden der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen bestätigt. Demnach soll Eralp bei der Berliner Polizei um die Überprüfung ihres Sicherheitsstatus gebeten haben. Die Prüfung habe aufgrund der aktuellen Konstellation eine konkrete Bedrohungslage ergeben, hieß es.</p> <p pos="16">Hintergrund ist einerseits, dass auf Social-Media-Kanälen zu einer Kundgebung vor dem Tagungsort – gegen „Wähler:innenverrat“ und für „konsequente Palästinasolidarität und Vergesellschaftung“ aufgerufen wird. In Verbindung mit einem <a href="http://www.taz.de//Spiegel-Story-ueber-Elif-Eralp/!6225977/">Bericht des <em>Spiegels</em>, der am Donnerstag für Wirbel gesorgt hatte</a>, sehen die Behörden Anlass für den Schutz von Eralp. Nach dem Bericht sieht die Linke-Politikerin die Sicherheit ihrer Familie in Gefahr, wenn sie sich explizit zu einem bekannten Palästina-Aktivisten und Terrorsympathisanten äußert – zu dem wiederum Linke-Mitglieder Kontakt hatten. Dem <em>Spiegel</em> zufolge geht Eralps Befürchtung aus internen Anmerkungen zu einem Interview hervor, das das Magazin mit ihr geführt hat. Der Interviewtext wurde demnach von Eralps Büro versehentlich samt interner Kommentare an den <em>Spiegel</em> zurückgeschickt.</p> <p pos="17">Bisher lagen dem Berliner Landeskriminalamt (LKA) nach <em>Spiegel</em>-Informationen, die der dpa bestätigt wurden, keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung für die Politikerin vor. Darum erteilte das LKA ihr auch keine entsprechende Warnung, wie es auch Sicherheitskreisen hieß. Wie auch mit den anderen Spitzenkandidaten der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gab es aber Sicherheitsgespräche. Dabei wurden standardisierte und generelle Hinweise zur Risikominimierung gegeben, wie das bei Spitzenpolitikern üblich ist, wie es hieß. Der bekannte Palästina-Aktivist Ibrahim Ibrahim war demnach in dem Gespräch kein Thema. Generellen Personenschutz erhalten in Berlin nur zwei Mitglieder des Senats: Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD).</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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'Jana Laborenz' : null" x-bind:class="loaded ? 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Elif Eralp zeigt, wo die blinden Flecken der Partei liegen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Widerstand-gegen-Rot-Gruen-Rot-in-Berlin/!6226260/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835420/1020/42341055.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835420/665/42341055.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835420/310/42341055.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Werner Graf, Elif Eralp und Steffen Krach bei einer Pressekonferenz" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8835420/14/42341055.webp" title="Werner Graf, Elif Eralp und Steffen Krach bei einer Pressekonferenz" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Widerstand gegen Rot-Grün-Rot in Berlin </span> <span> Du bist nie gut genug </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Daniel Bax' : null" x-bind:class="loaded ? 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Es ist aussichtslos. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Eralps-Spiegel-Interview/!6220467/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8834485/1020/42429921.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8834485/665/42429921.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8834485/310/42429921.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Elif Eralp blickt skeptisch zur Seite" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8834485/14/42429921.webp" title="Elif Eralp blickt skeptisch zur Seite" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Eralps „Spiegel“-Interview </span> <span> Offenbarungseid – und Chance </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Barbara Junge' : null" x-bind:class="loaded ? 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Jetzt muss sie die Gelegenheit nutzen, Hamas-nahen Kräften den Kampf anzusagen. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226334/ 31 Oct 2026 12:05:00 +0100 <![CDATA[Bewegung in der Berliner Kantstraße: Kampfplatz Fahrradspur]]> <img src="https://taz.de/picture/8833287/1200/489654833.jpeg" /><h1>Bewegung in der Berliner Kantstraße: Kampfplatz Fahrradspur</h1><h2>By Kommentar von Claudius Prößer</h2><p> In der Kantstraße zeigt sich das Hin und Her der Berliner Verkehrspolitik. Es ist zu hoffen, dass die neue linke Mehrheit dem endlich ein Ende macht. </p><div> <div> <p pos="1"><span><span>D</span></span> <span>ie Berliner Kantstraße gehört nicht zu den prominentesten Magistralen der Hauptstadt. Wie der weitaus bekanntere Ku’damm zieht sie sich kilometerlang durch den bürgerlichen Westen, wirkt aber an vielen Stellen eher gesichtslos. Immerhin kann man hier gut asiatisch essen – und dabei seit Jahren einen Straßenkampf der zeitgenössischen Art beobachten.</span></p> <p pos="2">Wie im Fall der Friedrichstraße, die von den Grünen zur autofreien Zone gemacht und von der anschließend regierenden CDU prompt wieder für den Kraftverkehr geöffnet wurde, werden in der Kantstraße die großen Brüche in der Verkehrspolitik sichtbar: Wer darf mehr Platz beanspruchen? Und wie viel ist uns die Sicherheit schwächerer TeilnehmerInnen wert?</p> <p pos="3">Der Radverkehr hatte es nie leicht auf der viel befahrenen Ost-West-Verbindung. Das änderte sich erst <a href="http://www.taz.de//Ein-Jahr-nach-dem-toedlichen-Unfall/!5747600/">nach einem furchtbaren Unfall</a>, bei dem 2020 ein Mann auf dem Fahrrad von einem anderen hinter dem BMW-Lenkrad totgerast wurde. Auf Druck zivilgesellschaftlicher Gruppen wurde eine auch pandemietaugliche Pop-up-Radspur angelegt, halbwegs geschützt zwischen dem Gehweg und einer ehemaligen Kfz-Fahrspur, auf der nun geparkt, aber auch angeliefert wird.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/wochentaz-testen"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/1020/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/665/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5905932/242/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5905932/14/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" title="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>wochentaz</p> <div> <div> <p>Dieser Text erschien zuerst in der <strong>wochentaz,</strong> unserer Wochenzeitung von links!</p> <p>In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <strong><a href="https://taz.de/wochentaz-testen" target="_blank">natürlich im Abo</a></strong>.</p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Das war unter einem rot-grün-roten Senat – die CDU und die FDP, eine im Berliner Westen aktive Kleinstpartei, prophezeiten das wirtschaftliche Ende der anliegenden Geschäfte. Auch wenn es dazu nicht kam: Als die CDU 2023 wieder ans Ruder kam und stadtweit den Verkehr regeln durfte, tat sie ihr Bestes, die Änderungen rückgängig zu machen.</p> <p pos="5">Dazu bediente sich das Haus von Senatorin Ute Bonde auch eines innovativen Sicherheitsarguments: Die radfreundliche Anordnung lasse keinen Platz mehr zum fachgerechten Aufstellen von Feuerwehr-Löschfahrzeugen. Ein Charlottenburger Bezirksstadtrat – und Parteifreund von Bonde – drohte deshalb zwischenzeitlich sogar damit, das <a href="http://www.taz.de//Streit-um-Berliner-Radweg/!6044590/">Wohnen in den oberen Stockwerken an der Kantstraße zu verbieten</a>.</p> <h2 id="pl-ne-zur-r-ckabwicklung" pos="6">Pläne zur Rückabwicklung</h2> <p pos="7">Als sich abzeichnete, dass die CDU bei den Wahlen in diesem September zu den Verlierern gehören würde, beschleunigte die Senatsverwaltung ihre Pläne zur Rückabwicklung der immer noch nicht „verstetigten“ und quasi im Pop-up-Limbus verharrenden Radspur: Sie schrieb die Bauarbeiten zur Anlage einer Busspur aus, die von Fahrrädern mitbenutzt werden soll. <a href="http://www.taz.de//Radinfrastruktur-in-Berlin/!6216378/">Nun trat die Deutsche Umwelthilfe auf den Plan.</a> Sie unterstützte einen Bürger, der hierdurch einen Verlust von Sicherheit befürchtete, bei dessen Eilklage vor dem Verwaltungsgericht.</p> <p pos="8">Der Antrag wurde zurückgezogen, als Bondes Verwaltung versicherte, bis Jahresende (wenn voraussichtlich Rot-Grün-Rosa die Geschäfte in Berlin übernimmt) die Radspur nicht anzutasten. So zumindest verstand das die Umwelthilfe, die dann – nicht als einzige – mit Empörung zur Kenntnis nahm, dass auf der Radverkehrsfläche plötzlich Kfz-Lieferzonen abmarkiert wurden.</p> <p pos="9">Vorläufig letzter Plottwist: Vor einer Woche hat das „Widerstands-Kollektiv“, ein Zerfallsprodukt der „Letzten Generation“, <a href="http://www.taz.de//Radweg-auf-der-Kantstrasse/!6224108/">einfach mal des Nachts zur Malerrolle gegriffen</a> und die frischen weißen Markierungen mit Asphaltgrau wieder unkenntlich gemacht. Man werde keine Politik der verbrannten Erde akzeptieren, teilte die Gruppe im Netz mit: „Nehmt ihr uns den Fahrradweg, dann holen wir ihn zurück, Meter um Meter, Stück um Stück.“</p> <p pos="10">Schon um weitere Episoden – oder gar Staffeln – des längst ermüdenden Dramas „Kantstraße“ zu vermeiden, ist es dringend geboten, dass sich die neue linke Mehrheit in Berlin nun zusammenrauft. Und dann ein Provisorium aus Coronatagen endlich zur neuen Normalität erhebt<em>.</em></p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Elif Eralp zeigt, wo die blinden Flecken der Partei liegen. </p><div> <div> <p pos="1"><span><span>D</span></span> <span>ass Elif Eralp Angst und die Linke ein Problem in den eigenen Reihen hat, daran hat der <em>Spiegel</em> keine Schuld. Auch wenn Teile der Linken gerade versuchen, diesen Spin zu setzen. Sie verschließen die Augen davor, <a href="http://www.taz.de//Bericht-des-Spiegel/!6225931/">dass hinter dem Artikel über Eralp</a> ein Problem steht, das über Berlin hinausgeht.</span></p> <p pos="2">Klar: Es ist medienethisch fragwürdig, dass der <em>Spiegel</em> für ein neues apokalyptisches Cover und den monetären Gewinn die Sicherheit einer Frau und ihrer Familie gefährdet. Gewagt ist auch die Deutung seiner Autor:innen, ein privater Kommentar an einem Word-Dokument lasse gleich den Schluss zu, Eralp sei als Bürgermeisterin ungeeignet. Aber damit sollte sich die Linke jetzt nicht beschäftigen, wenn sie es mit ihrem Wählerauftrag ernst meint.</p> <p pos="3">Sie sollte sich stattdessen endlich in der eigenen Partei und ihrem Vorfeld umschauen. Anfangen könnte sie am Samstag, wenn der Berliner Landesparteitag über die weiteren Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen abstimmt. Die parteiinterne Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität hat schon angekündigt, vor dem Gebäude gegen die mögliche Regierung zu protestieren.</p> <p pos="4">Es ist dieselbe Arbeitsgemeinschaft, die sich nach der Berlinwahl schon <a href="http://www.taz.de//Debatte-nach-Wahlsieg/!6211074/">mit Ibrahim Ibrahim</a> solidarisiert hat. Über den Aktivisten und sein Umfeld sagt Eralp: Sie und ihr Mann hätten Angst vor diesen Leuten. Die Partei sollte diesen Hilferuf ernst nehmen, so wie sie es bei jeder anderen Frau täte, die Angst vor einem Mann äußert. Hier ist es ein Mann, der Terroristen als Märtyrerhelden bezeichnet.</p> <h2 id="schattenseite-der-b-ndnisse" pos="5">Schattenseite der Bündnisse</h2> <p pos="6">Das Problem liegt aber nicht nur in der Partei. Schließlich ist auch Ibrahim Ibrahim kein Mitglied der Linkspartei, er besucht nur deren Wahlpartys und spricht gemeinsam mit Po­li­ti­ke­r:in­nen der Linken auf Demos. Es ist eigentlich eine Stärke der Linken, dass sie gemeinsam mit außerparlamentarischen Bündnissen mobilisiert. Das kann sie nah an die Menschen, deren Alltag und Probleme bringen.</p> <p pos="7">Jetzt muss die Linke aber aufpassen, dass sie darüber nicht die Kontrolle verliert. Teile des linken Vorfelds und der Partei verherrlichen zunehmend Gewalt. Macker dominieren viele linke Gruppen und genießen den militanten Core-Geist – wie man unschwer auf jeder zweiten Demo beobachten kann. Und auch die Menge, die auf einer Wahlkampfveranstaltung in Neukölln tanzte und johlte, während auf der Bühne der Rapper Dahabflex von „Intifada wie die PFLP“ sang, ist mindestens geschmacklos.</p> <h2 id="kein-einzelfall" pos="8">Kein Einzelfall</h2> <p pos="9">Auch andere Linken-Politiker:innen fühlen sich bedroht oder im Stich gelassen, und die Partei reagiert zögerlich oder gar nicht. So mobilisierten in Leipzig Teile der Linken <a href="http://www.taz.de//Geplante-Proteste-in-Leipzig/!6142982/">gegen die Politikerin Juliane Nagel und ihr Parteibüro in Connewitz.</a> Auch parteiinterne Gruppen wie die AG Palästinasolidarität und die Linksjugend riefen damals zur Demo gegen Nagel auf. Damals stellte sich die Parteiführung hinter Nagel.</p> <p pos="10">Besonders bitter wird es, wenn nicht mal das passiert. Im Januar wurde auf dem Grundstück des brandenburgischen Antisemitismus-Beauftragten Andreas Büttner, damals noch Linken-Mitglied, ein Brandanschlag verübt. Nach dem Anschlag hat die Parteiführung drei Tage gebraucht, um sich dazu öffentlich zu äußern. Büttner sagte damals, das habe ihn „tief verletzt“. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Verdächtigen aus seinem privaten Umfeld kamen. Mittlerweile ist er aus der Partei ausgetreten.</p> <p pos="11">Die Linke muss konsequent gegen Gewaltverherrlichung und autoritäres Gehabe in den eigenen Reihen vorgehen und denen den Rücken stärken, die davor Angst haben. Und sie sollte nicht vergessen, warum sie die Wahl gewonnen hat: Weil sie den Menschen in Berlin ein besseres Leben versprochen hat – mit Kiez-Kantinen, einer sauberen Stadt und bezahlbaren Mieten. Wie will man künftig Menschen davon überzeugen, die Linke zu wählen, wenn es heißen sollte: „Sorry, uns kamen terrorverherrlichende Hamas-Sympathisanten und die <em>Spiegel</em>-Leute dazwischen. Jetzt muss leider die CDU regieren.“</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Derweil laufen diplomatische Bemühungen, eine erneute Eskalation zu verhindern, auf Hochtouren. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836166/1200/42441952.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836166/1020/42441952.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836166/665/42441952.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836166/835/42441952.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Iranische Raketen und ein Transparent mit einem Porträt des iranischen Obersten Führers Ajatollah Modschtaba Chamenei" height="556" src="https://taz.de/picture/8836166/14/42441952.webp" title="Iranische Raketen und ein Transparent mit einem Porträt des iranischen Obersten Führers Ajatollah Modschtaba Chamenei" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Iranische Selbstszenierung auf dem Baharestan-Platz in Teheran zum Jahrestag des Beginns des Irak-Iran-Kriegs von 1980–88 <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Vahid Salemi/AP/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><em>afp/ap/dpa/rtr</em> | Irans Oberster Führer Modschtaba Chamenei hat die USA vor neuen Angriffen auf sein Land gewarnt und mit Vergeltung gedroht. „Auf jede Art von Bedrohung muss eine sofortige, wirkungsvolle und geografisch uneingeschränkte Antwort folgen“, erklärte Chamenei vor führenden iranischen Militärkommandanten, wie aus einer am Samstag veröffentlichten Erklärung hervorging. Sollte „der Feind“ den Iran attackieren und neue Auseinandersetzungen provozieren, werde Teheran „den Zeitpunkt und die Bedingungen für ihr Ende festlegen“.</p> <p pos="2">Auch die iranische Armee warnte vor den <a href="http://www.taz.de//Neuer-Angriff-auf-Iran-in-Vorbereitung/!6226235/">Folgen neuer US-Angriffe</a>. Sollte US-Präsident Donald Trump „erneut zu regionalen Abenteuern aufbrechen, werden die Flammen des Krieges zweifellos ein weitaus größeres geografisches Gebiet erfassen“, erklärte Armeesprecher Mohammed Akraminia im Onlinedienst X. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte derweil, dass „die mächtigen iranischen Streitkräfte gegen diejenigen vorgehen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen“.</p> <p pos="3">Der Iran-Krieg hatte <a href="http://www.taz.de//UN-Untersuchung-zum-Irankrieg/!6214237/">Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen</a>. Nach dem Scheitern einer Vereinbarung zwischen Washington und Teheran im Juni waren <a href="http://www.taz.de//Oeffnung-der-Strasse-von-Hormus/!6216419/">die diplomatischen Bemühungen ins Stocken geraten</a>. Zuletzt war über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran nach den US-Kongresswahlen am kommenden Dienstag spekuliert worden.</p> <p pos="4">Die diplomatischen Bemühungen, eine erneute Eskalation zu verhindern, laufen derzeit auf Hochtouren. Am Freitag traf eine katarische Delegation in Teheran zu Gesprächen mit hochrangigen iranischen Vertretern ein. Katar vermittelt zwischen den Kriegsparteien. Außerdem kontaktierte US-Vizepräsident JD Vance einem US-Medienbericht zufolge Irans Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats. In dem Schreiben geht es dem „Wall Street Journal“ zufolge eher um einen „möglichen Verhandlungsrahmen“ als um Einzelheiten eines Friedensvorschlags. Teheran bestätigte den Erhalt des Briefes, gab bislang jedoch keine Antwort bekannt.</p> <p pos="5">Modschtaba Chamenei ist der Nachfolger seines Vaters Ayatollah Ali Chamenei, der seit 1989 an der Spitze der Islamischen Republik gestanden hatte und am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar getötet worden war. Modschtaba Chamenei ist seitdem noch nicht öffentlich aufgetreten. Es wurden bislang auch keine Audio- und Videoaufnahmen von ihm veröffentlicht.</p> <h2 id="irans-au-enminister-keine-notwendigkeit-f-r-usa-treffen" pos="6">Irans Außenminister: Keine Notwendigkeit für USA-Treffen</h2> <p pos="7">Die iranische Führung plant laut Außenminister Abbas Araghtschi derzeit kein Treffen mit US-Vertretern. Araghtschi sagte dem arabischen Sender Al Jazeera, unter den gegenwärtigen Umständen gebe es dafür keine Notwendigkeit. Die Bedingungen des Irans seien klar und die Beratungen mit Vermittlern dauerten an. Araghtschi bestätigte, dass die Führung in Teheran ein Schreiben von US-Vizepräsident JD Vance geprüft hat. Er bezeichnete den Versuch, die Tür für einen Dialog und ein umfassenderes Verständnis zu öffnen, als positiven Schritt. Sollte es aber das Ziel Washingtons sein, Zwietracht zu säen, wäre dies ein weiterer Fehler.</p> <p pos="8">Nach Informationen des „Wall Street Journal“ sondiert Vance mit dem Schreiben an Mohsen Resai, den Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, Möglichkeiten für Verhandlungen. Laut der Zeitung will die US-Regierung prüfen, ob sich geplante Militärschläge gegen den Iran diplomatisch abwenden lassen. Das US-Portal „Axios“ berichtete unter Berufung auf einen Regierungsbeamten, dass Vance die Einbeziehung des iranischen Atomprogramms zur Bedingung für Verhandlungen macht.</p> <h2 id="-gypten-warnt-vor-eskalation-pakistan-ist-vorsichtig-optimistisch" pos="9">Ägypten warnt vor Eskalation – Pakistan ist vorsichtig optimistisch</h2> <p pos="10">Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty warnt vor massiven Folgen einer neuen Eskalation im Krieg zwischen den USA und dem Iran. Eine Fortsetzung der Kämpfe werde noch zerstörerischer verlaufen ‌und weitreichende Konsequenzen haben, erklärte er auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain. „Wir müssen Lehren aus der Vergangenheit ziehen“, sagte Abdelatty beim „IISS Manama Dialog“.</p> <p pos="11">Vermittler Pakistan äußerte sich hingegen verhalten optimistisch über die Erfolgsaussichten der jüngsten Bemühungen um eine diplomatische Lösung. Wenn es keine positiven Signale gäbe, wäre der pakistanische Chefunterhändler Asim Munir nicht zweimal im Oktober nach Teheran gereist, sagte ein Militärsprecher. Die Gespräche ‌mit der iranischen Führung seien ein gutes Zeichen. Man sei stets „vorsichtig optimistisch“. Es gebe jedoch weiterhin „einflussreiche Störkräfte und Gegner“, die meinten, ⁠dass ihnen der Konflikt nütze. Wen er damit meinte, sagte der Sprecher nicht. Armeechef Munir war zuletzt am Montag in Begleitung von Vertretern aus Saudi-Arabien ‌und der ‌Türkei in Teheran. Auch Katar bemüht sich ⁠um eine Deeskalation und hatte kürzlich einen neuen Vorschlag zur Beilegung des Konflikts vorgelegt</p> <h2 id="iran-us-angriff-auf-fischerboote-nahe-insel-keschm" pos="12">Iran: US-Angriff auf Fischerboote nahe Insel Keschm</h2> <p pos="13">Die USA haben nach iranischen Angaben zwei Fischerboote nahe der Insel Keschm angegriffen. Dabei sei ein Fischer verletzt worden, berichtete der staatliche iranische Rundfunksender IRIB unter Berufung auf einen Vertreter der Provinz Hormosgan. Eine Bestätigung der USA lag zunächst nicht vor.</p> <h2 id="iran-weist-u-erungen-von-kanzler-merz-zur-ck" pos="14">Iran weist Äußerungen von Kanzler Merz zurück</h2> <p pos="15">Irans Außenminister Abbas Araghtschi hat im Falle eines neuen Krieges mit massiven Militärschlägen und Schäden weit über 100 Milliarden Dollar gedroht. Araghtschi reagierte auf der Plattform X auf Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) während seines Südkorea-Besuches. Nach den Worten von Merz hat Deutschland ein starkes wirtschaftliches Interesse daran, dass der Iran-Konflikt so schnell wie möglich beendet werde. Die Verteuerung der Energiepreise habe alleine Europa über 100 Milliarden Euro gekostet. Araghtschi erklärte auf der Plattform X: „100 Milliarden Euro sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen Streitkräfte des Irans gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen.“ Rote Linien gehörten der Vergangenheit an.</p> <h2 id="iran-meldet-brennenden-supertanker-in-der-stra-e-von-hormus" pos="16">Iran meldet brennenden Supertanker in der Straße von Hormus</h2> <p pos="17">In der Meerenge von Hormus ist iranischen Angaben zufolge erneut ein Supertanker auf eine Seemine gelaufen und nach einer Explosion in Brand geraten. Das Schiff mit mehr als zwei Millionen Barrel Öl an Bord sei auf einer nicht genehmigten Route gefahren, meldeten Staatsmedien am Freitag unter Berufung auf die Revolutionsgarde. Die Besatzung habe den brennenden Tanker an der Einfahrt zur Meerenge verlassen. Der Name des Schiffs wurde nicht genannt.</p> <p pos="18">Außerdem meldeten Staatsmedien Brände auf drei Tankern, die ebenfalls auf Minen gefahren seien. Die Schiffe hätten ihre Navigations- und Ortungssysteme abgeschaltet und versucht, den Persischen Golf mit Unterstützung des US-Militärs über nicht genehmigte Routen zu verlassen. Wiederholte Funkwarnungen hätten sie ignoriert. Nähere Informationen über die Tanker und ihre Besatzungen teilte der Iran nicht mit.</p> <p pos="19">Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) meldete, ein kleines Boot habe zwei Sprengsätze am Rumpf eines Tankers angebracht, der etwa 46 Kilometer nordöstlich von Chasab im Oman unterwegs gewesen sei. Die Explosionen hätten einen Brand im Maschinenraum ausgelöst und das Schiff vorübergehend manövrierunfähig gemacht. Das Feuer sei inzwischen gelöscht worden, das Schiff setze seine Fahrt fort. Die Besatzung sei in Sicherheit, die Umwelt nicht geschädigt worden. Wer für den Angriff verantwortlich ist, teilte die UKMTO nicht mit. Unklar blieb auch, ob der Vorfall mit den vom Iran gemeldeten Bränden zusammenhängt.</p> <h2 id="oman-bringt-25-seeleute-in-sicherheit" pos="20">Oman bringt 25 Seeleute in Sicherheit</h2> <p pos="21">Der Oman meldete, ein unter panamaischer Flagge fahrender Tanker sei in der Straße von Hormus angegriffen worden und etwa drei Kilometer vor der Küste des Gouvernements Musandam in Brand geraten. 25 Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit gebracht worden, teilte das omanische Zentrum für Meeressicherheit mit. Unklar war, ob der Vorfall mit den von iranischer und britischer Seite gemeldeten Bränden zusammenhängt.</p> <p pos="22">Musandam liegt an der Südküste der Straße von Hormus. Der Iran hatte die Meerenge nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe Ende Februar praktisch gesperrt, durch die zu Friedenszeiten etwa ein Fünftel des weltweit geförderten Rohöls verschifft wird. Mittlerweile beansprucht er die Kontrolle über Durchfahrten und lehnt eine Route durch omanische Gewässer ab. Der Iran hat Schiffe wiederholt davor gewarnt, die Meerenge ohne die Genehmigung Teherans zu durchqueren. Er hat sich zu Angriffen auf Schiffe bekannt, die dies dennoch tun.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. 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Kriege, Extremwetter und blockierte Transportwege verschärfen die Situation, Hilfsgelder schrumpfen. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="Die neue Sonderedition der LMd – Modi und die Farbe der Macht" href="https://monde-diplomatique.de/product_info.php?products_id=245529#matomo:pk_campaign=LMd-Indien-Edition&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_placement=Tagwolke-Indien" rel="noopener" target="_blank" title="Die neue Sonderedition der LMd – Modi und die Farbe der Macht"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/ed/edition_geschlossen_3zu2_transparent/1020/edition_geschlossen_3zu2_transparent.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/ed/edition_geschlossen_3zu2_transparent/665/edition_geschlossen_3zu2_transparent.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/ed/edition_geschlossen_3zu2_transparent/480/edition_geschlossen_3zu2_transparent.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/ed/edition_geschlossen_3zu2_transparent/1020/edition_geschlossen_3zu2_transparent.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/ed/edition_geschlossen_3zu2_transparent/665/edition_geschlossen_3zu2_transparent.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/ed/edition_geschlossen_3zu2_transparent/480/edition_geschlossen_3zu2_transparent.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen ist das Cover der Indien-Eidtion mit einem Bild von Narendra Modi." height="320" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/ed/edition_geschlossen_3zu2_transparent/14/edition_geschlossen_3zu2_transparent.webp" title="Zu sehen ist das Cover der Indien-Eidtion mit einem Bild von Narendra Modi." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> Die neue Sonderedition der LMd </span> <span> Modi und die Farbe der Macht </span> </h2> <div> <p> Mit seiner autoritären Politik gefährdet Indiens Premier Modi den gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes. Diese Sonderausgabe analysiert die Lage im bevölkerungsreichsten Land der Welt – wie immer bei Le Monde diplomatique mit Sorgfalt und Scharfsinn recherchiert. </p> <span> </span> </div> <p> Jetzt bestellen </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226346/ 31 Oct 2026 15:36:00 +0100 <![CDATA[Brasilien und der Regenwald: Vergesst kurz die USA – und schaut nach Brasilien]]> <img src="https://taz.de/picture/8836131/1200/Lulas-Anha-ngerinnen-feiern-in-Brasilien.jpeg" /><h1>Brasilien und der Regenwald: Vergesst kurz die USA – und schaut nach Brasilien</h1><h2>By Kommentar von Jonas Waack</h2><p> Der Wahlsieg Lula da Silvas in Brasilien ist nicht nur ein Erfolg gegen den Bolsonarismus. Sondern auch eine Hoffnung für den Regenwald. </p><div> <div> <p pos="1"><span><span>F</span></span> <span>alls wir im Jahr 2060 zurückschauen auf vier Jahrzehnte, in denen die Menschheit ihre Lebensgrundlagen bewahrt hat, dann werden für das Jahr 2026 nicht die USA den Blick auf sich ziehen, sondern Brasilien. Der Wahlsieg des amtierenden Präsidenten Lula da Silva gegen seinen rechtsextremen Herausforderer Flávio Bolsonaro ist ein Sieg für den Klimaschutz, die Artenvielfalt, die Menschenwürde. Lula beweist, dass De­mo­kra­t*in­nen das Bündnis aus Rechtsextremen und Tech-Oligarchen besiegen können.</span></p> <p pos="2">Flávio Bolsonaro ist der Sohn des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der wegen eines versuchten Putsches verurteilt wurde und unter Hausarrest steht. Unterstützt wird der Bolsonaro-Clan von Agrarunternehmen und Familiendynastien, die seit Jahrzehnten den Amazonas-Regenwald und andere einzigartige Lebensräume zerstören – mal mit, mal ohne Genehmigung.</p> <p pos="3">Ihr Geld verdienen diese Konzerne, indem sie auf den gerodeten Flächen Ackerbau und Viehzucht betreiben, vor allem für den Export. Eine weitere Bolsonaro-Präsidentschaft hätte der <a href="http://www.taz.de//Treffen-gegen-Brasiliens-Oelplaene/!6202913/">Amazonas-Regenwald</a> womöglich nicht überlebt: Er ist derart gigantisch, dass er das Wetter beeinflusst. Wird zu viel Wald gerodet, verändern sich die Niederschlagsmuster, die den Regenwald am Leben halten.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/1020/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/665/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7640592/242/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." height="107" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7640592/14/taz-Logo-1.webp" title="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Doch um Artensterben und Erderhitzung zu verlangsamen oder aufzuhalten, ist der Amazonas-Regenwald zentral. Ein Zehntel der Tier- und Pflanzenarten der Welt lebt dort. Und würde das in den Bäumen des Regenwaldes gespeicherte CO2 in die Atmosphäre entweichen, ließe sich eine katastrophale Erderhitzung faktisch nicht mehr verhindern. Unter Lula ging die Entwaldungsrate um fast 50 Prozent zurück. Bis 2030 will er illegale Fällungen vollständig unterbinden.</p> <h2 id="brasilianische-w-hrung-st-rzt-ab" pos="5">Brasilianische Währung stürzt ab</h2> <p pos="6">Das wird schwer werden in dieser letzten Amtszeit des 81-jährigen Lula. Das Parlament wird seit den Kongresswahlen vor zwei Wochen dominiert von Bolsonaros Liberaler Partei. Von 57 indigenen Kan­di­da­t*in­nen für den Senat gewannen nur 2. Und die Märkte bestraften den Sieg des linken Präsidenten, indem sie die brasilianische Währung abstürzen ließen: Sie fürchten, dass Lulas Sozialprogramme die Staatsverschuldung wachsen lassen.</p> <p pos="7">Um diese Schulden bedienen zu können, muss die brasilianische Wirtschaft viel exportieren – und die exportstärksten Sektoren sind die Öl- und Gasbranche sowie die Landwirtschaft, die Klima und Artenvielfalt zerstören. Kein Wunder, dass Lulas Regierung die Ölförderung unterstützt und den Bergbau in Amazonien fördert. Progressive Politik in Brasilien bleibt eingeengt von den Zwängen der Weltwirtschaft.</p> <p pos="8">Dennoch: Lulas Überraschungssieg ist die Voraussetzung dafür, dass Klima- und Umweltschutz in Brasilien und damit weltweit möglich sind. Nach dem ersten Wahlgang lag Lula noch um 2,2 Millionen Stimmen hinter Bolsonaro. In der Stichwahl wählten 4,4 Millionen mehr Bra­si­lia­ne­r*in­nen den Präsidenten als seinen Herausforderer. Geschafft haben Lulas Un­ter­stüt­ze­r*in­nen das durch eine massenhafte Mobilisierung auf Social Media – der Whatsapp-Kanal „Lula’s Army“ wuchs nach dem ersten Wahlgang auf 10,8 Millionen Mitglieder – und auf der Straße.</p> <p pos="9">In Rio de Janeiro und São Paulo organisierte das Lula-Lager die größten Demonstrationen seit Jahrzehnten. Kurz vor der Wahl führte Lulas Regierung außerdem die Fünftagewoche ein und zog Sozialleistungszahlungen vor. Das sind transparente Wahlgeschenke, aber sie zeigen: Wer an der Regierung beweist, das Leben der Menschen spürbar verbessern zu können, kann gewinnen.</p> <p pos="10">Lulas Sieg ist aber vor allem ein Sieg über den Bolsonarismus. Während des Wahlkampfes arbeitete Flávio als Anwalt für einen Polizisten, der ein fünfjähriges Mädchen erschossen hatte. Er bezeichnete Lula abschätzig als „Neunfinger“, weil der als 17-jähriger Metallarbeiter einen Finger verloren hatte. Auch Korruptionsvorwürfe konnte Bolsonaro nicht ausräumen. Er, <a href="http://www.taz.de//Brasilien-vor-der-Stichwahl/!6223109/">der von US-Präsident Donald Trump und US-Techkonzernen unterstützt wurde</a>, war einer Mehrheit der Bra­si­lia­ne­r*in­nen schlicht zuwider.</p> <p pos="11">Aber diesen Widerwillen in Wählerstimmen zu übersetzen – das haben die Menschen auf der Straße, die energetische Social-Media-Kampagne der Arbeiterpartei und Lulas zynisch-kluge Sozialpolitik vermocht. Und auf diese Weise Brasiliens einzigartigen Lebensräumen noch etwas Luft zum Atmen verschafft.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Trotz finanzieller Notlage lässt sich Senegal das einiges kosten. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="869" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8834092/1200/imago1084767572h.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8834092/1020/imago1084767572h.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8834092/665/imago1084767572h.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8834092/835/imago1084767572h.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Zwei kleine Jungen stehen vor einer Installation mit dem rennenden Maskottchen der Olympischen Jugendspiele" height="604" src="https://taz.de/picture/8834092/14/imago1084767572h.webp" title="Zwei kleine Jungen stehen vor einer Installation mit dem rennenden Maskottchen der Olympischen Jugendspiele" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Ablenkung von den Alltags­sorgen: Manche in Dakar freuen sich auf die Olympischen Jugendspiele <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Anadolu Agency/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Schwungvoll wirft Pape Mbaye seine Beine abwechselnd nach vorne. Der Oberkörper wippt im Takt mit, während er in Anzughose, Hemd und offenen Sandalen die neuen Sportgeräte an der Küstenpromenade <a href="http://www.taz.de//Dakar/!t5710286/">von Senegals Hauptstadt Dakar</a> ausprobiert. Die Plastiktüte mit frischen Kräutern vom Markt ist achtsam neben den quietschgelben Geräten abgestellt. „Eine kleine Runde Sport vor dem Nachhausegehen hat noch niemandem geschadet“, ruft er gut gelaunt über den Platz. Zwei Teenager, die sich ein paar Geräte weiter in Klimmzügen ausprobieren, recken ihre Daumen nach oben und stimmen ihm zu.</p> <p pos="2">Im Hintergrund verteilt ein Bulldozer im letzten Sonnenlicht unermüdlich Erdhaufen um Erdhaufen. Der brandneue Gerätepark mit Blick auf die Klippen von Dakar und dem darunterliegenden Atlantik ist eine der neuesten Fertigstellungen im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Jugend-Sommerspiele (JOJ 2026). Es ist die erste olympische Veranstaltung überhaupt, die auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Entsprechend wird die erfolgreiche Austragung nicht nur als Ehrensache für Senegal gesehen, sondern für ganz Afrika. „Afrika empfängt, Dakar feiert“, lautet passend der Slogan für die diesjährigen Spiele in der senegalesischen Hauptstadt.</p> <p pos="3">Ein Ruf als Sportstadt muss sich Dakar jedoch nicht erst erarbeiten. Auch schon vor dem Rummel um das erste olympische Event in Afrika mit seinen unzähligen Leuchtreklamen, aufwendig renovierten Stadien und frisch bepflanzten Blumenbeeten prägen Sportlerinnen und Sportler das Straßenbild. Immer abends, wenn die Sonne im Atlantik versinkt und die Temperaturen des Tages abkühlen, füllt sich die Uferpromenade mit Joggern. An den Stränden üben Ringer die Griffe des traditionellen senegalesischen Wrestlings, „La Lutte“, dazwischen werden Liegestütze gemacht und Muskeln gestählt.</p> <p pos="4">Freie Flächen verwandeln sich in Fußballplätze, auf denen bis in die Dämmerung gekickt wird, und sonntags in aller Frühe dominieren Gruppen von Rennradfahrern die dann ausnahmsweise verkehrsarmen Straßen, <a href="http://www.taz.de//Surfen-im-Senegal/!6081876/">während im Meer Surfer nach den besten Wellen um die Wette paddeln</a>. Sport gehört in Dakar ob mit oder ohne die Olympischen Jugend-Sommerspiele zum Alltag. Er spielt sich unter freiem Himmel ab, am Meer und mitten in der Stadt.</p> <h2 id="letzte-arbeiten-unter-hochdruck" pos="5">Letzte Arbeiten unter Hochdruck</h2> <p pos="6">Nun bietet sich die Gelegenheit, das auch der Welt zu präsentieren. Nachdem es zunächst lange still war um die anstehenden Olympischen Spiele, herrscht wenige Tage vor Beginn dann aber doch Ausnahmezustand in Dakar. Unter Hochdruck werden die letzten Zebrastreifen auf den Straßen nachgemalt, letzte Blumenbeete angelegt und Bauarbeiten an den olympischen Anlagen abgeschlossen. Tag und Nacht seien sie momentan im Einsatz, berichtet eine Gruppe Arbeiter, die gerade dabei ist, die letzten Teile der fünf olympischen Ringe an der Uferpromenade anzubringen. Nachts wird die Installation in buntem Licht erstrahlen, mit Blick auf den Atlantik. Schon jetzt sind die verschiedenen Installationen der JOJ-2026-Schriftzüge in Dakar ein beliebter Treffpunkt, um Selfies zu machen.</p> <div data-for="webelement_citation" data-pos="6"> <section> <p> <span></span> </p> <p> Eine Prüfung der öffentlichen Finanzen hatte 2024 ein Haushaltsloch von umgerechnet 13 Milliarden Dollar festgestellt </p> </section> </div> <p pos="7">Ursprünglich sollten die Spiele schon 2022 in Dakar stattfinden, <a href="http://www.taz.de//Olympische-Spiele-ohne-Afrika/!5695483/">doch die Coronapandemie zwang damals zu einer Verschiebung</a>. Mit vier Jahren Verspätung ist es jetzt so weit: Vom 31. Oktober bis zum 13. November wird Dakar zur Bühne für den internationalen Nachwuchssport. Rund 2.700 junge Athletinnen und Athleten zwischen 14 und 17 Jahren aus aller Welt treten bei den Olympischen Jugendspielen in 25 Sportarten gegeneinander an. Erstmals stehen dabei auch Skateboarding, die chinesische Kampfkunst Wushu und Baseball auf dem Programm.</p> <p pos="8">Die Wettkämpfe verteilen sich auf drei Standorte: die senegalesische Hauptstadt Dakar, die Planstadt Diamniadio vor den Toren der Metropole und die Küstenstadt Saly, wo sämtliche Strand- und Wassersportarten ausgetragen werden. Dabei setzen die Spiele auch ein Zeichen für die Gleichberechtigung. Mit jeweils 1.350 männlichen und weiblichen Teilnehmenden wird wie auch schon bei vorherigen Spielen die Geschlechterparität gewahrt. Allerdings gibt es mit 73 Wettbewerben für Mädchen erstmals genauso viele wie für Jungen. Weitere Premiere ist auch die Teilnahme eines Flüchtlingsteams an der Jugendolympiade. Die Mannschaft, die von den Nationalen Olympischen Komitees Kenias und Ugandas unterstützt wird, umfasst sechs afrikanische Sportlerinnen und Sportler, die in den Disziplinen Leichtathletik, Judo und Taekwondo antreten.</p> <p pos="9">„Es ist eine Chance, dass die Gäste senegalesische Gastfreundschaft kennenlernen“, freut sich Pape Mbaye. Der geläufige Ausdruck „Teranga“ in Senegals Lokalsprache Wolof steht dabei nicht nur für die freundliche Aufnahme von Gästen, sondern eine Haltung der Großzügigkeit und Solidarität und die Bereitschaft, zu teilen. Siri Diop sieht das ähnlich. Die Besucher seien eine Chance, sich der Welt zu präsentieren. Und vielleicht ein Motor für ausländische Investitionen und Arbeitsplätze. Die junge Frau hat gerade eine Reihe an Selfies vor den noch nicht ganz fertig aufgebauten olympischen Ringen an der Promenade geschossen. Doch mit den Spielen selbst hat sie wenig am Hut. Die Wettkämpfe werde sie sich nicht anschauen. „Keine Zeit, ich werde arbeiten müssen“, sagt sie.</p> <h2 id="-lieber-vern-nftige-abwasserkan-le-" pos="10">„Lieber vernünftige Abwasserkanäle“</h2> <p pos="11">Nach den jüngsten Angaben der senegalesischen Statistikbehörde liegt die Arbeitslosenquote unter den 15- bis 34-Jährigen bei mehr als 27 Prozent. Ein wesentlicher Grund ist der Mangel an festen Beschäftigungsmöglichkeiten. Bei denen, die Arbeit haben, reicht das Gehalt dennoch oft nicht, um ein sorgenfreies Leben zu führen. <a href="http://www.taz.de//Generalstreik-in-Senegal/!6223198/">So stoßen die Millioneninvestitionen in die Sportinfrastruktur auch auf Kritik.</a></p> <p pos="12">„Das Geld sollte lieber in vernünftige Abwasserkanäle gesteckt werden“, findet Sira Diop. Anfang Oktober hatten sintflutartige Regenfälle schmerzhaft gezeigt, dass Dakars nur spärlich ausgebaute Abwassersysteme nicht für Regen vorbereitet sind. Die Überschwemmungen hatten einen enormen Schaden angerichtet – auch an den gerade erst frisch renovierten Straßen und Sportstätten – und mehrere Menschen das Leben gekostet.</p> <p pos="13">Doch Senegals Wirtschaftslage ist angespannt. Eine Prüfung der öffentlichen Finanzen hatte 2024 ein zuvor unbekanntes Haushaltsloch von umgerechnet 13 Milliarden Dollar festgestellt. Seither ist der finanzielle Spielraum der Regierung stark eingeschränkt. Steuern sind angehoben worden, Preise gestiegen und die Regierung spart, wo sie nur kann.</p> <p pos="14">Auch das Vertrauen der internationalen Partner in die wirtschaftliche Stabilität des Landes hat gelitten, noch dazu paralysiert ein Streit zwischen Präsident Diomaye Faye und dem ehemaligen Premierminister Ousmane Sonko das Land. Sonkos letzte Drohung, mit seiner Oppositionsmehrheit die Abstimmung über ein überarbeitetes Budget für dieses Jahr und den Ausgabenplan für 2027 zu blockieren, hatte dazu geführt, dass Senegals Dollaranleihen an Wert verloren.</p> <h2 id="139-millionen-euro-f-r-die-infrastruktur" pos="15">139 Millionen Euro für die Infrastruktur</h2> <p pos="16">Und dennoch ist Senegal entschlossen, die Spiele so gut wie nur möglich zu organisieren. Entsprechend zwackte der Haushalt 2026 rund 139 Millionen Euro für das Infrastrukturprogramm der Olympischen Jugendspiele ab, und auch die französische Entwicklungsagentur AFD gewährte Senegal ein Darlehen in Höhe von 80 Millionen Euro, um Sportanlagen zu sanieren und lokale Sportstätten zu schaffen.</p> <p pos="17">Gleichzeitig wird massiv aufgeräumt. Neue Laternen wurden aufgestellt, Schlaglöcher geflickt, sogar die Kleinhändler und Bettler sind rund um die Austragungsorte der Wettkämpfe vertrieben worden, damit das erwünschte Bild der modernen Metropole nicht beeinträchtigt wird. Besonders stolz ist man in dieser Hinsicht auf die neu fertiggestellte Zuglinie, die neben einer zu hundert Prozent elektrischen Buslinie nun das Nahverkehrsangebot der Stadt erweitert.</p> <p pos="18">Auch Pape Mbaye spürt die Wirtschaftslage. Aber die Kritik an den Spielen kann er dennoch nicht nachvollziehen. „Meckerer gibt es überall“, sagt er und nimmt das Gerät für die Klimmzüge unter die Lupe. Für ihn bieten die Spiele eine nette Ablenkung von den Alltagssorgen. „Und die Investitionen in Dinge wie diesen Sportpark bleiben uns doch auch nach den Spielen erhalten“, erklärt er optimistisch. Vielleicht werde er sich auch eine der Demonstrationssportarten anschauen. Denn neben den offiziellen, kostenpflichtigen Wettkämpfen sollen zehn weitere Disziplinen, darunter Surfen, Klettern und Karate, junge Menschen in Senegal und in der Region gratis für neue Sportarten begeistern. Beim Surfen etwa können Interessierte selbst aufs Brett steigen und mit senegalesischen Profis trainieren.</p> <p pos="19">Zugleich bietet sich der lokalen Sportszene die Gelegenheit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Mbaye ist überzeugt: Die Spiele werden nicht nur neue Sportstätten bringen, sondern im besten Fall auch Touristen, ein gutes Image und einen nachhaltigen Aufschwung.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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Die Regierung hat kein Geld mehr. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Olympische-Jugendspiele-in-Suedkorea/!5985675/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/6793242/1020/34541587-2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/6793242/665/34541587-2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/6793242/310/34541587-2.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Mehrere Personen mit Medaillien." height="154" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/6793242/14/34541587-2.webp" title="Mehrere Personen mit Medaillien." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Olympische Jugendspiele in Südkorea </span> <span> Nur Sport </span> </span> </p> <p> Dem Jugendformat der Olympischen Spiele fehlen die politische Visionen, die bei den Winterspielen 2018 noch für eine Aufbruchsstimmung sorgten. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Olympische-Spiele-ohne-Afrika/!5695483/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/4281056/1020/imago0038087034h-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/4281056/665/imago0038087034h-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/4281056/310/imago0038087034h-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Macky Sall, Thomas Bach und Soham El Wardini posieren fürs Foto" height="155" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/4281056/14/imago0038087034h-1.webp" title="Macky Sall, Thomas Bach und Soham El Wardini posieren fürs Foto" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Olympische Spiele ohne Afrika </span> <span> Bis Senegal groß randarf </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Markus Völker' : null" x-bind:class="loaded ? 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Aber auch die Olympischen Jungendspiele wurden um vier Jahre verschoben. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. 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November können entscheidend sein für die Zukunft der USA. Aber was passiert da genau und worauf kommt es an? Ein Überblick. </p><div> <div> <p pos="1">Wahlen in den USA sind stets ein riesiges Unterfangen. Seit den dramatischen Ereignissen rund um die Präsidentschaftswahl 2020 und dem Sturm aufs Kapitol bergen sie zudem ein Risiko für massive politische Gewalt. Nun stehen am 3. November die Midterm Elections an, also die sogenannten Zwischenwahlen in der Mitte der Amtszeit eines Präsidenten, bei der die beiden Kammern des US-amerikanischen Kongresses – Senat und Repräsentantenhaus – ganz oder teilweise neu besetzt werden.</p> <p pos="2">Dabei gelten eigentlich ungeschriebene Regeln: Es verliert immer die Partei, die gerade im Weißen Haus sitzt, und die Wahlbeteiligung ist niedrig. Zumindest die erste der beiden Regeln scheint 2026 durch die Umfragen bestätigt zu werden: Die <a href="http://www.taz.de//Trump-und-die-Midterms/!6216808/">oppositionellen Demokraten führen</a> in nahezu allen Kategorien. Dass Donald Trump und sein Vize J. D. Vance derzeit auf Wahlkampftour sind in Staaten, die eigentlich als tief republikanisch gelten, zeigt, dass auch sie die Lage der eigenen Partei kritisch sehen. Alles kommt darauf an, wer seine Anhängerschaft tatsächlich zum Urnengang mobilisieren kann.</p> <h2 id="repr-sentantenhaus-verzerrte-wahlkreise" pos="3">Repräsentantenhaus: Verzerrte Wahlkreise</h2> <p pos="4">Eine Wahl zum US-Repräsentantenhaus findet alle zwei Jahre statt, doch sie ist anders als eine Bundestagswahl: Es gibt keine Zweitstimme. Alle 435 Abgeordneten werden direkt in ihren Wahlkreisen gewählt, und aus welcher Partei am Schluss die meisten kommen, bestimmt die Mehrheitsverhältnisse. Stimmen für den unterlegenen Kandidaten zählen nicht mit, bestimmen nicht einmal die Stärke der Opposition.</p> <p pos="5">Das führt zum sogenannten Gerrymandering, also dem <a href="http://www.taz.de//US-Zwischenwahlen-Gerrymandering-Showdown-in-Texas-/!6105407/">Neuzuschnitt der Wahlbezirke eines Bundesstaats durch den jeweiligen Gouverneur</a> zu teils bizarren Formen. Denn je nach Zuschnitt der Wahlkreise können – bei exakt gleichem Wahlverhalten der Menschen – mehr oder weniger Sitze an die eine oder die andere Partei gehen. Insgesamt haben vor den Midterms 2026 neun Bundesstaaten die Wahlkreisgrenzen neu gezogen, mindestens fünf davon (vier republikanisch geführte Staaten, einer demokratisch) klar mit dem Ziel, der eigenen Partei einen Vorteil zu verschaffen. Wäre das Stimmverhalten 2026 exakt so wie 2024, würden die Republikaner in diesem Jahr dadurch 10 Sitze mehr in Washington gewinnen.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="5"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/wochentaz-testen"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/1020/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/665/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5905932/242/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5905932/14/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" title="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>wochentaz</p> <div> <div> <p>Dieser Text erschien zuerst in der <strong>wochentaz,</strong> unserer Wochenzeitung von links!</p> <p>In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <strong><a href="https://taz.de/wochentaz-testen" target="_blank">natürlich im Abo</a></strong>.</p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="6">Doch das Stimmverhalten ist eben nicht das gleiche. Derzeit sitzen im Repräsentantenhaus 219 Republikaner und 214 Demokraten, 2 Sitze sind vakant. Den Umfragen zufolge werden die Demokraten im neuen Repräsentantenhaus mindestens 220 Sitze ziemlich sicher haben, also eine Mehrheit, und die Republikaner 196. Die übrigen 19 Sitze sind extrem umkämpft.</p> <p pos="7">Damit wäre die Zeit von Republikaner Mike Johnson als Sprecher des Repräsentantenhauses vorbei. Der bisherige demokratische Fraktionschef Hakeem Jeffries würde wohl zu seinem Nachfolger gewählt werden und wäre dann der dritte Mann im Staat. Würden Präsident und Vizepräsident gleichzeitig wegfallen, würde Jeffries zum neuen Staatsoberhaupt vereidigt.</p> <h2 id="senat-vier-sitze-mehr-f-r-die-demokraten-" pos="8">Senat: Vier Sitze mehr für die Demokraten?</h2> <p pos="9">Derzeit sind von den 100 Se­na­to­r*in­nen – zwei pro Bundesstaat, unabhängig von dessen Größe und Bevölkerung – 53 Republikaner und 47 Demokraten (zwei Unabhängige mitgerechnet). Zur Wahl stehen alle zwei Jahre ein Drittel der Senator*innen, dafür sind die 100 Sitze in drei Gruppen unterteilt: Class 1 und 2 umfassen jeweils 33, Class 3 dann 34 Senatoren. In diesem Jahr ist Class 2 dran. Dazu kommen zwei Sonderwahlen, weil mit dem Wechsel der Class-3-Senatoren J. D. Vance und Marco Rubio in Trumps Regierung diese beiden Sitze nur interimsmäßig von den jeweiligen Gouverneuren besetzt wurden.</p> <p pos="10">Von den 35 zur Wahl stehenden Sitzen werden derzeit 13 von den Demokraten und 22 von den Republikanern besetzt. Um zu einer Mehrheit im Senat zu kommen, müssten die De­mo­kra­t*in­nen ihre Sitze halten und mindestens 4 neue dazu gewinnen. Stand jetzt scheint das nicht unmöglich.</p> <p pos="11">Sitze hinzugewinnen könnten die Demokraten in North Carolina, Ohio, Maine, Alaska – und Texas, wo sich der Demokrat <a href="http://www.taz.de//Republikaner-Event-in-Texas/!6212485/">James Talarico</a> tatsächlich anschickt, den Trump-Loyalisten Ken Paxton zu besiegen. Er wäre der erste demokratische Senator aus Texas seit vier Jahrzehnten.</p> <h2 id="gouverneure-entscheidend-f-r-2028" pos="12">Gouverneure: Entscheidend für 2028</h2> <p pos="13">Auch 36 der 50 Gouverneursposten werden neu gewählt. Davon sind derzeit die Hälfte demokratisch und die andere Hälfte republikanisch besetzt.</p> <p pos="14">Viele der auf beiden politischen Seiten populären Gouverneure dürfen wegen Amtszeitbegrenzungen nicht wieder antreten, zum Beispiel Gretchen Whitmer in Michigan, Gavin Newsom in Kalifornien oder Ron DeSantis in Florida. Einige kandidieren von sich aus nicht erneut, wie Kamala Harris' ehemaliger Vizekandidat <a href="http://www.taz.de//Rueckzug-aus-Gouverneurswahl-in-Minnesota/!6143461/">Tim Walz in Minnesota nach einem Betrugsskandal</a>. Andere wie J. B. Pritzker in Illinois, Greg Abbott in Texas oder Josh Shapiro in Pennsylvania sind so etabliert, dass sie sich um ihre Wiederwahl keine Sorgen machen müssen.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="14"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8818064/1020/midterms.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8818064/665/midterms.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8818064/242/midterms.webp" type="image/webp"></source> <img height="160" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8818064/14/midterms.webp" type="image/webp"></img> </picture> <figcaption> <p> Foto: Charles Nouwen (unsplash) </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <p>taz Talk zu den US-Midterms am 11. November in der taz-Kantine</p> <div> <div> <p>Wir analysieren die US-Zwischenwahlen vom 3. November: Was bedeutet das Ergebnis für die US-Politik, die Demokraten, Donald Trump und die Präsidentschaftswahlen 2028?</p> <p>Melden Sie sich <a href="https://pretix.eu/taz/endetrumpismus/" target="_blank">hier</a> an oder schauen Sie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bJkBPocfeKw" target="_blank">live im Stream</a></p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="15">Umfragen halten einen Nettozugewinn von zwei Gouverneursposten für die Demokraten für wahrscheinlich. Wichtiger als die reine Zahl ist allerdings, dass der Gouverneursposten auch in etlichen jener Staaten neu gewählt wird, die bei der Präsidentschaftswahl 2028 vermutlich Swing States sein werden. Ob dort ein Demokrat oder ein Trump-Loyalist für die Ausgestaltung der Wahl zuständig ist und deren Ablauf überwacht, könnte entscheidend werden.</p> <p pos="16">Aus den Reihen der Gouverneure rekrutieren sich in der Regel auch künftige Präsidentschaftskandidaten. Sie haben den Vorteil exekutiver Erfahrung und sind unbelastet vom Image Washingtoner Politklüngels. Frühere Beispiele: Jimmy Carter, Ronald Reagan, Bill Clinton oder George W. Bush.</p> <h2 id="und-was-k-nnte-nach-der-wahl-passieren-" pos="17">Und was könnte nach der Wahl passieren?</h2> <p pos="18">Gehen wir von zwei keineswegs sicheren Szenarien aus: 1. Die De­mo­kra­t*in­nen gewinnen eine oder gar beide Kammern des Kongresses. 2. Die Republikaner akzeptieren die Niederlage. Was könnte daraus folgen?</p> <p pos="19">Donald Trump würde keine neuen Gesetze mehr durchbringen, und die Demokraten hätten im Repräsentantenhaus die Federführung bei der Erstellung des Bundeshaushaltes. Nur: Seit der <a href="http://www.taz.de//Volksentscheid-Proposition-40-in-den-USA/!6218208/">„Big Beautiful Bill“</a>, dem im Juli 2025 verabschiedeten 900-Seiten-Kerngesetz seiner Wirtschafts- und Steuerpolitik, hat Trump ohnehin nicht mehr auf die Legislative gesetzt. Er regiert per Dekreten (Executive Orders), mitunter in klarer Kompetenzüberschreitung oder Missachtung tatsächlicher Gesetze. Das macht er, bis ihn ein Gericht stoppt – und versucht es anschließend meist gleich erneut.</p> <p pos="20">Umgekehrt könnte eine eventuelle demokratische Mehrheit zwar Gesetze verabschieden, etwa die landesweite Legalisierung von Abtreibung oder Medicare für alle beschließen – wüsste aber, dass sie am Veto des Präsidenten scheitern würde. Politisch wäre es richtig, Energie in solche Initiativen zu stecken. Aber die demokratischen Fraktionen werden weiterhin ideologisch divers aufgestellt sein. Dass sie die Kraftanstrengung unternehmen, sich auf Gesetze zu einigen, die dann doch nicht Wirklichkeit werden, scheint schwer vorstellbar.</p> <p pos="21">Dennoch könnte Trump im Senat endlich Widerstand gegen seine radikalsten und unqualifiziertesten Personalentscheidungen bekommen. Und der Kongress könnte Trumps Entscheidungsbefugnisse, etwa zum Fortgang des Irankriegs, stärker einschränken.</p> <p pos="22">Die größte Versuchung der Demokraten läge vermutlich darin, mit diversen Untersuchungsausschüssen bis hin zu neuen Amtsenthebungsverfahren frontal gegen die massive Korruption der Trump-Regierung vorzugehen. Dafür hätten sie – zumindest lassen sich derzeitige Stimmungsumfragen so lesen – durchaus öffentlichen Rückhalt. Aber wie die Erfahrung zeigt, besteht der genau so lange, bis Ausschüsse tatsächlich in tagelangen Anhörungen das „Wer wusste was wann?“ zu ergründen versuchen, statt sich um die drängenden Sorgen der Bür­ge­r*in­nen zu kümmern.</p> <p pos="23">Insofern wäre wohl die wichtigste Konsequenz aus von den Demokraten gewonnenen Wahlen eine Verschiebung des politischen Diskurses, womöglich sogar in beiden Parteien. Donald Trumps Stern bei den Republikanern könnte sinken, und bei den De­mo­kra­t*in­nen wird viel davon abhängen, wie die zahlreichen progressiven Kandidat*innen, die ihre Vorwahlen gegen den Willen der Parteiführung gewonnen hatten, tatsächlich abschneiden bei den Midterms. Ist ein Sieg wie der von Zohran Mamdani doch kein Phänomen, das nur in New York funktioniert?</p> <h2 id="weiteres-zerst-rungswerk" pos="24">Weiteres Zerstörungswerk</h2> <p pos="25">Was sehr sicher scheint: Donald Trump selbst wird in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit noch einmal alles kaputtzuschlagen versuchen, was seine Präsidentschaft bislang überlebt hat. Und womöglich wird er weiterhin mit einer illegalen dritten Amtszeit kokettieren. Denn Trump kann es nicht ertragen, nicht selbst im Mittelpunkt des Interesses zu stehen – als „lame duck“ anderen den Platz im Rampenlicht zu überlassen, das widerspricht all seinen Wesenszügen.</p> <p pos="26">Aber vor allem: Vom „Project 2025“, dem Programm zum autoritären Staatsumbau, das die Heritage Foundation 2023 vorgelegt hatte, ist erst rund die Hälfte umgesetzt. Es ist also nicht nur in Trumps Aufmerksamkeitsinteresse, weiter die Abrissbirne zu schwingen.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Wie?' )" x-init="$el.setAttribute('href', $el.getAttribute('href') + '&amp;via=Bottom')"> Jetzt unterstützen </a> </p> </div> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223224/ 1 Nov 2026 09:45:00 +0100 Bernd Pickert <![CDATA[Polens Rechte verteidigt ihre Bastion: Machtkampf um Polens Verfassungsgericht entbrannt]]> <img src="https://taz.de/picture/8836261/1200/629284078.jpeg" /><h1>Polens Rechte verteidigt ihre Bastion: Machtkampf um Polens Verfassungsgericht entbrannt</h1><h2>By Aus Warschau Gabriele Lesser</h2><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Die Führung von Polens Verfassungsgericht ist abgesetzt. Die PiS mobilisiert auf der Straße. Und Präsident Nawrocki bangt um ein Machtinstrument. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836261/1200/629284078.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836261/1020/629284078.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836261/665/629284078.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836261/835/629284078.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Mann mit Mütze gestikuliert in Richtung eines Zauns" height="556" src="https://taz.de/picture/8836261/14/629284078.webp" title="Mann mit Mütze gestikuliert in Richtung eines Zauns" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Bogdan Święczkowski vor dem Tor zum Gelände des polnischen Verfassungsgerichts in Warschau <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Radek Pietruszka/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"> „Hier ist Polen!“, skandieren am Samstagnachmittag ein paar Männer vor dem polnischen Verfassungsgericht in Warschau. „Wir geben das Tribunal nicht her!“, ruft eine andere Gruppe, die neben den rot-weißen Werbeständen der rechtsnationalen <em>Gazeta Polska</em> steht. Jemand schwenkt ein Banner mit dem ausgeschriebenen Namen der größten Oppositionspartei PiS: „Prawo i Sprawiedlowosc“ – „Recht und Gerechtigkeit“.</p> <p pos="2">Polizisten in schwarzen Uniformen und blitzenden Helmen haben die Szucha-Allee, an der sich neben dem Verfassungsgericht auch zwei Ministerien sowie die Botschaften des Vatikans und der Ukraine befinden, für den Autoverkehr gesperrt. Doch im Vergleich zu Freitagabend, als hier Tausende Demonstranten spontan zusammenkamen und Anhänger rechter Parteien und Zeitungsverlage ihre rot-weißen Stände aufbauten, ist es geradezu ruhig. Zu Ausschreitungen kam es nicht.</p> <p pos="3">Nur für ein paar Stunden spielte sich hier die große Politik ab, die sogar Polens Staatspräsident Karol Nawrocki dazu bewog, seinen Staatsbesuch im Senegal noch während des Hinflugs abzusagen und zurück nach Warschau zu fliegen. Was war geschehen? Polens Generalstaatsanwalt und Justizminister Waldemar Zurek hatte am Freitagnachmittag nach monatelangen Ermittlungen die Immunität des Vorsitzenden des Verfassungsgerichts Bogdan Święczkowski und seines Stellvertreters Bartlomiej Sochański aufheben lassen.</p> <p pos="4">Święczkowski, einst aktiver PiS-Politiker, sollte sich in einem Strafprozess für vier ihm vorgeworfene „Vergehen im Amt“ verantworten. Die Boten des Generalstaatsanwalts luden 50 Aktenordner mit Ermittlungsergebnissen bei der dienstältesten Richterin Anna Korwin-Piotrowska ab, die daraufhin die beiden Vorsitzenden für abgesetzt und sich selbst als Interims-Vorsitzende des Verfassungsgerichts erklärte.</p> <p pos="5">Der Aufmarsch der zumeist rechtsnationalen Demonstranten begann aber erst, als sie diese Entscheidung auf der Website des Verfassungsgerichts publik machte. Einer der ersten vor Ort war der inzwischen 77 Jahre alte PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski. Empört warf er der Mitte-links-Regierung unter Premier Donald Tusk einen „Staatsstreich“ vor, so als wären er selbst und seine Gefolgsleute noch immer im Amt – trotz der Niederlage bei den Parlamentswahlen 2023.</p> <p pos="6">Dabei versucht die breit aufgestellte Tusk-Koalition nur, den durch acht Jahre PiS-Herrschaft (2015–2023) stark demolierten Rechtsstaat in Polen wiederherzustellen. Einiges ist schon gelungen, doch Polens PiS-nahe Staatspräsidenten – erst Andrzej Duda und seit August 2025 Karol Nawrocki – werfen der Regierung immer wieder Knüppel zwischen die Beine.</p> <p pos="7">Das <a href="http://www.taz.de//Heftiger-Machtkampf-um-Polens-Verfassungsgericht-entbrannt/!6226337/">Verfassungsgericht ist eine der verbliebenen PiS-Bastionen</a>. Andrzej Duda hatte im Dezember 2015 vier PiS-nahe Verfassungsrichter vereidigt, deren Posten bereits durch Richter besetzt waren, die der vorherige Sejm legal gewählt hatte. In der Folge konnten alle Urteile des polnischen Verfassungsgerichts vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) oder dem Europäischen Menschenrechtsgerichthof angefochten werden, wenn auch nur ein Double-Richter am Urteil mitgewirkt hatte.</p> <p pos="8">Ende 2025 urteilte dann auch noch der EuGH, dass das polnische Verfassungsgericht kein „unabhängiges und unparteiisches Gericht“ sei. Es genüge nicht den Anforderungen des EU-Rechts. Einige der Verfassungsrichter seien durch „schwerwiegende Unregelmäßigkeiten“ ins Amt gekommen. Die Tusk-Regierung begrüßte dieses Urteil zwar ausdrücklich, sah sich aber außerstande, aus dem „Nicht-Gericht“ wieder ein funktionierendes Verfassungsgericht zu machen.</p> <p pos="9">Die Ernennung neuer Richter anstelle derjenigen, deren Amtszeit abgelaufen war, hätte das polnische Verfassungsgericht wieder zu einem auch in der EU anerkannten Gericht werden lassen können. Doch Präsident Karol Nawrocki weigerte sich, einige der legal durch den Sejm, das polnische Abgeordnetenhaus, gewählten Richter zu vereidigen. Die meisten polnischen Verfassungsrechtler sind der Ansicht, dass Nawrocki damit verfassungswidrig handle. Denn in Polens Verfassung sei nicht vorgesehen, dass der Präsident nach der Richterwahl des Parlaments noch einmal seine ganz persönliche Wahl unter den Richtern treffe.</p> <p pos="10">Swieczkowski wiederum, PiS-Hardliner und bisheriger Vorsitzender des Verfassungsgerichts, ließ keinen der neuen Richter zu den Verfahren zu. Er konnte auch bei den aktuellen Haushaltsberatungen des Parlaments kein Verfassungsgerichtsbudget beantragen, weil er dafür die meisten Verfassungsrichter hätte einladen müssen.</p> <p pos="11">Für <a href="http://www.taz.de//Queer-in-Polen/!6197329/">Präsident Nawrocki</a>, der noch Freitagnacht ins Verfassungsgericht eindrang und sich dort als tatkräftiges Staatsoberhaupt fotografieren ließ, steht viel auf dem Spiel: Sollte das Verfassungsgericht in den nächsten Tagen wieder zu einem echten Verfassungsgericht werden, hätten er und die PiS ein wichtiges Machtinstrument verloren.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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Demonstranten belagern das Gerichtsgebäude. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Schwangerschaftsabbruch-in-Polen/!6223131/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8814139/1020/36368963.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8814139/665/36368963.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8814139/310/36368963.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Frau hält während einer Demonstration einen rosa Kleiderbügel ? ein Symbol für Abtreibung ? in der Hand" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8814139/14/36368963.webp" title="Eine Frau hält während einer Demonstration einen rosa Kleiderbügel ? ein Symbol für Abtreibung ? in der Hand" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Schwangerschaftsabbruch in Polen </span> <span> Wenig Aussicht auf Erleichterung </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Barbara Oertel' : null" x-bind:class="loaded ? 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Doch Präsident Naworocki kann das blockieren. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Schwangerschaftsabbruch-in-Polen/!6223308/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8814619/1020/40542146.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8814619/665/40542146.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8814619/310/40542146.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Drei Teilnehmende einer linken Demo am 8. März in Polen. Die Person links im Bild mit kurzen roten Haaren und Blitzen als Make-up und Ohrringen trägt ein Tanktop mit der Aufschrift &quot;No Uterus No Opinion&quot;." height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8814619/14/40542146.webp" title="Drei Teilnehmende einer linken Demo am 8. März in Polen. Die Person links im Bild mit kurzen roten Haaren und Blitzen als Make-up und Ohrringen trägt ein Tanktop mit der Aufschrift &quot;No Uterus No Opinion&quot;." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Schwangerschaftsabbruch in Polen </span> <span> Polens Parlament liberalisiert das Abtreibungsrecht </span> </span> </p> <p> Zwei Gesetzentwürfe aus dem Mitte-links-Bündnis von Donald Tusk finden im Sejm eine Mehrheit. Jetzt droht ein Veto von Präsident Karol Nawrocki. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226349/ 31 Oct 2026 20:01:00 +0100 Gabriele Lesser <![CDATA[UN-Artenschutzkonferenz in Jerewan: Machtkampf um unsere Lebensgrundlagen]]> <img src="https://taz.de/picture/8833585/1200/42405652.jpeg" /><h1>UN-Artenschutzkonferenz in Jerewan: Machtkampf um unsere Lebensgrundlagen</h1><h2>By Kommentar von Heike Holdinghausen</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Natur mag jeder. Aber interessiert sich auch jeder dafür, wie sie erhalten werden kann? Das dürfte nach der UN-Artenschutzkonferenz nicht anders sein. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8833585/1200/42405652.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833585/1020/42405652.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833585/665/42405652.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833585/665/42405652.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Luftaufnahme einer aufgerissenen, schlammigen Fläche im Amazonasregenwald" height="443" src="https://taz.de/picture/8833585/14/42405652.webp" title="Luftaufnahme einer aufgerissenen, schlammigen Fläche im Amazonasregenwald" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Natur unter Druck: Illegaler Bergbau im Gebiet der indigenen Saamaka in Suriname <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Ivan Valencia/ap </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>A</span></span> <span>m Wochenende wird der <a href="http://www.taz.de//Naturschutzgipfel-in-Jerewan/!6224656/">Weltnaturschutzgipfel im armenischen Jerewan</a> zu Ende gegangen sein. Mit einer großen Einigung oder einem großen Knall. Wen interessiert’s? Nicht mal seinen richtigen Namen wagen Berichterstatter zu nennen. Wer liest schon was über ein „Treffen der Mitgliedsstaaten der Konvention über biologische Vielfalt“?</span></p> <p pos="2">Natur indes mag jeder. Dabei geht es um so viel: Ob Böden, Wälder, Meere weiter CO<sub>2</sub> speichern und so das Klima stabilisieren können. Ob der Boden fruchtbar bleibt und Süßwasser trinkbar. Ob es weiter Insekten als Bestäuber und <a href="http://www.taz.de//Naturschutzkonferenz-in-Jerewan/!6223688/">Fisch in den Ozeanen</a> geben wird, eine wichtige Proteinquelle für rund drei Milliarden Menschen.</p> <p pos="3">Über all das wurde in Jerewan verhandelt, in einem den Vereinten Nationen eigenen abstrakten Diplomatenenglisch. Darin ringen die Teil­neh­me­r:in­nen erbittert um Formulierungen, die außerhalb der Konferenzräume kaum jemand versteht. Und die allzu oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Viele Verhandlungen der Biodiversitätskonvention der vergangenen 30 Jahre galten als Erfolg. Auf ihnen wurden wichtige Ziele der Naturschutzpolitik formuliert, es wurden Gefahren benannt, indigene Völker als wichtige Akteure erkannt und notwendige Gelder avisiert.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/1020/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/665/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7640592/242/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." height="107" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7640592/14/taz-Logo-1.webp" title="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Danach sind die Ministerinnen und Beamten, Wissenschaftler, Lobbyisten und Aktivistinnen wieder nach Hause gefahren und standen dort vor einer unüberwindbaren Wand aus Wirtschafts- und Sozialsystemen, die auf Wachstum angewiesen sind (so wie der Naturschutz selbst auch, wenn er jährlich mehr Gelder vom Norden in den Süden umverteilen will) und kaum veränderbaren Konsummustern. Und trotzdem sind die Verhandlungsergebnisse aus Jerewan nicht egal.</p> <p pos="5">Der <a href="http://www.taz.de//Artensterben-schreitet-voran/!6219272/">Machtkampf um den Umgang mit unseren Lebensgrundlagen</a> findet auf vielen Ebenen und an vielen Orten statt. Sie sind vernetzt und beeinflussen einander. Brasilien zum Beispiel stand in den Verhandlungen eher auf der Seiten der blockierenden Staaten wie Saudi-Arabien und Russland – doch der Wahlausgang in diesem globalen Hotspot der Biodiversität ist wohl wichtiger für ihren Schutz als die Dokumente aus Jerewan.</p> <p pos="6">Während die Europäische Union in ihren Verfahren zur Entbürokratisierung ihre Umweltgesetze schleift, feiern Aktivisten aus dem Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen einen Erfolg vor Gericht: Beim Örtchen Ohl-Grünscheid darf der Fluss Agger wieder frei fließen und wird nicht mehr zur Energiegewinnung aufgestaut. Das ist gut für Pflanzen und Tiere. Und gut für Menschen, die auf einen ausgeglichenen Wasserhaushalt angewiesen sind.</p> <p pos="7">Der Schutz von Ökosystemen, der Erhalt der Arten und ihrer genetischen Vielfalt (das meint Biodiversität) geschieht praktisch, vor Ort, vorangetrieben von Engagierten. Durch die Verhandlungen von Jerewan können sie Rückenwind erhalten. Oder Gegenwind, der in der Regel ihre Beharrungskräfte weckt. Die „Agger-Freunde“ verdienen Applaus, ihr Einsatz wurde bisher viel zu selten gewürdigt. Und die Berichterstattung über den Weltnaturschutzgipfel folgt.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Viele Länder fangen an, ihre Natur zu schützen, aber es dauert alles zu lange. </p> <div> <div> <p> <span>Von</span> <span>Heike Holdinghausen</span> <span>und</span> <span>Anna Flörchinger</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Weltnaturschutzkonferenz-in-Jerewan/!6225932/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8832726/1020/42428508.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8832726/665/42428508.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8832726/310/42428508.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Zwei Moorforscher untersuchen Pflanzen in einem nassen Hochmoor" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8832726/14/42428508.webp" title="Zwei Moorforscher untersuchen Pflanzen in einem nassen Hochmoor" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Weltnaturschutzkonferenz in Jerewan </span> <span> Geld für Zerstörung oder Geld für Natur </span> </span> </p> <p> Renaturierung braucht Geld, doch das fließt weiter in umweltschädliche Subventionen, zeigt ein UN-Bericht. Kleine Lichtblicke gibt’s dennoch. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Konferenz-zum-Artenschutz/!6222644/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8809943/1020/42350854.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8809943/665/42350854.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8809943/310/42350854.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Blick über die Berglandschaft zum Grüntenhaus, Oberallgäu, Bayern" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8809943/14/42350854.webp" title="Blick über die Berglandschaft zum Grüntenhaus, Oberallgäu, Bayern" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Biodiversität </span> <span> Die Lösung liegt auf der Alm </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Heike Holdinghausen' : null" x-bind:class="loaded ? 'pr-small is-flex-shrink-0' : ''" x-cloak="" x-data="{&#xA;id: '135',&#xA;loaded: false,&#xA;src: '',&#xA;async pickSource() {&#xA;const webp = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.webp`;&#xA;const png = `https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/${this.id}.png`;&#xA;const tryLoad = (url) => new Promise(resolve => {&#xA;const img = new Image();&#xA;img.onload = () => resolve(img.naturalWidth > 0);&#xA;img.onerror = () => resolve(false);&#xA;img.src = url;&#xA;});&#xA;if (await tryLoad(webp)) {&#xA;this.src = webp;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;if (await tryLoad(png)) {&#xA;this.src = png;&#xA;this.loaded = true;&#xA;return;&#xA;}&#xA;// Kein Bild gefunden&#xA;this.loaded = false;&#xA;this.src = '';&#xA;}&#xA;}" x-init="pickSource()" x-show="loaded"> <template x-if="loaded"> <picture> <img :src="src" alt="Heike Holdinghausen" decoding="async" loading="lazy"></img> </picture> </template> </figure> </div> </div> <p> <span>Kommentar von</span> <span>Heike Holdinghausen</span> </p> </div> </div> <p> Um das lebenswichtige Miniaturvieh zu retten, braucht es ein Umdenken von Land- und Forstwirtschaft. Mehr Wald und Moore statt Dünger und Tierzucht. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6223307/ 31 Oct 2026 20:01:00 +0100 Heike Holdinghausen <![CDATA[Uruguays Holzindustrie auf dem Prüfstand: Ein Abkommen mit grünem Anstrich]]> <img src="https://taz.de/picture/8819959/1200/42423052.jpeg" /><h1>Uruguays Holzindustrie auf dem Prüfstand: Ein Abkommen mit grünem Anstrich</h1><h2>By Aus Salinas Guillermo Garat</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Am Río de la Plata zeigt sich die Kehrseite einer monokulturellen Forstwirtschaft. Sie verbraucht riesige Mengen an Wasser und schadet der Umwelt. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8819959/1200/42423052.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8819959/1020/42423052.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8819959/665/42423052.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8819959/835/42423052.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Papierfabrik an einem Fluss" height="556" src="https://taz.de/picture/8819959/14/42423052.webp" title="Eine Papierfabrik an einem Fluss" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Mit chilenischem und finnischem Kapital errichtet: Zellstofffabrik in Montes de Plata <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Wenn es stark regnet, ist die Mündung des Río de la Plata mit Grünalgen bedeckt. Igor Alexandro kennt das schon. Die giftigen Algen entstehen durch Cyanobakterien, welche sich durch den Einfluss von Agrochemikalien im Fluss bilden. „Die Bakterien sind ein deutlicher Indikator für den Druck durch die Agrarindustrie“, sagt Alexandro.</p> <p pos="2">Wird er danach gefragt, was er vom <a href="http://www.taz.de//Handelsvertrag-mit-Suedamerika/!6158486/">EU-Mercosur-Abkommen</a> hält, beginnt er zu schimpfen. „Die Asymmetrie des Abkommens wird dazu führen, dass sich nichts ändert“, ist er sich sicher. Jedenfalls wird sie zu nichts Gutem für die Umwelt und die Menschen, die in der Region leben, führen. Stattdessen wird es mehr Forstwirtschaft und schlechtere Böden geben und eine Zunahme der geförderten Rohstoffe, die ohne Mehrwert exportiert werden.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="2"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>Euromérica-Workshop</p> <div> <p>15 Jour­na­lis­t:in­nen aus 12 Ländern Lateinamerikas nehmen am Workshop „Euromérica“ der <a href="https://taz.de/panter-stiftung/vom-wort-zur-tat/!v=e4eb8635-98d1-4a5d-b035-a82efb835967/" target="_blank">taz panterstiftung</a> teil. Es geht um Chancen und Herausforderungen des EU-Mercosur-Abkommens und die lateinamerikanisch-europäischen Beziehungen. Am 5. 12. erscheint dazu eine Beilage in der taz, am 9. 12. gibt es einen öffentlichen Talk in der taz Kantine. Alle Texte finden Sie <a href="http://www.taz.de//Euromerica/!t6219794" target="_blank">hier</a>.</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="3">Alexandro ist ein 69-jähriger pensionierter Seemann, der wenige Minuten vom Río de la Plata entfernt auf seinem Bauernhof in der Nähe von Colonia del Sacramento lebt, wo er Gemüse anbaut, einheimische Obstbäume pflegt und Tiere für den Eigenbedarf züchtet.</p> <h2 id="eu-ist-zweitgr-ter-holz-abnehmer" pos="4">EU ist zweitgrößter Holz-Abnehmer</h2> <p pos="5">Rinder, Soja und Holz sind die wichtigsten Exportgüter des Einzugsgebiets am Río de la Plata und zugleich die größte Bedrohung für dessen Umwelt. Die Europäische Union ist nach China der zweitgrößte Abnehmer von Holz aus Uruguay und importierte im vergangenen Jahr Holzwaren im Wert von 687 Millionen US-Dollar. Colonia ist eines der fruchtbarsten Departements des Landes und Standort von Montes del Plata, eine der jüngsten Zellstofffabriken. Sie wurde mit chilenischem und finnischem Kapital errichtet.</p> <p pos="6">„In unserem Land werden seit mehr als 35 Jahren Eukalyptus- und Kiefernmonokulturen ausgeweitet, verbunden mit Versprechungen von Arbeitsplätzen und Entwicklung“, warnte im vergangenen Jahr „Ni una Hectárea Más Forestada“ (Kein weiterer Hektar Aufforstung). Das ist ein Bündnis aus 75 zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich Sorgen um die Auswirkungen der Aufforstungsprojekte in Uruguay machen und zu dem Igor Alexandro gehört.</p> <h2 id="konzentration-von-reichtum-und-land" pos="7">Konzentration von Reichtum und Land</h2> <p pos="8">Das Bündnis stellte fest, dass bis heute fast die Hälfte der Beschäftigten in der Forstwirtschaft im informellen Sektor arbeitet. Gleichzeitig ist es der Wirtschaftssektor, in dem sich Reichtum und Land wie in keinem zweiten konzentrieren – mehr als 700.000 Hektar Wald befinden sich allein in den Händen von 39 Großunternehmen.</p> <div data-for="picture" data-pos="8"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8819959/1200/42423047.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8819959/1020/42423047.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8819959/665/42423047.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8819959/835/42423047.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Holzstämmer in einem Hafen" height="555" src="https://taz.de/picture/8819959/14/42423047.webp" title="Holzstämmer in einem Hafen" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Auf Kosten der Umwelt: Exportgut Holz im Hafen von Montevideo <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: imago </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="9">Es gibt stichhaltige Belege dafür, dass die Forstplantagen die Umwelt in Uruguay schwer schädigen. Wassereinzugsgebiete, die in Aufforstungsarealen liegen, verringern ihren Wasserabfluss um bis zur Hälfte und verlieren bis zu 30 Prozent ihrer Durchflussmenge, wie Studien der Universidad de la República (UDELAR), der größten Universität des Landes, zeigen. Auch die Wiederauffüllungskapazitäten der Grundwasserspeicher werden beeinträchtigt.</p> <p pos="10">Dabei teilt sich Uruguay mit seinen Nachbarn Argentinien, Paraguay und Brasilien das Guaraní-Grundwasserreservoir. Es ist das drittgrößte der Welt und liegt genau dort, wo die forstwirtschaftliche Monokultur am stärksten ausgeprägt ist. Allein die beiden Zellstoffwerke des finnischen Unternehmens UPM in Uruguay benötigen täglich 12.000 Millionen Liter Wasser.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="10"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/!vn5941022/"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5910470/1020/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5910470/665/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5910470/242/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <img height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5910470/14/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>Jetzt unterstützen!</p> <div> <p>Unterstützen Sie die taz panterstiftung und ihre internationalen Projekte mit einer Spende. <a href="https://taz.de/taz-panterstiftung/spenden/!v=95da8ffb-144e-4a3b-9701-e9efc5512444/" target="_blank">Mehr erfahren</a></p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <h2 id="wasserknappheit-nach-d-rre" pos="11">Wasserknappheit nach Dürre</h2> <p pos="12">Das entspricht dem Verbrauch von 96 Millionen Menschen und das in einem Land mit nur rund 3 Millionen Einwohner:innen, das bereits große Probleme mit der Wasserversorgung hat: 2023 litt Uruguay über ein Jahr lang <a href="http://www.taz.de//Folgen-von-Wasserknappheit/!5939091/">unter einer schweren Dürre</a> – und zwei Drittel der Bevölkerung waren drei Monate lang ohne Trinkwasser.</p> <p pos="13">Die monokulturelle Forstwirtschaft beeinträchtigt aber auch die Artenvielfalt und die Populationen der einheimischen Fauna und Flora. Die von der Forstindustrie eingesetzten Herbizide sind in Europa längst verboten – in Argentinien, Brasilien, Paraguay oder Uruguay jedoch weiter gang und gäbe.</p> <p pos="14">Zwischen 2009 und 2023 wurden Montes del Plata und UPM, die beiden Zellstoffwerke mit finnischer Beteiligung in Uruguay, mindestens 65 Mal mit Geldstrafen oder Sanktionen belegt, sagt der Forscher Daniel Pena von der UDELAR, der die Bußgelder gegen die transnationalen Unternehmen analysierte. Diese hatten „wiederholt gegen Umweltvorschriften“ verstoßen oder ihre „Berichterstattung an die Behörden“ war unzureichend.</p> <h2 id="entwicklung-die-nur-einer-minderheit-dient" pos="15">Entwicklung, die nur einer Minderheit dient</h2> <p pos="16">Dabei nutzen die Werke die vom Staat finanzierte Infrastruktur: Um UPM zum Investieren zu bewegen, übernahm die uruguayische Regierung etwa die Kosten für den Bau eines vorrangig vom finnischen Konzern genutzten Eisenbahnnetzes, dessen Kosten Schätzungen zufolge bei bis zu 3 Milliarden US-Dollar lagen.</p> <p pos="17">Neben „Steuerbefreiungen und Vergünstigungen in Freihandelszonen werden Reichtum, Wasser und Bodenfruchtbarkeit in Form von Holz und Zellulose exportiert“, erklärte die Koordinierungsgruppe gegen die Abholzung in Uruguay dazu.</p> <p pos="18">Nachdem er die Hühner in ihren Stall gebracht und ein frisch geschlachtetes Lamm an der Luft getrocknet hat, spricht Igor Alexandro auf seiner Farm Laguamanda offen über seine Befürchtungen. Dass die Cyanobakterien mit dem EU-Mercosur-Abkommen aus den lokalen Gewässern verschwinden werden, glaubt er nicht. Eher im Gegenteil. Es könnte noch schlimmer werden.</p> <p pos="19">Für Alexandro ist das Freihandelsabkommen allein „Vertiefung eines Entwicklungsmodells, das in unseren Breitengraden nur einer sehr privilegierten Minderheit aus dem Finanzsektor und multinationalen Konzernen Vorteile bringt“.</p> <p pos="20"><a href="https://muckrack.com/guillermo-garat" target="_blank"><em>Guillermo Garat</em></a> <em>ist ein selbstständiger Journalist aus Uruguay. Er arbeitet u. a. für die genossenschaftliche Tageszeitung <a href="https://ladiaria.com.uy/" target="_blank">la diaria</a>.</em></p> <p pos="21"> <em>Übersetzt aus dem Spanischen von Ole Schulz</em> </p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Oxfam fordert mehr Geld, um sie abzufedern. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Handelsabkommen-mit-Suedamerika/!6165186/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8336203/1020/40737426.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8336203/665/40737426.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8336203/310/40737426.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Gruppenfoto mit den südamerikanischen Regierungschefs und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8336203/14/40737426.webp" title="Gruppenfoto mit den südamerikanischen Regierungschefs und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Handelsabkommen mit Südamerika </span> <span> Mercosur tritt am 1. Mai vorläufig in Kraft </span> </span> </p> <p> Das Mercosur-Handelsabkommen der EU mit südamerikanischen Staaten soll ab Mai vorläufig angewendet werden. Das teilte die EU-Kommission mit. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Greenpeace-spricht-von-Waldnotstand/!6134349/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8097336/1020/39870775.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8097336/665/39870775.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8097336/310/39870775.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Bulldozer entfernt Bäume aus einem Waldgebiet in Argentinien" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8097336/14/39870775.webp" title="Ein Bulldozer entfernt Bäume aus einem Waldgebiet in Argentinien" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Greenpeace spricht von „Waldnotstand“ </span> <span> Der vergessene Wald Südamerikas </span> </span> </p> <p> Beim Waldschutz denkt alle Welt gleich an den Amazonas. Derweil verschwindet Südamerikas größter Trockenwald in rasantem Tempo: der Gran Chaco. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. 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Beteiligt sind oft ausländische Mächte. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8819930/1200/42422273.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8819930/1020/42422273.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8819930/665/42422273.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8819930/835/42422273.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Menschen stehen mit Smartphones an einer Bushaltestelle" height="556" src="https://taz.de/picture/8819930/14/42422273.webp" title="Menschen stehen mit Smartphones an einer Bushaltestelle" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Bushaltestelle in São Paulo, 8. Oktober: Stimmen die Nachrichten zu den Wahlen auch wirklich? <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Alexandre Meneghini/reuters </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">„Auf frischer Tat ertappt“ – so ging 2025 ein Video viral, das den Eindruck erwecken sollte, der deutsche Kanzler Friedrich Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer seien mit „einem Beutel Kokain“ erwischt worden. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Gegenstand nicht um eine Tüte Kokain handelte, sondern lediglich um ein Taschentuch.</p> <p pos="2">Falschinformationen verbreiten sich mittlerweile rasend schnell über die Kontinente hinweg. Die genannte Meldung kursierte etwa in <a href="https://archive.li/HcCRu" target="_blank">Bolivien</a>, <a href="https://www.fastcheck.cl/2025/05/15/agarran-con-cocaina-al-presidente-de-francia-y-al-canciller-aleman-falso/" target="_blank">Chile</a>, <a href="https://grupoanimal.mx/verificacion-viral/falso-emmanuel-macron-cocaina-panuelo-papel" target="_blank">Mexiko</a>, <a href="https://cotejo.info/2025/06/falso-emmanuel-macron-esconde-cocaina-durante-viaje-tren-ucrania/" target="_blank">Venezuela</a>, <a href="https://www.estadao.com.br/estadao-verifica/video-macron-cocaina-mesa-lenco-de-papel/" target="_blank">Brasilien</a>, den <a href="https://www.snopes.com/fact-check/cocaine-macron-merz-starmer/" target="_blank">Vereinigten Staaten</a>, <a href="https://www.aap.com.au/factcheck/macron-ukraine-train-cocaine-claim-fails-sniff-test/" target="_blank">Australien</a> und möglicherweise auch in anderen Ländern. Sie fügt sich in das Narrativ ein, das dem ukrainischen Präsidenten und seinen Verbündeten den Konsum von Kokain vorwirft, wobei das bereits mehrfach widerlegt wurde.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="2"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>Euromérica-Workshop</p> <div> <p>15 Jour­na­lis­t:in­nen aus 12 Ländern Lateinamerikas nehmen am Workshop „Euromérica“ der <a href="https://taz.de/panter-stiftung/vom-wort-zur-tat/!v=e4eb8635-98d1-4a5d-b035-a82efb835967/" target="_blank">taz panterstiftung</a> teil. Es geht um Chancen und Herausforderungen des EU-Mercosur-Abkommens und die lateinamerikanisch-europäischen Beziehungen. Am 5. 12. erscheint dazu eine Beilage in der taz, am 9. 12. gibt es einen öffentlichen Talk in der taz Kantine. Alle Texte finden Sie <a href="http://www.taz.de//Euromerica/!t6219794" target="_blank">hier</a>.</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="3">Diese Fälle sind aus dem Ausland gesteuerte Operationen zur Manipulation des Informationsflusses und als Fimi (Foreign Information Manipulation and Interference) bekannt. „Galaxia“ ist der Name, unter dem das EU-Projekt <a href="https://euvsdisinfo.eu/es/la-manipulacion-de-la-informacion-e-injerencia-por-parte-de-agentes-extranjeros-fimi-al-detalle/#:~:text=Velar%20por%20la%20igualdad%20de%20condiciones%3A%20regulaci%C3%B3n" target="_blank">EUvsDisinfo</a> eine Datenvisualisierung zu Desinformationen präsentiert, die mutmaßlich mit Fimi in Verbindung stehen. Das <a href="https://euvsdisinfo.eu/disinformation-cases/" target="_blank">EU-Projekt</a> verzeichnet dabei 19.813 Fälle von gezielter Desinformation zwischen 2015 und 2026.</p> <h2 id="komplexe-netzwerke-aus-l-ndern-und-akteuren" pos="4">Komplexe Netzwerke aus Ländern und Akteuren</h2> <p pos="5">Seine <a href="https://euvsdisinfo.eu/fimi-explorer/" target="_blank">Visualisierung</a> zeigt ein komplexes, wie eine Galaxie anmutendes Netzwerk von Verbindungen zwischen Ländern, Akteuren und Operationen. „Fimi ist ein Versuch, die öffentliche Meinung eines Landes aus einem anderen im Bereich der sozialen Netzwerke, der Algorithmen und der KI zu manipulieren“, erklärt die brasilianische Journalistin Beatriz Farrugia. Sie arbeitet als Fimi-Analystin für <a href="https://www.debunk.org/" target="_blank">Debunk</a>, eine gemeinnützige Organisation aus Litauen, und als Forscherin im Bereich Desinformation für die brasilianische Faktenprüfungsstelle <a href="https://www.agencialupa.org/" target="_blank">Lupa</a>.</p> <p pos="6">Farrugia schlägt vor, Fimi von traditioneller politischer Einmischung abzugrenzen, da Erstere versucht, die Meinung der Menschen durch bewusst „verdeckte“ Online-Operationen zu beeinflussen. Eingeführt wurde der <a href="https://www.eeas.europa.eu/eeas/information-integrity-and-countering-foreign-information-manipulation-interference-fimi_en" target="_blank">Begriff Fimi von der EU</a>, laut der die Einmischung von außen „eine wachsende Bedrohung für die Sicherheit und die Außenpolitik der Europäischen Union darstellt“.</p> <p pos="7">Die EU identifiziert <a href="https://www.eeas.europa.eu/eeas/information-integrity-and-countering-foreign-information-manipulation-interference-fimi_en#45330" target="_blank">Russland</a> und <a href="https://www.eeas.europa.eu/eeas/information-integrity-and-countering-foreign-information-manipulation-interference-fimi_en#45756" target="_blank">China</a> als Hauptakteure von Fimi-Operationen. Ex­per­t:in­nen weisen jedoch darauf hin, dass es selbstverständlich weitere Akteure gibt. „Dass Kampagnen bestimmter Länder nicht aufgedeckt werden, bedeutet nicht, dass es keine gibt“, sagt Coral García Dorado, Forschungskoordinatorin bei <a href="https://maldita.es/" target="_blank">Maldita.es</a>, einer spanischen Stiftung, die Fimi-Operationen untersucht. Doch könnten die Kampagnen oft keinem konkreten Land zugeordnet werden.</p> <div data-for="picture" data-pos="7"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="900" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8819930/1200/FIMI-Lucas.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8819930/1020/FIMI-Lucas.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8819930/665/FIMI-Lucas.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8819930/665/FIMI-Lucas.webp" type="image/webp"></source> <img height="498" src="https://taz.de/picture/8819930/14/FIMI-Lucas.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Mutet wie eine Galaxie an: Visualisierung von FIMI-Operationen durch das EUvsDisinfo-Projekt <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Lucas Llanes </p> </figcaption> </figure> </div> <h2 id="l-nder-bergreifende-einflussnahmen" pos="8">Länderübergreifende Einflussnahmen</h2> <p pos="9">Ihre Ziele ähneln sich dabei aber häufig: „Wahlen manipulieren, Misstrauen gegenüber Institutionen schüren, die Gesellschaft spalten oder eigene Interessen in anderen Ländern fördern“, sagt Dorado. Die Fimi setzt dafür oft Desinformationen ein, doch dies ist nicht ihre einzige Taktik. Sie greift auch auf gefälschte Konten oder die künstliche Erzeugung von Trends zurück. Die Vorgehensweise ist meist so komplex, dass mehrere dieser Methoden gleichzeitig angewendet werden.</p> <p pos="10">Bei der im September 2023 gestarteten prorussischen <a href="https://www.sgdsn.gouv.fr/files/files/20240611_NP_SGDSN_VIGINUM_Matriochka_EN_VF.pdf" target="_blank">Operation Over Load/Matryoshka</a> wurden etwa Faktenprüfer und Medien mit gefälschten Inhalten überflutet, um ihre Arbeit zu stören. Sie ist in Europa und Lateinamerika aktiv, darunter in Bolivien und Deutschland.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="10"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/!vn5941022/"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5910470/1020/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5910470/665/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5910470/242/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></source> <img height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5910470/14/Panter-Stiftung-Statamic.webp" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>Jetzt unterstützen!</p> <div> <p>Unterstützen Sie die taz panterstiftung und ihre internationalen Projekte mit einer Spende. <a href="https://taz.de/taz-panterstiftung/spenden/!v=95da8ffb-144e-4a3b-9701-e9efc5512444/" target="_blank">Mehr erfahren</a></p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="11">Auch die Operation Portal Kombat/Red Pravda ist eine groß angelegte russische Desinformationskampagne. Eines ihrer Hauptziele ist es, Falschmeldungen und prorussische Propaganda in Europa in verschiedenen Sprachen zu verbreiten, insbesondere auf Französisch, Deutsch, Spanisch und Englisch. Es gelang ihr sogar, KI-Chatbots zu beeinflussen, die zur Generierung von Antworten genutzt wurden.</p> <p pos="12">Währenddessen verbreitete das argentinische Portal „La Derecha Diario“, ein rechtsextremes Propagandamedium, in diesem Jahr <a href="https://uploads.agencialupa.org/2026/08/ESPANHOL-Falsa-onda-de-imigracao-marroquina.pdf" target="_blank">falsche Informationen über eine Einwanderungswelle aus Marokko</a>, die angeblich Brasilien erreicht habe. Die Beiträge stammten hauptsächlich von Konten in Argentinien, Brasilien und den Vereinigten Staaten.</p> <h2 id="fehlende-rechtsgrundlage-gegen-fimi" pos="13">Fehlende Rechtsgrundlage gegen Fimi</h2> <p pos="14">Angesichts der vielen ausländischen Einflussnahmen im Internet ist eine Debatte darüber dringend erforderlich, wie wir uns besser vor ihnen schützen können. Ein Problem dabei ist, dass es bisher keine internationalen Vereinbarungen gibt, die Fimi als illegal einstufen.</p> <p pos="15">Zwar zielt das <a href="https://maldita.es/malditatecnologia/20230824/dsa-ley-union-europea-regular-empresas-tecnologicas/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank">Gesetz über digitale Dienste</a> (Digital Services Act, DSA) der Europäischen Union darauf ab, Desinformation einzudämmen, indem es große Plattformen dazu verpflichtet, die Risiken ihrer Algorithmen und Systeme zu bewerten. Doch speziell auf Fimi wird nicht eingegangen.</p> <p pos="16">Laut Journalistin Farrugia nutzen Fimi-Operationen diese Rechtslücke aus. Es sei darum wichtig, die Souveränität einzelner Länder auch im digitalen Informationsraum besser zu schützen. Das Forschungsprojekt EUvsDisinfo schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor: politische Werbung im Internet regulieren, staatlich kontrollierte Medien identifizieren, KI-generierte Inhalte transparent machen und von digitalen Plattformen mehr Verantwortung einfordern.</p> <p pos="17">Zudem ist es sinnvoll, sich zusammenzuschließen und Allianzen zu schmieden, um Fimi auf transnationaler Ebene zu analysieren und effektive Gegenstrategien zu entwickeln. In der Zwischenzeit bleibt mir als Faktenprüfer keine andere Option, als diese komplexe Galaxie weiter zu erforschen und die Öffentlichkeit darüber aufzuklären.</p> <p pos="18"> <em><a href="https://bo.linkedin.com/in/lucas-illanes-40a8521a7" target="_blank">Lucas Llanes</a> ist ein bolivianischer Journalist und Faktenprüfer bei <a href="https://chequeabolivia.bo/" target="_blank">ChequeaBolivia</a>.</em> </p> <p pos="19"> <em>Übersetzt aus dem Spanischen von Ole Schulz</em> </p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. 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Zuhörer machen Fotos mit ihren Handys" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8325313/14/Wie-sich-autoritare-Staaten-vernetzen.webp" title="Donald Trump wendet sich mit einer Videobotschaft an das Publikum der dritten ungarischen Ausgabe der Konservativen Politischen Aktionskonferenz CPAC Ungarn. 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Viele betrachten sie deshalb unbeschwert – trotz Desinformation. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Analyst-ueber-prorussische-Desinformation/!6012968/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7044844/1020/Medien-Manipulation-Fake-News-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7044844/665/Medien-Manipulation-Fake-News-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7044844/310/Medien-Manipulation-Fake-News-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Menschen demonstrieren, sie tragen Pappkartons auf ihren Köpfen, die aussehehn wie altmodische Fernseher" height="155" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7044844/14/Medien-Manipulation-Fake-News-1.webp" title="Menschen demonstrieren, sie tragen Pappkartons auf ihren Köpfen, die aussehehn wie altmodische Fernseher" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Analyst über prorussische Desinformation </span> <span> „Sowas haben wir noch nie gesehen“ </span> </span> </p> <p> Vor den EU-Wahlen haben For­sche­r:in­nen neue Methoden von Desinformation dokumentiert. Der Analyst Saman Nazari erklärt, was man dagegen tun kann. </p> <div> <div> <p> <span>Interview von</span> <span>Christian Jakob</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. 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Eine zunehmend autoritäre Staatsführung möchte die Protestbewegung in die Illegalität treiben. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836299/1200/629578396.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836299/1020/629578396.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836299/665/629578396.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836299/835/629578396.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Demonstranten zünden bei Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten und für das Bildungswesen in Paris Feuerwerkskörper an" height="556" src="https://taz.de/picture/8836299/14/629578396.webp" title="Demonstranten zünden bei Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten und für das Bildungswesen in Paris Feuerwerkskörper an" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Mit Feuerwerk gegen Ungerechtigkeit <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Teresa Suarez/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"> So schnell, wie dies <a href="http://www.taz.de//Verhaeltnis-Macron-und-Merz/!6148261/">Präsident Emmanuel Macron</a> gewünscht hat, geben die protestierenden Jugendlichen keine Ruhe. Wieder haben am dritten aufeinanderfolgenden Samstag vermutlich mehr als <a href="http://www.taz.de//Massenproteste-in-Frankreich/!6224783/">400.000 Menschen für eine andere Bildungspolitik und für bessere Lebensbedingungen demonstriert</a>. Die Behörden hatten ihnen die Organisation der Aktionen nicht leicht gemacht. In mehreren Städten war keine Marschroute in den Stadtzentren bewilligt worden.</p> <p pos="2">In der Folge kam es fast unweigerlich zu Zwischenfällen, als die Ordnungskräfte die „illegal“ Demonstrierenden vertreiben wollten. Das war insbesondere der Fall in Marseille, Lyon, Toulouse und Rennes. In Paris verlief der Demonstrationszug ruhig mit mehr als 70.000 Menschen (laut Innenministerium), die nur außerhalb von Paris am Stadtrand, von der Porte de Bagnolet zur Porte de Charenton, marschieren durften. Erst als die Polizei noch vor dem Eintreffen der letzten Demonstrierenden mit viel Tränengas alle zum Heimgehen veranlassen wollte, gab es sehr heftige Auseinandersetzungen. Die Kreuzung an der Porte de Charenton war um 17.30 Uhr in einen dichten Nebel aus Reizgas gehüllt.</p> <p pos="3">Die Haltung der Behörden hatte schon am Freitag eine Kontroverse ausgelöst. Bis kurz vor dem Beginn eines dritten Aktionstags herrschte in Paris völlige Konfusion. Die Polizeipräfektur hatte am Freitag dem Antrag der CGT-Gewerkschaft, am 31. Oktober eine geordnete Kundgebung von der Bastille zum Platz Nation zu organisieren, nicht zugestimmt und alle Demonstrationen in der Hauptstadt verboten. Doch das Verwaltungsgericht gab der Gewerkschaft Recht und erlaubte damit die von ihr gewünschte Marschstrecke innerhalb der Stadtmauern von Paris. Im Auftrag der Regierung reichte der Polizeipräfekt einen Rekurs ein. Und die übergeordnete Instanz, der Conseil d’État, entschied im Sinne der Regierung. Den Protestierenden wurde dann sehr kurzfristig eine Route von Bagnolet nach Charenton angeboten. Auf dieser Strecke am Stadtrand war es offiziell legal zu demonstrieren.</p> <p pos="4">Innenminister Laurent Nuñez hatte erklärt, aufgrund der Informationen seiner Nachrichtendienste befürchte er schwere Zwischenfälle. Namentlich zirkulierten auf den Netzwerken Aufrufe, das Halloween-Fest als Anlass zu benutzen, um mit entsprechenden Masken und Verkleidungen gewaltsam zu randalieren und Geschäfte zu plündern. Zudem würden rund 600 „Ultralinke“ erwartet. Die Führung der CGT meinte dazu, mit solchen dramatisierenden Voraussagen wolle der Minister die Bewegung spalten und den Jugendlichen und ihren Eltern Angst machen. Nuñez’ Absicht war es bestimmt, die Protestierenden aus dem Zentrum zu verbannen und so auch in der Öffentlichkeit zu marginalisieren. 40 Metro- und RER-Schnellbahnstationen waren zudem geschlossen, um es den Leuten schwer zu machen, überhaupt an den Startpunkt zu gelangen.</p> <p pos="5">Parallel sind jedoch die Geschäftsinhaber, die Opfer von Plünderungen waren oder erneute Sachschäden bei Unruhen befürchten, aufgeschreckt. In der öffentlichen Meinung macht sich, angeheizt von einem Teil der Medien, die Angst vor dem Chaos breit. Die Staatsführung scheint nicht mehr in der Lage zu sein, normal für Ordnung zu sorgen. Die Rechtspopulisten scheuen sich nicht, diesen besorgten Bür­ge­r*in­nen zu versprechen, mit ihnen an der Macht werde sich das radikal ändern.</p> <p pos="6">Dieses Hin und Her zwischen Polizei- und Regierungsbehörden und der Justiz schuf eine große Unsicherheit. Wo und wann waren die Protestaktionen legal oder illegal? Existierte hinter der allgemeinen Konfusion, die wegen sich kurzfristig ändernder Anordnungen entstand, vielleicht sogar die Absicht, den Konflikt in eine Eskalation treiben zu lassen? Und: Darf man in Frankreich noch demonstrieren?</p> <p pos="7">Noch vor ein paar Jahren oder Monaten hätte die Frage absurd getönt. In den letzten sechs Wochen aber hat die französische Staatsführung zuerst ihr Möglichstes getan, um eine legitime Forderungsbewegung von Mit­tel­schü­le­r*in­nen und Studierenden mit einer unerhörten Politik der Einschüchterung und polizeilichen Repression zu stoppen. Da ihr dies nicht gelungen ist und da sich die Bewegung von den Schultoren auf die Straßen aller Städte und auf bereits kampferprobte Kreise wie Gelbwesten und Gewerkschaften ausgeweitet hat, versucht es die Regierung auf Anweisung von Präsident Emmanuel Macron mit Demonstrations- und nächtlichen Ausgehverboten. Der Erfolg dabei ist nicht gerade spektakulär.</p> <p pos="8">Bei den Krawallen am Rande der Demonstrationen am 17. Oktober war deutlich geworden, dass selbst die massiven Aufgebote der Ordnungskräfte angesichts von Hunderttausenden von sehr entschlossenen Protestierenden überfordert waren und dass die Einsatzdoktrin der präventiven Einkesselung der Ansammlungen nicht sehr erfolgreich war oder sich wegen des oft brutalen Vorgehens in der öffentlichen Meinung kontraproduktiv auswirkte. Und die Jugendlichen ließen sich bisher weder einschüchtern noch durch ein paar halbe Zugeständnisse der Regierung besänftigen. Sie haben für Dienstag und Donnerstag Blockaden vor den Schulen und Fakultäten angekündigt. Für Donnerstag rufen die Gewerkschaften zu einem Generalstreik auf. Die soziale Bewegung wird zusehends politisch.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Das befeuert die Gewalt. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Proteste-und-staatliche-Gewalt/!6223258/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833854/1020/42394245.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833854/665/42394245.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833854/310/42394245.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Polizisten mit Schlagstöcken unterwegs, zwei schlagen auf einen am Boden liegenden Demonstranten ein" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8833854/14/42394245.webp" title="Polizisten mit Schlagstöcken unterwegs, zwei schlagen auf einen am Boden liegenden Demonstranten ein" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Proteste und staatliche Gewalt </span> <span> Wen der Schlagstock trifft </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 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Die erste Quelle nach dem Geschehen ist fast immer die Polizei. Das ist mehr als ein Strukturproblem. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Proteste-in-Frankreich/!6226011/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833408/1020/Haft-Proteste-Frankreich.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833408/665/Haft-Proteste-Frankreich.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833408/310/Haft-Proteste-Frankreich.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Demonstrant steht auf einem ausgebrannten Auto." height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8833408/14/Haft-Proteste-Frankreich.webp" title="Ein Demonstrant steht auf einem ausgebrannten Auto." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Proteste in Frankreich </span> <span> Kollektivhaftung für Krawallschäden </span> </span> </p> <p> Nach Ausschreitungen bei den Sozialprotesten beschließt der französische Senat neue Sicherheitsgesetze. Auch Unbeteiligte sollen zur Kasse gebeten werden. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226350/ 31 Oct 2026 19:58:00 +0100 Rudolf Balmer <![CDATA[Halloween: Der blanke Horror]]> <img src="https://taz.de/picture/8830087/1200/42420229.jpeg" /><h1>Narben, Beulen und Schorf an Halloween: Überlegt euch doch mal etwas Originelleres!</h1><h2>By Kolumne Starke Gefühle von Max Balzer</h2><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <h2> <span>Halloween</span><span>: </span><span>Der blanke Horror</span> </h2> <p> Narben, Beulen und Schorf sind kein Partylook. Überlegt euch für Halloween was Originelleres. Menschen mit Hauterkrankungen werden es euch danken. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="798" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8830087/1200/42420229.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8830087/1020/42420229.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8830087/665/42420229.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8830087/1020/42420229.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Zwei Personen als Zombies mit verletzten Gesichtern geschminkt" height="679" src="https://taz.de/picture/8830087/14/42420229.webp" title="Zwei Personen als Zombies mit verletzten Gesichtern geschminkt" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Zombiewalk an Halloween: Aber Narben, Beulen und Schorf sind kein Partylook, jedenfalls nicht für alle <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Jochen Tack/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>F</span></span> <span>reitagabend, ich eile durch dm. Wir brauchen Waschmittel, Zahnpasta, Klopapier. Doch in der Kosmetikabteilung packt mich der Horror. Zwischen Schminkspiegeln und Lippenstiften sind Halloween-Artikel aufgereiht. Narben, Beulen, Schorf. „Creepy Wounds – Beulen &amp; Geschwülste“, <a href="https://www.dm.de/p/d/1516895/jofrika-creepy-wounds-beulen-und-geschwuelste" target="_blank">sechs Stück, 14,95 Euro</a>. Auf den Packungen Models, denen ins Gesicht gemalt wurde, was ich in meiner Jugend nicht abwaschen konnte. Daneben ein kleines rotbraunes Fläschchen: „Wundschorf“.</span></p> <p pos="2"><a href="http://www.taz.de//Allergische-Erkrankungen/!6216547/">Als Mensch mit Neurodermitis</a> habe ich früh gelernt, wie es ist, mit Wunden im Gesicht durch die Innenstadt zu laufen. Häufig wurde ich ungebeten beraten, manchmal beschimpft. Nach einem Vorstellungsgespräch bei einer Lokalzeitung bekam ich gesteckt, dass ich für den Job leider nicht geeignet sei. Ich sähe aus wie „drogensüchtig“. Und „ein bisschen Repräsentation“ müsse schon sein.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="2"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/wochentaz-testen"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/1020/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/665/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5905932/242/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5905932/14/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" title="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>wochentaz</p> <div> <div> <p>Dieser Text erschien zuerst in der <strong>wochentaz,</strong> unserer Wochenzeitung von links!</p> <p>In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <strong><a href="https://taz.de/wochentaz-testen" target="_blank">natürlich im Abo</a></strong>.</p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="3"><a href="http://www.taz.de//Halloween/!t5029599/">Rund um Halloween</a> kamen unsichere Blicke hinzu. In einem Stadtbus starrte mich eine Gruppe Schülerinnen an. Erst erschrocken, dann belustigt.</p> <p pos="4">„Ist das echt?“, rief eine.</p> <p pos="5">Ich nickte.</p> <p pos="6">Damals kam es mir vor, als sei ich mit meinen Erfahrungen allein. Aber das bin ich nicht. Menschen mit sichtbaren Hautveränderungen wie Narben oder Verbrennungen werden angestarrt, nicht bedient, nicht eingestellt.</p> <p pos="7">In <a href="https://www.changingfaces.org.uk/wp-content/uploads/2021/05/disfigurement-in-the-uk-report-2017.pdf#page=20" target="_blank">einer Umfrage</a> der britischen Organisation Changing Faces gaben 81 Prozent an, von Fremden angestarrt, kommentiert oder angegangen worden zu sein. In einer <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jdv.16436" target="_blank">deutschen Umfrage von 2017</a> wollte jede fünfte befragte Person nicht mit Menschen mit Schuppenflechte schwimmen gehen. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12794453/" target="_blank">Laut einer US-amerikanischen Studie</a> wurden Gesichter mit Narbe als weniger ehrlich, weniger intelligent, weniger vertrauenswürdig bewertet als ohne. Und wer in der Bewerbung eine Gesichtsauffälligkeit offenlegt, landet seltener im Vorstellungsgespräch.</p> <h2 id="erst-pickelcreme-dann-kunstblut" pos="8">Erst Pickelcreme, dann Kunstblut</h2> <p pos="9">Drogeriemärkte und Kosmetikmarken verkaufen Jugendlichen 365 Tage im Jahr das Versprechen makelloser Haut. Einer Zielgruppe, die besonders häufig von Akne und anderen sichtbaren Hauterkrankungen betroffen ist. Und drei Wochen im Jahr bekommt sie dann obendrauf Wunden als Party-Look angedreht?</p> <p pos="10">Dass es anders geht, zeigt Großbritannien. Dort hat die Beautykette Sephora mit Face Equality International dazu aufgerufen, zu Halloween auf geschminkte Narben zu verzichten. <a href="https://www.sephora.co.uk/fear-no-face" target="_blank">„Fear No Face“ heißt die Kampagne</a>, auf Deutsch „Fürchte kein Gesicht“. Ihr Ziel: die uralte Verbindung zwischen Narben und Bösewichten aufzulösen.</p> <p pos="11">Denn <a href="http://www.taz.de//Ausstellung-ueber-Untote/!5970934/">im Wundschorf-Zombie</a> steckt eine Projektion. Menschen mit sichtbaren Hautveränderungen werden als gefühllos, ansteckend, gefährlich gebrandmarkt. Tatsächlich erleben diese Menschen im Alltag die Gefühllosigkeit der Mehrheitsgesellschaft.</p> <p pos="12">Ich wünschte, wir wären gefährlich. Und ansteckend. Wir sollten die Drogeriemärkte plündern. Mit ihrem Kunstblut splattern, den Verantwortlichen in den Kopf beißen. Aber das wird wohl nichts. Leider.</p> <p pos="13">Narben im Gesicht machen nicht hart und gefährlich. Sie haben mich verletzlich, angreifbar, zart gemacht. Aber vielleicht können wir auch mit Feinfühligkeit etwas anstoßen. Face Equality International rät, beim Kostüm darauf zu achten, dass keine Behinderungen, keine sichtbaren Hautveränderungen, keine Rollstühle als Requisiten genutzt werden.</p> <p pos="14">Verkleidet euch also als Einhörner! Als Sumpfmonster! Als Aliens! Es <a href="http://www.taz.de//Verkleidungstipps-fuer-Halloween-Partys/!6038536/">gibt unendlich viele Figuren</a>, denen ihr nicht im Bus oder auf der Straße begegnet. Aus Menschen Masken zu machen – das ist der blanke Horror.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. 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Hat seine kleine Tochter die Krankheiten geerbt? Eine Spurensuche mit Selbsterkenntnis. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Skincare-Hype-unter-Kindern/!6013415/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7055949/1020/35542723-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7055949/665/35542723-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7055949/310/35542723-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="3 Mädchen liegen auf einem Bett, sie schauen in ein Labtop , tragen Gesichtsmasken , einige haben Gurkenscheiben in der Hand" height="154" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7055949/14/35542723-1.webp" title="3 Mädchen liegen auf einem Bett, sie schauen in ein Labtop , tragen Gesichtsmasken , einige haben Gurkenscheiben in der Hand" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Skincare-Hype unter Kindern </span> <span> Hauptsache, es glänzt </span> </span> </p> <p> „Sephora Kids“ stilisieren online ihre Skincare-Routinen mit teuren Produkten zum Statussymbol. Das ist nicht das einzige Problem an dem Tiktok-Trend. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Brauchtum-weltweit/!5805485/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5170981/1020/260764489-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5170981/665/260764489-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5170981/310/260764489-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Schädel steht in der Ausstellung &quot;Altar de Muertos&quot; im Kulturzentrum Casa de Mexico in Madrid." height="154" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5170981/14/260764489-1.webp" title="Ein Schädel steht in der Ausstellung &quot;Altar de Muertos&quot; im Kulturzentrum Casa de Mexico in Madrid." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Brauchtum weltweit </span> <span> Bettdecke über'n Kopf an Halloween </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Birte Müller' : null" x-bind:class="loaded ? 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Bettdecken mit Baumwollbezug wären mir als weltweites Brauchtum lieber. Oder auch der mexikanische „Tag der Toten“. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick" href="http://www.taz.de//abo/wochentaz-lesen-kann-jede-r/!v=4e55b74b-64f3-42ea-a31a-928098327e90/#matomo:pk_campaign=DA24WWP2OF-WE-10W10E-n_22-TLS-tazeigen-onsite--newsletter-HUP-ex733&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=tag-platziert&amp;pk_placement=Tag-wochentaz" title="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <img alt="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/14/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" title="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Ausgaben für 10 Euro </span> <span> Die Wochenzeitung mit taz-Blick </span> </h2> <div> <p> Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen. </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört</li> <li pos="2"><span></span>Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus</li> <li pos="3"><span></span>Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion</li> <li pos="4"><span></span>Mit Zukunftsteil zu Klima, Wissen &amp; Utopien</li> <li pos="5"><span></span>Mit Regionalteil „Stadtland“ für alles Wichtige zwischen Dorf und Metropole</li> </ul> </span> </div> <p> <strong>10 Wochen für nur</strong> <strong>10 Euro</strong> </p> <p> wochentaz ausprobieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6219037/ 31 Oct 2026 16:24:00 +0100 Max Balzer <![CDATA[Architektin der Moderne Eileen Gray: Späte Berühmtheit]]> <img src="https://taz.de/picture/8828685/1200/42427602.jpeg" /><h1>Architektin der Moderne Eileen Gray: Späte Berühmtheit</h1><h2>By Von Brigitte Werneburg</h2><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Am 31. Oktober jährt sich zum 50. Mal der Todestag der irischen Architektin Eileen Gray. Ihre Biografin zeigt sie als Figur des Aufbruchs in den 1920ern. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8828685/1200/42427602.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8828685/1020/42427602.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8828685/665/42427602.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8828685/835/42427602.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Fensterfront des Hauses E. 1027 , entworfen von Eileen Gray in Roquebrune Cap Martin (französische Alpen)" height="556" src="https://taz.de/picture/8828685/14/42427602.webp" title="Fensterfront des Hauses E. 1027 , entworfen von Eileen Gray in Roquebrune Cap Martin (französische Alpen)" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Fensterfront des Hauses E. 1027, entworfen von Eileen Gray in Roquebrune Cap Martin (französische Alpen) <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: P.+ B. Boigontier/hemis/laif </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Neben der Teppichweberei inklusive des Färbens der Wolle und, ganz wichtig, der asiatischen Lackkunst hat Eileen Gray sich auch das Fotografieren beigebracht. Sie war sich der zentralen Rolle des fotografischen Bilds für die Vermittlung der Design- und Baumoderne sehr bewusst und setzte ihre Entwürfe selbst in Szene. Zugleich achtete sie darauf, dass nur wenige Fotografien von ihr in Umlauf kamen. Meist kennt man nur das markante Profilbild, das Berenice Abbott von ihr machte. Es wäre Zeit, sich auch mit ihrem fotografischen Werk zu beschäftigen, meint ihre Biografin Charlotte Kerner.</p> <p pos="2">Eileen Gray, die nie heiratete und sich auch sexuell nie festlegte, wollte die Kontrolle über ihr Leben und ihr Werk behalten. Ausgerechnet bei ihrem Meisterwerk, die Villa E.1027 an der Côte d’Azur, in Rocquebrune-Cap-Martin, gab sie sie ab: Sie ließ Jean Badovici als Eigentümer von Haus und Grund eintragen. Der 15 Jahre jüngere rumänische Architekt hatte als Herausgeber der Avantgardezeitschrift <em>L’Architecture Vivante</em> lange ihre Arbeit gefördert und war 1925, als er sie zum Bau von E.1027 ermutigte, auch ihr Geliebter.</p> <p pos="3">Der Name setzt sich aus ihren Initialen zusammen: E für Eileen, 10 für J, 2 für B und 7 für G im Alphabet. Mit Badovicis Unterstützung stellt Gray das Haus 1929 fertig; er widmete ihm ein ganzes Heft seiner Zeitschrift<em>.</em> Danach kriselte die Beziehung. 1931 verließ Gray das Haus.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>Das Buch</p> <div> <p><strong>Charlotte Kerner:</strong> „Pionierin der Moderne. Die Architektin und Designerin Eileen Gray: Eine Biographie“. E.A. Seemann Verlag, Leipzig 2026, 272 Seiten, 26 Euro.</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Dass sie es nie wieder betrat, <a href="http://www.taz.de//Kritische-Bauhaus-Ausstellung/!5614640/">lag an Le Corbusier</a>, nicht an Badovici. Der hatte 1938 den Kollegen eingeladen, worauf dieser die nackten Wände mit seinen – teils obszönen – Malereien versah. Gray sprach von Vandalismus. Wie andere Au­to­r:in­nen sieht Charlotte Kerner darin einen Akt verletzter männlicher Autorität. Le Corbusier bewunderte E.1027, beneidete Gray um das Haus und musste es deshalb – von Badovici unterstützt – markieren. Immerhin verdankt sich der Erhalt des Bauwerks letztlich auch seinen Murals.</p> <h2 id="von-zur-ckhaltendem-charakter" pos="5">Von zurückhaltendem Charakter</h2> <p pos="6">Denn der Name Eileen Gray geriet im Zusammenhang mit dem Haus ebenso in Vergessenheit wie bei ihren berühmten, zeitweise <a href="http://www.taz.de//Gutes-Design-und-Wohnungen-fuer-alle/!5891842/">sehr begehrten Möbelentwürfen</a>. Von zurückhaltendem Charakter, wehrte sie sich kaum dagegen. Erst in den 1970er Jahren wurde ihr Werk wieder entdeckt, unter anderem von Yves Saint Laurent. Aus dessen Nachlass wurde 2009 einer ihrer frühen <em>„</em>Fauteuil aux Dragons“ für 22 Millionen Euro versteigert. Wichtiger war aber, dass Gray noch erlebte, wie ihre Entwürfe endlich in Serienproduktion gingen – stets ihr Ziel. Man rühmte ihre Funktionalität und zeitlose Ästhetik.</p> <div data-for="picture" data-pos="6"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1599" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8828685/1200/Eileen-Gray-Charlotte-Kerner.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8828685/1020/Eileen-Gray-Charlotte-Kerner.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8828685/665/Eileen-Gray-Charlotte-Kerner.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8828685/665/Eileen-Gray-Charlotte-Kerner.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Skulptur als Porträt von der Architektin Eileen Gray" height="886" src="https://taz.de/picture/8828685/14/Eileen-Gray-Charlotte-Kerner.webp" title="Skulptur als Porträt von der Architektin Eileen Gray" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> In Bronze gegossen: Porträt von Eileen Gray <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Charlotte Kerner </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="7">Doch ihre Arbeiten waren mehr. Hier liegt der besondere Reiz von Charlotte Kerners Biografie: in der Deutung dessen, was Grays Entwürfe über ihre Zeit und ihre Gestalterin verraten. <em>„</em>Bibendum“ etwa, ein Stahlrohrsessel, ist bewusst dem lustigen Michelin-Männchen nachempfunden, das ihm den Namen gibt. Dank des zierlichen Stahlrohrunterbaus scheinen die aufeinandergestapelten Lederwülste über dem Boden zu schweben. <em>„</em>Bibendum“ ist ein früher moderner Clubsessel, dem jede patriarchale Allüre von Unverrückbarkeit ausgetrieben wurde, wie Charlotte Kerner meint. Er war <em>shocking,</em> um einen Begriff der damaligen Modestardesignerin <a href="http://www.taz.de//Schau-ueber-Elsa-Schiaparelli-in-Paris/!5881974/">Elsa Schiaparelli</a> zu verwenden. Und er ist Teil der Bewegung, mit der sich eine Gestaltergeneration mithilfe von Nickel, Stahl, Glas und Segeltuch ihr Elternhaus vom Leib schaffte.</p> <p pos="8">Grays irisches Elternhaus war adelig und vermögend. Das ermöglichte ihr ein Leben in komfortabler Unabhängigkeit. Sie fuhr schnelle Autos, war Bauherrin dreier Häuser, betrieb Werkstätten für Teppiche und Lackarbeiten sowie das auf Interieur spezialisierte Laden- und Galerieprojekt Jean Désert (1922–1930). Ihre Haushälterin Louise Dany, die von 1927 bis zu Grays Tod 1976 bei ihr blieb, war ihr engste Bezugsperson. Eileen Gray brauchte wenig Öffentlichkeit, aber Menschen, auf die sie sich verlassen konnte. Als Frau hatte sie sich ein Leben eingerichtet, das ihr Freiheit ließ, und Räume geschaffen, die Freiheit ermöglichten. Das ist die eigentliche Modernität ihrer Arbeiten: Sie erzählen von einem selbstbestimmten Leben.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Der Film zeigt, wie sich Kapitalismus und künstlerische Ambitionen gegenüberstehen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Schau-ueber-Elsa-Schiaparelli-in-Paris/!5881974/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5827449/1020/elsa33-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5827449/665/elsa33-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5827449/310/elsa33-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="In einer Vitrine ist ein Kleid, dessen weiter Rock mit einem Hummer dekoriert ist, dahinter eine schwarzweiße Fotografie einer Gruppe von Menschen" height="154" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5827449/14/elsa33-1.webp" title="In einer Vitrine ist ein Kleid, dessen weiter Rock mit einem Hummer dekoriert ist, dahinter eine schwarzweiße Fotografie einer Gruppe von Menschen" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Schau über Elsa Schiaparelli in Paris </span> <span> Mode der Metamorphosen </span> </span> </p> <p> In Paris entwickelte Elsa Schiaparelli ihre Mode der prächtigen Verwandlungen. Das Musée des Arts Décoratifs stellt sie vor. </p> <div> <div> <p> <span>Von</span> <span>Brigitte Werneburg</span> <span>und</span> <span>Marina Razumovskaya</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Charlotte-Perriand-visionaere-Architektin/!5691519/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/4229675/1020/166_Charlotte-Perriand-am-Strand-bei-Dieppe-Pierre-Jeanneret-1934-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/4229675/665/166_Charlotte-Perriand-am-Strand-bei-Dieppe-Pierre-Jeanneret-1934-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/4229675/310/166_Charlotte-Perriand-am-Strand-bei-Dieppe-Pierre-Jeanneret-1934-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Die Schwarzweißaufnahme zeigt Charlotte Perriand schräg von der Seite, die Arme augebreitet. Ihre Kleidung ist funktional und sieht beinah militärisch aus." height="155" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/4229675/14/166_Charlotte-Perriand-am-Strand-bei-Dieppe-Pierre-Jeanneret-1934-1.webp" title="Die Schwarzweißaufnahme zeigt Charlotte Perriand schräg von der Seite, die Arme augebreitet. Ihre Kleidung ist funktional und sieht beinah militärisch aus." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Charlotte Perriand, visionäre Architektin </span> <span> Die freie Frau als Gestalterin </span> </span> </p> <p> Sie stickte keine Kissen, sondern schuf ein Gesamtkunstwerk. Laure Adlers Buch über die visionäre Architektin Charlotte Perriand. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6225525/ 31 Oct 2026 13:11:00 +0100 Brigitte Werneburg <![CDATA[Neuer Thriller von Dave Zeltserman: Vom Jedermann zum Auftragsmörder]]> <img src="https://taz.de/picture/8833314/1200/42429681.jpeg" /><h1>Neuer Thriller von Dave Zeltserman: Vom Jedermann zum Auftragsmörder</h1><h2>By Von Katharina Granzin</h2><section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> In Dave Zeltsermans „Alles endet hier“ beendet die Hauptfigur eine Freundschaft auf vertrackte Weise. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8833314/1200/42429681.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833314/1020/42429681.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833314/665/42429681.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833314/835/42429681.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Gesichtsloser Mann mit Kapuzenpullover, isoliert vor schwarzem Hintergrund stehend" height="556" src="https://taz.de/picture/8833314/14/42429681.webp" title="Gesichtsloser Mann mit Kapuzenpullover, isoliert vor schwarzem Hintergrund stehend" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Mit dem Lahmlegen der Website fing alles an <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: LightFieldStudios/getty images </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Dave Zeltsermans „Alles endet hier“ <em></em>ist ein reichlich schwarzer Thriller aus dem Subgenre „Wie eine einzige Grenzüberschreitung dazu führen kann, dass du zum skrupellosen Mehrfachmörder wirst“ und auf jeden Fall rasant genug geschrieben, dass mensch nicht zwischendurch verleitet wäre, die Lektüre abzubrechen, weil einfach alles zu unerfreulich wird.</p> <p pos="2">Mehr als nur ein bisschen perfide ist allerdings die Ich-Perspektive, in der Zeltserman erzählt; denn durch sie sind wir gezwungen, uns auf Gedeih und Verderb mit der Hauptfigur zu identifizieren.</p> <p pos="3">Das fällt auch zunächst gar nicht schwer. Denn wer könnte Dans Problem nicht verstehen? Der Ich-Erzähler ist Softwareentwickler und hat zusammen mit seinem (ehemals) guten Kumpel Warren eine Firma gegründet. Auch Dans Frau Rachel arbeitet für das Unternehmen und ist unverzichtbar als Marketing- und Vertriebsspezialistin.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833695/1020/wo-s43-buch.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833695/665/wo-s43-buch.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833695/242/wo-s43-buch.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das Cover von Alles endet hier" height="398" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8833695/14/wo-s43-buch.webp" title="Das Cover von Alles endet hier" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <p>Das Buch</p> <div> <p><strong>Dave Zeltserman:</strong> „Alles endet hier“. Aus dem Englischen von Michael Grimm und Angelika Müller. Pulp Master, Berlin 2026, 282 S., 16 Euro</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Doch nun hat Warren die Website der Firma lahmgelegt und es Dan und Rachel somit unmöglich gemacht, das Business weiterzubetreiben. Dans Lebenswerk droht wertlos zu werden. Welcher Art die Konflikte sind, die dieser Eskalation vorausgegangen sind, bleibt vage.</p> <h2 id="der-mordauftrag" pos="5">Der Mordauftrag</h2> <p pos="6">Aus Gesprächen, die Dan mit Bekannten führt, geht hervor, dass Warren wohl allgemein als unberechenbares Arschloch gilt. In die Enge getrieben, entschließt Dan sich zu einer extremen Maßnahme: Er gibt – ohne seine Frau davon in Kenntnis zu setzen – Warrens Ermordung in Auftrag.</p> <p pos="7">Damit gerät er in einen Teufelskreis. Denn keineswegs ist der über einen sinistren, angeblich russischen Mittelsmann (ein Klischee, das der Autor am Ende gegen ein anderes eintauscht) gedungene Mörder ein eingereister Russe, der nach der Tat sofort wieder außer Landes ist. Das erfährt Dan allerdings erst hinterher.</p> <p pos="8">Statt sich günstig eine fremde Bluttat erkauft zu haben, ist er tatsächlich selbst zum Teil eines Mördersklavennetzwerks geworden: Für einen erfolgreich erledigten Mord muss der Auftraggeber selbst einen Mord begehen, den jemand anders bestellt hat. Alles in Dan sperrt sich gegen diese Zumutung; doch sein Versuch, den teuflischen Auftrag von sich abzuwenden, geht natürlich nach hinten los …</p> <h2 id="spannungsfaden-straff-gespannt" pos="9">Spannungsfaden straff gespannt</h2> <p pos="10">Die Geschichte von einem, der sich durch eine unmoralische Tat aus einer unerträglichen Situation befreien will und dadurch vom Regen in die Traufe gerät, ist an sich alles andere als neu; aber Zeltserman sorgt mit gutem Timing dafür, dass der Spannungsfaden der Handlung straff gespannt bleibt.</p> <p pos="11">Und dann ist unterschwellig permanent dieses leise Gefühl von Irritation präsent, weil die Haltung des Ich-Erzählers zum immer unerhörter werdenden Geschehen lange unklar bleibt, sich aber bald in (vielleicht auch nicht gänzlich) unerwarteter Weise zu entwickeln beginnt.</p> <p pos="12">In gefährliche Zwangslagen geratend, beweist Dan, der zu Beginn noch so verzweifelt und mutlos schien, nicht nur große Geistesgegenwart und körperliche Durchsetzungskraft, sondern auch erstaunliche mentale Resistenz, Kaltblütigkeit und, ja, tatsächlich kriminelle Energie und Skrupellosigkeit.</p> <p pos="13">Das ist unheimlich; denn wenn all das in einem steckt, der doch zunächst ein harmloser Jedermann zu sein schien, dann ist ja wohl jedem und jeder anderen auch alles zuzutrauen? Als Einschlaflektüre eher nicht zu empfehlen.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Einige Kriminalreportagen, für die er teilweise auf fragwürdige Weise Informationen besorgte, erscheinen jetzt wieder. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Neuer-Roman-GPS/!6161760/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8383484/1020/8488225.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8383484/665/8488225.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8383484/310/8488225.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Person zoomt auf einem Tablet in Google Maps" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8383484/14/8488225.webp" title="Eine Person zoomt auf einem Tablet in Google Maps" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Neuer Roman „GPS“ </span> <span> Lost in Google Maps </span> </span> </p> <p> Im Thriller „GPS“ verschwindet auf rätselhafte Weise eine Freundin. Autorin Lucie Rico nutzt eine seltene Erzählweise und vermischt Reales und Irreales. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Jill-Johnson-Nachtschattengewaechse/!6148173/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8243484/1020/40363178.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8243484/665/40363178.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8243484/310/40363178.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Blüte der Goldenen Engelstrompete" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8243484/14/40363178.webp" title="Blüte der Goldenen Engelstrompete" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Jill Johnson „Nachtschattengewächse“ </span> <span> Grünzeug des Unheils </span> </span> </p> <p> Eustacia Rose züchtet Giftpflanzen und wird eines Tages verdächtigt, einen Giftmord begangen zu haben. Ein Krimi mit skurrilem britischen Humor. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick" href="http://www.taz.de//abo/wochentaz-lesen-kann-jede-r/!v=4e55b74b-64f3-42ea-a31a-928098327e90/#matomo:pk_campaign=DA24WWP2OF-WE-10W10E-n_22-TLS-tazeigen-onsite--newsletter-HUP-ex733&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=tag-platziert&amp;pk_placement=Tag-wochentaz" title="10 Ausgaben für 10 Euro – Die Wochenzeitung mit taz-Blick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/1020/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/665/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/480/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.png" type="image/png"></source> <img alt="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/13/13_abo-packshots/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz/14/taz_lies_selbst_packshots_wochentaz.webp" title="Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Ausgaben für 10 Euro </span> <span> Die Wochenzeitung mit taz-Blick </span> </h2> <div> <p> Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. 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Dabei brauchen gerade sie keine zusätzliche Absicherung. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8830054/1200/42420627.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8830054/1020/42420627.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8830054/665/42420627.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8830054/665/42420627.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein älteres Paar sitzt mit dem Rücken zur Kamera auf einer weißen Parkbank und blickt aufs Wasser. Im Hintergrund liegen Segelboote." height="443" src="https://taz.de/picture/8830054/14/42420627.webp" title="Ein älteres Paar sitzt mit dem Rücken zur Kamera auf einer weißen Parkbank und blickt aufs Wasser. Im Hintergrund liegen Segelboote." type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Ruhestand mit Aussicht: Beamte erhalten deutlich höhere Pensionen als gesetzlich Rentenversicherte <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Chris Emil Janssen/imago </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>R</span></span> <span>ente? Welche Rente? So jedenfalls fühlt es sich für viele Menschen an. Deswegen soll es jetzt das Altersvorsorgedepot geben, eine neue staatlich geförderte Zusatzrente. Es ist ab Januar 2027 verfügbar, soll die gesetzliche Rente ergänzen und hat ein Versprechen: mehr Aktien, ETFs, Renditechancen. In den Worten der Alterssicherungskommission klingt das so: „Eine effiziente Verzahnung zwischen Strukturen der gesetzlichen Kapitalrente … dem Altersvorsorgedepot und der Frühstart-Rente wird es Personen ermöglichen, kosteneffiziente kapitalgedeckte Altersvorsorge vom sechsten Lebensjahr bis zum Renteneintritt über einen langen Ansparzeitraum aufzubauen.“</span></p> <p pos="2">Da der Staat seine Bürger gleich behandeln sollte, liegt es nahe, dass auch Beamte Hilfe beim Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge erhalten. Doch wie weit her ist es bei den Beamten mit der Gleichbehandlung? Zunächst einmal gibt es Risiken, denen die Beamtenschaft nicht ausgesetzt ist, wie etwa die Arbeitslosigkeit. Deshalb muss der Staat Beamte anders behandeln, indem er sie von der Arbeitslosenversicherung freistellt. Hier auf eine Gleichbehandlung zu pochen, wäre sachfremd. Anders sieht es bei der Absicherung gesundheitlicher Risiken aus. Hier gibt es keine sachlichen Gründe für eine Ungleichbehandlung. Trotzdem kommt es hier zu einer <a href="http://www.taz.de//Beamte-und-Rentenkasse/!6112808/">bevorzugten Behandlung der Beamtenschaft.</a> Besonders präsent ist dies im Bewusstsein der Menschen, die gesetzlich versichert sind und einen Arzttermin suchen.</p> <div data-for="webelement_bio" data-pos="2"> <section> <div> <div> <div> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1200" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8830593/1200/Selfie-Frank-Ehrenhof-02.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8830593/1020/Selfie-Frank-Ehrenhof-02.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8830593/665/Selfie-Frank-Ehrenhof-02.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8830593/242/Selfie-Frank-Ehrenhof-02.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Frank Lehrbass" height="242" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8830593/14/Selfie-Frank-Ehrenhof-02.webp" title="Frank Lehrbass" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> <p> Bild: privat </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <p> Frank Lehrbass </p> <p>ist Professor an der FOM Hochschule Düsseldorf für die Lehrgebiete Finance &amp; Data Science.</p> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="3">Beamte sind privat versichert und werden nicht nur bei der Terminvergabe besser behandelt. Auch die finanziellen Auswirkungen bei einer Erkrankung fühlen sich für Beamte anders an als für den Rest der Bevölkerung. Während die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für Arbeiter und Angestellte auf sechs Wochen begrenzt ist, erhalten Beamte ihre Dienstbezüge bei Krankheit unbegrenzt in voller Höhe weiter. Es gibt keine Absenkung nach sechs Wochen.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/1020/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7640592/665/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7640592/242/taz-Logo-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." height="107" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7640592/14/taz-Logo-1.webp" title="Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Nun könnte man einwerfen, dass diese Ungleichbehandlungen nichts mit dem Thema Altersvorsorge zu tun haben. Jedoch lassen sie bereits die Wirkungsrichtung weiterer vorhandener Ungleichbehandlung erahnen: <a href="http://www.taz.de//Ein-Gespraech-ueber-soziale-Ungleichheit/!6212443/">Beamte erfahren eine Besserstellung,</a> und zwar in Feldern, die sich sachlich nicht begründen lassen. Beispiel Renten und Pensionen: Beamte erhalten im Alter keine gesetzliche Rente, sondern eine Pension. So kann der Höchstsatz des „Ruhegehalts“ nach 40 Jahren 71,75 Prozent betragen, während ein Durchschnittsverdiener in der gesetzlichen Rentenversicherung nach 45 Beitragsjahren grob bei knapp der Hälfte seines letzten Bruttoeinkommens landet.</p> <p pos="5">Noch deutlicher wird dieser Vergleich in Euro-Beträgen. Laut Statistischem Bundesamt erhielten Pensionärinnen und Pensionäre im vergangenen Jahr durchschnittlich 3.416 Euro brutto im Monat. Die durchschnittliche Rente hingegen beträgt laut Rentenversicherung 1.301 Euro. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen bleiben 1.154 Euro übrig. <a href="http://www.taz.de//Streit-um-abschlagsfreie-Fruehrente/!6206521/">Damit fallen die Pensionen im Schnitt 2,62-mal so hoch aus wie die Renten.</a></p> <p pos="6">Nun kann man gegen Vergleiche anhand von Durchschnittswerten einwenden, dass sie Unterschiede in der Qualifikation und anderen wesentlichen Merkmalen einer Person vernachlässigen. Bestünde der Beamtenapparat etwa nur aus hochqualifizierten Wissenschaftlern, so wäre allein schon deswegen ein höheres Besoldungs- und damit Pensionsniveau zu erwarten. Vergleicht man indes verbeamtete und nicht verbeamtete Professorinnen und Professoren, zeigt sich, dass nicht verbeamtete deutlich weniger verdienen als beispielsweise verbeamtete Professoren an einer staatlichen Fachhochschule. Von der Altersvorsorge ganz zu schweigen.</p> <p pos="7">Oder die Betriebsrenten. Blickt man auf die durchschnittlichen Betriebsrenten in Deutschland, die deutlich unterhalb 1.000 Euro liegen, so wird klar, dass der genannte Betragsunterschied bei den monatlichen Bruttobezügen im Ruhestand dadurch nicht kompensiert wird. So geht es auch bei anderen Alterseinkünften wie etwa Mieteinnahmen weiter: Die Sicherheit des Arbeitsplatzes erlaubt Beamten, für eine Immobilienfinanzierung höhere Kredite aufzunehmen als Arbeiter oder Angestellte.</p> <p pos="8">Es lässt sich also zusammenfassen: Eine Versorgungslücke gibt es bei Beamten nicht. Ebenso wenig ist angesichts der Pensionen Altersarmut zu befürchten, wie sie viele andere, die auf die gesetzliche Rente angewiesen sind, trifft. Selbst die Mindestpension für Beamtinnen und Beamte liegt bei knapp über 2.000 Euro brutto im Monat – also auch deutlich höher als die durchschnittliche Rente. Dies impliziert, dass man als normaler Bürger erst bei einer überdurchschnittlichen Rente in die Nähe der Minimalversorgung eines Beamten kommt.</p> <h2 id="beamte-erleiden-definitiv-keine-unterversorgung" pos="9">Beamte erleiden definitiv keine Unterversorgung</h2> <p pos="10">Warum also sollten Beamte zusätzlich in den Genuss des Altersvorsorgedepots kommen? Sie erleiden definitiv keine Unterversorgung. Die Alterssicherungskommission hat das erkannt und schlägt das Gegenteil weiterer Beamtenbegünstigungen vor, nämlich die Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung zu übertragen. So könnte das Eintrittsalter in den Ruhestand bei zunehmender Lebenserwartung ebenfalls erhöht werden. Dass Beamte dennoch vom Altersvorsorgedepot profitieren, kann man als Schlag ins Gesicht der Alterssicherungskommission werten.</p> <p pos="11">Eine Regierung, die sich für das ganze Land verantwortlich fühlt, sollte idealerweise Kürzungen über alle Gruppen, die den Staatshaushalt belasten, streuen und Wohltaten auf Bedürftige fokussieren. Pensionäre und gut gestellte Rentner – etwa mit üppigen Betriebsrenten – zählen nicht zu den Bedürftigen. Stattdessen wird eine bereits sehr gut versorgte Gruppe geschont und mit dem Altersvorsorgedepot zusätzlich gepäppelt. Die Bevölkerung ist sich der Sondersituationen der Beamten bereits bewusst – und schreibt fleißig Briefe an die entsprechenden Ministerien. Diese werden nicht weniger werden, im Gegenteil. Diese Ungleichbehandlung dürfte sich auch in den Ergebnissen bei kommenden Wahlen niederschlagen.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Doch die ehemalige Regierungsdirektorin will das Geld spenden. </p> <div> <div> <p> <span>Interview von</span> <span>Finja Schmidt</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Vorschlaege-der-Rentenkommission/!6190603/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8566143/1020/1zu1-Mescher-Dribbusch-Lehmann-Reinecke.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8566143/665/1zu1-Mescher-Dribbusch-Lehmann-Reinecke.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8566143/310/1zu1-Mescher-Dribbusch-Lehmann-Reinecke.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Martina Mescher, Stefan Reinecke, Anna Lehmann und Barbara Dribbusch" height="310" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8566143/14/1zu1-Mescher-Dribbusch-Lehmann-Reinecke.webp" title="Martina Mescher, Stefan Reinecke, Anna Lehmann und Barbara Dribbusch" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Vorschläge der Rentenkommission </span> <span> Rentenreform – gerecht und armutsfest? </span> </span> </p> <div> <span :class="isMobile ? ' small ' : 'medium' "> </span> <div> <p> <span>Podcast </span> <span> „Bundestalk“ </span> <span> von </span> <span>Martina Mescher</span><span>, </span> <span>Anna Lehmann</span><span>, </span> <span>Barbara Dribbusch</span> <span>und</span> <span>Stefan Reinecke</span> </p> </div> </div> <p> Die Rentenkommission hat 33 Vorschläge vorgelegt, die Bundesregierung will diese komplett übernehmen. Was bedeutet das genau? </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Beamte-und-Rentenkasse/!6112808/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/7957665/1020/39361104.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/7957665/665/39361104.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/7957665/310/39361104.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Mann im Anzug (Lars Klingbeil) spricht zu Vertretern der Presse" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/7957665/14/39361104.webp" title="Ein Mann im Anzug (Lars Klingbeil) spricht zu Vertretern der Presse" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Beamte und Rentenkasse </span> <span> Lasst die Beamten einzahlen </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Simone Schmollack' : null" x-bind:class="loaded ? 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Besser wäre es, Staatsbedienstete stärker zur Kasse zu bitten. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6225698/ 30 Oct 2026 19:29:00 +0100 Frank Lehrbass <![CDATA[Quinn Slobodian über Trump und Big Tech: „Wir müssen herausfinden, was wir stattdessen wollen“]]> <img src="https://taz.de/picture/8835258/1200/42435780.jpeg" /><h1>Quinn Slobodian über Trump und Big Tech: „Wir müssen herausfinden, was wir stattdessen wollen“</h1><h2>By Interview von Sebastian Moll</h2><p> Die US-Tech-Giganten sind mit dem MAGA-Staat verschmolzen. Doch diese Entwicklung könnte sich bald wieder umkehren, sagt der Wissenschaftler Quinn Slobodian. </p><div> <div> <p pos="1"> <strong>taz: Herr Slobodian, Elon Musk hat den republikanischen Wahlkampf für die Midterms <a href="http://www.taz.de//Zwischenwahlen-in-den-USA/!6223709/">mit mehr als 400 Millionen Dollar unterstützt</a>. Was verspricht er sich davon?</strong> </p> <p pos="2"><strong>Quinn Slobodian:</strong> Ungünstige Gesetze und Vorschriften können das Geschäftsmodell von SpaceX erheblich beeinträchtigen. Das gilt beispielsweise für Genehmigungen von Raketenstarts, für die Erlaubnis, weitere Satelliten in niedrigeren Erdumlaufbahnen zu platzieren, für die Vergabe von Frequenzlizenzen oder für Musks Mobilfunkpläne. Darüber hinaus vertritt er immer wieder die Überzeugung, die Demokratische Partei sei von woken Sozialisten übernommen worden, die den Fortschritt der Zivilisation aufhalten würden – so, wie Musk diesen Fortschritt versteht.</p> <div data-for="webelement_bio" data-pos="2"> <section> <div> <div> <div> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1200" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8835538/1200/42435496.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835538/1020/42435496.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835538/665/42435496.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835538/242/42435496.webp" type="image/webp"></source> <img height="242" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8835538/14/42435496.webp" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> <p> Bild: Foto: Boston University </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <p> Im Interview: Quinn Slobodian </p> <p>ist Professor für Geschichte an der Boston University. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören „Crack Up Capitalism“, eine Analyse des postneoliberalen Globalismus, und „Muskism“, ein Annäherungsversuch an die globale Wirtschaftsordnung im Zeitalter der Technologie-Giganten.</p> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="3"> <strong>taz: Welche dieser beiden Erklärungen trifft seine tatsächlichen Motive besser?</strong> </p> <p pos="4"><strong>Slobodian:</strong> Man kann das nicht voneinander trennen. Musk ist kein Intellektueller, sondern ein Kapitalist. Seine geschäftlichen Interessen sind zugleich seine geistigen. Ich glaube nicht, dass Musk lügt, wenn er seine Sorgen über das sogenannte „Woke-Mind-Virus“ äußert. Aber das liegt daran, dass er in dieser Art von Politik seine wirtschaftlichen Interessen gefährdet sieht.</p> <p pos="5"> <strong>taz: Wäre denn das Gesamtsystem des Muskismus, das Sie auch als „Symbiotischen Staat“ bezeichnen, gefährdet, wenn die Demokraten bei den Zwischenwahlen den Senat oder das Repräsentantenhaus zurückerobern?</strong> </p> <p pos="6"><strong>Slobodian:</strong> SpaceX und Tesla gehören zu den zehn größten Unternehmen am US-Aktienmarkt. Die Gesundheit dieses Marktes hängt davon ab, dass Investoren Unternehmen wie die von Musk als vertrauenswürdige Anlageziele betrachten. Wenn die Demokraten gegen Musk vorgehen wollen – und es sieht so aus, als wollten sie das –, müssten sie deshalb sehr gezielt vorgehen und anderen Unternehmen glaubhaft versichern, dass sie nicht als Nächstes an der Reihe sind.</p> <p pos="7"> <strong>taz: Aber dann wäre das System, das Sie als Muskismus bezeichnen, doch nicht verändert?</strong> </p> <p pos="8"><strong>Slobodian:</strong> Das stimmt. Ich verwende den Begriff Muskismus so, wie andere den Begriff Fordismus verwendet haben. Es geht um ein System der Gewinnerzielung und um die gesellschaftlichen Strukturen, die Zustimmung zu diesem System herstellen. Die Konzentration wirtschaftlicher Macht ist nicht auf Musk beschränkt. Viele der grundlegenden Dynamiken, die die Tech-Branche 2024 in die Arme von MAGA getrieben haben, bestehen weiterhin. Und ich habe bislang keine überzeugende Erklärung von demokratischen Politikern gehört, wie sie erreichen wollen, was ihnen schon damals nicht gelungen ist.</p> <p pos="9"> <strong>taz: Sie glauben also, dass das der symbiotische Staat – diese enge Verbindung zwischen Staat und Tech-Unternehmen – auf absehbare Zeit bestehen bleiben wird?</strong> </p> <p pos="10"><strong>Slobodian:</strong> So weit würde ich nicht gehen. Der Begriff beschreibt den gegenwärtigen Zustand. Unter der Trump-Regierung wird diese Verbindung vertieft und beschleunigt. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, die US-Wirtschaft relativ schnell wieder breiter aufzustellen. Die Technologiebranche ist schließlich nicht die einzige Stärke der USA. Eine vernünftige demokratische Regierung würde versuchen, Investitionen wieder stärker in andere Bereiche zu lenken: in erneuerbare Energien, aber auch in traditionelle amerikanische Stärken wie Forschung und Entwicklung.</p> <p pos="11"> <strong>taz: Sie haben den wachsenden Unmut in der Bevölkerung erwähnt. Glauben Sie, dass die Bevölkerung inzwischen verstanden hat, wie dieses System der symbiotischen Verbindung von Staat und Technologieunternehmen funktioniert und welche Macht die großen Tech-Konzerne besitzen?</strong> </p> <p pos="12"><strong>Slobodian:</strong> Ich denke schon. Als die Branche sich Ende 2022 mit der Einführung von ChatGPT auf das neue Wachstumsversprechen der generativen KI konzentrierte, änderte sich praktisch alles. Die Unternehmen konnten sich nicht mehr einfach auf Distanz zur Bundesregierung halten, so wie sie sich das in der Ära von Web 2.0 – der Ära der Plattformen – vorgestellt hatten.</p> <p pos="13"> <strong>taz: Wegen des enormen Bedarfes an <a href="http://www.taz.de//Protest-gegen-Rechenzentren-in-den-USA/!6220808/">Datenzentren</a>.</strong> </p> <p pos="14"><strong>Slobodian:</strong> Genau. Für die neue Entwicklung brauchen sie große Flächen, enorme Wassermengen, günstige Energie und die Beseitigung regulatorischer Hindernisse. In manchen Schätzungen ist von Investitionen in Höhe von bis zu 10 Billionen Dollar innerhalb des nächsten Jahrzehnts die Rede. So ein historisch beispielloses Vorhaben lässt sich nicht umsetzen, ohne dass die Bevölkerung darauf aufmerksam wird. Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern fragen sich: Was zum Teufel passiert hier eigentlich? Und was soll für mich dabei herausspringen? Die Unternehmen haben keine überzeugende Antwort darauf.</p> <p pos="15"> <strong>taz: Die Ausbreitung der Rechenzentren hat die Macht dieser symbiotischen Verbindung von Staat und Wirtschaft für die Menschen konkret erfahrbar gemacht, deshalb richtet sich ihr Ärger gegen das gesamte System?</strong> </p> <p pos="16"><strong>Slobodian:</strong> Bislang richtet sich der Ärger der Menschen vor allem gegen die gewählten Politiker, weil sie den Ausbau zulassen.</p> <p pos="17"> <strong>taz: Sie sprechen in Ihrem Buch von den drei Rs, die dazu beitragen könnten, das System zu verändern – Regulation, Replacement (Ersetzung) und Reimagination. Das Wichtigste davon sei die „Reimagination“, also die Fähigkeit, sich etwas grundlegend Neues vorzustellen. Wie könnte man das gegenwärtige System neu denken?</strong> </p> <p pos="18"><strong>Slobodian:</strong> Nehmen wir künstliche Intelligenz. Es werden gewaltige Summen in der Hoffnung ausgegeben, <a href="http://www.taz.de//Jobverlust-durch-KI/!6201858/">Arbeitskräfte einzusparen</a>, was für diejenigen, die über die entsprechenden Werkzeuge verfügen, äußerst profitabel ist. Aber man kann sich – und solche Anwendungen existieren bereits – wesentlich bescheidenere Formen derselben Technologie vorstellen, die für gesellschaftlich produktive Zwecke eingesetzt werden.</p> <p pos="19"> <strong>taz: Zum Beispiel?</strong> </p> <p pos="20"><strong>Slobodian:</strong> Ein Beispiel ist die Forschung, die mit dem <a href="http://www.taz.de//Nobelpreises-fuer-Chemie-2026/!6219629/">Nobelpreis für Chemie</a> ausgezeichnet wurde. Da wurde ein Modell entwickelt, das die unterschiedlichen Formen vorhersagen kann, die Proteine annehmen können. Das könnte wissenschaftliche Durchbrüche und die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden für Krankheiten ermöglichen.</p> <p pos="21"> <strong>taz: Es ginge also darum, die Technologie für gemeinnützige Dinge und echten Fortschritt einzusetzen.</strong> </p> <p pos="22"><strong>Slobodian:</strong> Ich halte es für gefährlich, wenn sich um technologische Neuerungen ein grundsätzliches Stigma als Arbeitsplatzkiller entwickelt. Disruptive Technologien erfordern eine neue gesellschaftliche Verständigung darüber, wie ihre Folgen verteilt und ausgeglichen werden. Es braucht neue Kompromisse, die auch die betroffenen Bevölkerungsgruppen berücksichtigen. Man muss den Menschen das Gefühl geben, dass sie an diesem Prozess beteiligt sind und ihn mitgestalten können.</p> <p pos="23"> <strong>taz: Das größte Problem am Muskismus ist also, dass die großen gesellschaftlichen Umwandlungen undemokratisch vorangetrieben werden?</strong> </p> <p pos="24"><strong>Slobodian:</strong> Ja, das ist der Kern des Problems. Die Menschen müssen selbst entscheiden können, was in ihrem Leben wichtig ist und was nicht.</p> <p pos="25"> <strong>taz: In gewisser Weise geht es also darum, in diesem neuen technologischen Umfeld ein weniger zynisches, stärker am Menschen orientiertes Leben zu ermöglichen?</strong> </p> <p pos="26"><strong>Slobodian:</strong> Die Entwicklung zwingt uns dazu, grundlegende Kategorien unseres gesellschaftlichen Lebens neu zu hinterfragen. Oberflächlich betrachtet ist zum Beispiel die Vorstellung, dass wir Arbeit verteidigen sollten, ein wenig merkwürdig. Warum sollten wir uns eigentlich nicht darüber freuen, von Arbeit befreit zu werden? Aber das wäre für eine linke Zukunftsvision natürlich zu kurz gedacht. Es geht auch um die Würde der Arbeit. Insofern könnte eine neue Vorstellung von Gesellschaft tatsächlich darin bestehen, die Bedeutung von Arbeit neu zu denken. Für solche Überlegungen sollten wir offen sein.</p> <p pos="27"> <strong>taz: Bislang gibt es solche Debatten aber kaum. Es gibt nur ein Anti-Gefühl gegen die Symbiose des Staates und der Technologiebranche.</strong> </p> <p pos="28"><strong>Slobodian:</strong> Diese Verweigerung ist eine Chance. Sie ist nicht das Ende eines politischen Prozesses, sondern dessen Anfang. Bewegungen können entstehen, weil Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen einen gemeinsamen Gegner erkennen und sich zunächst schlicht weigern, dessen Vorstellungen zu akzeptieren. Die eigentliche Arbeit beginnt aber danach. Die Rechenzentren haben gezeigt, was viele Menschen ablehnen. Nun müssen wir herausfinden, was wir stattdessen wollen.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! <a href="http://www.taz.de//taz-zahl-ich/all-you-can-read/!v=1de02231-6e4e-4740-968a-5a7cbe5495a1/#matomo:pk_campaign=tzi-Bottom&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=tzi-Content-Teaser-Bottom-Pressefreiheit&amp;pk_kwd=tzi-standardkampagne&amp;pk_placement=im-Artikel" onmousedown="sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginId', 6226232 ); sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginTitle', '„Wir müssen herausfinden, was wir stattdessen wollen“' )" x-init="$el.setAttribute('href', $el.getAttribute('href') + '&amp;via=Bottom')"> Jetzt unterstützen </a> </p> </div> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226232/ 30 Oct 2026 19:28:00 +0100 Sebastian Moll <![CDATA[Unser Fenster nach Georgien: Zwischen Moskau-Kurs und Repression]]> <img src="https://taz.de/picture/8836013/1200/FreieRede.png" /><h1>Unser Fenster nach Georgien: Zwischen Moskau-Kurs und Repression</h1><h2>By Podcast „Freie Rede“ von Tigran Petrosyan</h2><div :class="isMobile ? 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Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. <a href="http://www.taz.de//!vn5957314/" target="_blank"> Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung </a> </p> </div> </div> </div> </section> <p> Illustration: Manuel Fazzini </p></div> </div> </div> <p> Oppositionelle im Knast, Demos in Berlin: Im Podcast sprechen drei Aktivisten über Georgiens Demokratie-Kampf und mutmaßliche Regimerepression. </p> <div> <div> <p pos="1">Seit rund zwei Jahren <a href="http://www.taz.de//Proeuropaeische-Proteste-in-Georgien/!6052833/">gehen in Georgien Menschen für Demokratie, Freiheit und eine europäische Zukunft auf die Straße</a>. Doch die Repressionen halten an: Oppositionelle und Aktivisten sitzen im Gefängnis, weitere Menschen werden festgenommen. Zugleich nähert sich die georgische Regierung zunehmend Moskau an. Was bedeutet diese Entwicklung für die Menschen in Georgien und in Ausland? Und welche Hoffnung bleibt auf einen politischen Wandel?</p> <p pos="2">Darüber spricht Podcast-Host Tigran Petrosyan mit Gaga Gogoladze, Giorgi Kakabadze und Tedo Rakviashvili. Die drei engagieren sich beim GZA, dem Georgischen Zentrum im Ausland in Berlin.</p> <p pos="3">Die Aktivisten organisieren Proteste, versuchen die georgische Diaspora zu mobilisieren und suchen den Austausch mit deutschen Politikern. Gleichzeitig wächst ihre Sorge, dass Georgien zunehmend aus der internationalen Berichterstattung verschwindet.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <p>taz panterstiftung</p> <div> <p>Durch Spenden an die <a href="https://taz.de/Panter-Stiftung/Spenden/!v=95da8ffb-144e-4a3b-9701-e9efc5512444/" target="_blank">taz panterstiftung</a> werden unabhängige und kritische Jour­na­lis­t:in­nen finanziell unterstützt. Die taz panterstiftung fördert Nachwuchs, den internationalen Austausch und Zivilcourage.</p> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <h2 id="kaum-chancen-auf-eine-eu-zukunft" pos="4">Kaum Chancen auf eine EU-Zukunft</h2> <p pos="5">Für Gaga Gogoladze ist die europäische Integration mehr als eine politische Entscheidung: „Der Weg nach Europa sei für Georgien zugleich ein Weg nach Hause“, sagt er. Doch unter der gegenwärtigen Regierung sieht er kaum Chancen, diese Perspektive zu verwirklichen.</p> <p pos="6">Besonders beschäftigt ihn eine oft übersehene Folge autoritärer Herrschaft: Familien werden auseinandergerissen. Viele Menschen müssten ihre Heimat verlassen, ohne zu wissen, wann sie ihre Angehörigen wiedersehen könnten. „Das ist einer der am wenigsten berichteten Ergebnisse sozusagen der Diktaturen, dass die die Familien auseinanderbrechen“, sagt Gogoladze.</p> <p pos="7">Auch in Berlin fühlen sich die Aktivisten nicht immer sicher. Giorgi Kakabadze berichtet von Provokationen und mutmaßlichen Einschüchterungsversuchen bei friedlichen Demonstrationen in Berlin. Mehrfach seien verdächtige Personen aufgetaucht. Ein Mann habe angedeutet, dass ihr Engagement künftig gefährlich werden könnte. Kakabadze vermutet einen möglichen Zusammenhang mit georgischen Sicherheitsdiensten.</p> <p pos="8">Wie viel können Proteste aus dem Ausland tatsächlich bewirken? Und wie lässt sich verhindern, dass Georgiens Kampf um Demokratie in Vergessenheit gerät? Darum geht es in dieser Podcastfolge.</p> <p pos="9"> <em><a href="https://taz.de/stiftung/osteuropa">Osteuropa gehört zu den Schwerpunkten der taz panterstiftung</a>, die dorthin blickt, wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird – Russland und Belarus gehören dazu. Am letzten Tag im Monat erscheint eine neue Podcastfolge von „Unser Fenster nach u. a. Russland/Belarus“ im Podcastformat „Freie Rede“ der <a href="https://taz.de/panter-stiftung/vom-wort-zur-tat/!v=e4eb8635-98d1-4a5d-b035-a82efb835967/">taz panterstiftung</a>.</em> </p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! <a href="http://www.taz.de//taz-zahl-ich/all-you-can-read/!v=1de02231-6e4e-4740-968a-5a7cbe5495a1/#matomo:pk_campaign=tzi-Bottom&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=tzi-Content-Teaser-Bottom-Pressefreiheit&amp;pk_kwd=tzi-standardkampagne&amp;pk_placement=im-Artikel" onmousedown="sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginId', 6226331 ); sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginTitle', 'Zwischen Moskau-Kurs und Repression' )" x-init="$el.setAttribute('href', $el.getAttribute('href') + '&amp;via=Bottom')"> Jetzt unterstützen </a> </p> </div> </aside> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Unser-Fenster-nach-Russland/!6217568/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8771457/1020/FreieRede.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8771457/665/FreieRede.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8771457/310/FreieRede.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Kopf mit Mikro, Kopfhörer und einem Mund, der wegfliegt" height="310" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8771457/14/FreieRede.webp" title="Kopf mit Mikro, Kopfhörer und einem Mund, der wegfliegt" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Unser Fenster nach Russland </span> <span> Was kommt nach den Wahlen in Russland? </span> </span> </p> <div> <span :class="isMobile ? ' small ' : 'medium' "> </span> <div> <p> <span>Podcast </span> <span> „Freie Rede“ </span> <span> von </span> <span>Tigran Petrosyan</span> </p> </div> </div> <p> Radio-Echo-Chefredakteur Maxim Kurnikov über die politische Lage nach der Wahl, eine mögliche weitere Ausreisewelle und die Arbeit russischer Exilmedien in Berlin. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Unser-Fenster-nach-Russland/!6208726/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8705440/1020/FreieRede.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8705440/665/FreieRede.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8705440/310/FreieRede.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Kopf mit Kopfhörer vorm Mirko, Mund fliegt weg" height="310" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8705440/14/FreieRede.webp" title="Kopf mit Kopfhörer vorm Mirko, Mund fliegt weg" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Unser Fenster nach Russland </span> <span> Russland wählt im Krieg </span> </span> </p> <div> <span :class="isMobile ? ' small ' : 'medium' "> </span> <div> <p> <span>Podcast </span> <span> „Freie Rede“ </span> <span> von </span> <span>Tigran Petrosyan</span> </p> </div> </div> <p> Wahlen als Loyalitätstest für Putin, wachsende Repression und eine mögliche neue Mobilisierung: Exiljournalist Arnold Khachaturov ordnet ein. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Unser-Fenster-nach-Belarus/!6200603/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8644529/1020/2-1-1--1-2-1-1-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8644529/665/2-1-1--1-2-1-1-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8644529/310/2-1-1--1-2-1-1-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Kopf mit Mikro Kopfhörer und einem Mund, der wegfliegt" height="310" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8644529/14/2-1-1--1-2-1-1-1.webp" title="Kopf mit Mikro Kopfhörer und einem Mund, der wegfliegt" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Unser Fenster nach Belarus </span> <span> Pässe, Exil und Widerstand </span> </span> </p> <div> <span :class="isMobile ? ' small ' : 'medium' "> </span> <div> <p> <span>Podcast </span> <span> „Freie Rede“ </span> <span> von </span> <span>Tigran Petrosyan</span> </p> </div> </div> <p> Exil endet nicht an der Grenze: Belarussische Stimmen diskutieren über Passentzug, Repression und die Kraft unabhängiger Medien. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. 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Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></main> <aside :class="idAfterDeviceDetect === '' ? 'is-hidden' : ''" data-debug-desktop-id="taz.de/taz.de_artikel_10" data-debug-mobile-id="taz.de/taz.de_artikel_10-mobile" x-data="{&#xA;adzoneDesktopId: 'taz.de/taz.de_artikel_10',&#xA;adzoneMobileId: 'taz.de/taz.de_artikel_10-mobile',&#xA;get idAfterDeviceDetect() {&#xA;if (marOtaz_de.isMobile() ){&#xA;// todo: AD-UMSTELLUNG: muss bleiben&#xA;return this.adzoneMobileId;&#xA;}&#xA;if (!marOtaz_de.isBigDesktopScreen() ){ // &lt; 1600px&#xA;if ( this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-rechts' || this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-links') {&#xA;return ''; // do not show this ad on tablets and small desktop screens / laptops&#xA;}&#xA;}&#xA;return this.adzoneDesktopId; // is no mobile device&#xA;}&#xA;}"> <span :id="'ad_bin_' + idAfterDeviceDetect" x-init="&#xA;&#xA;$nextTick(() => {if (idAfterDeviceDetect !== '') filOtaz_de.ads.gpt.activateAdFrame( $el, idAfterDeviceDetect ) }) &#xA;"> </span> </aside> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226331/ 31 Oct 2026 14:35:00 +0100 Tigran Petrosyan <![CDATA[BSW-Einspruch gegen Bundestagswahl: Wagenknecht hofft auf ihr Weihnachtswunder]]> <img src="https://taz.de/picture/8835426/1200/42103921.jpeg" /><h1>BSW-Einspruch gegen Bundestagswahl: Wagenknecht hofft auf ihr Weihnachtswunder</h1><h2>By Von Rainer Rutz</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <p> Das Bundesverfassungsgericht wird bis Jahresende über den Einspruch des BSW gegen das Bundestagswahlergebnis entscheiden. Das wird aber auch Zeit, schimpft Wagenknecht. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8835426/1200/42103921.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8835426/1020/42103921.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8835426/665/42103921.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8835426/835/42103921.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Sahra Wagenknecht hält eine Rede" height="556" src="https://taz.de/picture/8835426/14/42103921.webp" title="Sahra Wagenknecht hält eine Rede" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Stimmen verzweifelt gesucht: BSW-Parteigründerin Sahra Wagenknecht <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Christian Mang/reuters </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Es ist der Strohhalm, an den sich das BSW seit der vergeigten Bundestagswahl 2025 klammert: Bei einer flächendeckenden Neuauszählung der Stimmen könnte die damals denkbar knapp an der 5-Prozent-Hürde gescheiterte Wagenknecht-Partei nachträglich doch noch in den Bundestag einziehen – und endlich wieder bei den Großen mitspielen.</p> <p pos="2">Nachdem der Bundestag <a href="http://www.taz.de//Buendnis-Sahra-Wagenknecht/!6135545/">eine vom BSW geforderte Neuauszählung vor gut einem Jahr abgelehnt hatte</a>, zog die Partei im Februar mit einer knapp <a href="https://bsw-vg.de/wp-content/uploads/2026/02/Wahlpruefungsbeschwerde_final_geschwaerzt.pdf" target="_blank">180-seitige Wahlprüfungsbeschwerde</a> vors Bundesverfassungsgericht. Passiert sei seither nichts, behauptet zumindest die Partei. Immerhin gibt es nun Licht am Ende des Tunnels: „Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden“, sagt ein Sprecher des Gerichts zur taz. Zuerst hatte der <em>Stern</em> berichtet.</p> <p pos="3">Das werde jetzt auch mal höchste Zeit, findet Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Die angeblich skandalös lange Bearbeitungszeit der „Klage“ in Karlsruhe sei nicht nachvollziehbar. „Der Weg für eine Neuauszählung muss endlich freigemacht werden.“ Zumal es „unvorstellbar“ sei, „dass die Grünen oder die FDP ähnlich behandelt worden wären, wenn sie den Einzug in den Bundestag so knapp verpasst hätten wie wir“.</p> <p pos="4">Nach dem amtlichen Endergebnis 2025 fehlten der Partei am Ende nur 9.500 Stimmen für den erneuten Einzug in den Bundestag. Bis heute steht für die Spitzen des BSW fest: Bei der Auszählung der Stimmen im Februar vergangenen Jahres kann es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Das BSW habe ja schon unmittelbar nach der Wahl „auf fundierteste Weise Fehler nachgewiesen“, <a href="http://www.taz.de//Parteitag-des-Buendnis-Sahra-Wagenknecht/!6134892/">heißt es immer wieder</a>. Da muss also noch mehr zu holen sein.</p> <h2 id="der-traum-von-der-r-ckkehr-auf-die-gro-e-b-hne" pos="5">Der Traum von der Rückkehr auf die große Bühne</h2> <p pos="6">„Bei korrekter Auszählung der Bundestagswahl wären wir aller Voraussicht nach in den Bundestag eingezogen und hätten uns auch in den Ländern weiter etablieren können“, klagt der BSW-Vorstand auch aktuell wieder im Leitantrag für den anstehenden Bundesparteitag Ende November.</p> <p pos="7">Klar ist: Für das jüngst in Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft umbenannte Bündnis Sahra Wagenknecht ist das Thema letztlich zu einer Überlebenserzählung geworden. So hat es das BSW zwar im September in Sachsen-Anhalt mit fünf Abgeordneten in den Landtag geschafft. In <a href="http://www.taz.de//Buendnis-Sahra-Wagenknecht/!6213656/">Berlin und Mecklenburg-Vorpommern</a> scheiterte es hingegen an der 5-Prozent-Hürde. Und Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil.</p> <p pos="8">2027 stehen fünf Landtagswahlen an, allesamt im Westen, bei allen fünf droht die Partei – wie schon in diesem Jahr in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – abzusaufen. Um bundespolitisch noch einmal einen Fuß auf den Boden zu kriegen, bräuchte es daher wieder eine große Bühne, eine größere jedenfalls als den Landtag von Sachsen-Anhalt, den Bundestag eben.</p> <p pos="9">Wagenknecht und ihre Getreuen stellen gleichwohl wiederkehrend einen anderen Aspekt in den Vordergrund. Auf eine Neuauszählung, so die Botschaft, würde aus ihrer Sicht zwangsläufig der Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) folgen. „Ziehen wir durch eine Neuauszählung in den Bundestag ein, verliert diese Regierung ihre Mehrheit“, stellt die Parteigründerin fest. Wenigstens hiermit läge sie auch richtig.</p> <h2 id="keine-m-ndliche-verhandlung-in-sicht" pos="10">Keine mündliche Verhandlung in Sicht</h2> <p pos="11">Rechts­ex­per­t:in­nen gehen unterdessen davon aus, dass es vor der Entscheidung in Karlsruhe in den kommenden Wochen keine mündliche Verhandlung der Wahlprüfungsbeschwerde mehr geben wird. Das Bundesverfassungsgericht will das auf taz-Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. Man kommentiere Mutmaßungen über Beratungsdetails grundsätzlich nicht.</p> <p pos="12">BSW-Bundeschef Fabio De Masi wittert mit Blick auf die wahrscheinlich ausfallende Verhandlung des Falls trotzdem schon den nächsten Skandal. Der Umstand, dass das Verfassungsgericht „bislang keinen Termin zur mündlichen Verhandlung hat ansetzen lassen“, deute „leider eher darauf hin, dass man unsere fundierte Beschwerde eher geräuschlos abwickeln möchte“, schreibt er auf X.</p> <p pos="13">Tatsächlich werden die Chancen auf einen Erfolg der BSW-Beschwerde allgemein als gering eingestuft. Der Wagenknecht-Partei bliebe dann nur noch der Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nach Straßburg. Das sei aktuell aber noch nicht entschieden, so ein Sprecher des Parteivorstands zur taz.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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Die Forderung stützt sich auf statistische Vermutungen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Neuauszaehlung-der-Bundestagswahl/!6139914/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8143191/1020/39863951.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8143191/665/39863951.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8143191/310/39863951.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Sahra Wagenknecht beim 3. Bundesparteitag der Partei «Bündnis Sahra Wagenknecht»" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8143191/14/39863951.webp" title="Sahra Wagenknecht beim 3. Bundesparteitag der Partei «Bündnis Sahra Wagenknecht»" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Neuauszählung der Bundestagswahl </span> <span> Wagenknecht-Partei wittert große Verschwörung </span> </span> </p> <p> Auch das Parlament lehnt die BSW-Einsprüche gegen das Ergebnis der Bundestagswahl ab. Die Partei ist schwer empört und zieht nun nach Karlsruhe. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Buendnis-Sahra-Wagenknecht/!6135545/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8108839/1020/39848151.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8108839/665/39848151.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8108839/310/39848151.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Frau schaut skeptisch" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8108839/14/39848151.webp" title="Eine Frau schaut skeptisch" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Bündnis Sahra Wagenknecht </span> <span> Einspruch gegen Ergebnis der Bundestagswahl abgeschmettert </span> </span> </p> <p> Das BSW scheitert mit seinem Versuch, eine flächendeckende Neuauszählung der Bundestagswahl durchzusetzen. Wagenknecht will jetzt in Karlsruhe klagen. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226261/ 30 Oct 2026 17:54:00 +0100 Rainer Rutz <![CDATA[Grenze zwischen rechts und konservativ: Wieso die Brandmauer im kulturellen Raum längst weg ist]]> <img src="https://taz.de/picture/8805538/1200/557309423.jpeg" /><h1>Grenze zwischen rechts und konservativ: Wieso die Brandmauer im kulturellen Raum längst weg ist</h1><h2>By Kolumne Der rechte Rand von Andreas Speit</h2><div> <section> <article x-data="{heightOfColumn: [] }"> <h2> <span>Grenze zwischen rechts und konservativ</span><span>: </span><span>Wieso die Brandmauer im kulturellen Raum längst weg ist</span> </h2> <p> Im rechtsextremen Medienuniversum ist Verleger Dietmar Munier seit Jahrzehnten etabliert. Jetzt tritt er bei der Buchmesse „Seitenwechsel“ auf. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8805538/1200/557309423.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8805538/1020/557309423.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8805538/665/557309423.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8805538/1020/557309423.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Linke Aktivisten stehen mit Transparenten während der Buchmesse &quot;Seitenwechsel&quot; vor einer Polizeiabsperrung. Am 8. und 9.11.2025 fand dort ein Branchentreff konservativer und rechter Verlage statt." height="680" src="https://taz.de/picture/8805538/14/557309423.webp" title="Linke Aktivisten stehen mit Transparenten während der Buchmesse &quot;Seitenwechsel&quot; vor einer Polizeiabsperrung. Am 8. und 9.11.2025 fand dort ein Branchentreff konservativer und rechter Verlage statt." type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Proteste gegen das erste Branchentreffen konservativer und rechter Verlage in Halle 2025: Dieses Jahr kommt es zu einer Neuauflage <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Sebastian Willnow/dpa </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><span><span>D</span></span> <span>ietmar Munier ist in der rechtsextremen Verlagswelt seit fast 40 Jahren eine feste Größe. Über seine Verlagsgruppe <em>„</em>Lesen &amp; Schenken<em>“</em> aus dem schleswig-holsteinischen Selent vertreibt er Bücher und Broschüren, Poster, aber auch Abwehrwaffen und Äxte. Zeitungen der Verlagsgruppe von <em>Zuerst! Deutsches Nachrichtenmagazin</em> bis zur <em>Deutschen Militärzeitung</em> gibt es in Bahnhofskiosken zu kaufen. Öffentlich tritt der 72-Jährige selten auf.</span></p> <p pos="2">Am zweiten Novemberwochenende wird er jedoch Gast in Halle bei der Buchmesse „Seitenwechsel“ sein. Die maßgeblich von der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen organisierte Messe, die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet, versteht sich als Treffpunkt der vermeintlichen „Anti-Mainstream-Szene“.</p> <p pos="3">Munier soll dort über die Notwendigkeit gedruckter Nachrichtenmagazine diskutieren. Sein Gesprächspartner: <a href="https://taz.de/Wie-extrem-auch-der-neue-Chefredakteur-der-Zuerst-ist/!5912837/">Andreas Karsten, Chefredakteur des Magazins <em>Zuerst!</em></a><em>.</em> Das Panel verspricht wenig Kontroverse: Beide entstammen dem rechtsextremen Milieu: Munier begann mal eine Sonnenwendfeier mit einem Holocaustleugner; Karsten stammt aus den rechtsextremen Burschenschaften Hamburg Germania und Halle-Leobener Burschenschaft Germania.</p> <div data-for="webelement_citation" data-pos="3"> <section> <p> <span></span> </p> <p> Doch die Messe offenbart ein größeres Phänomen: Die Grenze zwischen extrem rechten Szenen und bürgerlich-konservativen Kreisen wird immer durchlässiger </p> </section> </div> <p pos="4">Doch die Messe offenbart ein größeres Phänomen: Die Grenze zwischen extrem rechten Szenen und bürgerlich-konservativen Kreisen wird immer durchlässiger. Durch die <a href="http://www.taz.de//Wahlerfolg-der-AfD-in-Sachsen-Anhalt/!6211652/">Wahlerfolge der AfD</a> beflügelt, finden hier Spektren zusammen, die einst getrennt schienen.</p> <p pos="5">Das zeigt bereits der Eröffnungsgast: <a href="http://www.taz.de//Neuer-Kolumnist-fuer-die-Bild/!6134260/">Harald Martenstein, Kolumnist für <em>Welt am Sonntag</em> und <em>Bild</em></a>. Der einst linke Autor, der dieses Jahr den „Deutschen Sprachpreis“ bekommen hat, poltert seit Jahren gegen einen vermeintlich linken Zeitgeist. <a href="http://www.taz.de//Buendnis-gegen-rechts-ruft-zum-Protest/!6086156/">Dass er 2025 bei der rechtsextremen Burschenschaft Hamburger Germania auftrat</a>, stört in diesem Milieu längst niemanden mehr.</p> <h2 id="verschiedene-rechte-str-mungen-im-programm" pos="6">Verschiedene rechte Strömungen im Programm</h2> <p pos="7">Inhaltlich ziehen sich die verschiedenen Strömungen der Rechten durch das gesamte Programm der Buchmesse. Bei einem Podium zu „40 Jahre Junge Freiheit“ diskutieren Vertreter der neurechten Publizistik – darunter Roland Tichy (Tichys Einblick), Max Mannhart (Apollo News) und Ralf Schuster (Nius).</p> <p pos="8">Neben Alt-Kadern wie dem ehemaligen sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten <a href="http://www.taz.de//Neue-Rechte-und-Medien/!5374860/">Arne Schimmer</a> treten Aktivisten der identitären Szene auf, etwa Jonas Schick und Nils Wegner. Sie kommen aus der Identitären Bewegung und vom Netzwerk um das <a href="http://www.taz.de//Institut-fuer-Staatspolitik-aufgeloest/!6007332/">aufgelöste, vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Institut für Staatspolitik</a>. Dessen Mitgründer Götz Kubitschek spricht in Halle über die Strategie der AfD. Die Au­to­r:in­nen seines Antaios-Verlags Ellen Kositza und Benedikt Kaiser treten ebenso auf.</p> <p pos="9">Auch AfD-Prominenz reist an. Neben Bundessprecher Tino Chrupalla kommt der Bundestagsabgeordnete <a href="http://www.taz.de//AfD-Bezuege-zum-Nationalsozialismus/!5790562/">Matthias Helferich, der sich einst selbst als „freundliches Gesicht des NS“</a> bezeichnete.</p> <p pos="10">Insgesamt treten Figuren mit ganz unterschiedlicher Biografie auf, darunter auch Querdenkende und ehemalige Linke wie der einstige Linken-Politiker Dieter Dehm, die frühere Grünen- und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld sowie die umstrittene Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot und der Publizist Henryk M. Broder. Sie stehen für eine Querfront-Dynamik, die sich vor allem über die Ablehnung des Etablierten definiert.</p> <p pos="11">Die theoretische Unterfütterung für die fortschreitende Entgrenzung der Spektren liefert ein Beitrag der aktuellen A<em>usgabe von Zuerst!</em>: Darin betont der <a href="http://www.taz.de//Anklage-wegen-Hitler-Gruss/!6138276/">AfD-Abgeordnete Matthias Moosdorf</a>, dass politische Macht auf der kulturell-gedanklichen Vorherrschaft im „vorpolitischen Raum“ beruhe. Die Buchmesse in Halle zeigt, was damit gemeint ist: Im kulturellen Raum ist die Brandmauer nach rechts längst eingerissen – eine Entwicklung, die sich nun schrittweise auch in den Parlamenten fortsetzt.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! <a href="http://www.taz.de//taz-zahl-ich/all-you-can-read/!v=1de02231-6e4e-4740-968a-5a7cbe5495a1/#matomo:pk_campaign=tzi-Bottom&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=tzi-Content-Teaser-Bottom-Pressefreiheit&amp;pk_kwd=tzi-standardkampagne&amp;pk_placement=im-Artikel" onmousedown="sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginId', 6222097 ); sessionStorage.setItem('tziEinmalZahlenOriginTitle', 'Wieso die Brandmauer im kulturellen Raum längst weg ist' )" x-init="$el.setAttribute('href', $el.getAttribute('href') + '&amp;via=Bottom')"> Jetzt unterstützen </a> </p> </div> </aside> <div> <div> <figure> <img alt="Andreas Speit " src="https://taz.de/kommune/files/images/profile/192x192/226.webp" title="Andreas Speit"></img> </figure> <div> <p> <a href="http://www.taz.de//Andreas-Speit/!a226/"> <span> Andreas Speit</span> </a> <span> Autor </span> </p> <p> Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018),&#xD; Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021). </p> </div> </div> </div> </article> <section> </section> <section> </section> <section> </section> <section id="articleTeaser"> <header> Mehr zum Thema </header> <article> <a href="http://www.taz.de//Rechte-Verlage-im-Literaturbetrieb/!6195811/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8614710/1020/41661128.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8614710/665/41661128.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8614710/310/41661128.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine Reihe von Polizisten in Uniform, aber ohne Helm steht vor einem Verlagsstand auf der Buchmesse. Vor ihnen eine Reihe mit DemonstrantInnen, eine junge Frau mit langen, blonden Haaren pfeifft durch die Finger, einer hebt den Arm" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8614710/14/41661128.webp" title="Eine Reihe von Polizisten in Uniform, aber ohne Helm steht vor einem Verlagsstand auf der Buchmesse. Vor ihnen eine Reihe mit DemonstrantInnen, eine junge Frau mit langen, blonden Haaren pfeifft durch die Finger, einer hebt den Arm" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Rechte Verlage im Literaturbetrieb </span> <span> „Es geht um die kulturelle Stabilisierung eines Milieus“ </span> </span> </p> <p> Rechte Verlage und Autoren haben es im Literaturbetrieb schwer – noch. Literaturwissenschaftlerin Mareike Gronich über die Anschlussfähigkeit rechter Positionen. </p> <div> <div> <p> <span>Interview von</span> <span>Clemens Böckmann</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Rechtsextreme-in-franzoesischen-Verlagen/!6194487/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8598776/1020/40906775.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8598776/665/40906775.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8598776/310/40906775.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Vincent Bolloré streckt lächelnd die Hände nach vorn" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8598776/14/40906775.webp" title="Vincent Bolloré streckt lächelnd die Hände nach vorn" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Rechtsextreme in französischen Verlagen </span> <span> Au­to­r*in­nen unter Druck </span> </span> </p> <p> Am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung wurde über rechte Einflussnahme diskutiert. Handlungsempfehlungen gab es keine. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Rechte-Buchmesse-Seitenwechsel/!6124393/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8051502/1020/39653870.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8051502/665/39653870.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8051502/310/39653870.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Zwei bunte Pappschilder in einer Menschenmenge: gelb „EURE BÜCHER KOMMEN MIR NICHT INS REGAL“ mit gezeichnetem Buch, rosa „EURE BÜCHER LEG ICH MIR NOCH NICHT MAL AUFS KLO“. Grauer Himmel, winterliche Kleidung." height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8051502/14/39653870.webp" title="Zwei bunte Pappschilder in einer Menschenmenge: gelb „EURE BÜCHER KOMMEN MIR NICHT INS REGAL“ mit gezeichnetem Buch, rosa „EURE BÜCHER LEG ICH MIR NOCH NICHT MAL AUFS KLO“. Grauer Himmel, winterliche Kleidung." type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Rechte Buchmesse „Seitenwechsel“ </span> <span> Ihre Waffen bleiben andere </span> </span> </p> <p> In Halle fand die erste rechte Buchmesse statt. Nazis und Coronaleugner, Rentnerinnen und missverstandene Freigeister ließen sich das Programm schmecken. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“ – Gegen Rechtsruck hilft Linksblick" href="http://www.taz.de//abo/10-wochen-taz-miniabo-buch-autoritaere-rebellion/!v=5b63d18f-14f0-4b51-bfe6-1b4a4c3e7f3b/#matomo:pk_campaign=BB25WTP1OF-WE-10W28EK-neg-Antifa-Abo-OnsiteNewsletter-HUP&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_placement=Tagwolke-Antifa" title="10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“ – Gegen Rechtsruck hilft Linksblick"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/an/antifa_abotazde_3zu2/1020/antifa_abotazde_3zu2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/an/antifa_abotazde_3zu2/665/antifa_abotazde_3zu2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/an/antifa_abotazde_3zu2/480/antifa_abotazde_3zu2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/an/antifa_abotazde_3zu2/1020/antifa_abotazde_3zu2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/an/antifa_abotazde_3zu2/665/antifa_abotazde_3zu2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/an/antifa_abotazde_3zu2/480/antifa_abotazde_3zu2.png" type="image/png"></source> <img alt="Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit" height="320" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/an/antifa_abotazde_3zu2/14/antifa_abotazde_3zu2.webp" title="Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> 10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“ </span> <span> Gegen Rechtsruck hilft Linksblick </span> </h2> <div> <p> Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie. </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie</li> <li pos="2"><span></span>Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App</li> <li pos="3"><span></span>Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App</li> <li pos="4"><span></span>Zusammen für nur 28 Euro</li> </ul> </span> </div> <p> <strong>10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“</strong> </p> <p> Jetzt bestellen </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section></div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6222097/ 31 Oct 2026 09:00:00 +0100 Andreas Speit <![CDATA[Vor Commonwealth-Treffen: Burnham offen für eine Entschuldigung für Sklaverei]]> <img src="https://taz.de/picture/8836138/1200/42438641.jpeg" /><h1>Vor Commonwealth-Treffen: Burnham offen für eine Entschuldigung für Sklaverei</h1><h2>By Mondschaf26</h2><div :class="isMobile ? 'isMobile' : 'isNotMobile'"> <section id="adzone_wall"> <aside> <aside :class="idAfterDeviceDetect === '' ? 'is-hidden' : ''" data-debug-desktop-id="taz.de/taz.de_ros_top-links" data-debug-mobile-id="" x-data="{&#xA;adzoneDesktopId: 'taz.de/taz.de_ros_top-links',&#xA;adzoneMobileId: '',&#xA;get idAfterDeviceDetect() {&#xA;if (marOtaz_de.isMobile() ){&#xA;// todo: AD-UMSTELLUNG: muss bleiben&#xA;return this.adzoneMobileId;&#xA;}&#xA;if (!marOtaz_de.isBigDesktopScreen() ){ // &lt; 1600px&#xA;if ( this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-rechts' || this.adzoneDesktopId === 'taz.de/taz.de_ros_top-links') {&#xA;return ''; // do not show this ad on tablets and small desktop screens / laptops&#xA;}&#xA;}&#xA;return this.adzoneDesktopId; // is no mobile device&#xA;}&#xA;}"> <span :id="'ad_bin_' + idAfterDeviceDetect" x-init="&#xA;&#xA;$nextTick(() => {if (idAfterDeviceDetect !== '') filOtaz_de.ads.gpt.activateAdFrame( $el, idAfterDeviceDetect ) }) &#xA;"> </span> </aside> </aside> <aside> <aside :class="idAfterDeviceDetect === '' ? 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Reparationszahlungen schließt er aber aus. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="799" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836138/1200/42438641.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836138/1020/42438641.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836138/665/42438641.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836138/835/42438641.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Mann mit Protestschildern" height="556" src="https://taz.de/picture/8836138/14/42438641.webp" title="Mann mit Protestschildern" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Bei einem Besuch von König Charles in Georgetown: Terrence Campbell von der oppositionellen „A Partnership for National Unity“ (APNU) <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Isabel Infantes/reuters </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1"><em>dpa</em> | Im jahrzehntelangen Streit über den Umgang Großbritanniens mit der <a href="http://www.taz.de//UN-Resolution-zu-Sklavenhandel/!6166202/">eigenen Rolle im Sklavenhandel</a> ist Premierminister Andy Burnham offen für eine offizielle Entschuldigung. Reparationen schließt der Regierungschef aber wie seine Vorgängerinnen und Vorgänger aus. „Wir waren weltweit führend bei der Abschaffung der Sklaverei – und wir können heute wieder Führungsstärke zeigen“, schrieb Burnham in der Zeitung „The Guardian“.</p> <p pos="2">Der Premierminister nimmt in der kommenden Woche am Treffen der Regierungschefs der Commonwealth-Nationen in der Karibik teil. <a href="http://www.taz.de//Buch-ueber-4000-Jahre-Schwarze-Geschichte/!6116090/">Das heikle Thema der Sklaverei während der britischen Kolonialzeit</a> war zuletzt durch die Reise von König Charles III. in die Karibik wieder aufgekommen. Mehrere karibische Staaten fordern, dass sich die Briten für ihre Rolle beim gewinnbringenden Verkauf versklavter Menschen entschuldigen und Reparationen leisten.</p> <p pos="3">„Ich möchte mein Beileid und Bedauern über den Schmerz und das Leid so vieler Millionen zum Ausdruck bringen und anerkennen, wie dies unsere Welt bis heute prägt“, schrieb Burnham. Die britische Regierung biete einen strukturierten Dialog mit allen Betroffenen an. „Das Anhören von Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung im Namen des britischen Staates wird einen wichtigen Teil dieses Prozesses ausmachen, und ich bin dafür offen.“</p> <h2 id="unver-nderte-haltung-zu-reparationen" pos="4">Unveränderte Haltung zu Reparationen</h2> <p pos="5">Er sei aber nicht der Meinung, dass „die Briten von heute für historisches Unrecht, so abscheulich es auch sein mag, haftbar gemacht werden können“, sagte Burnham. Reparationszahlungen seien nicht „die richtige Antwort“. Besonders im 18. Jahrhundert war Großbritannien eine führende Sklavenhandelsmacht. Im Rahmen des <a href="http://www.taz.de//Kulturkampf-um-Geschichte-der-Sklaverei/!6155299/">transatlantischen Menschenhandels</a> wurden Schätzungen zufolge rund drei Millionen Afrikaner von englischen Schiffen in die Karibik sowie nach Nord- und Südamerika transportiert.</p> <p pos="6">Die Regierungschefin von Barbados, Mia Amor Mottley, begrüßte die Aussagen des britischen Premiers. Barbados bekenne sich zu diesem Dialog und werde in gutem Glauben daran teilnehmen, schrieb sie in einer auf der Plattform X verbreiteten Stellungnahme. Mottley bekräftige aber auch, dass die Ansichten beim Thema Reparationen auseinandergingen. „Wir sollten auf dieser gemeinsamen Grundlage aufbauen, während wir weiterhin über unsere Unterschiede sprechen“, schrieb sie.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? 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Nun fordern Schwarze und Indigene Menschen Entschädigung. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Labour-Parteitag-in-Grossbritannien/!6217253/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8768720/1020/42198143.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8768720/665/42198143.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8768720/310/42198143.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Mann versteckt hinter einem Schild, nur sein Kopf ist zu sehen" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8768720/14/42198143.webp" title="Ein Mann versteckt hinter einem Schild, nur sein Kopf ist zu sehen" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Labour-Parteitag in Großbritannien </span> <span> Eine Prise Hoffnung </span> </span> </p> <p> Großbritanniens regierende Labour-Partei trifft sich zum ersten Parteitag unter Andy Burnham. Im Vergleich zur Ära Starmer ist die Stimmung besser. </p> <div> <div> <p> <span>Von</span> <span>Daniel Zylbersztajn-Lewandowski</span> </p> </div> </div> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//US-Buergerkrieg/!6195095/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8625413/1020/wochentaz-Zukunft-Anstoss-USA-Buergerkrieg-Befreiung.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8625413/665/wochentaz-Zukunft-Anstoss-USA-Buergerkrieg-Befreiung.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8625413/310/wochentaz-Zukunft-Anstoss-USA-Buergerkrieg-Befreiung.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Eine historische Aufnahme von POC in provisorischen Uniformen" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8625413/14/wochentaz-Zukunft-Anstoss-USA-Buergerkrieg-Befreiung.webp" title="Eine historische Aufnahme von POC in provisorischen Uniformen" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> US-Bürgerkrieg </span> <span> Wie Harriet Tubman die Sklaverei bekämpfte </span> </span> </p> <div> <div> <div> <div> <figure :title="loaded ? 'Mitsuo Iwamoto' : null" x-bind:class="loaded ? 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Daran waren auch viele Schwarze Soldat*innen beteiligt. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. 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Demonstranten belagern das Gerichtsgebäude. </p><div> <div> <p pos="1"><em>afp/dpa</em> | In Polen hat sich der Konflikt zwischen der Mitte-Links-Regierung und <a href="http://www.taz.de//Uebergriffe-auf-Ukrainer-in-Polen/!6201119/">dem rechtskonservativen Lager um Staatspräsident Karol Nawrocki</a> um das Verfassungsgericht zugespitzt. Vor dem Sitz des Gerichtshofs in Warschau versammelten sich am Abend hunderte Demonstranten, die Ministerpräsident Donald Tusk und dessen Regierung einen Angriff auf die Verfassung und Justiz des Landes vorwerfen. Die Polizei riegelte das Gebäude ab. Aufgrund der Geschehnisse brach Präsident Nawrocki seine Reise in den Senegal ab und begab sich noch in der Nacht zu Gesprächen ins Verfassungsgericht, wo die Wellen weiter hoch schlugen.</p> <p pos="2">Nach der nächtlichen Eskalation hat Nawrocki Politiker aller im Parlament vertretenen Parteien einbestellt. „Aufgrund der Bedrohung, die auf der inneren Sicherheit der Republik Polen lastet, berufe ich heute dringende Konsultationen unter Beteiligung von Vertretern der im Parlament vertretenen Kräfte ein“, erklärte Nawrocki in einer von seinem Kabinettschef Pawel Szefernaker am Samstag verlesenen Stellungnahme.</p> <p pos="3">Ausgelöst wurde die Krise durch eine Bekanntmachung auf der Webseite des Verfassungsgerichts. Dort hieß es, der Gerichtspräsident und sein Stellvertreter seien von ihren Funktionen entbunden worden – und eine neu nominierte Richterin übernehme geschäftsführend die Leitung. Doch der eigentliche Konflikt dahinter wurzelt tiefer.</p> <h2 id="worum-geht-es-bei-diesem-streit-" pos="4">Worum geht es bei diesem Streit?</h2> <p pos="5">Im Gezerre um das Verfassungsgericht stehen sich die zwei großen politischen Lager des Landes unversöhnlich gegenüber: Auf der einen Seite Tusks proeuropäische Bürgerkoalition und ihre Bündnispartner, auf der anderen Seite <a href="http://www.taz.de//Spaltung-der-PiS-Partei/!6199186/">die rechtskonservative Oppositionspartei PiS und der ihr nahestehende Präsident Nawrocki</a>.</p> <p pos="6">Die PiS, <a href="http://www.taz.de//Polens-Rechte-in-der-Krise/!6199137/">die das Land von 2015 bis 2023 regierte</a>, hat das Gericht mit ihr politisch nahestehenden Richtern besetzt. Der Europäische Gerichtshof stellte damals fest, das polnische Verfassungsgericht könne aufgrund gravierender Mängel bei der Ernennung seiner Richter und damaligen Präsidentin unter Ägide der PiS nicht als unabhängig und unparteiisch angesehen werden.</p> <p pos="7">Nach Übernahme der Regierungsgeschäfte 2023 machte es sich Tusk zum Ziel, die umstrittenen Neuerungen der PiS im Justizwesen rückgängig zu machen. Doch Nawrocki sperrte sich in den vergangenen Monaten dagegen, fünf vom Parlament nominierte Verfassungsrichter zu vereidigen. Als diese ihren Amtseid stattdessen vor dem Parlament ablegten, verweigerte ihnen der noch zu PiS-Zeiten nominierte Gerichtspräsident Bogdan Swieczkowski den Zugang zum Gebäude.</p> <h2 id="was-wollen-die-demonstranten-vor-dem-gericht-" pos="8">Was wollen die Demonstranten vor dem Gericht?</h2> <p pos="9">Vor dem Sitz des Verfassungsgerichts demonstrierten Anhänger der oppositionellen PiS und rechtsradikaler Parteien. Sie sehen die Ablösung des bisherigen Gerichtspräsidenten als unrechtmäßig an – und werfen der Regierung genau das vor, was vorher der PiS vorgeworfen wurde: Dass sie sich die Justiz zum Untertan gemacht habe. Viele Demonstranten machten aber auch einfach ihrer Abneigung gegen Polens Regierungschef Luft und folgten anti-deutschen Narrativen der PiS. So skandierten sie: „Tusk nach Berlin!“ und „Hier ist Polen!“. Hintergrund: Polens Rechte stellte Tusk gern als Marionette der Bundesregierung dar.</p> <p pos="10">Die Details im Machtkampf um das Verfassungsgericht scheinen für viele Protestierende nebensächlich. „Man muss das Vaterland verteidigen! Die wollen schließlich das Verfassungsgericht abschaffen“, sagte eine ältere Frau. Und der Rentner Jerzy (65) befürchtet: „Die Regierung wird bald alle oppositionellen Parteien verbieten.“ Freilich hatte die PiS während ihrer Regierungszeit selbst alles dafür getan, staatliche Institutionen, das Justizwesen und die Medien des Landes auf ihre Linie zu zwingen.</p> <h2 id="warum-eskaliert-die-lage-genau-jetzt-" pos="11">Warum eskaliert die Lage genau jetzt?</h2> <p pos="12">Ins Rollen kamen die jüngsten Geschehnisse durch die Ankündigung der Richterin Anna Korwin-Piotrowska, der bisherige Gerichtspräsident Swieczkowski und sein Stellvertreter seien abgelöst und sie selbst werde die Leitung kommissarisch übernehmen. Swieczkowski wollte das nicht akzeptieren und sprach von einem Staatsstreich.</p> <p pos="13">Korwin-Piotrowska gehört zu den fünf Verfassungsrichtern, die Nawrocki nicht vereidigen wollte. Offenbar haben sowohl Tusks Regierung als auch die von ihr nominierten Verfassungsrichter genug davon, dass die politische Rechte alles blockiert. Bereits im Mai hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass die neu nominierten Richter ihre Arbeit aufnehmen sollen.</p> <p pos="14">Korwin-Piotrowska erklärte nun im Sender TVP, Swieczkowski habe das Gericht handlungsunfähig gemacht, indem er die neuen Richter nicht zugelassen habe. Als Dienstälteste habe sie daher für den 3. November eine Sitzung aller Verfassungsrichter einberufen.</p> <h2 id="was-sagt-regierungschef-tusk-zur-lage-" pos="15">Was sagt Regierungschef Tusk zur Lage?</h2> <p pos="16">Tusk betonte in einer Stellungnahme auf X, es sei die Pflicht seiner Regierung, die Rechtsstaatlichkeit in Polen wiederherzustellen. „Nach Jahren der Rechtslosigkeit unter der PiS-Regierung ist dies ein schwieriger, manchmal schmerzhafter Prozess, der entschlossenes Handeln erfordert. Es gibt keinen anderen Weg.“</p> <h2 id="droht-jetzt-eine-staatskrise-" pos="17">Droht jetzt eine Staatskrise?</h2> <p pos="18">Der Dauerclinch zwischen dem früheren Amateurboxer Nawrocki und Regierungschef Tusk treibt nicht nur Polens gespaltene Gesellschaft noch weiter auseinander, sondern hat das Land auch politisch geschwächt. Polen hat in der EU und Nato eigentlich als wichtiger politischer und militärischer Verbündeter der von Russland angegriffenen Ukraine an Bedeutung gewonnen, kann dieses Potenzial auf der internationalen Bühne aber nicht voll nutzen, da es nicht mit einer Stimme spricht.</p> <p pos="19">Kritiker werfen Nawrocki und der PiS vor, die Auseinandersetzung bewusst zu eskalieren und das Land in eine Staatskrise zu treiben, da dies vor allem der Regierung schade. Denn im kommenden Jahr sind Parlamentswahlen – und die Wähler könnten das Chaos ums Verfassungsgericht und die damit verbundene Destabilisierung des Staatsgefüges vor allem Tusk zur Last legen.</p> <p pos="20">Der PiS dagegen dürfte es nützen, wenn sie härtere Bandagen aufzieht. So kann sie möglicherweise mehr Wähler vom rechtsradikalen Spektrum für sich gewinnen. Dort ist Nawrocki mit seiner rabiaten Art sehr populär. Und anders als Tusk hat er viel Zeit: Seine Amtszeit läuft noch bis 2030.</p> <h2 id="walesa-versichert-polens-regierungschef-seine-unterst-tzung" pos="21">Walesa versichert Polens Regierungschef seine Unterstützung</h2> <p pos="22">Lech Walesa, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger Präsident Polens, hat im eskalierenden Streit um das polnische Verfassungsgericht Ministerpräsident Donald Tusk seine Unterstützung versichert. „Das Vaterland ist in Not!“, schrieb Walesa auf seiner Facebook-Seite. „Ich stehe an Ihrer Seite in der ersten Reihe – ganz gleich, wie die Umstände sind.“ Er rufe auch seine Mitstreiter „aus unserem gemeinsamen Kampf dazu auf, unsere Bestrebungen zu unterstützen“, schrieb Walesa.</p> <p pos="23">Walesa hatte im August 1980 den Streik auf der Danziger Lenin Werft angeführt, der zu Eingeständnissen der kommunistischen Regierung und zur Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) als erste unabhängige Gewerkschaft im kommunistischen Machtbereich führte. Der Elektriker mit dem markanten Schnauzbart wurde damals zum Symbol des polnischen Freiheitskampfs.</p> <h2 id="zwei-botschafter-erkl-ren-r-cktritt-wegen-krise-um-verfassungsgericht" pos="24">Zwei Botschafter erklären Rücktritt wegen Krise um Verfassungsgericht</h2> <p pos="25">Angesichts der Zuspitzung im Streit um das polnische Verfassungsgericht haben zwei Botschafter des Landes ihren Rücktritt erklärt. „Angesichts des Versuchs, das Verfassungstribunal rechtswidrig zu übernehmen, sehe ich keine Möglichkeit mehr, weiterhin die Funktion als Botschafter der Republik Polen in Rumänien zu erfüllen“, schrieb Pawel Soloch, Polens Botschafter in Bukarest, auf der Plattform X.</p> <p pos="26">Wenige Stunden zuvor hatte bereits sein Amtskollege in China, Jakub Kumoch, ebenfalls auf X erklärt, er habe aufgrund der Ereignisse in Polen erkannt, dass er nicht länger als Botschafter arbeiten könne. Beide Diplomaten waren nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP früher Mitarbeiter des damaligen nationalkonservativen Präsidenten Andrzej Duda.</p> <p pos="27">Duda stand ebenso wie sein Nachfolger Karol Nawrocki der nationalkonservativen Partei PiS nahe, die Polen von 2015 bis 2023 regiert und das Gericht mit ihr politisch nahestehenden Richtern besetzt hatte. Nachdem nach der Parlamentswahl 2023 ein Mitte-Links-Bündnis von Ministerpräsident Donald Tusk die Regierung übernommen hatte, sollen die umstrittenen Neuerungen der PiS-Regierung im Justizwesen rückgängig gemacht werden.</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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Viele Länder fangen an, ihre Natur zu schützen, aber es dauert alles zu lange. </p> <div data-for="picture" data-pos="not-numeric"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="800" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8836002/1200/42348234.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8836002/1020/42348234.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8836002/665/42348234.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8836002/835/42348234.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Männer kennzeichnen gefällte Bäume" height="556" src="https://taz.de/picture/8836002/14/42348234.webp" title="Männer kennzeichnen gefällte Bäume" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Der Schutz der Wälder spielte in Jerewan eine große Rolle und wird auch auf der Weltklimakonferenz in der Türkei Thema sein <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Ueslei Marcelino/reuters </p> </figcaption> </figure> </div> <div> <div> <p pos="1">Der UN-Naturschutzgipfel ist zu einem Abschluss gekommen und muss nicht in eine zweite Runde gehen. In einer samstäglichen Nachtsitzung haben sich die Mitgliedstaaten des Übereinkommens für Biologische Vielfalt im armenischen Jerewan auf ein Abschlussdokument geeinigt. Wichtige Fragen, etwa wie die Gelder, die Staaten und Unternehmens des globalen Nordens für den Naturschutz im globalen Süden bereitstellen, verwaltet und ausgezahlt werden, oder wie die 23 Ziele, die sich die Mitgliedsstaaten gesetzt haben, konkret umgesetzt werden sollen, sind aber offen geblieben.</p> <p pos="2">Der Gipfel habe vor einem „schwierigen globalen Hintergrund“ stattgefunden, sagte Brian O'Donnell, Direktor der Umweltorganisation „Campaign for Nature“, <a href="http://www.taz.de//UN-Artenschutzkonferenz-in-Jerewan/!6223307/">doch gebe es Grund zu vorsichtigem Optimismus</a>. „Die wachsende Zahl nationaler Biodiversitätspläne zeigt, dass der Ehrgeiz auf dem Weg zum 30x30-Ziel (also vom Schutz von 30 Prozent der Fläche bis 2030) ungebrochen ist“. Doch seien die Fortschritte nach wie vor viel zu langsam. „Neue Untersuchungen zeigen, dass die internationale Finanzierung für Schutzgebiete das zweite Jahr in Folge zurückgegangen ist: von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2025“, kritisierte O'Donnell.</p> <p pos="3">„Das Tempo und der Umfang der Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um der Biodiversitätskrise zu begegnen“, sagte An Lambrechts, Expertin für Biodiversitätspolitik bei Greenpeace International. Die in Jerewan abgegebenen politischen Versprechen zeugten zwar von guten Absichten, beseitigen jedoch nicht die zentralen Hindernisse für eine erfolgreiche Umsetzung. „Dazu gehören die unzureichende Finanzierung, fiskalische Zwänge und Schuldenlasten, die nahezu leeren Kassen des ‚Cali-Fonds‘ sowie die dringende Reform schädlicher Subventionen“, so Lambrechts.</p> <p pos="4">„Die Weltnaturkonferenz in Eriwan hat eine ehrliche Bestandsaufnahme geliefert“, sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). „Wir Europäer haben geschlossen und stark für die Natur verhandelt, aber es gab auch Bremser, die weniger Verantwortung übernehmen wollten, auch in finanziellen Fragen“, so der Minister. Mit dem UN-Hochseeschutzabkommen werden sich in den nächsten Jahren große neue Chancen für mehr Naturschutz in den wertvollsten Gebieten unserer Ozeane ergeben.</p> <h2 id="keine-konkreten-ergebnisse-f-r-die-antarktis" pos="5">Keine konkreten Ergebnisse für die Antarktis</h2> <p pos="6">Auf konkrete Ergebnisse für den Schutz des Ozeans der Antarktis konnte sich die Weltgemeinschaft an anderem Ort allerdings nicht einigen. Nach zwei Wochen intensiver Verhandlungen ging am Samstag im Tasmanischen Hobart nämlich auch die Jahrestagung der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) zu Ende. Weder wurde eines der vorgeschlagenen Meeresschutzgebiete im Südpolarmeer beschlossen, noch neue Vorsorgemaßnahmen für Rettung des bedrohten Krills.</p> <p pos="7">„Während sich der Klimawandel beschleunigt und der Fischereidruck sich zunehmend auf bestimmte Gebiete konzentriert, wird das Ökosystem des Südpolarmeers nach einem weiteren Jahr der Untätigkeit immer verwundbarer“, kommentierte die Antarctic and Southern Ocean Coalition, ein Netzwerk aus Nichtregierungsorganisationen, die sich für den Schutz der Antarktis einsetzen.</p> <p pos="8">Ein handfestes und überprüfbares Ergebnis konnten die Mitgliedsstaaten der Biodiversitätskonvention in Jerewan fassen: Die nächste Naturschutzkonferenz in zwei Jahren wird im ecuadorianischen Quito stattfinden. In Armenien selbst hinterlässt der Gipfel der globalen Naturschutzbewegung ein zwiespältiges Bild. Der Politikwissenschaftler Eric Hacopian kritisierte in dem unabhängigen Onlinemedium CivilNet die armenische Regierung: Man habe die Chance nicht genutzt, um die wahren Probleme des Landes auf die internationale Agenda zu bringen.</p> <p pos="9">So sollen Teile der Südprovinz Sjunik seit 2023 von Aserbaidschan besetzt sein. Dort habe das aserbaidschanische Militär Minen in einem Naturschutzgebiet verteilt, durch die immer wieder Bären oder andere Tiere sterben. Auch politische Probleme habe die Regierung vermieden: Seit dem zweiten Berg-Karabach-Krieg hält Aserbaidschan noch immer armenische Geiseln.</p> <p pos="10"><a href="http://www.taz.de//Naturschutzgipfel-in-Jerewan/!6224656/">Aufmerksamkeit für die armenische Natur konnte der Gipfel allerdings herstellen.</a> Proteste von armenischen Umweltaktivst:innen, vor allem gegen die Goldmine von Amulsar, fanden Eingang in die Berichterstattung. Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hatte sie nur wenige Tage vor der Konferenz eröffnet. Auch die Umweltaktivistin Anna Shahnazarjan von der NGO „Armenian Environmental Front“ kritisiert die Rolle der armenischen Regierung während der COP17. Die Regierung habe sich aus der Verantwortung gezogen und über kritische Themen wie den Bergbau und die Goldmine nicht gesprochen.</p> <p pos="11">Shahnazarjan sagte, Armenien habe lediglich die Rolle eines Eventveranstalters eingenommen, sei aber nicht wirklich Teilnehmer der Konferenz gewesen. Teil­neh­me­r:in­nen etwa aus der europäischen Verhandlungsdelegation hingegen hatten das Verhandlungsgeschick der armenischen Präsidentschaft hingegen gelobt.</p> </div> </div> <aside x-data="{}"> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. 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Aber interessiert sich auch jeder dafür, wie sie erhalten werden kann? Das dürfte nach der UN-Artenschutzkonferenz nicht anders sein. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Naturschutzgipfel-in-Jerewan/!6225059/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8824645/1020/7290214.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8824645/665/7290214.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8824645/310/7290214.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Ein Händler zeigt auf die DAX-Anzeigetafel in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8824645/14/7290214.webp" title="Ein Händler zeigt auf die DAX-Anzeigetafel in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Naturschutzgipfel in Jerewan </span> <span> Im Endspurt der Verhandlungen geht’s ums Geld </span> </span> </p> <p> Beim Weltnaturschutzgipfel sind noch viele Fragen offen: Entscheidend ist, ob künftig auch die Finanzminister mit am Tisch sitzen. </p> </div> </a> </article> <article> <a href="http://www.taz.de//Naturschutzkonferenz-in-Jerwan/!6221638/"> <div> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8801010/1020/42341424.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8801010/665/42341424.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8801010/310/42341424.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Weiter Blick vom Rothaarkamm zum Schloss Wittgenstein im Herbst" height="206" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/8801010/14/42341424.webp" title="Weiter Blick vom Rothaarkamm zum Schloss Wittgenstein im Herbst" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> </div> <div> <p> <span> <span> Naturschutzkonferenz in Jerewan </span> <span> Wo Artenschutz konkret wird </span> </span> </p> <p> Bis 2030 soll die Natur von 30 Prozent der Land- und Wasserflächen geschützt sein. Siegen-Wittgenstein könnte mit einem Nationalpark dazu beitragen. </p> </div> </a> </article> </section> <section> <article> <a aria-label="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft" href="http://www.taz.de//taz-FUTURZWEI/endlich-mal-ein-magazin-fuer-zukunft/!v=74fecf50-f139-44d1-99d0-30c8f4f637ee/#matomo:pk_campaign=F2-Abo&amp;pk_source=taz.de&amp;pk_medium=taz.de-Redaktion&amp;pk_content=aus-kampagne&amp;pk_kwd=artikelplatz-marginal-redaktion&amp;pk_placement=im-Artikel" title="taz FUTURZWEI im Abo entdecken – Endlich mal ein Magazin für Zukunft"> <div> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 750px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/1020/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/665/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <source srcset="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/480/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.png" type="image/png"></source> <img alt="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" height="319" loading="lazy" src="https://taz.de/images/p/f2/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2/14/f2_abokacheln_heft38_mitpraemie2.webp" title="Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie &quot;Was wäre, wenn wir mutig sind?&quot; von Luisa Neubauer" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </div> <div> <h2> <span> taz FUTURZWEI im Abo entdecken </span> <span> Endlich mal ein Magazin für Zukunft </span> </h2> <div> <p> taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht). </p> <span> <ul> <li pos="1"><span></span>Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten</li> <li pos="2"><span></span>Nur 38 Euro im Jahr</li> <li pos="3"><span></span>Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“</li> <li pos="4"><span></span>Herausgegeben von Harald Welzer</li> </ul> </span> </div> <p> Jetzt abonnieren </p> </div> </a> </article> </section> <section> </section> </section><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226328/ 31 Oct 2026 08:25:00 +0100 Heike Holdinghausen und Anna Flörchinger <![CDATA[Überlebender des ersten NSU-Anschlags: Er redete mit den Wänden darüber, was passiert war]]> <img src="https://taz.de/picture/8833858/1200/42417837.jpeg" /><h1>Überlebender des ersten NSU-Anschlags: Er redete mit den Wänden darüber, was passiert war</h1><h2>By Aus Herrenberg Yağmur Ekim Çay</h2><p> Am 4. November 2011 enttarnte sich der „NSU“ selbst, nachdem er bereits viele Morde begangen hatte. Das erste Opfer bekam kaum Aufmerksamkeit: Serkan Yıldırım. </p><div> <div> <p pos="1">Dass Serkan Yıldırım das erste Opfer des <a href="http://www.taz.de//Nationalsozialistischer-Untergrund-NSU/!t5020499/">NSU-Terrors</a> war, wusste er sehr lange nicht. Es dauerte viele Jahre, bis er erfuhr, dass die Explosion, die er 1999 überlebte, ein rechtsextremistischer Anschlag war. Die Behörden, Rechts­an­wäl­t*in­nen und Jour­na­lis­t*in­nen wussten es vor ihm, während Yıldırım mit seinen offenen Fragen allein blieb.</p> <p pos="2">„Jahrelang habe ich zu Hause mit den Wänden darüber geredet, was 1999 passiert ist“, sagt Serkan Yıldırım. Kurz vor dem 15. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU sitzt er in einem Café am Herrenberger Hauptbahnhof. Immer wieder greift er zu einer kleinen Metallbox, holt eine Zigarette heraus und zündet sie an. „Wollen Sie auch?“, fragt er. Die Zigaretten hat er aus seinem Urlaub in der Türkei mitgebracht. Lächelnd erzählt er von der Reise und seinen „vier Babys“, die zu Hause auf ihn warten – den Katzen Rüzgar, Rüya, Pamuk und Gölge. „Wind, Traum, Baumwolle und Schatten.“ Dass Yıldırım heute wieder von Momenten der Geborgenheit und Freude in seinem Leben berichten kann, musste er sich hart erkämpfen.</p> <p pos="3">Yıldırım wuchs in Nürnberg als Kind einer alleinstehenden Mutter auf. Seine Eltern waren Arbeiter*innen. „Mit meinen zwei Geschwistern hatten wir alles, was wir brauchten.“ Als Baby wird bei ihm Leukämie diagnostiziert, einen Teil seiner Kindheit verbringt er in Krankenhäusern mit Chemotherapien. Erst mit neun Jahren besiegt er die Krankheit.</p> <div data-for="webelement_textbox" data-pos="3"> <section x-data="{isAccordion: false, showDetails: false}"> <div x-cloak="" x-show="isAccordion !== true || (isAccordion === true &amp;&amp; showDetails === true) "> <div> <div> <a href="https://taz.de/wochentaz-testen"> <figure id=""> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/1020/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/5905932/665/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/5905932/242/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" height="161" loading="lazy" src="https://taz.de/picture/5905932/14/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.webp" title="Illustration einer Ausgabe der wochentaz mit dem Titel „Egal war gestern“" type="image/webp"></img> </picture> </figure> </a> </div> <div> <p>wochentaz</p> <div> <div> <p>Dieser Text erschien zuerst in der <strong>wochentaz,</strong> unserer Wochenzeitung von links!</p> <p>In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <strong><a href="https://taz.de/wochentaz-testen" target="_blank">natürlich im Abo</a></strong>.</p> </div> </div> </div> </div> </div> </section> </div> <p pos="4">Im Juni 1999 ist er 18. „Ich habe es geschafft“, denkt er. Er will in die Selbstständigkeit starten, etwas Eigenes aufbauen, das sei sein Traum gewesen. Mit seinen Eltern übernimmt er das Café Sonnenschein in der Nähe des Nürnberger Hauptbahnhofs. „Das war kein Luxusladen“, erzählt er. „Reich geworden wäre ich dort nicht, aber für mich, in dem Alter, war es ein Erfolg.“</p> <h2 id="die-schwarze-taschenlampe" pos="5">Die schwarze Taschenlampe</h2> <p pos="6">Die Eröffnung des Cafés Sonnenschein am 22. Juni feiern sie mit vielen Menschen. Am nächsten Morgen kommt Yıldırım mit seiner Mutter zurück. Er will aufräumen, bevor die ersten Gäste kommen. Die Gläser und das Geschirr stehen noch herum. Seine Mutter überredet er, einkaufen zu gehen. „Gott sei Dank“, sagt Yıldırım. „Was hätte ich gemacht, wenn meiner Mutter das passiert wäre?“</p> <p pos="7">Auf der Toilette findet Yıldırım eine etwa 30 Zentimeter lange schwarze Taschenlampe, die er zuvor nie gesehen hat. Als er sie in die Hand nimmt, explodiert die Taschenlampe. Die Bundesanwaltschaft stellt später fest: Es handelte sich um ein langes Metallrohr, das an beiden Enden mit Verschlusskappen verschraubt und mit Schwarzpulver gefüllt war. Yıldırım hat Glück: Die Bombe war fehlerhaft zusammengebaut und explodierte deshalb nicht so stark wie erwartet. „Sonst wäre ich heute nicht am Leben“, sagt er.</p> <p pos="8">Die Explosion schleudert ihn bis zur Tür. Nach­ba­r*in­nen hören den Knall und kommen zu ihm. Kurz darauf verliert Yıldırım das Bewusstsein. Mehrere Wochen verbringt er mit schweren Verletzungen im Krankenhaus, bis heute zeugen Narben von diesem Tag. Noch am Abend des Anschlags beginnt die Kriminalpolizei Nürnberg mit den Ermittlungen, später übernimmt das Bayerische Landeskriminalamt.</p> <p pos="9">Yıldırım erlebt bei den Ermittlungen, was viele Angehörige von NSU-Opfern später auch durchmachen mussten: eine Täter-Opfer-Umkehr. Ermittelt wird in seinem Umfeld und Bekanntenkreis und nicht in der rechten Szene. Drogenhandel, Prostitution und Verschleierungsbetrug seien als mögliche Ermittlungsansätze genannt worden, erinnert er sich. „Das war armselig“, sagt Yıldırım. Er zieht an seiner Zigarette. 27 Jahre später klingt noch immer die Wut in seiner Stimme mit.</p> <h2 id="ermittlungen-bald-eingestellt" pos="10">Ermittlungen bald eingestellt</h2> <p pos="11">Wenige Monate nach dem Anschlag werden die Ermittlungen eingestellt, ein politischer Hintergrund wird ausgeschlossen. Dabei hatte die Polizei erst ein Jahr zuvor in einer als Bombenwerkstatt genutzten Garage des NSU-Trios in Jena Sprengstoff, Rohrbomben und rechtsextremes Propagandamaterial gefunden. Danach tauchten <a href="http://www.taz.de//NSU-Terroristin/!6225310/">Beate Zschäpe</a>, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos unter. Ob man den Rohrbombenanschlag in Nürnberg mit dem Fund in Jena hätte in Verbindung bringen können? Das schließen die Behörden heute aus.</p> <p pos="12">Ermittelt wird wegen fahrlässiger Körperverletzung. Als sei es kein gezielter Anschlag gewesen. Ein Zeuge aus dem Bereich der Generalbundesanwaltschaft 2022 beim zweiten NSU-Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag sagt, dass er „fahrlässige Körperverletzung jetzt nicht so naheliegend“ fand. Auch ein weiterer Ermittler findet, den Fall hätte man hochstufen müssen – als Mordversuch. Dadurch habe der Fall bei der Polizei auch längere Zeit keine hohe Priorität gehabt. Im Abschlussbericht des zweiten Untersuchungsausschusses des Landtags wird zudem festgehalten, das Verfahren hätte „etwa im Falle einer Suche nach weiteren unaufgeklärten Sprengstoff- oder Mordanschlägen bei den Staatsanwaltschaften überhaupt nicht gefunden werden können“.</p> <div data-for="picture" data-pos="12"> <figure id="lightbox--standard"> <a aria-haspopup="dialog" aria-label="Bild vergrößern" data-pswp-height="1500" data-pswp-width="1200" href="https://taz.de/picture/8833858/1200/42417842.webp" role="button"> <span aria-hidden="true"> </span> <picture> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (min-width: 650px) and (max-width: 1023px) and (-webkit-min-device-pixel-ratio: 1.5)" srcset="https://taz.de/picture/8833858/1020/42417842.webp" type="image/webp"></source> <source media="(max-device-aspect-ratio: 1/1) and (max-device-width: 550px)" srcset="https://taz.de/picture/8833858/665/42417842.webp" type="image/webp"></source> <source srcset="https://taz.de/picture/8833858/665/42417842.webp" type="image/webp"></source> <img alt="Porträt von Serkan Yildirim" height="831" src="https://taz.de/picture/8833858/14/42417842.webp" title="Porträt von Serkan Yildirim" type="image/webp"></img> </picture> </a> <figcaption> Serkan Yildirim Ende Oktober in Herrenberg <span x-text="isMobile ? ' ' : ''"></span> <p> Foto: Verena Müller </p> </figcaption> </figure> </div> <p pos="13">Die Angst prägt Yıldırıms Alltag. „Ich konnte nicht mehr auf die Straße gehen“, sagt er. Lange fällt es ihm sogar schwer, allein auf die Toilette zu gehen. Er entschließt sich, Nürnberg zu verlassen, die Stadt, in der er geboren und aufgewachsen ist, in der seine Familie und seine Freunde leben.</p> <p pos="14">Im Jahr 2004 zieht er in eine ländlichere Umgebung in die Nähe von Herrenberg in Baden-Württemberg. „Ich musste von null anfangen“, sagt er. Yıldırım muss Insolvenz beantragen. „Ich hatte in meiner Wohnung nur eine Matratze, einen Fernseher“, sagt der heute 46-Jährige. Er litt in diesen Jahren unter Depressionen und Angstzuständen. In Herrenberg fängt er an, wieder zu arbeiten, mal in einem Dönerladen, mal als Aushilfe. Einen eigenen Laden will er nicht mehr. Auch Vertrauen aufzubauen fällt ihm schwer. Als er seine jetzige Partnerin kennenlernt, kann er ihr zunächst nicht von dem Anschlag erzählen. „Ich hatte Angst, sie zu verlieren und ihr auch Angst zu machen.“</p> <h2 id="aufkl-rung-viele-jahre-sp-ter" pos="15">Aufklärung viele Jahre später</h2> <p pos="16">Im November 2011 enttarnt sich der NSU selbst. 2012 wird Carsten S. als Waffenlieferant des NSU-Trios festgenommen. Im Jahr darauf berichtet er vor dem Oberlandesgericht, von einem fehlgeschlagenen Anschlag von Mundlos und Böhnhardt mittels einer Taschenlampe in Nürnberg zu wissen. Noch am selben Tag stellen Jour­na­lis­t*in­nen fest: Das „Taschenlampenattentat“ war in Yıldırıms Café Sonnenschein. Die Generalbundesanwaltschaft leitet auch bezüglich dieser Tat ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Beate Zschäpe ein.</p> <p pos="17">Im Jahr 2013 laden Kriminalbeamte Yıldırım zu einem Termin ein. Der dauert mehrere Stunden, er muss mehrere Bilder aus den vielen Akten anschauen. Eine Person erkennt er dabei direkt: Susann Eminger. Er hat sie schon mal gesehen, weiß aber nicht, wo. Sie und ihr Ehemann André Eminger gehörten zum engsten Unterstützerkreis des NSU-Kerntrios. Sie gilt zudem als die engste Vertrauensperson und beste Freundin der verurteilten Rechtsextremistin Beate Zschäpe. Wen er auf dem Foto gesehen hat, das hätten ihm die Beamten damals nicht gesagt, sagt Yıldırım.</p> <div data-for="webelement_citation" data-pos="17"> <section> <p> <span></span> </p> <div><p> Ich bin auf die Seite geschoben worden, als ob ich nichts wert bin </p><p> Serkan Yıldırım </p> </div> </section> </div> <p pos="18">Bis er wirklich realisiert, dass er das erste Opfer des NSU-Terrors war, dauert es noch Jahre. 2018 erreicht ihn ein Brief von einem Journalisten des Bayerischen Rundfunks und einem Rechtsanwalt, der die Nebenklage im NSU-Prozess vertritt. Sie finden Yıldırım nach sehr langer Suche in Herrenberg. „Wissen Sie, wen Sie damals erkannt haben?“, fragen sie Yıldırım.</p> <p pos="19">Erst jetzt wird ihm klar, dass er Opfer rechtsextremen Terrors geworden ist. Einerseits ist er erleichtert, endlich zu wissen, was damals geschehen ist. Andererseits stellen sich ihm neue Fragen: „Warum ich? Was habe ich getan?“ Aus Angst bleibt er zunächst anonym und nennt sich Mehmet O., wenn er mit Medien spricht.</p> <h2 id="als-nebenkl-ger-ausgeschlossen" pos="20">Als Nebenkläger ausgeschlossen</h2> <p pos="21">Später wird Yıldırım als Nebenkläger aus dem NSU-Prozess ausgeschlossen. Als Begründung werden „verfahrensökonomische Gründe“ angeführt: Beate Zschäpe war bereits zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden, die besondere Schwere der Schuld war festgestellt worden.</p> <p pos="22">Zuletzt gab es vor dem Oberlandesgericht Dresden das Verfahren gegen die NSU-Unterstützerin Eminger. Wieder wird Yıldırım nicht als Nebenkläger zugelassen. Damit konnte Yıldırım bis heute bei keinem Prozess aussagen, außer im zweiten Untersuchungsausschuss in Bayern 2022. „Ich bin einfach auf die Seite geschoben worden, als ob ich nichts wert bin“, sagt Yıldırım. Es würde ihm auch nichts nützen, wenn man ihn jetzt als Opfer anerkennt und Mitleid zeigt. „Die haben meine Psyche kaputt gemacht“, sagt Yıldırım. Ärztliche Hilfe musste er sich selbst suchen. Bis auf die 13.000 Euro Entschädigung habe er keine weitere Unterstützung erhalten.</p> <p pos="23">Erst seit 2025 geht Yıldırım mit seinem Namen an die Öffentlichkeit. Er arbeitet heute im Bereich Lebensmittelverpackung als Helfer. Yıldırım kämpft weiterhin mit seiner Gesundheit, denn er hatte neben den psychischen Problemen auch zweimal einen Gehirntumor, einer ist noch da. Trotz allem sagt Yıldırım: „Çok şükür“. Gott sei Dank. Es hätte alles schlimmer kommen können. Heute erzählt er in Schulen seine Geschichte, das mache ihm Mut. <a href="http://www.taz.de//Dokuzentrum-fuer-rechten-Terror/!6197928/">„Die Gesellschaft muss wissen, was uns passiert ist“, sagt er</a>.</p> <p pos="24">Am meisten hilft ihm der Kontakt zu Hinterbliebenen. Vor wenigen Jahren lernt Yıldırım bei einer Veranstaltung in Nürnberg Hinterbliebene der Familien Şimşek und Taşköprü kennen. Sie beschließen spontan, noch einmal ins Café Sonnenschein zu gehen, gemeinsam mit vielen anderen. Es ist das erste Mal, das Serkan Yıldırım wieder dort ist. Es habe ihn Überwindung gekostet, aber umso größer sei die Erleichterung gewesen.</p> <p pos="25">„Alle sind mitgekommen, gemeinsam haben wir einen schönen Abend gehabt und gefeiert“, sagt Yıldırım. „Diesen Abend werde ich nie vergessen.“ Die Hinterbliebenenfamilien hätten ihm geholfen, wieder Vertrauen zu anderen zu fassen. Aber zum deutschen Staat? „Wie soll man dem Staat dann noch weiter glauben?“, fragt er.</p> <p pos="26">Vor wenigen Monaten hat Yıldırım in der Türkei geheiratet, erzählt er stolz. Nun hofft er, irgendwann mit seiner Frau in die Türkei ziehen zu können. „Vielleicht machen wir dann dort einen kleinen Laden auf.“</p> </div> </div><div> <div> <p>Gemeinsam für freie Presse</p> <p> Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. 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Aber es gibt noch keinen Liefertermin. </p><div> <div> <h2 id="us-regierung-billigt-patriot-verkauf-selenskyj-warnt-vor-langen-lieferfristen" pos="1">US-Regierung billigt Patriot-Verkauf – Selenskyj warnt vor langen Lieferfristen</h2> <p pos="2">Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat grünes Licht für den Verkauf von 500 Patriot-Abfangraketen an die Ukraine gegeben. „Der vorgeschlagene Verkauf wird die Fähigkeit der Ukraine verbessern, aktuellen und zukünftigen Bedrohungen zu begegnen, indem er ihre integrierten Luft- und Raketenabwehrkapazitäten stärkt“, erklärte das US-Außenministerium am Freitag in Washington. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte die Entscheidung, warnte jedoch vor einem Lieferbeginn erst in einigen Jahren.</p> <p pos="3">Der geplante Verkauf hat nach US-Angaben einen Wert von zwei Milliarden Dollar (knapp 1,8 Milliarden Euro) und wird noch vom US-Kongress geprüft. Einen Liefertermin nannte Washington nicht. Mit dem Geschäft verfolgten die USA auch eigene Interessen, wie das Außenministerium erklärte: „Dieser geplante Verkauf wird die außenpolitischen und nationalen Sicherheitsziele der Vereinigten Staaten unterstützen, indem er die Sicherheit eines Partnerlandes verbessert, das eine wichtige Stütze der politischen und wirtschaftlichen Stabilität in Europa ist.“</p> <p pos="4">Selenskyj sprach am Freitagabend im Onlinedienst X von einer „starken Entscheidung des US-Außenministeriums“. Allerdings könnten die Lieferungen „erst in einigen Jahren“ beginnen. „Wir bitten unsere amerikanischen Partner, eine Lösung für die Zeit zu finden, in der wirklich Gefahr besteht und PAC-3-Abfangraketen gebraucht werden“, erklärte Selenskyj. Er schlug vor, dass die USA und europäische Verbündete zunächst Raketen aus ihren Beständen an die Ukraine abgeben und diese später durch die neu bestellten Waffen ersetzen.</p> <p pos="5">Die Patriot-Abfangraketen sind für die Ukraine besonders wichtig, um russische ballistische Raketen abzuwehren. Kiew beklagt seit Wochen schwindende Vorräte. Am Mittwoch hatte Selenskyj erklärt, sein Land werde 2026 durchschnittlich nur zwölf Patriot-Raketen pro Monat erhalten. Zudem gebe es einen „erheblichen Mangel“ an Abfangraketen für das norwegische Nasams-System. Bezahlt werden soll der neue Kauf laut US-Außenministerium mit Beiträgen Deutschlands, Kanadas und Norwegens sowie mit ukrainischen Mitteln aus einem Darlehen der Europäischen Union. „Es werden keine US-Mittel eingesetzt“, hieß es aus Washington.</p> <p pos="6">Seit Trumps Amtsantritt Anfang 2025 haben die USA ihre direkten Militärhilfen für die Ukraine eingestellt. Über den sogenannten Purl-Mechanismus können Nato-Staaten und andere Verbündete jedoch Waffenpakete im Wert von jeweils 500 Millionen Dollar in den USA für Kiew kaufen. Deutschland beteiligte sich bereits an drei solchen Paketen und sagte im Juni weitere 200 Millionen Dollar für ein Waffenpaket sowie zusätzlich 200 Millionen Dollar für Patriot-Abfangraketen zu.</p> <p pos="7">Bereits am 20. Oktober hatte Selenskyj den USA vorgeworfen, die Lieferung von Raketen zu verzögern, die europäische Partner über Purl „bereits bezahlt“ hätten. Für eine Lieferung fehle noch die Unterschrift von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Auch europäische Staaten, die Patriot-Raketen aus ihren Beständen abgeben wollten, warteten nach seinen Angaben auf die Genehmigung aus Washington. „Die Raketen sind einsatzbereit. Sie könnten bereits in der Ukraine sein“, sagte Selenskyj damals. „Aber leider ist die <em>(afp)</em></p> <h2 id="russland-ukrainische-oleschky-fl-chtlinge-ausgeflogen" pos="8">Russland: Ukrainische Oleschky-Flüchtlinge ausgeflogen</h2> <p pos="9">Die aus der von Moskaus Truppen besetzten Frontstadt Oleschky geretteten Menschen sind nach russischen Militärangaben aus der Schwarzmeer-Stadt Anapa ausgeflogen worden. Sie würden in russischen Militärmaschinen gemeinsam mit dem ukrainischen <a href="http://www.taz.de//Politiker-faehrt-nach-Oleschky/!6226014/">Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez</a> nach Gomel in Belarus gebracht, teilte das Verteidigungsministerium am Morgen mit. Von dort aus reisen sie demnach weiter in die Ukraine.</p> <p pos="10">Zur Zahl der <a href="http://www.taz.de//Humanitaere-Hilfe-in-der-Ukraine/!6226127/">am Vortag bei der Evakuierung aus Oleschky Geretteten</a> gab es weiter keine konkreten Angaben. Dem Vernehmen nach verließen mehr als 200 Menschen die Stadt in dem von Russland annektierten Gebiet Cherson in Richtung Ukraine. Dutzende Menschen hatten sich für eine Ausreise in von Russland kontrollierte Gebiete entschieden. Die Menschen hatten nach russischen und ukrainischen Angaben die Wahl, sich für die Ausreise oder den Verbleib in der Trümmerstadt Oleschky zu entscheiden. Dutzende Flüchtlinge wurden vorübergehend in Simferopol auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim untergebracht vor der Weiterreise.</p> <p pos="11">Mehr als 1.000 Menschen könnten noch in der von der Außenwelt abgeschotteten Stadt leben. Oleschky hatte vor dem Krieg rund 24.000 Einwohner. Die extrem verminte und mit vielen Panzersperren bestückte Region ist abgeriegelt vom russischen Militär. Als besonders gefährlich gelten die ukrainischen Drohnenangriffe in dem Gebiet. Der ukrainische Beauftragte Lubinez und seine russische Kollegin Jana Lantratowa hatten die Evakuierung am Freitag persönlich begleitet. Sie dankten der US-First-Lady Melania Trump für die Vermittlung einer mehrtägigen Waffenruhe und stellten mögliche weitere humanitäre Aktionen für notleidende Menschen in Frontstädten in Aussicht. Die Waffenruhe für das Gebiet Cherson, das teils von Russland, teils von der Ukraine kontrolliert wird, endet am Sonntagabend. <em>(dpa)</em></p> <h2 id="russland-zwei-tote-bei-ukrainischem-drohnenangriff-in-region-brjansk" pos="12">Russland: Zwei Tote bei ukrainischem Drohnenangriff in Region Brjansk</h2> <p pos="13">Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der russischen Grenzregion Brjansk sind den Behörden zufolge zwei Menschen getötet worden. Fünf weitere Personen seien bei ‌dem Einschlag der Drohne in einem Wohnhaus ⁠in der Ortschaft Klimowo verletzt worden, teilte die Regionalverwaltung mit. Das russische ‌Militär ‌habe ⁠in den vergangenen 24 Stunden 29 ukrainische ‌Drohnen über ‌der Region abgeschossen. <em>(rtr)</em></p> <h2 id="g20-au-enministertreffen-kein-ende-der-eiszeit-mit-russland" pos="14">G20-Außenministertreffen: Kein Ende der Eiszeit mit Russland</h2> <p pos="15">Gut sechs Wochen vor dem G20-Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer zeichnet sich kein Ende der Eiszeit zwischen europäischen Mitgliedsländern und Russland ab. Laut Russlands Außenminister Sergej Lawrow gibt es auch in den Beziehungen zwischen Moskau und Washington keine Entspannung. „In der Praxis sind bislang keine wirklichen Fortschritte in den Beziehungen zu den USA zu erkennen. Man sollte sich keine Illusionen hinsichtlich des Diesel-Deals machen“, sagte Lawrow am Rande des G20-Außenministertreffens in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Anfang Oktober hatten US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin Diesellieferungen aus Russland in die USA vereinbart, wofür Washington bestehende Sanktionen gegen Moskau vorübergehend aussetzte. Der Deal löste international scharfe Kritik aus – von der EU, der Ukraine, der Bundesregierung und auch aus Teilen des US-Kongresses.</p> <p pos="16">Lawrow kritisierte mit Blick auf Washington, die grundlegenden Fragen würden nicht gelöst, Sanktionen dauerten an, alle früheren US-Sanktionen des damaligen Präsidenten Joe Bidens würden fortgeführt und es werden zusätzliche Sanktionen gegen die Ölgiganten Lukoil und Rosneft verhängt. Mit Blick auf die nach Kreml-Andeutungen Mitte November in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinten Arabischen Emiraten, geplanten Beratungen der Ukraine, der USA und Russlands zu einer Fortsetzung der seit Monaten unterbrochenen Gespräche über eine mögliche Friedenslösung kritisierte Lawrow die Europäer: „Sie versuchen, sich in den Friedensverhandlungsprozess in der Ukraine einzumischen.“</p> <p pos="17">Gleichzeitig übte Lawrow scharfe Kritik an seinem deutschen Kollegen Johann Wadephul (CDU), dem er „Familienfoto-Diplomatie“ vorwarf. „Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto aussehen und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles“, rügte er. US-Außenminister Marco Rubio hatte das sonst oft übliche gemeinsame „Familienfoto“ aller Teilnehmer der Runde abgesagt, nachdem es offenbar vor allem von europäischen Mitgliedsländern scharfe Kritik daran gegeben hatte. Unter anderem hatte sich der von Rubio als einziger Gast zur G20-Runde geladene polnische Außenminister Radoslaw Sikorski laut einem Bericht des polnischen Rundfunks gegen ein solches Foto mit Lawrow ausgesprochen. Er sei dabei allerdings nicht der Einzige gewesen, sagte Sikorski demnach. Wadephul hatte bereits kurz vor Beginn der G20-Beratungen gesagt: „Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind.“ Im ZDF sagte der Bundesaußenminister am Abend, der Begriff „Familienfoto“ erwecke „das Gefühl von Eintracht, dass man zueinander gehören würde. Und eine solche Familie sind wir nun mit Russland zum jetzigen Zeitpunkt wirklich nicht.“</p> <p pos="18">Die Beratungen in Atlanta seien mit einigen Teilnehmern kontrovers, es herrsche aber ein sachlicher Ton, der dem Ernst der Lage gerecht werde, ergänzte Wadephul. „Alle merken, alle wissen, dass die Welt in einer außerordentlich kritischen Situation ist“ und dass es die Aufgabe der G20 sei, „alles zu versuchen, Konflikte und Krisen zu entschärfen“. Anders als Putin war Lawrow zuletzt regelmäßig bei G20-Treffen zu Gast. In der Runde ist Russland zwar offiziell noch Mitglied, Putin nahm allerdings zuletzt 2019 physisch an einem Gipfeltreffen teil. Der G20-Gruppe gehören 19 Staaten sowie die Europäische Union und die Afrikanische Union an. <em>(dpa)</em></p> <h2 id="russland-selenskyjs-u-erungen-erschweren-neue-gespr-che" pos="19">Russland: Selenskyjs Äußerungen erschweren neue Gespräche</h2> <p pos="20">Russlands ‌Außenminister Sergej Lawrow hat ‌die Haltung seiner Regierung im Ukraine-Konflikt als unverändert bezeichnet. Die Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Angriffen auf russische Ziele seien für die Vorbereitung neuer Gespräche nicht hilfreich, sagte Lawrow laut russischen Nachrichtenagenturen am Rande eines G20-Treffens in Atlanta. Zudem seien ‌grundlegende Probleme in den Beziehungen zu den USA ungelöst, da die Sanktionen gegen Moskau in Kraft blieben und weiterhin Waffen an Kiew geliefert würden.</p> <p pos="21">Sowohl Russland als auch die Ukraine hatten sich zu weiteren trilateralen Gesprächen mit den USA bereit erklärt. Selenskyj hatte diese Woche gesagt, er hoffe auf ein trilaterales Treffen von Unterhändlern vom 6. bis 10. November in Abu ‌Dhabi. Kiew wolle zudem, dass Europa in die Friedensgespräche einbezogen werde.</p> <p pos="22">Lawrow sagte, die Position Russlands sei „seit Beginn der militärischen Spezialoperation unverändert“. ⁠Moskau könne nicht hinnehmen, dass die Ukraine eine „militärische Bedrohung für die legitimen Sicherheitsinteressen der Russischen Föderation“ sei. Als Beispiel für die fortgesetzte US-Unterstützung verwies er auf ‌die Ankündigung ‌des US-Außenministeriums vom Freitag, den Verkauf von ⁠500 Patriot-PAC-3-Raketen an die Ukraine genehmigt zu haben. Beim G20-Treffen verzichteten die Außenminister auf das traditionelle ‌Gruppenfoto. Einige machten deutlich, ‌dass sie es ablehnten, sich mit Lawrow zusammen fotografieren zu lassen. <em>(rtr)</em></p> <h2 id="un-menschenrechtskommissar-best-rzt-ber-schlie-ung-der-russischen-zeitung-nowaja-gaseta-" pos="23">UN-Menschenrechtskommissar „bestürzt“ über Schließung der russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“</h2> <p pos="24">UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat <a href="http://www.taz.de//Aus-fuer-russische-Nowaja-Gaseta/!6226297/">die Schließung der russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“</a> als „verheerenden Schlag“ für unabhängige Medien im Land bezeichnet. Er sei „zutiefst besorgt“ und „bestürzt“, dass die Zeitung „gezwungen“ werde, die Arbeit einzustellen, erklärte Türk am Freitag. Schon seit vielen Jahren sei unabhängiger Journalismus in Russland „zunehmenden „Einschränkungen und Druck“ ausgesetzt. Seit Russlands Invasion in die Ukraine seien die Restriktionen noch „deutlich intensiviert“ worden.</p> <p pos="25">Am Freitag hatte Chefredakteur Sergej Sokolow bekannt gegeben, dass die Zeitung angesichts des Drucks der russischen Behörden ihre Arbeit vollständig einstelle. Sie müsse ihre Räumlichkeiten ab dem 9. November verlassen. Der Gründer der Zeitung und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow bezeichnete die Schließung als Teil von Moskaus „gigantischer Militäroperation“ in der Ukraine. Medienrechtsorganisationen reagierten mit Bestürzung auf den Schritt. <em>(afp)</em></p> <h2 id="selenskyj-k-ndigt-wichtige-gespr-che-in-der-t-rkei-an" pos="26">Selenskyj kündigt „wichtige“ Gespräche in der Türkei an</h2> <p pos="27">‌Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angekündigt, er werde im Rahmen diplomatischer Bemühungen nach mehr als viereinhalb Jahren Krieg mit Russland „wichtige“ Gespräche in der Türkei führen. In seiner abendlichen Videoansprache deutete Selenskyj an, die Gespräche stünden mit der Wiederaufnahme der Verhandlungen im nächsten Monat in Verbindung, die auf eine Lösung des Konflikts abzielten. „Wichtige Verhandlungen werden in der Türkei stattfinden. Wir arbeiten auch daran, alle verfügbaren diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen“, sagte Selenskyj. „Wir gehen davon aus, dass wir im November in der Lage sein werden, zu den Formaten überzugehen, die schon so lange diskutiert werden.“</p> <p pos="28">Der Kommunikationschef des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erklärte auf der Plattform X, dass Selenskyj Erdogan am Samstag in Istanbul treffen werde. Der ukrainische Präsident hatte diese Woche die Hoffnung geäußert, dass ein trilaterales Treffen von Unterhändlern der Ukraine, Russlands und der USA zwischen dem 6. und 10. November in Abu Dhabi stattfinden könne. Er wünsche sich zudem, dass Europa in die Gespräche einbezogen werde. Die Türkei wiederum hat mehrfach ihre Unterstützung bei der Vermittlung von Gesprächen zur Beendigung des Krieges angeboten. <em>(rtr)</em></p> <h2 id="klitschko-russische-angriffe-auf-infrastruktur-in-kiew" pos="29">Klitschko: Russische Angriffe auf Infrastruktur in Kiew</h2> <p pos="30">Russische Streitkräfte haben nach Angaben des Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, erneut die ukrainische Hauptstadt angegriffen. Ziel sei die Infrastruktur gewesen, teilte Klitschko auf Telegram mit. In vier Bezierken der Stadt sei zum Teil der Strom ausgefallen, erklärte zudem der Energieversorger DTEK. <em>(rtr)</em></p> <h2 id="russischer-au-enminister-lawrow-hatte-angenehmes-gespr-ch-mit-rubio-in-atlanta" pos="31">Russischer Außenminister Lawrow: Hatte „angenehmes“ Gespräch mit Rubio in Atlanta</h2> <p pos="32">Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte nach eigenen Worten ein „angenehmes“ Gespräch mit seinem US-Kollegen Marco Rubio am Rande des G20-Außenministertreffens in den Vereinigten Staaten. „Wir haben ein angenehmes Gespräch geführt, wenn auch ein kurzes, weil er aus verständlichen Gründen als Gastgeber viele Pflichten hat“, sagte Lawrow am Freitag vor Journalisten. Rubio hatte Lawrow zu dem Treffen in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia eingeladen. Hintergrund des Treffens der beiden Außenminister ist die Annäherung von US-Präsident Donald Trump an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. <em>(afp)</em></p> <h2 id="selenskyj-russland-greift-weiter-den-energiesektor-an" pos="33">Selenskyj: Russland greift weiter den Energiesektor an</h2> <p pos="34">Die russischen Streitkräfte setzen die Angriffe gegen den ukrainischen Energiesektor nach Regierungsangaben aus Kiew unvermindert fort. „Leider gibt es jeden Tag Treffer in der Energieinfrastruktur, sehr viele Schäden; die russische Operation gegen unsere Stromerzeugung, gegen unsere Netze und gegen die Stromverbindungen dauert an“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Vielerorts seien die Notdienste im Einsatz, um die Versorgung wiederherzustellen.</p> <p pos="35">Dennoch sorgten weitere russische Angriffe immer wieder für Unterbrechungen der Arbeiten sowie für neuen Stromausfall. „Die Russen haben keinen einzigen Schritt zur Deeskalation im Energiesektor unternommen“, sagte Selenskyj.</p> <p pos="36">Die Ukraine baue unterdessen ihre Kapazitäten für Fernangriffe ihrer Kampfdrohnen aus. „Russische Anlagen auf der Linie von der Jamal-Halbinsel bis tief nach Westsibirien hinein sind inzwischen in Reichweite unserer Fernkampfdrohnen“, berichtete Selenskyj auf Facebook. Er kündigte zugleich den Ausbau dieser Fernkampfeinheiten an. „Die ukrainischen Fernkampf-Kapazitäten gehören zu den echten Garanten unserer Unabhängigkeit in diesem Krieg, und sie werden auch nach dem Krieg unsere langfristige Sicherheitsgarantie bleiben.“ <em>(dpa)</em></p> <h2 id="kanada-will-sich-an-milliarden-darlehen-der-eu-f-r-die-ukraine-beteiligen" pos="37">Kanada will sich an Milliarden-Darlehen der EU für die Ukraine beteiligen</h2> <p pos="38">Kanada will sich an den Kosten eines 90-Milliarden-Euro-Kredits der Europäischen Union für die Ukraine beteiligen. Das kündigte Ottawa nach dem zweitägigen EU-Kanada-Gipfel in Montreal am Freitag an. Konkrete Details zu der Beteiligung wurden zunächst nicht bekanntgegeben. Der Schritt ist ein Symbol für die immer engere Annäherung zwischen Kanada und der EU. Beide Seiten unterzeichneten am Freitag mehrere Abkommen, mit denen sie ihre Zusammenarbeit in strategischen Bereichen wie Rohstoffen und künstlicher Intelligenz vertiefen wollen.</p> <p pos="39">Brüssel hat der Ukraine für 2026 und 2027 einen Kredit über 90 Milliarden Euro gewährt. Damit soll Kiew in die Lage versetzt werden, Haushaltslöcher zu schließen und Waffen zu kaufen – vorzugsweise in Europa. Finanziert wird das Darlehen über einen Kredit, den die EU über ihren Haushalt absichert. Auch die Zinsen in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sollen aus dem EU-Budget bezahlt werden. An diesen Kosten könnte Ottawa sich beteiligen und dafür in den Kreis der Länder aufgenommen werden, die bei der Vergabe von ukrainischen Rüstungsaufträgen bevorzugt zum Zug kommen sollen. Eine ähnliche Abmachung hat Großbritannien mit der EU in Bezug auf den Milliardenkredit getroffen. <em>(afp)</em></p> </div> </div><br><span style='font: #ff0000'>Generated by <a href='https://github.com/andreskrey/readability.php'>Readability.php</a>.</span> https://taz.de/!6226329/ 31 Oct 2026 09:00:00 +0100